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Stichwort: Aspirin für's Pferd

Eine altbewährte Säure, die Pferden helfen kann

Aspirin kann auch hartnäckigen Pferdehusten erfolgreich in den Griff bekommen

Von Dr. Stefan Brosig

Vor allem in den Jahren 2002 bis 2005 bot pferdeglueck.de dem Chemiker und Pferdefreund Dr. Stefan Brosig die Gelegenheit, erstmals in redaktioneller Aufbereitung seine Abhandlungen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu veröffentlichen. Auch dieser Archiv-Beitrag stammt aus dieser Zeit.

Vor geraumer Zeit habe ich bei meinem 17-Jährigen Vollblutwallach eine neue Erkenntnis aus der Humanmedizin ausprobiert, die sich bei Pferden als vielseitig verwendbar erweisen könnte. Es wurde nämlich neuerdings überraschenderweise (nach über 100 Jahren!) von Wissenschaftlern gefunden, dass Aspirin beziehungsweise sein Wirkstoff Acetylsalicylsäure, Infektionen mit dem Bakterium Staphylococus aureus bekämpft, wobei es nicht nur die Symptome der Entzündung bekämpft, sondern direkt in den krankmachenden Stoffwechsel des Erregers eingreift (Journal of Clinical Investigations, Bd.112, S.222)!

Dies wird von Wissenschaftlern mindestens als kleine Sensation betrachtet, denn der Erreger Staphylococcus aureus ist der Auslöser für viele schwerwiegende Entzündungen wie beispielsweise Herzinnenhautentzündung, bestimmte Formen der Lungenentzündung, Knochenmarksentzündungen, Abszesse und Blutvergiftung. Bisher ließen sich diese Krankheiten nur mit starken Antibiotika behandeln, die bei den Patienten z. T. extreme Nebenwirkungen hervorrufen. Mit dem Einsatz von Aspirin hoffen die Wissenschaftlern, die Gefahr der Bildung resistenter Staphylococcus-Bakterien beispielsweise in Krankenhäusern eindämmen zu können. Auch Patienten, die schon an resistenten Formen solcher Bakterien leiden, könnten erfolgreich behandelt werden!

Das aus Aspirin (Acetylsalicylsäure, ASS) entstehende Stoffwechselprodukt Salicylsäure unterdrückt sowohl die Anlagerung der Bakterien als auch die Bildung eines bakteriellen Giftstoffs, der Blutzellen zerstört. Eine solche Therapie wäre für Patienten deutlich weniger belastend als die bisherige Antibiotika-Therapie, da Aspirin im Gegensatz zu vielen Antibiotika im allgemeinen gut verträglich ist, meinen die Wissenschaftler. Da mein Vollblutwallach (ungefähr 400 Kilo Lebendgewicht) im Sommer öfters an Husten leidet, von dem ich schon seit längerer Zeit den Verdacht hegte, dass er durch Bakterien mitverursacht wird, die durch einen Riss im Huf in den Körper gelangen und dort verschleppt werden, habe ich ihm einfach vier Tabletten von je 500 Milligramm ins Futter gegeben, zwei morgens, zwei abends. (Der Riss im Huf bildet sich gerne im Sommer aufgrund einer Fehlstelle im Hufbein, die vermutlich von einem früheren Hufgeschwür stammt.) Schon am nächsten Tag war der Husten weg!

Aspirin-Flasche
Seit Hunderten von Jahren bewährt und trotzdem noch heute immer wieder für neue Überraschungen gut: Aspirin.

Ich habe daraufin die Acetylsalicylsäure in der genannten Konzentration über vier Wochen gefüttert, um die Bakterien wirklich auszulöschen und keine Resistenzen aufkommen zu lassen. Vermutlich hätten auch zwei Wochen genügt, wie bei gewöhnlichen Antibiotika üblich. Die vier Wochen schienen ihm nichts ausgemacht zu haben, doch muss man gemäß Aussage meines Tierarztes aufpassen, falls er nicht mehr richtig frisst, da es natürlich nicht gerade magenfreundlich ist. Tierärzte verordnen Aspirin gegen Entzündungen beim Pferd in einer Dosis von sechs Tabletten a 500 Milligramm pro Tag. Da mein Pferd leichter ist als das durchschnittliche Warmblut, entspricht das der gleichen Dosierung pro Körpergewicht wie bei meiner antibakteriellen Behandlung. (An der Dosis erkennt man, dass auch beim Aspirin die Wirkung beim Pferd gewichtsbezogen deutlich besser ist als beim Menschen, denn der Mensch erhält bei seinem deutlich geringeren Körpergewicht fast die gleiche Menge an Tabletten.)

Ich glaube übrigens gar nicht, dass Aspirin für Pferde besonders schädlich ist, denn der eigentliche Wirkstoff Salicylsäure kommt auch in der Natur häufig vor. Außer in der Weide, die lateinisch salix heißt, und der Salicylsäure ihren Namen gab, auch noch zum Beispiel im Mädesüß (Spiraea ulmaria, daraus ist der Name Aspirin abgeleitet), im Kraut von Stiefmütterchen, in den Pappeln und im Wintergrün. Weiterhin wird er von Pflanzen als Schutz bei Insektenfraß gebildet. Das mag einer der Gründe sein, weshalb Bio-Produkte gesünder sind als solche, die mit Insektiziden gegen einen Befall behandelt wurden, denn die gesundheitsfördernde Wirkung von Aspirin in kleiner Dosierung bei Herzerkrankungen ist auch eine der wichtigen Erkenntnisse der letzten zehn Jahre.

Es spricht daher meines Erachtens nichts dagegen, bei Husten erst einmal selber mit Aspirin zu behandeln, u. U. in Kombination mit Hustentee, um den Schleim zu entfernen. Sollte der Husten nach drei Tage dann noch nicht verschwunden sein, ist aber ein Tierarzt heranzuziehen! Auch bei Einschuss bietet sich meines Erachtens erst einmal eine Behandlung mit Aspirin an. (In schwächeren Fällen hilft hier auch der magenfreundliche Ingwer, der jedoch nur die Entzündung herunterdämpft und nicht die Keime bekämpft. Den Ingwer hatte ich natürlich auch als erstes gegen den Husten ausprobiert, doch hatte er hier keinen Erfolg. Seine Wirkung scheint sich auf Schmerz- und Entzündungshemmung, Durchblutungsförderung und langfristig als Verjüngungsmittel zu beschränken. Das ist weiß Gott schon mehr als man je erwartet hätte! Übrigens wurde gerade bei einem sehr prominenten Pferd mit einer Ingwerbehandlung begonnen!)

 
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