Kopfgrafik
 Das Original. Erste Website im Jahre 2002 zum Thema Pferd + Ingwer.Impressum | Home |
Stichwort: Pferdegeschichten

Die Abenteuer einer Pferdenärrin

Christinas Herzenswunsch: Ein eigenes Pferd! Über viele Umwege gelang das eines Tages

Von Christina (Text/Fotos)


 
  Teil 1: Wie alles begann
 

Traber Eros
Es begann alles vor 3 ½ Jahren. Ich kam neu in einen Stall, in dem auch meine Freundin geritten hatte. Sie ritt dort ein Pferd namens "Phönix" und eine Traberstute namens "Stein Maid". Als ich nun dorthin kam, war nur noch ein Pflegepony frei. Der kleine "Felix". Ich ritt ihn ungefähr zwei bis drei Monate. Dann holte (besser: rettete) die Besitzerin von "Felix" einen Traber von der Rennbahn. Er hieß "Stein Eros", ein Bruder jener Traberstute "Stein Maid", die meine Freundin ritt.

Ich erhielt den Auftrag, dieses Pferd mit einer Bekannten einzureiten. Wir waren erst 13 und meine Bekannte erst 10 Jahre alt und Eros war gewaltige ... 1,65 m groß, also ziemlich gefährlich für uns Zwerge. Aber es klappte alles prima. Zuerst longierten wir ihn nur und gingen mit ihm spazieren. Er war sehr aufgeweckt, lieb – aber auch schreckhaft. Sofort erkannte ich in ihm mein Pferd!. Wir fingen an, ihn zu reiten. Alles lief ohne Probleme. Wir sprangen mit ihm sogar. Doch dann der erste Schock: Nach einem halben Jahr kam eine Interessentin, um sich Eros anzugucken. Die Besitzerin fragte mich, ob ich ihn vorlongieren würde. Ich weigerte mich, weil ich es nicht verkraftet hätte, zu sehen, wie er einfach so verkauft würde.

Eines schönen Tages kam ich zum Stall. Doch dieser Tag wurde zum Albtraum. Ich ging zu Eros' Box und wollte ihm – wie gewohnt – einen Apfel bringen. Doch er war nicht da! Ich suchte ihn verzweifelt überall und fragte aufgeregt, ob er noch auf der Wiese sei. Doch Eros war verschwunden! Langsam bekam ich Panik. Ich rief die Besitzerin an, doch sie ging nicht an's Telefon. Dann kam diese schlimme SMS: "Habe Eros verkauft", hieß es lapidar. Eine Welt ging für mich unter. Ich rannte in seine Box und hörte nicht mehr auf zu Weinen. Ich weinte Tage und Nächte durch. Keiner verstand mich, nur ich allein wusste, dass Eros zu mir gehörte und er auch niemals fort wollte.
Traber Eros
Dann vergingen Tage, Wochen, Monate, Jahre. Ich wollte mich ablenken, einfach abschalten und ihn vergessen. Doch es ist mir nie gelungen. Dann eines Tages wollte ich endlich wissen, wo er sei. Ich war so fertig, weil ich einfach merkte, dass ich ihn nicht verdrängen konnte. Ich suchte mir also Hilfe. Eine sehr nette und liebenswürdige Bekannte, die ich bis zu diesem Zeitpunkt eher nur flüchtig kannte, erklärte sich bereit, "mein" Pferd mit mir zusammen zu suchen. Schließlich rückte auch die ehemalige Besitzerin mit der Wahrheit 'raus, wohin sie Eros verkauft hatte.

Sie schickte uns zu einem Stall ganz in unserer Nähe. Dort suchten nun meine Bekannte und ich Eros. Die Leute in jenem Stall waren sehr nett und erzählten uns weitere Details zu Eros, der diesen Stall leider schon seit langem wieder verlassen hatte. Sie erzählten uns von einem Unfall, den er im Januar 2007 erlitten hatte. Er war mit einer Kutsche durchgegangen und hatte dieses Gespann in tausend Teile zerlegt. Er soll einfach nur noch blindlings losgerannt sein. Die Polizei wollte ihn erschießen, tat es aber Gott sei Dank nicht! Wir suchten weiter, bei der nächsten Adresse, die wir bekommen konnten. Dort ging ein Züchter ans Telefon. Doch der gab vor, Eros nicht zu kennen und auch nicht seinen neuen Aufenthaltsort.

Die Suche nach Eros schien zu Ende, wir waren in einer Sackgasse. Ich war völlig verzweifelt, mein Leben schien sinnlos. Jetzt diese lange Suche aufgeben? Doch wieder half der Zufall: Meine Bekannte recherchierte abermals in einem Reitforum und meinte, dass man dort bestimmt Jemanden fände, der Eros zumindest kennen würde. Ich veröffentlichte auch dort die Geschichte von Eros und mir. Prompt kam eine Antwort,und zwar von der ... neuen Besitzerin von Eros! Sie erklärte mir, sie habe ihn in Haltern gekauft, ohne zu wissen, was vorher mit ihm passiert sei. Sie holte ihn in einer Nacht- und Nebelaktion zu sich in den Thüringer Wald (Hin- und Rückfahrt insgesamt 20 Stunden am Stück!). Nun war endlich ein neuer Kontakt gefunden und ... Eros!
Traber Eros
Ich erzählte ihr alles, was ich noch über Eros wusste und sie schickte mir wiederum Fotos von ihm,– als weiteren Beleg, dass es ihm gut gehe. Von da an war klar: Ich wollte ihn wiederhaben! Doch meine Mama sagte immer bloß kategorisch: NEIN! Ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, wollte ihn endlich einmal besuchen. Jetzt am 1. November 2008 ging mein Traum endlich in Erfüllung: Nach drei Jahren sah ich Eros endlich wieder. Und dabei entstanden auch die Fotos zu dieser Geschichte.

Er hatte sich überhaupt nicht verändert. Ich longierte ihn. Top Gänge – wie einst. Ich ritt ihn. Alles wie einst. Ja, das war er. Mein Eros. Mehr noch: Was die neue Besitzerin aus Eros gemacht hatte, das war einfach fabelhaft. Wir hingen zusammen als wären wir niemals getrennt gewesen. Einfach wunderbar. Am Ende des Besuches bin ich vor lauter Weinen zusammen gebrochen. Ich konnte nicht mehr. Wieder ein neuer Abschied. Ich war meinem Traum so nahe und doch so fern.

Im Auto und auch den ganzen restlichen Tag weinte ich einfach nur noch. Auf der Rückfahrt am nächsten Tag meinte meine Mama, sie habe begriffen, wie Eros mir am Herzen liege. Und nun kam auch bei ihr der Wunsch auf, uns beide wieder zusammen zu sehen. Doch in diesem Jahr werden wir wohl meinem Traum noch kein bedeutsames Stück näher kommen. Dennoch: Ich bin so glücklich, dass ihr kategorisches "Nein!" von einst nun neuen Plänen nicht mehr im Wege steht. Ob es klappen wird? Das werden die nächsten Monate zeigen. Ich glaube fest daran. Ich spüre es tief in meinem Herzen, dass Eros und ich doch noch eines Tages endlich auf Dauer zusammenfinden werden. Eros kann und soll mir jetzt Niemand mehr nehmen.

Die Geschichte von mir und Eros ist also noch längst nicht zu Ende. Ob ich ihn bekommen werde und wann, werde ich auf dieser Internetseite fortlaufend berichten. Vielleicht wird's ein Happy End! Wir werden sehen...

(November 2008)


 
  Teil 2: Der große Traum ist geplatzt
 

Traber Eros
Jetzt zu Weihnachten 2008 sollte es zwischen Christina und Eros ein Wiedersehen geben und ... vielleicht sogar ein Zusammenkommen für immer. Doch die neuesten Nachrichten waren nicht gut. Inzwischen wurde Eros anderweitig verkauft. Verloren, wiedergefunden, und wieder verloren. Doch Christina gab nicht auf und mit Hilfe ihrer Bekannten konnte auch die neue Besitzerin von Eros ermittelt werden.

Christina schreibt zur neuesten Entwicklung: "Um sicher zu gehen, dass die Adresse eine richtige war, rief meine Bekannte nun dort an, wo sie auch sehr nett begrüßt wurde. Sie telefonierte ein bisschen mit der Besitzerin und erfuhr, dass es Eros dort sehr gut gehe und die neue Besitzerin sehr gut mit ihm klar käme.

Von diesem Moment an fand ich auch Kontakt zur Tochter der neuen Besitzerin, die Eros nun reitet. Jetzt habe ich also die Adresse der neuen Besitzerin und ich werde ihn dort auf jeden Fall mal besuchen und nach ihm schauen. Auch wenn ich ihn jetzt nicht bekommen kann, ich will einfach nur, dass es ihm gut geht und dass er jetzt in diesen guten Händen bleibt (und nicht noch einmal verkauft wird). Und wenn er doch noch mal aus irgend welchen Gründen verkauft werden muss, dann soll er bitte zu mir kommen: Denn ich werde ihn bis an sein Lebensende behalten und umsorgen. Wenn es weitere Neuigkeiten geben sollte, werde ich das hier schnellstmöglich mitteilen und die Geschichte immer wieder fortsetzten."

(Dezember 2008)


 
  Teil 3: Wird Gordon das neue Traumpferd?
 

Traber Gordon
Eros, das Lieblingspferd von Christina, ist verkauft und damit sind alle Hoffnungen auf lange Sicht zerstört, dass Eros einmal endgültig zu Christina zurückkehren würde. Christinas Mutter wollte und konnte nicht länger zuschauen, wie sehr Christina ihrem einstigen Freund Eros nachtrauerte. Der Traum vom eigenen Pferd sollte nun doch in Erfüllung gehen und man machte sich auf die Suche nach einem anderen treuen Freund. Christina erzählt also ab heute die Geschichte von einem anderen Pferd – Gordon:

"Nachdem ich mit der neuen Besitzerin von Eros einen sehr guten Kontakt gefunden hatte und Eros offenbar einer guten Zukunft entgegen sieht, konnte ich mich wieder ein wenig beruhigen. Da meine Mutter wusste und hautnah miterlebte, wie sehr ich mich auf ihn gefreut hatte, bot sie mir an, ein anderes Pferd zu kaufen. Also machte ich mich auf die Suche nach einem neuen vierbeinigen Freund.

Meine Bekannte stand mir, wie immer, hilfreich zur Seite. Wir suchten erst einmal in Zeitungen. Dort wurden wir aber nicht fündig. Also fingen wir an, im Internet zu suchen. Fast alle Pferdemarkt-Seiten sind wir durchgegangen, um ein richtiges Pferd für mich zu finden. Auf der letzten Seite, die ich noch kannte, fand ich nun ein Pferd: Er ist 1.66 m groß, 5 Jahre alt und heißt Gordon. Er ist ein Traber und ist noch nicht sehr lange von der Rennbahn weg.

Die jetztige Besitzerin wollte ihn ursprünglich gegen ein anderes Pferd tauschen, fand aber Niemanden. Sie ist eine sehr vorsichtige Reiterin, wie sie schrieb, und wollte auch aus weiteren privaten Gründen Gordon verkaufen bzw. tauschen. Ich schrieb sie also an, ob sie ihn mir auch verkaufen würde. Sie schrieb, da sie eh bis dato Niemanden für den angedachten Tausch gefunden, wolle sie ihn mir auch verkaufen. Es folgten viele Überlegungen, doch dann beschlossen wir, Gordon zu besuchen (immerhin stand uns eine zweistündige Autofahrt bevor).

Traber Gordon
Als wir dort ankamen, war ich sprachlos und total erfreut: Gordon sah noch viel besser aus als auf den Bildern und machte auch einen sehr ausgeglichenen Eindruck (was bei Trabern, zumal noch mit Rennbahn-Vergangenheit, ja meist nicht der Fall ist). Zum Probereiten mussten wir in eine nahe gelegene Halle fahren. Gordon ist noch nie dort gewesen; er kannte die Halle also nicht, er kannte mich nicht und ich kannte ihn ja auch erst seit nur wenigen Minuten. Ich dachte mir folglich zuerst: "Na, das kann ja nix werden!" Doch die nächste Überraschung: Er war total lieb!

Ich führte ihn eine Runde durch die Halle, damit er sich erst einmal alles angucken konnte. Dann stieg ich auf, der Schritt war wunderbar. Er fußte richtig ein und lief auch schön entspannt und locker vor sich hin. Beim Trab merkte man ihm nun zum ersten Mal den Traber an: Der gewöhnlich schnelle Trabertrab setzte ein, aber trotzdem lief er prima, fußte auch hier sehr schön ein und lief ganz entspannt.

Viel konnte ich an diesem Tag nicht mit ihm machen, da er zuvor drei Monate gestanden hatte und er nach einer halben Stunden nass geschwitzt war. Wir verabschiedeten uns erst einmal wieder von Gordon. Wir waren an einem Sonntag dort und wollten uns bereits am darauffolgenden Mittwoch Gordon abermals anschauen. Am besagten Tag stand ich schon um 6 Uhr auf, da ich nicht mehr schlafen konnte. Ich war zu aufgeregt. Wieder folgten nochmals intensive Überlegungen, wir mussten schnell handeln, denn dieses Mal sollte uns Niemand dieses Pferd vor der Nase wegschnappen! Es war 9.30 Uhr, als uns die Besitzerin von Gordon anrief und uns gratulierte. Von nun an schien Gordon mir zu gehören! Doch eine plötzliche "Erhöhung" des ursprünglichen Kaufpreises ließ zum Schluss auch diesen Pferdekauf scheitern!"

(Januar 2009)


 
  Teil 4: Mit Belcanto nun endlich am Ziel?
 

Traber Belcanto
Der Weg zum eigenen Pferd ist manches Mal sehr steinig. Vor allem für Christina. Ihr Traumpferd Eros wurde ihr vor der Nase in andere Hände verkauft, der zweite Favorit – Gordon – kostete überraschend 500 EUR mehr und damit zerplatzte auch dieser geplante Kauf wie eine Seifenblase. Doch nun scheint Christina am Ziel zu sein. Sie schreibt zum aktuellen Sachstand:

"Hier wieder mal Neuigkeiten. Nachdem die Besitzer von Gordon uns einen Tag, nachdem ich das Update II (siehe unten) geschrieben hatte, eröffneten, dass Gordon nun 500 Euro mehr kosten solle, haben wir ihn dann doch nicht genommen. Also suchten wir weiter.

Eines Nachmittags rief meine Bekannte bei einem Händler an, der früher auch mal mein Traumpferd Eros besessen hatte und fragte, ob er noch ein Pferd wüsste, welches zu verkaufen sei. Er verneinte zunächst, rief aber noch am selben Abend wieder an und hatte plötzlich bessere Nachrichten: Er habe doch noch ein Pferd in seinem Stall stehen. Einen vierjährigen Traberwallach, der bis Ende des Jahres 2008 noch Rennen gelaufen sei, aber dann zu langsam wurde und auch sowieso aus dem Trabermaß heraus sei. Er wäre schon 1,70 m groß (und wird mit Sicherheit auch noch etwas wachsen).

Der Händler fragte dann noch verantwortungsvoll nach, ob wir ihn denn fest behalten oder aber nur einreiten und dann weiterverkaufen wollten. Denn dafür werde er ihn nicht hergeben. Meine Bekannte erzählte ihm ausführlich, dass ich 15 Jahre alt sei und gerne ein eigenes Pferd besitzen möchte, das ich zum Freizeitreiten einsetzen und natürlich auf immer behalten wolle.

Am nächsten Tag fuhren wir dann auch sofort zu diesem Händler und schauten uns den Traber an. Sofort fiel uns auf, dass der Traber auf einem Auge blind war, und das schon seit seiner Geburt. Eine feste Zusage wollten und konnten wir bei dieser Besichtigung noch nicht geben und berieten uns erst einmal bis zum nächsten Tag. Doch eigentlich wussten wir alle schon insgeheim: Der solle es sein! Das solle mein erstes eigenes Pferd werden. Trotz der Behinderung.

Wir informierten den Händler über unsere Entscheidung und an einem Freitagabend fuhren wir also mit dem Hänger los und holten endlich mein (!) eigenes Pferd. Jetzt ist schon eine Woche vergangen. Er hat sich gut eingelebt und fühlt sich pudelwohl bei mir. Er ist richtig verschmust und lieb. Belcanto heißt mein Pferd. Er ist zwar nicht perfekt, aber das erwarte ich auch gar nicht! Viel wichtiger ist: Er ist das Pferd, das ich immer haben wollte. Es hat einige Zeit gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt und die vielen Rückschläge sind inzwischen verdaut. Nun beginnt ein neues, spannendes Kapitel..."

(Januar/Februar 2009)


 
  Teil 5: Ein Leben ohne Belcanto? Undenkbar!
 

Traber Belcanto
Christina berichtet von neuen Erfahrungen und Erlebnissen mit ihrem ersten eigenen Pferd – Belcanto: "Nachdem ich Belcanto jetzt schon seit 2 ½ Monaten habe, kann ich mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Zunächst begannen wir mit Bodenarbeit. Ganz einfache Dinge, die ihn aber doch schon ziemlich forderten und ihm auch beiläufig klar machten, dass ich "der Chef" im Ring bin. Nach drei Wochen sollte es so weit sein. Ich nahm mir fest vor: Heute reite ich ihn das erste Mal. Nachdem ich ihn vor dem Kauf schon einmal geritten hatte, war ich optimistisch und fest davon überzeugt, dass alles gut gehen würde.

Ich nahm also meine Mutter mit auf den Reitplatz, die ihn festhalten sollte und wollte aufsteigen. Ich merkte, dass er leicht wibbelig wurde und nach außen ausweichen wollte. Doch ich wollte es umbedingt probieren. Ich saß ganz zwei Sekunden auf ihm, da warf er mich auch schon ängstlich ab. Er rannte in Panik noch ein Stückchen weiter und blieb stehen. Er zitterte am ganzen Körper. Er wusste einfach nicht, warum ich auf ihm sitzen wollte (... und er wollte mir auch mit Sicherheit nicht weh tun, aber er kam einfach noch nicht mit dieser für ihn völlig neuen Situation klar).

Kurze Zeit später waren alles Schmerzen, die ich mir bei dem Sturz zugezogen hatte, vergessen (ich bin echt richtig hart geflogen und gelandet). Das Wichtigere war: Ich wollte nur, dass es meinem Pferd gut geht und ich wollte ihn vor allem wieder beruhigen und ihm klar machen, dass es nicht schlimm gewesen sei, was da passiert war. Ich verstand erst gar nicht, warum er das getan hatte. Aber nach und nach wurde mir klar: Der Sattel passte nicht richtig! Und mehr noch: An diesem Tag war es sehr windig – und Belcanto hasst den Wind. Ich hatte ihn nicht gut genug darauf vorbereitet, und seine Hufe waren auch noch nicht ordentlich gemacht, der letzte Hufschmied hatte mehr als oberflächlich gearbeitet.

Traber Belcanto
Der erste wirklich schlechte Tag für uns beide war vorüber und mir war klar, dass ich ihm erst sehr langsam und vorsichtig nahe bringen musste, was ich von ihm wollte, damit er diese Situationen besser einzuschätzen lernte. Also suchte ich Hilfe bei einer Reitlehrerin, um mit ihr zusammen erst einmal langsam an die Sache heranzugehen. Doch auch das war wenig erfolgreich, und ich suchte eine weitere Reitlehrerin, weil ich das Gefühl hatte, dass diese neue Reitlehrerin besser für das Pferd und auch für mich geeignet sei.

Nun trainieren wir hauptsächlich an der Longe und gehen ganz langsam an die Sache heran. Ich lehne mich jeden Tag über seinen Rücken, damit er das Gefühl schon mal kennenlernt und sich an diese ungewohnte Belastung gewöhnt. Jetzt, wo ich nicht mehr nur darauf fixiert bin, ihn möglichst schnell reiten zu können, klappt alles besser – für uns Beide. Er bleibt beim Rüberlehnen inzwischen ruhig stehen und auch sonst ist er viel ausgeglichener geworden. Klar, er musste sich erst einleben, aber ich denke, alles was ich und auch andere von meinem Stall jetzt für und mit ihm machen, ist einfach besser und gut für ihn.

Aus Fehlern lernt man und am Anfang hatte ich halt einige Fehler gemacht, die ich jetzt aber, denke ich, verbessert habe. Er ist auch beim Spazieren gehen gar nicht mehr schreckhaft. Überall hin folgt er mir ohne Zicken. Er ist inzwischen halt MEIN PFERD und ich werde ihn auch nie wieder für kein Geld der Welt mehr abgeben! Denn trotz aller Startschwierigkeiten ist mir jetzt schon klar: Er ist MEIN PERFEKTES PFERD!"

(April 2009)



 
  Teil 6: Die nächste Lektion mit Belcanto: Angst und Freude
 

Traber Belcanto
Weitere spannende Wochen sind vergangen, in denen sich der einstige Wirbelwind von der Rennbahn, Belcanto, und seine Besitzerin Christina weiter beschnuppern und kennen lernen konnten. Anfängliche Missverständnisse sind inzwischen überwunden und Belcanto und Christina scheinen immer mehr unzertrennlich zu werden. Aber bis zum völlig konfliktfreien Umgang miteinander ist es noch ein weiter Weg. Christina arbeitet daran und berichtet hier über den aktuellen Stand:

"Wir sind am 28. Mai 2009 von unserem bisherigen Stall weggegangen, weil wir dort enormen Stress hatten. Nun, am neuen Stall, hat sich vieles verändert. Auch mit Belcanto. Wir übten nun mit hängenden Steigbügeln zu longieren. Und wir machen, wenn schönes Wetter ist, so oft wir möglich einen Ausflug in den Wald, um neue, noch unbekannte Dinge kennen zu lernen. So sollen weiter möglichst alle Ängste vor allem Unbekannten abgebaut werden.

Bis jetzt hat sich Belcanto noch nie ernsthaft erschrocken, darauf bin ich bei diesem erst 5-jährigen Pferd sehr stolz. Auch das Longieren mit Steigbügeln klappt sehr gut. Unlängst war es soweit: Am 14. Juni 2009 hatte ich wieder einmal Reitstunde. Meine Reitlehrerin war zuvor zwei Wochen im Urlaub und kam nun das erste Mal zurück. Sie schaute sich kritisch an, was wir zur Zeit gelernt hatten und lobte uns grenzenlos.

Sie meinte erfreut, dass Belcanto total schnell lernen würde und er sich wunderbar gemacht habe. "Super!" so das eindeutige Urteil meiner engagierten Reitlehrerin. Am Ende zeigte ich ihr, wie ich mich, ohne dass Belcanto (wie früher) sofort protestierte, in den Steigbügel stellen konnte.

Traber Belcanto
Kaum stand ich drin, sagte sie, ich solle meinen Helm holen, wir wollten heute eine neue Lektion probieren. Ich holte mit gemischten Gefühlen meinen Helm. Ich hatte natürlich Angst, weil ich noch die Bilder im Kopf hatte, als ich vom Pferd geflogen war. Doch andererseits freute ich mich auf die neue Herausforderung.

Dann stand ich auf der Leiter. Den einen Fuß im Steigbügel und den anderen auf der Leiter. Nervenkitzel pur. Ich habe mich in letzter Sekunde noch drücken wollen, doch meine Reitlehrerin blieb eisern. Sie zählte: "3.....2......1", ich machte die Augen zu, schwang mein Bein über den Sattel und saß. Ich saß das erste Mal richtig auf meinem Pferd! Und was sagte Belcanto dazu? Er gab ein leises Stöhnen von sich, so nach dem Motto: "Uuh, und was war daran jetzt so schlimm?" Ich war so froh, aber trotzdem auch sehr erleichtert, zwei Minuten später wieder unten zu sein. Er war total brav! Die nächste Hürde war geschafft!

Heute saß ich wieder auf Belcanto und wir sind auch schon Schritt gegangen und haben das Durchparieren und Anreiten intensiv geübt. Er hat es super gemacht und sich kein bisschen gewehrt. Ich denke, letztendlich ist das zwischen uns immens gewachsene Vertrauensverhältnis der Grund für diese großen Fortschritte. Auch wenn alles recht lange gedauert hat: Was lange währt, wird halt endlich gut!

Er arbeitet wunderbar mit – und darauf bin ich sehr stolz. Jetzt werden wir unser Zusammenspiel weiter perfektionieren und bald habe ich ein eigenes Pferd, das immer zuverlässiger und leichtrittiger wird. Die unschöne Vergangenheit auf der Rennbahn lassen wir mehr und mehr hinter uns. Auch das Springen haben wir schon geübt. Klappt schon ganz gut, dafür, dass er es noch nie gemacht hat und so etwas als ehemaliges Rennpferd absolut nicht kannte. Ich bin so überglücklich mit ihm. Er ist und bleibt einfach nach wie vor – wie schon oft gesagt – MEIN PFERD!

(Juli 2009)



 
  Teil 7: Schon nach Wochen – es läuft immer besser
 

Traber Belcanto
Glaubte Christina in den ersten Wochen nach dem Kauf ihres ersten eigenen Pferdes Belcanto noch, sie würden beide bestimmte Hürden niemals nehmen können, bringt nun jede Woche neue Fortschritte und Erfolgserlebnisse. Belcanto macht auch optisch nun eine immer bessere Figur (siehe Foto vom September 2009). Zwar forderte Christina streckenweise Belcanto zuviel ab, doch auch das wurde inzwischen erfolgreich eingepegelt, wie Christina jetzt im September wieder berichten kann:

"Nach weiteren unvergeßlichen Monaten kennen Belcanto und ich uns schon sehr gut. Wir haben sowohl im Gelände als auch auf dem Platz wesentliche Fortschritte gemacht. Von Zeit zu Zeit merkte ich jedoch, dass er etwas überlastet war. Denn immerhin: Ich trainierte jeden Tag mit ihm die unterschiedlichsten Lektionen: Ob nun Dressur, Springen oder Gelände. Ich war so ehrgeizig.

Für diesen Ehrgeiz bekam ich auch prompt die Quittung präsentiert: Eine Woche lang ging Belcanto lahm. Wir wussten nicht, was er hatte. Irgendwie wirkte er auch recht traurig. Also beschloss ich meine Reitlehrerin zu holen. Sie kennt sich sehr gut mit Pferden aus. Sie meinte, eventuell seien seine Sehnen überlastet. Ich solle es wieder langsamer angehen und nicht ganz so ehrgeizig sein.

Sie schlug mir vor, einen systematischen Reitplan zu erstellen. Dieser solle Belcanto wenigstens einmal die Woche einen Ruhetag gönnen, an den Arbeitstagen sollten sich Longieren und Reiten abwechseln. Und genau dies tat ich auch. Beim Longieren übe ich den Galopp, beim Reiten Dressur und Springen. Wir können nun schon seitwärts, rückwärts; an der Longe im Galopp gehen, bis zu 1,20 m Springen und im Gelände sind wir auch ein tolles Team.

Nächstes Jahr werde ich verstärkt das Springen trainieren, damit ich mit ihm auch auf Turnieren teilnehmen kann. Ich möchte ihn nicht überfordern, aber mal ein Turnier zu wagen, kann ja nicht falsch sein. Natürlich: Ich möchte nicht die "großartige Springreiterin" werden, aber es macht mir halt Spaß und ich möchte auch etwas weiterkommen. Ich bin sehr zufrieden mit Belcanto. An der Longe wollte ich ihm das Springen erst einmal sanft nahe bringen, aber da blieb er oft einfach stehen. Seitdem ich aber nur beim Reiten springe, geht er mutig über jeden Sprung. Ich freue mich, dass er das total gerne macht. Er zeigt viel Bereitschaft beim Springen."

(September 2009)



 
  Teil 8: Die enge Bindung ist noch mehr gewachsen
 

Traber Belcanto
Lange nichts mehr gehört von Christina und ihrem Pferd Belcanto. Ist dort alles noch in Ordnung?!? Ja! Das kann Christina nun, rund neun Monate seit dem letzten Zwischenbericht, stolz vermelden. Und es klappt nicht nur gut mit Belcanto, sondern zunehmend immer besser. Hier Christinas neueste Zusammenfassung:

"Ich wollte nun mal wieder meine Geschichte weiterschreiben:

Nach einer längeren Winterpause – da der Platz gefroren und die Straße zur Halle spiegelglatt war – sind wir dieses Jahr nun endlich erfolgreich gestartet. Wir haben Spaß bei Geländeritten sowie beim Dressurreiten und natürlich beim Springen (Springen ganz besonders). Mein Pferd ist beachtlich in die Breite gegangen (nicht fett, aber auch lange nicht mehr so mager wie letztes Jahr – siehe neuestes Foto von ihm). Das Beste ist aber immer noch, wie liebevoll und gutmütig er ist.

Er hat sich total prächtig entwickelt. Ich bin so froh, dass ich ihn gekauft habe. Ich kann ihn ohne Halfter und Strick irgendwo hin mitnehmen und er folgt mir ohne Widerspruch. Auch beim Putzen bleibt er ruhig und ohne Halfter und Strick stehen und lässt sich verwöhnen. Wenn er vor irgend etwas Angst hat, rennt er nicht weg, sondern versteckt seinen Kopf hinter meinem Rücken. Er ist echt so lieb. Auch seine Blindheit interessiert ihn überhaupt nicht. Er ist genau wie jedes andere Pferd beim Reiten sowie im Gelände oder beim Springen. Alles kein Problem! Ich würde ihn nie wieder hergeben.

Belcanto und ich sind so enge Freunde geworden, ich glaube das ist echt sehr selten. Es gibt Freundschaften zwischen Pferd und Mensch, aber so dolle?! Ich weiß es nicht. Belcanto hat nun auch eine menschliche andere Freundin. Ich habe jemanden gewinnen können, der mich unterstützt, weil ich das alles mit der Zeit sonst nicht mehr so hinbekommen würde. Belcanto ist sehr kontaktfreudig und die Beiden haben sich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist supernett zu ihm und pflegt ihn echt super!

Ich bin froh das ich jetzt kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, denn ich weiß das er nun wieder die Bewegung bekommt, die er auch braucht. Seit dem Winter ist er nun auch Herdenchef auf seiner Wiese. Seine Herde hat sich etwas geändert in der letzten Zeit, aber das freut Belcanto sehr. Er ist sehr zufrieden und man merkt ihm an, dass er sich wohl fühlt."

(Juni 2010)




 
  Teil 9: Erneuter Umzug und eine böse Verletzung
 

Traber Belcanto
Jetzt ist es schon fast zwei Jahre her, dass Christina und Traber Belcanto ihre Freundschaft begründeten. Und noch immer klappt es, von den üblichen Höhen und Tiefen einmal abgesehen, prima mit den Beiden. Hier Christinas neueste Zusammenfassung:

"Es sind ein paar Monate vergangen und es ist viel passiert. Belcanto und ich haben im Juni den Stall gewechselt. Nun sind wir wieder auf einen Bauernhof gezogen. Anfangs hatte er ein paar Probleme, sich in die Herde einzufinden. Immerhin ist es das erste Mal, dass er in eine so große Herde kam. Nun hat sich aber alles beruhigt und ihm geht es wieder bestens. Außerdem hat er eine neue Freundin gefunden: Eine Ziege! Außerdem spielt er sehr gerne mit dem Hofhund Frieda.

Er hat aber auch in der Herde wieder neue Freunde gefunden. Zwei neue Freunde haben uns aber leider schon nach kurzer Zeit wieder verlassen. Aus den Anfangsschwierigkeiten in der Herde wurde leider auch eine ernste Geschichte. Einer aus der Herde hatte ihn getreten und Belcanto konnte kaum laufen. Ich rief sofort den Tierarzt und er gab ihm Spritzen und Schmerzmittel. All das aber half nichts.

Nach Wochen ohne Besserung entschloss ich mich, einen Osteopathen zu holen. Dieser fand tatsächlich eine erhebliche Verspannung. Er renkte Belcanto wieder ein, die Verspannungen blieben allerdings noch einige Wochen erhalten. Ich trainierte mit ihm trotzdem weiter. Die erste Woche nur im Schritt, dann eine Woche nur im Trab und dann wieder normal. Es ist nun alles wieder in Ordnung.

Wir gehen nun sehr oft auf Ausritte und Spaziergänge. Und wir haben uns darauf geeinigt, dass er nur als Freizeitpferd geritten wird. Ich denke das reicht. Ich möchte dass es ihm gut geht und er sich keinem Turnierstress mehr aussetzen muss. Außerdem geht es uns sehr gut im Moment und falls es doch nochmal etwas werden wird mit den Turnieren, werde ich wieder berichten.

PS: Die neue Besitzerin von Gordon (siehe Update Teil 3 weiter oben) hat mich übrigens angeschrieben. Scheinbar hat sie diesen Artikel hier gelesen und mir geschrieben, dass ihr nun Gordon gehören würde. Ich denke, heute ist nur noch Belcanto mein Pferd, und es war auch richtig, dass ich ihn bekommen habe."

(Dezember 2010)


  
maillogo

 Weiterlesen: Samastis Geschichte |

 Weiterlesen: Bubis Geschichte |

 Weiterlesen: Astrits Geschichte  |

 Weiterlesen: Neujahrs Gechichte  |