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Stichwort: Pferd und Meerrettich (1.Teil)

Muss es immer gleich ein Antibiotikum sein?

Kann Meerrettich ein sanfter "Infektionskiller" sein?

Von Dr. Stefan Brosig

Vor allem in den Jahren 2002 bis 2005 bot pferdeglueck.de dem Chemiker und Pferdefreund Dr. Stefan Brosig die Gelegenheit, erstmals in redaktioneller Aufbereitung seine Abhandlungen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu veröffentlichen. Auch dieser Archiv-Beitrag stammt aus dieser Zeit.

Wie bereits öfters erwähnt, hat Ingwer (nach bisherigem Ermessen) nur eine einzige Schwachstelle: Infektionen. Er wirkt nach meinen Beobachtungen zumindest in den von mir angewendeten Mengen nicht antibakteriell oder antiviral. Ingwer unterdrückt Entzündungen, die von Erregern stammen und kann so unter Umständen einige Zeit eine Infektion verschleiern, ohne selbst die Erreger zu bekämpfen. Wenn der Körper über genügend Immunstärke verfügt, macht das normalerweise nichts: Der Körper beseitigt die Infektion dann nach einer Weile von selbst, ohne dass man von ihr überhaupt etwas mitbekommen hätte.

Ist der Körper immunschwach, so kann es dazu kommen, dass Keime sich vermehren. Dies erkennt man dann daran, dass der Ingwer auch bei höherer Dosis nicht funktioniert oder Symptome (z.B. Schwellungen) sich schließlich sogar deutlich verschlimmern. Von allen entzündungshemmenden Stoffen ist darüber hinaus auch bekannt, dass sie die Immunabwehr etwas drosseln, so dass unerkannte Infektionen bei immunschwachen Tieren bei Gabe von Entzündungshemmern erst "herauskommen". Dies könnte daher auch bei Ingwer der Fall sein, der über einen ähnlichen Wirkungsmechanismus verfügt. Treten bei der Anwendung von Ingwer Schwierigkeiten auf, sollte man zuallererst also an eine unerkannte Infektion als Ursache denken.

Üblicherweise kann man solche Infektionen vom Tierarzt mit Antibiotika behandeln lassen. Das Problem ist dann meist schnell gebannt. Da aber Antibiotika-Gaben teuer und auch nicht nebenwirkungsfrei sind, wünscht man sich eigentlich, ähnlich wie Ingwer bei Entzündungen, ein natürliches Antibiotikum zur Behandlung bei Pferden. Üblicherweise wird als bestes Analogon zum käuflichen Antibiotikum der Knoblauch genannt, bzw. ein Wirkstoff daraus, das Allicin, das erst bei der Zerstörung der Pflanzenzellen entsteht und unbeständig ist. Nach klassisch-medizinischer Meinung ist Allicin allerdings 20 mal weniger wirksam als die Antibiotika des Tierarztes.

Die pralle Gesundheit aus dem Erdreich: Seit vielen Generationen geschätzt: Der Meerrettich.

Nach meinen Erfahrungen (und denen von sehr vielen Anderen!) mit Ingwer muss man sich aber die Frage stellen, ob das wirklich stimmt. So wie es für Ingwer eine Schwellmenge gibt, ab der schlagartig eine starke entzündungs- und schmerzhemmende Wirkung einsetzt, so könnte dies auch für andere Naturheilmittel gelten, die schließlich ebenfalls aus viel mehr als nur einem einzigen Wirkstoff bestehen! Agonisten (Wirkstoffe) könnten durch Antagonisten (Gegenspieler) bis zu einer bestimmten Schwellmenge noch heruntergeregelt sein und eine fehlende oder geringe Wirksamkeit vortäuschen, die sich dann erst bei Überschreiten dieser bestimmten Menge ganz plötzlich offenbart! Es könnte sein, dass diese Schwellmenge nur noch nie erreicht und überschritten wurde, weil das langsame Erhöhen der Dosis zuvor noch keine große Wirkung zeigte (wie beim Ingwer auch)!

Knoblauch in hohen Dosen zu verabreichen, ist nun aber nicht gerade Jedermanns Sache und macht den Anwender geradezu "asozial" (zumindest sehr einsam!). Von einer Internetforumsteilnehmerin wurde ich auf frisch geriebenen Meerrettich als Schleimlöser bei Husten aufmerksam gemacht. Das erinnerte mich daran, dass Meerrettich, so wie Knoblauch, ebenfalls über antibakteriell wirksame Substanzen (sowohl gegen gram-negative wie gram-positive Bakterien) verfügt. Gegenüber Knoblauch hat er aber den großen Vorzug, keinen Geruch zu verbreiten. (Er reizt allerdings beim Reiben die Augen und die Nase.)

Ich habe in der Zwischenzeit den Meerrettich (frisch gerieben) mit Erfolg bei Infektionen im Maulbereich eingesetzt, die aufgrund der Zahnprobleme (ihm fehlen schon 5 Zähne!) meines alten Wallachs (34 - Anmerkung d. Redaktion: Waran starb 2006 im biblischen Alter von 35 Jahren) auftraten. Im Oktober 2004 musste ihm ein Wackelzahn gezogen werden, daraufhin bekam er 7 Tage lang Antibiotika, die ihm sehr gut taten. Nach etwa 6 Wochen begann er aber trotzdem wieder abzunehmen, obwohl er weiterhin ungefähr die gleiche Heumenge fraß. (Der Zahn war nämlich nicht ganz heraus, ein Teil der Wurzel steckte doch noch im Kiefer!) Vermutlich kostete ihn eine Zahninfektion Energie. (Mehr Heucobs wollte ich nicht füttern, gefressen hätte er sie schon!)

Ich gab daher zuerst versuchsweise Meerrettich und daraufhin nahm er wieder zu. Ich habe dann aber doch versucht, die Ursache zu finden und die Tierärztin geholt, die daraufhin diesen Zahnwurzelrest entdeckte und ihn im Januar entfernte, wodurch erneut ein Loch im Kiefer entstand. Diesmal hatte ich allerdings nicht, wie von der Tierärztin vorgeschlagen, erneut Antibiotika gegeben, sondern aufgrund der guten Vorerfahrung geriebenen Meerrettich. (Meine Tierärztin ist Gott sei Dank meinen Versuchen gegenüber sehr aufgeschlossen!) Die Wirkung war die gleiche: Er tat ihm ebenfalls sehr gut, und er nahm sehr schnell wieder zu! Ihm ist pudelwohl! (Bei einer kleinen Recherche stieß ich in der Zwischenzeit darauf, dass Meerrettich schon im Altertum und Mittelalter gegen Krankheiten eingesetzt wurde, und die Indianer Nordamerikas setzten ihn außer bei Bronchitis auch bei Karies ein. Ich lag also gar nicht so falsch.)

Ich habe meinem Senior 7 Tage lang täglich eine Menge von 10 bis 12 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht in eingeweichten Heucobs, zusammen mit seinem Ingwer, gegeben. Das ist mehr als die Menge, die von jener Forums-Teilnehmerin gegen Husten gegeben wurde (zwei gehäufte Esslöffel). Meerrettich muss frisch gerieben gegeben werden, weil seine wirksamen Substanzen, die erst beim Reiben entstehen, sauerstoffempfindlich sind. Am ersten Tag fraß er das Futter etwas langsamer, an den folgenden Tagen aber sogar schneller als nur mit Ingwer, obwohl es ja noch schärfer war. Ich vermute, er hat festgestellt, dass es seinen Zähnen gut tut. Er verfügt über viel Instinkt.

Altes Pferd
Auch für alte und oft anfällige Pferde haben sich regelmässige Meerrettich-Kuren bestens bewährt.

Ich habe meinem Vollblüter probeweise die gleiche Menge gegeben, obwohl er keine offensichtlichen Probleme an den Zähnen hat. Auch er fraß ihn in seinen Ingwerheucobs schon am ersten Tag ohne Murren und an den folgenden wohl sogar etwas besser. Für Husten und Zahninfektionen kann man Meerrettich also schon einmal auf alle Fälle empfehlen. Auch allgemein hin und wieder als Kur bei allen alten Pferden. Bleibt noch abzuklären, ob man damit auch schafft, andere Infektionen zu bekämpfen! Ich denke dabei z.B. an Einschuss, eine Streptokokkeninfektion.

An einem Einschuss ließe sich die Wirksamkeit und die notwendige Mindestdosis sehr gut ermitteln, weil Einschuss äußerlich sehr gut sichtbar ist und eine Wirkung schon am nächsten Tag erkennbar sein müsste! Die Dosis könnte aber in diesem Fall höher liegen als bei Bronchitis und Zahninfektionen, weil bei letzteren die Wirkstoffe auch lokal (eingeatmet in die Lunge, bzw. direkter Kontakt im Maul) in hoher Dosis an den Wirkungsort gelangen. Bei Einschuss muss dies ausschließlich über die Blutbahn geschehen. Hätte man einmal eine Wirksamkeit bei Einschuss nachgewiesen, stünde die Tür offen zu den selteneren aber noch unangenehmeren Infektionen wie z.B. Borreliose, die klassisch eine sehr langwierige Antibiotika-Gabe erfordern. Meerrettich wäre da sicher die gesündere Alternative, wenn er sich dafür als tauglich erwiese. ( Anmerkg. d. Redaktion: Kurz nach Fertigstellung dieses Berichtes war Dr. Brosig bei seinen Pferden tatsächlich von Einschuss betroffen. Und testete gleich die Wirkung des Meerrettichs. Ob mit Erfolg, lesen Sie im separaten Bericht in der Rubrik "Archivtexte Brosig").

Im Gegensatz zu Ingwer sind für Meerrettich Nebenwirkungen beim Menschen bei hohen Dosierungen und dauerhafter Gabe bekannt, z. B. die Bildung von Magengeschwüren. In den Mengen, die ich bislang gegeben habe, dürfte das wohl aber noch lange nicht der Fall sein! Man könnte also bei Bedarf die Dosis noch deutlich steigern. Und in eingeweichten Heucobs wird die Schärfe darüber hinaus sehr gemildert. Vielleicht wäre es sogar besonders günstig, Meerrettich immer mit Ingwer zusammen zu füttern, denn Ingwer ist sehr magenfreundlich und wurde früher schon dazu verwendet, magenreizende Arzneimittel magenbekömmlicher zu machen.

Vorteil einer Anwendung beim Pferd ist auch, dass Medikamente bei ihm meistens deutlich besser wirken als beim Menschen, d. h., die körpergewichtsbezogene Dosis dürfte beim Pferd wohl geringer sein als beim Menschen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen und denen einiger Anderer ist Meerrettich mindestens bei einigen Infektionen mit Erfolg anwendbar. Vielleicht kann er also wenigstens teilweise die Schwachstelle beseitigen, die der Ingwer noch besitzt.

 
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