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Der Kommentar

Pferdehaltern sollte etwas geflüstert werden!

Doch das passt nicht ins "Show-Konzept" der "Flüsterer"

Von Guido Gennerich

Pony Witty ist das Sorgenkind auf dem Ponyhof: Es schlägt aus, macht Zicken beim Auftrensen und mag nur eine kleine Auswahl von Menschen. Letzte Hoffnung für Witty: Andrea Kutsch, Deutschlands einzige "Pferdeflüsterin" von Monty Roberts Gnaden. Eine 12-stündige Autofahrt nach Hamburg beginnt, die ARD-Kamera ist für die Reportage „exklusiv“ (gesendet erstmals am 2. Mai 2003 in der ARD und seitdem in der regelmässigen Wiederholungsschleife) dabei. Es beginnt der wohl effektivste und preiswerteste Werbespot aller Zeiten für Andrea Kutsch.

Denn schon nach wenigen Tagen ist Witty wie ausgewechselt. Brav im Umgang, mit neuem Vertrauen. Tränen bei der Besitzerin, Tränen bei den Zuschauern, Tränen bei den TV-Redakteuren. Nur einige Boxen weiter das nächste „Wunder“: Ein wertvoller Wallach, bislang störrisch vor jedem Wassergraben, nimmt nach wenigen Tagen Pferdeflüsterei dieses Hindernis mit stoischer Ruhe. Ende gut, alles gut? Vielleicht. Die gefährliche Quintessenz: Wenn’s nicht klappt mit dem Pferd (und es klappt immer häufiger nicht) – der „Flüsterer“ wird’s schon richten. Unsere Meinung: „Pferdeflüsterer“ müssen und sollten so überflüssig sein wie ein Kropf.

Um eines vorweg zu schicken: Hier soll nicht nieder gemacht werden, was viele Pferdekenner mit viel Einsicht und Zuwendung bei problematischen Pferden wieder zurecht rücken. Mit großer Skepsis aber sollte man allen Versuchen begegnen, die „Perdeflüsterei“ als eine Kunst von „Auserwählten“ anpreisen. Jeder (!) ist „Pferdeflüsterer“, sobald er sich die wichtigsten Fakten/Fehler selbstkritisch und einsichtig vor Augen hält. Wir brauchen keine Monty Roberts & Co., wenn wir bei Problemen selber die wichtigsten Punkte (frühzeitig) selbstbewusst und verantwortungsvoll in Angriff nehmen! Wir wissen oft genauer um die eigenen Fehler, um die wichtigsten Aspekte im Umgang mit Pferden als wir zuzugeben bereit sind! Erinnern wir uns endlich einmal wieder an diese wesentlichen Aspekte – ohne "Pferdeflüsterer"-Magie und kostspielige Bücherberge!

Den Pferdeinstinkt respektieren

Vielen Problemen kann man schon vorbeugen, wenn man sich eingehend über die fest im Pferd programmierten Instinkte informiert und diese beherzigt. Wir müssen nicht um das Pferd mit Körper-Verrenkungen, "gesenktem Kopf" u. ä. herumspringen oder jede Muskelzuckung unseres Pferdes im „Pferde-Wörterbuch von Monty Roberts“ nachschlagen. Wer schon beachtet, dass es für das Pferd in freier Natur überlebenswichtig ist auf bestimmte Reize (akustisch oder optisch) in bestimmter Weise blitzschnell und ohne langes Zögern zu reagieren, der vermeidet solche ähnlichen Provokationen auch im Umgang mit dem eigenen Pferd. Logisch, oder nicht?

Und trotzdem nähern sich viele Reiter den Pferden mit haarsträubender Tölpelhaftigkeit oder dämmern beim Ausritt im Sattel vor sich hin, anstatt vorausschauend Gefahren und Eindrücke zu erkennen, auf die das eigene Pferd eventuell jeden Moment reagieren könnte. Für Pferde, die ständig erleben müssen, dass auf ihre Urängste, auf ihre Urbedürfnisse keine Rücksicht genommen wird, wird die Begegnung mit den entsprechenden Menschen schon bald zum Dauerstress. Das gestörte Vertrauensverhältnis zum Menschen baut sich immer weiter aus und mündet irgendwann beim betreffenden Pferd in der Erkenntnis, dass sich der Mensch generell wohl kaum als guter Freund eignet. Erst recht nicht, wenn bei diesen Menschen sich zur allgemeinen Gleichgültigkeit noch größte Unsicherheit in Gefahren-Momenten hinzu gesellen. Welches Pferd akzeptiert solche Leute als zuverlässigen (Herden-)Partner? Braucht’s eines Monty Roberts, um uns diese logischen und einfachen Zusammenhänge klar zu machen?

Raus aus dem irre machenden alten Umfeld!

Pferdeflüsterer haben bei ihren Maßnahmen schon von Anfang an oft einen Heimvorteil: Meist können die zu „behandelnden“ Pferde tagelang dafür ihr altes Umfeld verlassen. Und genau dieses Umfeld ist oft die Brutstätte für alle unterschiedlichen Probleme. Ein Abstand zu dieser Umgebung lässt oft die Pferde sofort in ganz anderer Form auftreten. Im Anflug von Sadismus stellt man sich bisweilen gerne vor, man könne mit den Pferde-Besitzern/Stallbetreibern in bestimmten Einrichtungen folgendes Experiment durchziehen: Pferdebesitzer bekommen Schallwandler ins Ohr, die alle akustischen Reize im Stall so immens verstärken, dass sie sich auf dem Wahrnehmungsniveau empfindlicher Pferdeohren bewegen: Stundenlang (!) müssen sie dann die tägliche Dröhnung aus Kindergeschrei, Besitzergebrüll, Hundegebell, Gedudel aus Radiogeräten in den Stallgassen usw. usf. ertragen.

Und noch mehr: Rund 20 Stunden werden die Besitzer in kleinen Boxen eingesperrt, mit Kontakt zu Leidensgenossen nur durch Gitterstäben und im Winter bei fest verschlossenen Stalltoren. Einzige (oft aber unangenehme) Abwechslung: Ab und an begrapscht sie jemand überraschend durch’s Boxenfenster, grinst total verblödet und ruft: „Na, Du bist ja ein ganz Süßer! Komm doch mal her!“ Obwohl alle einen dicken und schon ausreichend warmen Pullover tragen, wird eine gefütterte Regenjacke noch zusätzlich bei Temperaturen ab 12° abwärts zwangsverordnet. Das ist purer Blödsinn, viel zu warm, folglich unangenehm und es juckt wie verhext unter diesen überflüssigen Zusatzmänteln.

"Freigang" gibt's ein bis zwei Stunden am Tag (wenn überhaupt). Purer Stress: Denn sind gerade die steifen und wenig durchbluteten Knochen/Muskeln warm geworden, geht’s auch schon zurück in die Zelle. Meist erfolgt beim Freigang aus "Sicherheitsgründen" Isolation, wertvolle Kontakte zu Anderen sind da wiederum unmöglich. Und auch bei der zwangsverordneten Bewegung in Halle und Gelände gibt’s kein Pardon: Ein „Jogging-Partner“ (nach dem Feierabend-Verkehrsstau schlecht gelaunt und ungehalten) zerrt einen aus der Box, drängt die Laufutensilien mürrisch auf und verordnet sofortige Vollbelastung. Keine Zeit abermals, die kalten Knochen/Muskeln auf höhere Anforderungen umzustellen. Nach schon wenigen Minuten Schritt geht’s bei voller Belastung im Dauerlauf durch Halle und Gelände. Das ist keine Entspannung, das ist Stress und Gift für Gesundheit und Wohlbefinden. Wenigstens die Verpflegung ist „super“: Energiereich, eiweißreich und in üppigen Mengen. Mit einem Dutzend Zusatzpülverchen für’s schöne Aussehen und für’s gute Gewissen. Das gibt jede Menge Zusatz-Power, die das Warten und Stehen in den kleinen Boxenzellen noch unerträglicher und widersinniger macht. Klar, dass man bei der ersten Gelegenheit zur Bewegung durchknallt und sich ernste Kreuzschmerzen holt.

Pony auf der Weide
Dieses Pferd braucht mit Sicherheit keinen Pferdeflüsterer.

Der Vergleich hinkt, meint Ihr? Ja, stimmt! Weil diese Zustände vom Bewegungs- und Herdentier Pferd als noch viel unangenehmer empfunden werden als von uns Menschen! Erwarten wir am Ende dieser Kausalkette etwa Zufriedenheit, Gelöstheit, Lebensfreude, seelische Gesundheit beim Pferd? Glaubt das wirklich irgend Jemand ernsthaft? Klar: Viele (die meisten) Pferde beugen sich ihrem Schicksal, nehmen es klaglos hin. Das liegt in ihrer Natur. Doch längst nicht alle! Zahlreiche Pferde zeigen ihre Verzweiflung irgendwann überdeutlich, werden krank in diesem irre machenden Umfeld. Eben das sind jene „Patienten“, an denen „Pferdeflüsterer“ dann ihre Künste stolz präsentieren dürfen. Wen wundert’s, wenn auf den großen Paddocks und Weiden die „Patienten“ während ihrer Stippvisite beim „Pferdeflüsterer“ sich erst einmal ausgiebig wälzen und ihre Ungezwungenheit in vollen Zügen genießen? Das „Wunder“ von Monty Roberts: Oft beginnt dies bei den banalsten Maßnahmen, die jeder Pferdefreund vor Ort selber ergreifen könnte: Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts durch Abstand und Ruhe. Logisch, oder nicht? Und dazu brauchen wir Monty Roberts & Co.?

Hat der Pferdeflüsterer in der positiven Atmosphäre seines Stalls bei den Problempferden dann seine Künste vollbracht, ist das längst kein Happy End, auch wenn der erwähnte ARD-Bericht dies vorzugaukeln versuchte. Pferde sind keine Computer, denen man mal eben ein neues intaktes Betriebssystem aufspielen kann. Kommen diese Pferde in ihr altes, belastendes Umfeld zurück, werden dort die selben Fehler bei Haltung und Umgang gemacht, waren alle Ausgaben für die „Flüsterei“ umsonst – ein Rückfall ist quasi vorprogrammiert. Auch hier zeigt sich erneut: Wir brauchen keinen „Pferdeflüsterer“, wir selber sind die maßgeblichen Personen, die es in der Hand haben, ob es dem Pferd rasch besser oder schlechter geht. Wenn Pferde nicht schnellstens aus ungeeigneten Ställen und physisch wie psychisch belastender Umgebung herausgeholt werden, was also soll der Aufwand mit der „Flüsterei“? Doch oft genug spielen Preis, Vollpension, Bequemlichkeit oder örtliche Nähe eine größere Rolle bei der Stallauswahl als das Wohlergehen des Pferdes. Wer schließlich dann sein gestörtes Pferd mitfühlend zu Andrea Kutsch schleppt, der betreibt Heuchelei wie beim Vitaminpülverchen: Dies soll meist nur signalisieren: "Ja, ich will meinem Pferd nun helfen. Aber auf die bequemste, konsequenzen-ärmste Weise, die es für mich als Besitzer gibt! Denn schließlich ist mein Pferd gestört, nicht ich, der Besitzer!

Partnerschaft, statt "Herr-Sklave"-Beziehung!

Viele Reiter sind stolz, wenn sie ihr Pferd als unterwürfig, sich selber als die „Leittiere“ präsentieren können. Immer noch hält sich hartnäckig das Gerücht, im Umgang mit dem Pferd komme es auf ein besonders dominantes Auftreten vom "Leithammel Mensch" an. Und das wird schon mal gerne mit Gerte, Gebrüll, Gezerre, Getrampel und Gefuchtel durchgesetzt. Was an Einfühlsamkeit fehlt, glaubt man durch das besonders ausgeprägte Stimmorgan und "imposantes Auftreten" ausgleichen zu können. Tatsächlich fügen sich viele Pferde auch hierbei und ordnen sich unter. Sie nehmen alles erneut klaglos hin – einen echten „Partner“ gewinnt man damit nicht. Im Gegenteil: Manches zum willigen Sportgerät degradierte Pferd wehrt sich irgendwann gegen diesen Willensbruch. Das ist ein Signal für Reit-Dilettanten, es mit noch mehr Strenge und Gebrüll zu versuchen, um sich die eigene „Leitfunktion“ nicht aus den Händen nehmen zu lassen. Oder "Hobby-Flüsterer" im eigenen Stall beginnen nun ihr Tagwerk und verkorksen das Pferd letztlich völlig.

Pferde sind von Hause aus die gutmütigsten und dankbarsten Tiere. Sie verdienen echte Partnerschaft statt die „Herren-Sklaven-Beziehung“. Ich bin noch keinem (seelisch gesunden) Pferd begegnet, das Geduld und Rücksichtnahme seitens des Reiters gezielt ausgenutzt hat. Im Gegenteil: Die faire und wahre Partnerschaft drängt dem Anderen nicht den eigenen Willen einfach auf, sondern berücksichtigt auch die Wünsche, Bedürfnisse und Eigenheiten des Partners. So wie wir haben auch Pferde gute und schlechte Tage, mal mehr mal weniger Lust zur Leistung. Der „Elefant im Porzellanladen“ unter den Reitern nimmt darauf keine Rücksicht: Seine „Macht“ als „Leittier“ verlangt dem Pferd auch an schlechten Tagen volle Leistung ab. Ihn interessieren die Gefühle des Pferdes nicht. Er bemerkt sie ja auch gar nicht, weil er weder Zeit und Geduld investiert, um das Pferd genügend kennen zu lernen. Nur dann bemerkt man nämlich erst die kleinste Regung, die winzigste Geste, mit der das Pferd seinen Kummer, seine Freude, seine Enttäuschungen, seine Wünsche signalisiert.

Mein leider inzwischen verstorbenes Pferd, einst mürrisch, menschenabgewandt und ohne Selbstbewusstsein aus dem Schulbetrieb heraus gekauft, faszinierte viele Beobachter nach 8 Jahren artgerechter Haltung durch ein geradezu atemberaubendes Vertrauen zu Menschen. Ohne Halfter trottete das Pferd wie ein Hund den Menschen hinterher. Man hätte theoretisch im dichtesten Berufsverkehr über das Kamener Kreuz reiten können, von Angst keine Spur. Dieses Stadium konnte erreicht werden, ohne ein einziges teures Buch aus dem Reich der „Wunder- und Fabelwesen“ um Monty Roberts wälzen zu müssen. Dies wurde erreicht, weil das Pferd mein vollwertiger Partner war, mit genau den selben Rechten und Pflichten im gemeinsamen Erleben wie ich.

Haflinger
Verstünden Pferde den Quatsch, der über sie "geflüstert" wird, sie würden wohl alle so herzhaft lachen wie Ati hier.

Ein völlig simples Beispiel: Morgens durfte das Pferd allein und ohne Halfter zum Heuplatz gehen und fressen. Das Aufhalftern dort geschah dann nicht in einem energischen Ruck (wie ich es als "Leittier" ja eigentlich nach allgemeiner Erkenntnis tun sollte), sondern das Pferd wurde mit freundlichen Worten zum Halftern gebeten. Lächerlich? Für unverbesserliche „Tölpel in der Reitergemeinschaft“ vielleicht. Was aber geschah: Das Pferd ließ mich ein paar Sekunden warten, um noch einmal Heu aufzunehmen, bot dann von selber den Kopf an und half sogar beim Halfter-Anziehen mit. Was das sollte? Dem Pferd wurde signalisiert: Dein Bedürfnis, noch etwas Heu aufzunehmen, ist mir als Dein Partner wichtig; nun zeige Du wiederum Deine Bereitschaft, mein Aufhalftern mitzumachen.

Und es funktionierte mit allen anderen Dingen ebenso: Jeder Tierarzt staunte, wie auch die komplizierteste Behandlungsprozedur ohne Murren und Wehren vom Pferd hingenommen wurde. Für jeden Schmied war das Pferd ein Traum beim Beschlagen. Weil dieses Pferd verstanden hatte: Die Menschen wollen mein Freund und Partner sein. Sie wollen nicht meinen Willen brechen. Ich kann auch meine Wünsche und Bedürfnisse anmelden und werde ernst genommen. Es ist überflüssig, noch immer mit Sturheit oder Abwehrreaktionen meine Anliegen durchzusetzen. Mein Verhältnis zum Menschen ist ein gerechtes Geben und Nehmen. Solche Pferde nehmen auch den bislang verhassten Wassergraben. Das war kein „Wunder“ der „Pferdeflüsterer“ im erwähnten ARD-Bericht, das ist einfach das Resultat vom schrittweisen aufeinander Zugehen und gegenseitigem Vertrauen!

Das alles braucht viel Geduld, keiner lauten Worte oder gar körperlicher Gewalt. Und vor allem braucht man dazu keinen „Pferdeflüsterer“. Sondern die eigene Courage und den eigenen Anstand, dem Pferd das zuzugestehen, was es verdient und auf das es ein Recht hat. Als Lebewesen, nicht als Sportgerät! Viele haben diese Geduld aber oft nicht, sind nicht gewohnt, auf das Pferd „zu warten“. Es hat zu funktionieren – und genau das funktioniert nicht!

Bestandsaufnahme in Sachen Gesundheit

Pferde reagieren oft aggressiv und völlig untypisch, weil sie ganz einfach Schmerzen haben. Hunde können jaulen, Katzen ebenso herzerweichend jammern. Pferden steht so ein akustisches Repertoire nicht zur Verfügung. Man kann die Pferde kaum noch zählen, die beim Reiten die dollsten Kapriolen veranstalteten, weil sie einfach nur Schmerzen im Rücken, in den Beinen hatten, völlig verspannt waren usw. usf. Oft beginnt der erste Fehler schon damit, dass Pferde kurz nach der Nahrungsaufnahme (womöglich noch nach einer üppigen Kraftfutter-Ration) zur Arbeit in die Halle gezerrt werden. Schon das ist Gift für die Gesundheit und für das Wohlbefinden bei der Arbeit. Und wer investiert schon mindestens 15 Minuten Schritt vor dem ersten Trab, um das ausgekühlte Pferd überhaupt gelenkig und geschmeidig zu machen? Alles das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und logisch, wie alle anderen erwähnten Punkte. Und doch geht’s irgendwann zum „Pferdeflüsterer“, anstatt diese Erkenntnisse selbstkritisch und verantwortungsvoll in die Tat umzusetzen.

Ein guter Tierarzt oder Heilpraktiker und eine komplette Untersuchung bringen meistens mehr Erkenntnisse als der „Pferdeflüsterer“. Viele Pferde gehen nun willig und sogar freudig unter dem Reiter, weil man die Schmerzquellen lokalisieren und z. B. mit gezielten Ingwer-Gaben (siehe unsere anderen Tipps zu diesem Thema) behandeln konnte! Die Schmerzen/Entzündungen im Rücken sind weg, das Pferd leidet nun nicht mehr. Alles logisch, oder nicht? Und dafür brauchen wir ein Dutzend Bücher der vielen selbst ernannten „Wunderheiler“?

Fazit

In keiner anderen Beziehung Mensch – Haustier wird soviel Selbstbetrug betrieben, prägen so viele wirtschaftliche Beweggründe das Handeln und ist so viel Heuchelei im Spiel wie bei der Beziehung zum Pferd. Wir reden von so viel „Gutem“, das wir dem Pferd angedeihen lassen wollen, und richten in Wirklichkeit oft so viel Schaden an. Das „Wohlbefinden“ unserer Pferde kommt eben nicht aus dem Vitaminpülverchen, der blödsinnigen wie überflüssigen Decke gegen „Kälte“, den hübschen bunten Gamaschen oder der täglich 15-minütigen „Streicheleinheit“. All das dient nur dem egoistischen Wohlbefinden der Reiter , ist auf DEREN Bedürfnisse und Anforderung abgestimmt. Und darunter leiden in Deutschland immer mehr Pferde. Die „Pferdeflüsterer“ können nur ein paar Symptome kurieren und das auch nur für einen oft fragwürdigen kurzen Zeitraum. Deren Arbeit ist vor allem, mit Blick auf den weiter expandierenden Pferdesport in fachunkundiger Umgebung, fast schon eine „Lizenz zum Gelddrucken“. Solange dank dieser Missstände Monty Roberts & Co. weiter als „Gurus für Pferdebesitzer“ Hobby und saftige Einkünfte exzellent verquicken können, läuft gewaltig etwas schief im weiter ausufernden Reitsport.

Es gäbe kaum Problempferde, wenn wir endlich damit aufhören würden, Pferde zu vermenschlichen, ihnen unsere eigenen Bedürfnisse aufzudrängen, sie als Sportgeräte zu missbrauchen und sie ihrer Persönlichkeit zu berauben. Solange dies sich nicht ändert, wird es höchste Zeit, dass man nicht den Pferden, sondern endlich vielen Besitzern dringend etwas überdeutlich . . . „flüstert“. Wann endlich gibt es dafür einen couragierten und mutigen "Monty Roberts"?

 
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