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Stichwort: Pferd und Meerrettich (2.Teil)

Einschuss beim Pferd: Helfen nur Antibiotika?

Oder kann auch hier Meerrettich die sanfte Alternative sein?

Von Dr. Stefan Brosig

Vor allem in den Jahren 2002 bis 2005 bot pferdeglueck.de dem Chemiker und Pferdefreund Dr. Stefan Brosig die Gelegenheit, erstmals in redaktioneller Aufbereitung seine Abhandlungen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu veröffentlichen. Auch dieser Archiv-Beitrag stammt aus dieser Zeit.

In meinem ersten Bericht über die Fütterung von Meerrettich an Pferde hatte ich erwähnt, dass es sinnvoll wäre, einmal den Meerrettich bei Einschuss auszuprobieren, um abklären zu können, ob dessen Wirkstoffe womöglich als Breitbandantibiotikum nutzbar sind. Außerdem, um die Dosis ermitteln zu können, die nötig ist, um die Wirkstoffe über die Blutbahn an den Ort der Infektion zu führen. Sowohl bei den Zahninfektionen, als auch bei Lungeninfekten wirken die Wirkstoffe nämlich lokal und damit höher konzentriert. Eigentlich hatte ich gehofft, von dieser "Untersuchung" selbst verschont zu bleiben. Das Schicksal hat es aber mal wieder anders gewollt: Am letzten Sonntag (13.02.2005) verpasste sich mein Vollblüter Amarock (400 Kilo Körpergewicht) beim Herumhüpfen im Schnee mit dem Hinterhuf einen üblen Ballentritt vorne rechts. Der Schnee war blutbesudelt und ein Hautfetzen von der Größe zweier Daumennägel hing herunter.

Ich habe die Wunde erst nach etwa einer Stunde entdeckt und sie dann gleich gesäubert, antibiotische Salbe unter den Hautlappen gestrichen und ihn dann mit einem Verband angedrückt, den ich mit UHU außen um die Wunde herum auf das Fell geklebt habe (habe ich von einer früheren Tierärztin gelernt). Darüber habe ich dann noch einen alten Socken als „Hausschuh“ für die Box gezogen (er hat kleine Hufe) und diesen Socken unten noch mit Klebeband beklebt, so dass er wie ein Indianer-Mokassin aussieht. Das ist eine sehr einfache und praktische Methode, Schmutz so gut es geht von Wunden fernzuhalten. Dennoch ist mein Amarock ein Pferd, das bei solchen Wunden immer einige Zeit einen Einschuss bekommt. Vor allem die Hinterbeine zeigten stets das Vorhandensein einer Infektion an, solange eine Wunde offen war.

Am nächsten Tag begann daher auch schon, die Fessel des verletzten Beines dicker und warm zu werden (obwohl er ja schon seit langem 15 Gramm Ingwer am Tag zur Ausheilung seiner Hornsäule am gleichen Huf bekommt. Ingwer drückt zwar die Entzündung und Schwellung etwas herunter, beseitigt aber nicht die ursächliche Infektion.) Ich begann daher mit der Fütterung von Meerrettich. Am ersten Tag erhielt er 65 Gramm eingefrorenen, frisch gerieben. Am nächsten Tag war das Bein noch ein wenig dicker geworden, wenn auch nicht viel. Die anderen Beine waren nicht betroffen. (Er durfte dabei jeden Tag weiterhin ungefähr eine Stunde mit seinem Mokassin auf dem schneebedeckten Auslauf herumlaufen, der Verband wurde dabei natürlich nass.) Daher erhöhte ich auf 85 Gramm eingefrorenen Meerrettich, frisch gerieben. Am nächsten Tag war das Bein praktisch dünn und fast kalt. Das war die gleiche Wirkung, wie man sie bei klassisch-tierärztlicher antibiotischer Behandlung erwartet hätte.

Dr. Brosig und Amarok
Amarok (rechts), hier mit Dr. Stefan Brosig, war 2005 der erste "Patient", dem Meerrettich bei Einschuss half.

Ich fütterte daraufhin weiter täglich 85 Gramm, diesmal frisch gekauften. Dieser scheint noch etwas stärker zu sein (was man beim Reiben deutlich merkt!) Das Bein blieb dünn, die Wunde, bei der ich nur alle 2 bis 3 Tage den Klebeverband wechselte, zeigte nie auch nur die Spur von Eiter! Demnach scheint die Dosis für eine antibiotische Behandlung von Infektionen über den Blutkreislauf bei etwa 20 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht zu liegen. Sicherlich hängt es auch noch von der Qualität des Meerrettichs ab. Im Winter, also kurz nach der Ernte, ist sie sicherlich am größten. Auch der von mir eingefrorene Meerrettich war vor dem Einfrieren fest und nicht weich. Außerdem ist die Dosis sicherlich auch noch individuell unterschiedlich, ich glaube aber, dass die 20 Gramm pro 100 Kilo ein guter Richtwert sind. Bei großflächigeren Verletzungen ist die Dosis vielleicht höher.

Für Lungeninfekte, mit denen beim Pferd nicht zu spaßen ist, würde ich sicherheitshalber auch stets diese höhere Dosis wählen, um auch von „innen“ durchs Blut die Keime anzugreifen. Für Zahninfektionen scheint auch die halbe Dosis, also die bereits erwähnten 10 bis 12 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht, auszureichen. Am besten gibt man diese Dosis in eingeweichten Heucobs, so wie Ingwer auch. Und ich glaube, dass es sogar von Vorteil ist, Meerrettich zusammen mit Ingwer zu verabreichen, da dieser den Meerrettich magenbekömmlicher macht.

Nachdem nun die Wirkung gegen Streptokokken nachgewiesen ist, sollten Besitzer von Pferden mit Borreliose oder anderen langwierigen Infektionen nachziehen und die Probe aufs Exempel machen! Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie die Infektionen ihrer Pferde in den Griff bekommen werden! — Wieso aber Meerrettich statt Antibiotika, werden einige fragen: Nun, • erstens ist er billiger. • Zweitens hat er weniger Nebenwirkungen, denn er ist ein Lebensmittel und an seine (oder ähnlich aufgebaute) Bestandteile sind Organismen entwicklungsgeschichtlich gewöhnt. Und • drittens sind vermutlich keine Resistenzen zu befürchten, weil er, im Gegensatz zu den üblichen Mitteln, aus sehr vielen unterschiedlichen Substanzen besteht. Es ist für Keime sehr schwierig, sich gegen viele Wirkstoffe gleichzeitig zu wappnen.

Es ist zwar kaum zu glauben, aber Pferde lieben Meerrettich! Womöglich merken sie instinktiv, dass er ihnen gut tut!

 
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