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Stichwort: Moos contra Pilz

Das Moos bekämpft Pilze aus eigener Kraft

Können diese Wirkstoffe auch bei Pilzinfektionen am Pferd nützlich sein?

Von Dr. Stefan Brosig

Vor allem in den Jahren 2002 bis 2005 bot pferdeglueck.de dem Chemiker und Pferdefreund Dr. Stefan Brosig die Gelegenheit, erstmals in redaktioneller Aufbereitung seine Abhandlungen zu unterschiedlichsten Themen im Internet zu veröffentlichen. Auch dieser Archiv-Beitrag stammt aus dieser Zeit.

Durch eine wissenschaftliche Kurzmitteilung des Botanischen Instituts der Universität Bonn (Prof. Frahm) wurde ich bereits vor mehr als einem Jahr auf die extrem starke fungizide (pilzabtötende) Wirkung von Moosen aufmerksam gemacht. Dort wurde auch darauf hingewiesen, dass der alkoholische Extrakt einiger Moose sogar deutlich stärker fungizid wirkt als käufliche Fungizide zur Behandlung von Pflanzen bei Pilzbefall. Vor kurzem hatten zwei unserer Pferde im Stall an mehreren Stellen einen Pilz an der Schweifrübe. Beim Auftreten eines solchen Pilzes hatte ich in den letzten Jahren das käufliche Breitband-Antimykotikum Epi-Pevaryl (Wirkstoff Econazol) mit Erfolg eingesetzt, welches ich aus eigener Behandlung eines Hautpilzes als Mittel mit sehr guter Wirkung kannte. Durch nur zwei bis drei Behandlungen mit diesem Mittel konnte ich damals diesen Pilz an der Schweifrübe beseitigen.

Diesmal habe ich statt Epi-Pevaryl einen Matsch aus leicht angefeuchtetem, mit dem Mörser zerriebenem Moos, welches zufällig gerade vor der Boxentür wuchs, auf die befallenen Stellen aufgetragen und eingerieben. Bereits diese eine Behandlung reichte aus, um bei beiden betroffenen Pferden an allen Stellen den Pilz völlig zu beseitigen! Das zerriebene Moos hatte sich damit als wirkungsvoller erwiesen als ein käufliches starkes Antimykotikum! Es war die stärkste medikamentöse Wirkung, die ich jemals beobachtet hatte. (Wer lieber mit alkoholischem Moosextrakt – Lebermoos – arbeiten möchte, kann diesen über NIEM-HANDEL, Gernsheim, www.niem-handel.de, Telefon 0 62 58 - 94 95 55, beziehen.)

Pilzinfektion Pferd
Pilzinfektionen haben Pferde sich schnell zugezogen. Die Behandlung ist langwierig. Substanzen aus dem Moos können hier oft helfen.

Durch diese schnellen Heilungen neugierig geworden, habe ich ein bisschen weiter über die Gründe für diese phänomenale Wirksamkeit recherchiert, die übrigens auch vor Haut- und Nagelpilz beim Menschen nicht Halt macht: Mein Vater hat seinen langjährigen Nagelpilz mit obengenanntem Extrakt nun erfolgreich "gekillt". Ähnliche Heilungen sind auch schon früher aus der Arbeitsgruppe um Prof. Frahm bekannt.

Eine Erklärung liefert die Herkunft der Moose: Moose existieren seit Hunderten Millionen Jahren. In dieser langen Zeit lebten sie in einer feuchten Umgebung, in der sie sich ständig gegen Pilzbefall wehren mussten. In diesem Kampf haben Sie sich durch ständige "kombinatorische Synthese" einen ganzen Cocktail an Wirkstoffen als Schutzschild geschmiedet, den kein Pilz mehr durchbrechen konnte und dies, obwohl Moose meistens sogar zusammen mit Pilzen vorkommen. Aber jede Pilzspore, die auf das Moos fällt, wird durch dessen Wirkstoffe, die in der Zellwandung sitzen, abgetötet. Ich ließ auch die Art des von mir angewendeten Mooses bestimmen und es handelt sich dabei im wesentlichen um Silber-Birn-Moos (Bryum argenteum) mit kleinen Beimengungen von Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus), beides sogenannte Laubmoose die eigentlich sogar zu den Moosen mit der geringsten pilzabtötenden Wirkung gehören und weit verbreitet sind.

Am wirksamsten sind sogenannte Lebermoose, doch sind von einigen wenigen dieser Art, an Bäumen wachsen auch allergische Hautreaktionen bei langfristigem Kontakt bekannt. Bei den häufigen Laubmoosen ist das nicht anzunehmen, sonst wäre das Liegen auf einer moosigen Wiese schon vielen zum Verhängnis geworden. Der Körper hat sich an den Kontakt mit diesen Pflanzen gut anpassen können. Die Indianer Nordamerikas verwenden zerstoßenes Moos sogar zur Wundbehandlung, da es auch eine antibakterielle Wirkung besitzt. Bei einer Anwendung muss lediglich darauf geachtet werden, dass das Moos nicht bei Frost geerntet wird! Merkwürdigerweise besitzt solches Moos kaum noch fungizide Eigenschaften! Ansonsten kann auch noch aus einem Jahr altem getrockneten Moos ein alkoholischer hochwirksamer Extrakt gewonnen werden.

Auf die starke fungizide Wirkung ist vor einigen Jahren natürlich auch die Pharmaindustrie aufmerksam geworden, doch wurde die Forschung trotz erwiesener Wirksamkeit völlig eingestellt, nachdem sich zeigte, dass nicht ein einzelner, definierter isolierbarer Wirkstoff für die Wirkung verantwortlich war, sondern die kombinierte Wirkung einer komplizierten Mischung vieler Wirksubstanzen. Sobald man begann, den extrem wirksamen Extrakt aufzutrennen, zeigten die einzelnen Fraktionen immer weniger Wirksamkeit. Damit war aber keine sinnvolle Patentierung, Grundlage für spätere Gewinne, mehr möglich und außerdem eine Zulassung als Arzneimittel extrem schwierig.

Dies ist auch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie durch ausschließlich kommerzielle Betrachtung sinnvolle Forschung verhindert werden kann, denn es darf (bei ständig steigenden Krankenkassenbeiträgen!) nicht sein, dass wirksame Behandlungen nur deswegen nicht angewendet werden, weil damit nichts zu verdienen ist, oder deren ansonsten nachgewiesene Wirkung aufgrund der Komplexität (noch) nicht erklärt werden kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Behandlung mit Moosen oder Moosextrakten Hautpilze oder Flechten beim Pferd (und Menschen!) wohl ihren Schrecken verlieren.