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Stichwort: Ingwer im Kölner Zoo

Der erste "Ingwer-Elefant"?

Im Kölner Zoo wagt man ein ungewöhnliches Experiment mit Ingwer

Von Guido Gennerich

Die erste Lieferung eines Gewürzhändlers Anfang 2009 dürfte die Warenannahme des Kölner Zoos wohl eher mit Kopfschütteln begrüßt haben. Schwere 25 kg-Säcke, prall gefüllt mit dem Küchengewürz Ingwer? Für wen? Für was? Die Lösung: Auch im Kölner Zoo war der Ingwer dieses Mal nicht für die Küche bestimmt, sondern für ein mutiges wie ungewöhnliches "therapeutisches Experiment". Die Patientin: Die heute fast 30 Jahre alte Elefantenkuh "Thi Ha Phyu", seit vielen Jahren schwer gepeinigt von starken Arthrose-Beschwerden vor allem in den Vorderbeinen. (Update Januar 2011: Siehe Kasten am Ende des Berichtes.)

Der Grundstein für die massiven Arthrose-Ausprägungen wurde bei Thi Ha Phyu ("Weiße Prinzessin") vermutlich bereits in jungen Jahren gelegt. 1980 geboren im südostasiatischen Myanmar, wurde auch diese Elefantendame schon früh (wie zahllose andere Elefanten noch heute) mit gnadenloser Brutalität zum Arbeitselefanten abgerichtet. Thi Ha Phyu, wie viele ihrer Leidensgenossen, zahlt heute mit starken Schmerzen und extremen Gelenkdeformationen für diese rücksichtslose Ausbeutung im Arbeitsdienst.

Thi Ha Phyu im Kölner Zoo

Aktueller geht's kaum: Dieses Foto entstand zeitgleich mit diesem Bericht am 11. November 2010 und zeigt die stolze Elefantendame Thi Ha Phyu im Kölner Zoo (gut zu erkennen die übergroße Tätowierung).
(Foto: Gaby Schmidt-Heyder)

Thi Ha Phyu wuchs in einem Elefantencamp auf, auch ihre Mutter war ein Arbeitselefant, der Vater genoß als Bulle die Freiheit. Es war für Thi Ha Phyu also fast ein Segen, als sie am 8. November 1988 zunächst in den Zoo von Emmen kam. Die stolze Elefantendame gebar dort zwei Söhne: Tsje Pyan (am 23. Dezember 1997) und Aung Si (3. März 2002), die beide heute in Sevilla zuhause sind.

Am 2. August 2004 zog Thi Ha Phyu in den großen, im gleichen Jahr neu eröffneten Elefantenpark des Kölner Zoos ein, ist dort seither die unangefochtene Leitkuh und begehrte Partnerin des dominanten Bullen Bindu (ein geprüfter Zuchtbulle aus dem englischen Port Lympne). Beide wurden am 9. Mai 2007 sogar stolze Eltern, denn Thi Ha Phyu gebar das bezaubernde Elefantenmädchen Maha Kumari ("Große Prinzessin"), das übrigens erste in Köln gezeugte, geborene und noch lebende Elefantenkuhkälbchen.

Dass der Kölner Zoo, 1860 gegründet und einer der ältesten und beliebtesten Zoos Deutschlands (rund 10.000 Tiere sind dort beheimatet) mit Thi Ha Phyu den ungewöhnlichen Ingwer-Versuch startete, dürfte auch oder gerade mit der Geburt von Maha Kumari zusammenhängen. Da Maha Kumari noch immer gerne auf die gesunde Muttermilch der Mama Thi Ha Phyu zurückgreift, sind auch dem behandelnden Arzt Grenzen gesetzt bei dem Einsatz konventioneller Entzündungshemmer bzw. Schmerzmittel (bis hin zur Schwerstfeuerwaffe "Kortison"). Überhaupt scheint der Tierarzt noch immer vom Einsatz des Ingwers an Thi Ha Phyu überzeugt zu sein, denn der Kölner Zoo gehört mittlerweile zu den prominentesten Kunden eines Gewürzhändlers aus den neuen Bundesländern, und noch immer wird Ingwer in 25 kg-Chargen geordert.

Details über den Einsatz von Ingwer an Thi Ha Phyu bleibt der Kölner Zoo allerdings der breiten Internetgemeinde bislang schuldig. Ein bekanntes Phänomen: Man profitiert zwar im großen informatorischen Selbstbedienungsladen "Internet" stets gerne von den Erfahrungen Anderer, sieht sich aber häufig leider nicht in der Pflicht, diese Erfahrungen aktiv durch eigene Rückmeldungen zu bereichern. pferdeglueck.de schließt also (wieder einmal) diese Lücke und berichtet heute erstmals über den Einsatz von Ingwer bei Thi Ha Phyu. Denn schon längst könnten z. B. andere Zoos von den etwaigen positiven Ansätzen in Köln zur Nachahmung motiviert werden.

Die von pferdeglueck.de angebotene Möglichkeit, an diesem Artikel aktiv mitzuwirken, wurde übrigens bislang vom Kölner Zoo erwartungsgemäß nicht genutzt. Pikante Anekdote am Rande: Derweil die im Kölner Zoo offiziell zuständigen PR-Kräfte entsprechende Anfragen (wie so häufig) unbeantwortet lassen, versorgt der Zoo zeitgleich lieber seine Lieferanten mit Exklusiv-Informationen und versprach ihnen gar Fotos von der Elefantendame. Es dürfte somit auch in diesem von pferdeglueck.de aufgegriffenen Fall nicht lange dauern, bis kommerzielle Verwerter dieser Geschichte auf den Zug springen...

Thi Ha Phyu im Kölner Zoo

Selbst Laien entgeht nicht, wie stark die Arthrose-Auswirkungen bei Thi Ha schon für schmerzhafte Gelenkdeformationen an den Vorderbeinen gesorgt haben. Hier eine Aufnahme von August 2010.
(Foto: Gaby Schmidt-Heyder)

Hat Ingwer Thi Ha Phyu bislang helfen können? Wir befragten dazu Gaby Schmidt-Heyder aus Siegburg, die mit viel Herz und Leidenschaft das Internetprojekt koelner-elefanten.de betreut. Gaby Schmidt-Heyder, seit vielen Jahren ein absoluter Fan auch der liebenswerten Elefantendame Thi Ha Phyu, glaubt seit einigen Monaten eine Veränderung beobachten zu können. Thi Ha Phyu, die noch vor zwei Jahren möglichst jede Bewegung vermied und jede Berührung ihrer stark verkrümmten, teils steifen und damit schmerzenden Beine nachdrücklich abstrafte, scheint bewegungsfreudiger zu sein, nimmt (obwohl schon immer eine hartnäckige Einzelgängerin) etwas mehr am Herdenleben teil. Was Gaby Schmidt-Heyder schildert, bestätigen offenbar auch die Pfleger von Thi Ha Phyu im Kölner Zoo, wie jetzt der Ingwerlieferant an pferdeglueck.de meldete: "Seit Anfang 2009 bis jetzt wurden mehrere Säcke à 25kg gemahlener BIO-Ingwer geordert und ihr dosiert verabreicht, so dass sie seit letztem Herbst wieder läuft als sei nie etwas gewesen ( lt. Pfleger des Futterhauses)".

Freilich: Wie bei allen Arthrose-Patienten ist auch das Leben von Thi Ha Phyu ein ständiges Auf und Ab. Bestimmte Witterungslagen usw. sorgen für mehr oder weniger neue starke Arthroseschübe. Hier könnte die Situation eventuell noch verbessert werden, indem die Pfleger durch eine genauere Ingwer"dosierung" den "saisonalen" Einflüssen mehr Rechnung tragen und nach Erreichen der "Wirkschwellmenge" des Ingwers noch durch eine deutliche "Sicherheitsreserve" Gewöhnungserscheinungen entgegen wirken (was pferdeglueck.de bekanntlich auch den Pferdehaltern seit vielen Jahren empfiehlt).

Thi Ha Phyu im Kölner Zoo

Liebenswert, aber zugleich eine eigensinnige Einzelgängerin, so wird die "Grande Dame" des Kölner Zoos Thi Ha Phyu geschildert. Wie zahlreiche Pferde in Deutschland z. B. für Sport und Imponiergehabe missbraucht werden (und dabei Gelenkschäden davontragen), diente Thi Ha Phyu als Arbeitselefant und verschliss wiederum dabei ihre Gelenke.
(Foto: Gaby Schmidt-Heyder)

Klar ist auch, dass der Ingwer bei Thi Ha Phyu vermutlich mit zahlreichen anderen Optimierungsmaßnahmen im Kölner Zoo korrespondiert. So gibt selbst die kritisch-distanzierte Elefantenkennerin Gaby Schmidt-Heyder dem Zoo für das großzügige Elefantengehege Bestnoten. Das fast zwei Hektar große Areal mit optimalen Innenfreiläufen, drei geräumigen Außengehegen gehört zu den größten Bewegungsarealen in einem Cityzoo weltweit. Schon allein diese Weitläufigkeit des Geländes bietet den Pflegern (im fortschrittlichen "Protected Contact" zu den Elefanten) die Möglichkeit, das Herdenleben optimal zu steuern und Konflikte einzugrenzen, was dem Ruhebedürfnis von Thi Ha Phyu entgegen kommt. Gerade bei Elefanten können sich schon kleinste Demütigungen untereinander für immer in deren Gedächtnis eingraben und endlose Rangeleien herauf beschwören. Doch auch Eingriffe in das Herdenleben durch den Zoo, beispielsweise durch unbedachte Zukäufe, können massive Auswirkungen haben und müssen wohl durchdacht sein.

Wie der Kölner Zoo die großen Ingwermengen verabreicht, ist noch nicht bekannt. Neben Heu, Ästen, Blättern stehen auch Pellets auf dem Speiseplan der Elefanten. Thi Ha Phyu bekommt zudem einen speziellen Tee, gut möglich, dass man ihr darin den Ingwer unterschiebt.

Thi Ha Phyu ergänzt instinktiv aber auch selber die Therapien des Kölner Zoos. So ist die schwimmfreudige Elefantendame zum Beispiel Stammgast im großen Wasserbecken des Elefantenparks und sorgt dort im angenehmen Wassenauftrieb selber für eine sporadische Entlastung ihres verschlissenen Bewegungsapparates. Unübersehbar ist dennoch, so Gaby Schmidt-Heyder, dass es Thi Ha Phyu zunehmend schwerer fällt, ihre Rolle als imposante Leitkuh voll auszufüllen. An manchen Tagen ist die Traurigkeit von Thi Ha Phyu über ihre immensen Einschränkungen deutlich erkennbar.

Thi Ha Phyu im Kölner Zoo

Ein Blick in den großzügig gestalteten Elefantenpark des Kölner Zoos, in dem Thi Ha Phyu optimale Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten vorfindet.
(Foto: Kölner Zoo)

Auch der Kontakt zu ihrem treuen Freund Bindu wird vom Zoo jetzt straff reglementiert, denn man will mit Rücksicht auf Thi Ha Phyus Erkrankung ihr keine weitere Trächtigkeit zumuten. Vermutlich korrespondiert das auch mit dem deutlichen Gewichtsverlust von Thi Ha Phyu, denn jedes Kilogramm Körpergewicht bedeutet zusätzliche Last auf den geschundenen Gelenken. Daher ist auch unwahrscheinlich, dass Thi Ha Phyu das Durchschnittsalter von Zoo-Elefanten (derzeit zwischen 40 und 60 Jahren) erreichen wird.

pferdeglueck.de wird das Schicksal von Thi Ha Phyu weiter beobachten. Gaby Schmidt-Heyder von koelner-elefanten.de plant ein regelmäßiges Update für die Leser von pferdeglueck.de, wenn sich bei ihren regelmäßigen Besuchen im Kölner Zoo Veränderungen im Elefantenpark einstellen sollten. Drücken wir der klugen Elefantendiva Thi Ha Phyu die Daumen und wünschen wir ihr noch viele (möglichst schmerzarme) Tage in ihrer großen Kölner Elefantenfamilie...


Thi Ha Phyu im Kölner Zoo[  Update Januar 2011  ]
Wie geht's Thi Ha Phyu?
Wie versprochen, hat Gaby Schmidt-Heyder Mitte Januar 2011 erneut die alte Elefantendame Thi Ha Phyu besucht. Nach wie vor geht es Thi Ha Phyu augenscheinlich recht gut. Sie bekommt nach wie vor ihre Ingwerration, die übrigens, nach stetig vorsichtiger Steigerung, nun 135 g/Tag beträgt und ihr in 5 Litern Kraftfutter verabreicht wird. Auch ein aktuelles Bild von Januar 2011 hat uns Gaby Schmidt-Heyder (Foto links) freundlicherweise übersandt.
Thi Ha Phyu im Kölner Zoo[  Update September 2011  ]
Wie geht's Thi Ha Phyu?
Es hat schon erste Mail-Anfragen aus der Leserschaft gegeben. Ob die alte Elefantendame Thi Ha Phyu noch lebe und wie es ihr ergehe. Gaby Schmidt-Heyder kann aus erster Hand berichten: Der "Grande Dame" im Elefantenhaus des Kölner Zoos geht es nach wie vor gut. An der Ingwerdosis von rund 135 g/Tag musste man bislang nichts ändern. Die von Arthrose geplagte Elefantendame scheint weitgehend schmerzfrei zu sein und nimmt nach wie vor am Leben in ihrem Umfeld aktiv teil. Natürlich hat Gaby Schmidt-Heyder auch ein aktuelles Foto vom 31. August 2011 aus dem Zoo mitgebracht.
  
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