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Stichwort: Pferdegeschichten

Zwischen Lust und Frust

Das Langzeit-Tagebuch: Eine Tierheilpraktikerin erzählt aus ihrer Arbeit und ihrem Leben

Von Claudia Nehls (Texte/Fotos)


Tierärzten wirft man oft und gerne vor, sie würden "nur" die schulmedizinische Variante kennen, die gezielte Behandlung also von einzelnen Beschwerden, und das sogenannte "ganzheitliche Konzept" eher vernachlässigen. Tierärzte vernachlässigen die "ganzheitliche Behandlung" tatsächlich in der Regel, aber dies eher zwangsläufig: "Ganzheitlich" bedeutet, dass man ein riesiges, aufwändiges (vom Kunden dennoch bezahlbares) Leistungsspektrum anbieten muss. "Ganzheitlich" bedeutet meist auch zeitintensive Diskussionen mit den Tierhaltern vor Ort und am Telefon, weil oft tiefgreifende Änderungen im Umfeld des vierbeinigen Patienten notwendig sind. Änderungen, die manchmal drastische zusätzliche (daher unliebsame) Investitionen an Zeit, Geld und Arbeit beim Tierhalter einfordern. Kein Tierarzt kann neben seinem "schulmedizinischen Pflichtenkatalog" das leisten.

Der Tierheilpraktiker jedoch . . . muss das leisten! Wenn er gerufen wird, waren häufig schon schulmedizinische Therapien erfolglos. Auf dem Tierheilpraktiker lastet daher ein enormer Erwartungs- und Erfolgsdruck. Er muss bieten, wofür die "Schulmedizin" keine Zeit und keine Ressourcen hat. Vor allem sehr leidenschaftliche Tierheilpraktiker gehen dabei oft bis an ihre Grenzen. Und was sie letztlich in Rechnung stellen, entgeltet oft nur einen Bruchteil ihres Engagements. Eine dieser engagierten Tierheilpraktikerinnen, Claudia Nehls aus Bad Driburg, schildert ab sofort in loser Folge ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse und ihren Arbeits-Alltag, umrandet von Bildern aus dem Umfeld des Tierheilkundezentrums. Momentaufnahmen aus einem "Open-end"-Arbeitsalltag im ständigen Spannungsfeld von "Lust und Frust".

(Guido Gennerich)


  Nur noch Kompromisse



[  Januar 2013  ]

Futter
Meine Güte, das waren die wohl stressigsten, aufregendsten und kräftezehrendsten Weihnachten, die ich je erlebt habe! Nein, nein, nicht wie Sie jetzt vielleicht denken: Wegen Baum schmücken, Geschenke kaufen, Leuchtgirlanden installieren etc. Oh, nein! Während anderswo glückliche Kinder ihre duftenden selbst gebackenen Plätzchen aus dem Ofen holten, fleißige Mütterhände den Gänsebraten versorgten, waren bei uns viele fleißige Hände im Tierheilkundezentrum bis kurz vor Heiligabend nur damit beschäftigt, im Akkord zu renovieren, zu sanieren, Kartons zu stapeln, zu registrieren, zu stemmen, Umzugsfahrzeuge zu beladen, Computer zu füttern, Produktionsmaschinen zu verfrachten und vieles mehr.

Die letzten drei Monate vor dem Jahresausklang 2012 waren nur noch von einer Sache beherrscht: Der Einrichtung und Eröffnung unserer neuen zusätzlichen Repräsentanz in Warburg. Dass dies ausgerechnet auch im zeitlichen Umfeld von Weihnachten und Silvester geschah, lag sicher nicht an unserem schlechten Timing, sondern am schlechten Timing des Winters, der uns bekanntlich in der ersten Dezemberhälfte eisige Temperaturen und weiße Pracht im Übermaß bescherte. Als wir schon die ersten Umzugswagen losschicken wollten, türmten sich quasi über Nacht riesige Schneeberge vor unserer Türe und täglich mussten wir mit Radladern unseren Hof und unsere Pferde ausbuddeln. Das wirbelte den Zeitplan mächtig durcheinander! Aber genau dieses Schneechaos hatte uns wieder einmal eindrucksvoll vor Augen geführt: So konnte es nicht weitergehen! Schon mit Blick auf die vielen Fahrzeuge der Paketdienste, die sich zwecks Abholung der immer zahlreicheren Warensendungen zu unserem entlegenen Hof in Bad Driburg Tag für Tag durchkämpfen mussten.

Futter
Schuld an der ganzen Misere haben aber vor allem unsere Kunden. Sie kaufen einfach zu regelmäßig und zu viel ;-). Spaß beiseite: Was tatsächlich einstmals nur als kleines "Zubrot" gedacht war und eigentlich speziell für die kleinen und großen Patienten des Tierheilkundezentrums entwickelt wurde, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem immer größeren Bereich ausgeweitet. Die vielen hochwertigen Eigenentwicklungen beim Tierfutter, Futter-Ergänzungsmitteln und therapeutischen Hilfsmitteln aus dem Tierheilkundezentrum erfreuen sich inzwischen nicht nur einer gewaltigen Stammkundschaft, diese Stammkundschaft wächst zudem stetig. Was letztlich auch mit einem tiefgreifenden Umdenken der kritischen Verbraucher zusammenhängt. Die Investition in eine gesunde, möglichst wenig denaturierte Nahrung aus hochwertigen, wenig belasteten Rohstoffen, ohne synthetische Zusatz- oder Hilfsstoffe, ist ganz klar eine Investition in die eigene Gesundheit und in das eigene Wohlbefinden. Warum, so fragen sich viele engagierte Tierhalter zu Recht, soll das für die Tiere weniger gelten? Zumal: Was man in erstklassiges Futter investiert, spart man hernach nur zu oft bei etwaigen Tierarzt- und Behandlungskosten!

Die positiven Erfahrungen mit unseren hochwertigen Pferdefuttermitteln brachten zudem eine neue Nachfrage mit sich: Da viele Pferdehalter oft genug auch Halter von Hunden und Katzen sind, wurden wir immer häufiger gefragt, ob das Tierheilkundezentrum nicht auch verstärkt hauseigene Futtermittel für diese Vierbeiner anbieten wolle und könne. Mit nicht geringerer Leidenschaft und gleichem Ehrgeiz entwickelten wir also in den letzten Jahren weitere hochwertige Angebote für z. B. Hunde und Katzen. Das Resultat: Überall mussten wir nur noch Kompromisse machen, denn schließlich forderten nicht nur die Fertigwaren immer mehr Lagerfläche auf unserem Hof; gelagert werden mussten auch die Rohstoffe. Vom Platzbedarf der Produktionsmaschinen ganz zu schweigen. Und immer mehr Pakete verursachen immer mehr Logistik, weswegen wiederum für mehr Mitarbeiter mehr Büroraum notwendig war. Kurz: Unser Hof platzte aus allen Nähten und als wir endlich geeignete Räume in Warburg fanden, sahen wir endlich Licht am Ende des Tunnels.

„Weitere 3.200 m² jetzt zum Atmen!“
Dort in unserer neuen Dependance stehen seit Jahresanfang mehr als 3.200 m² zur Verfügung, die wir sinnvoll in unterschiedliche Bereiche unterteilt haben. Das wird sich spürbar auf unsere Schnelligkeit und unseren Service auswirken. Wir können nun auch eine zentralere Anlaufstelle bieten, in die wir unsere Kunden ab sofort ganz herzlich einladen. Dort kann man seine Futtermittel gleich vor Ort aussuchen und erwerben, uns bei deren Herstellung auch mal über die Schulter schauen oder einfach nur während der regulären Öffnungszeiten (siehe unten) zum Fachsimpeln auf einen Kaffee vorbeischauen. Parkplätze befinden sich direkt vor der Tür und Niemand muss sich mehr länger für die Warenabholung zu unserem abseits gelegenen Hof durchkämpfen. Auch wenn dieser Hinweis eigentlich überflüssig ist: Bei uns muss natürlich selbst der lebhafteste Hund nicht vor der Türe warten, jeder Vierbeiner ist bei uns genau so herzlich willkommen. Bringen Sie ihn mit! Immerhin dreht sich unser ganzes Leben und unsere ganze Arbeit ausschließlich um diese kleinen und großen Lieblinge.

Unser Hof in Bad Driburg, 2003 vom (1997 in Solingen) gegründeten Tierheilkundezentrum bezogen, kehrt damit wieder in seinen ursprünglichen Ruhezustand zurück und wird nun endlich wieder ausschließlich das Zentrum sein für Pferdebehandlung, Pferde-Wellnessangebote, Pferde-Senioren, Pferde-Erholungsurlaub u. ä. Jetzt gehört das Areal wieder komplett nur den Tieren. Während sich nun die Paketdienste in Warburg die Klinke in die Hand geben, können wir uns auf dem Hof jetzt wieder ganz der Behandlung, Betreuung und Rekonvaleszenz der Tiere zuwenden. Ein gute Entscheidung, wie ich meine. Und all das war nur möglich, weil alle Mitarbeiter, Familienmitglieder und Freunde tatkräftig und fleißig monatelang zugepackt und engagiert mitgeholfen haben. Und dafür sage ich hier noch einmal allen ein ganz herzliches Dankeschön!

Eine spannende Bildershow über die Entstehung unserer neuen Dependance gibt es übrigens hier.

Hier nochmals unsere Adressdaten:

Tierheilkundezentrum Claudia Nehls
Walme 22
34414 Warburg

Telefon: 0 56 42 - 98 88 826 und 98 88 827
Mobil: 0 173 - 51 57 633

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 7 bis 16 Uhr

Besuchen Sie uns, wir freuen uns auf Sie!



  Meine Pferde sind "wertlos"



[  Dezember 2011  ]

Futter
"BIO" wird immer beliebter bei den Konsumenten. Warum greift der Mensch verstärkt zu BIO-Produkten? Haben diese Leute zu viel Geld, sind das alles nur "Öko"-Freaks? Nein! Immer mehr Menschen wissen spätestens seit den zahlreichen Lebensmittelskandalen, wie heutzutage viele Produzenten (nicht selten mit extremer krimineller Energie) versuchen, den besten Reibach zu erzielen. Aktuell sind es bekanntlich die mit Unmengen von Antibiotika vollgepumpten Masthähnchen, die in der öffentlichen Diskussion stehen.

Auch bei meinen Kunden für Pferdefutter nimmt das Qualitätsbewusstein zum Glück immer mehr zu. Denn wenn schon bei Nahrungsmitteln für Menschen gepanscht, gefälscht, manipuliert und zusammengerührt wird, wie sieht das dann vermutlich erst bei den Tierfuttermitteln aus? Was meine Kunden von mir nicht (!) wollen, ist genau das, was ich auch nicht (!) anbieten will: Pferdefutter "reich an" synthetischen Zusätzen, ob nun in Form von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen etc., alles oft in keinem sinnvollem Verhältnis zueinander und zudem noch "raffiniert abgeschmeckt" mit einer kräftigen Dosis Schadstoffen. Zahlreiche Pferde, Ponys oder Esel, die mir als Patienten vorgestellt werden, wurden vermutlich mit solchen Futtermitteln, davon bin ich überzeugt, über lange Zeit systematisch krank gefüttert.

„2009 hatte ich die Nase endgültig voll!“
Kann ich diese "ungeheuerliche Vermutung" belegen oder gar beweisen? Nö, wie denn? Denn wie bei der falschen Ernährung des Menschen ist auch die falsche Fütterung von z. B. Pferden nur ein einzelner Baustein bzw. nur ein Katalysator für spätere komplexe Erkrankungen. Wer will nach einer langfristigen Entwicklung später das Krankheitsbild noch kausal mit den verwendeten (Zusatz-)Futtermitteln in Zusammenhang bringen oder gar die Urheber dingfest machen? Ist ebenfalls alles wie beim Menschen: Krebserkrankungen, irritierte Immunsysteme, Antibiotika-Resistenzen usw. usf. – auch hier werden Sie niemals eine konkrete Verantwortlichkeit in der Lebensmittelindustrie zu fassen bekommen. Aber das ist jetzt gar nicht mein Thema.

Mein Problem war: Meine Kunden wollten hochwertiges Futter und ich wollte sicher sein, dass ich es Ihnen auch wirklich verkaufe. Als Tierheilpraktikerin konnte und wollte ich mich nicht darauf verlassen, was mir Lieferanten versprachen oder was mir hübsche Etiketten suggerieren sollten. Nachprüfen konnte auch ich das, was schon zusammengewurstelt war, sowieso nicht. Und forschte ich mal kritisch nach, musste ich leider nur zu oft feststellen, dass letztlich weniger Qualität drin war als mir versprochen wurde. Zudem steht man sowieso ziemlich auf dem Schlauch, wenn man auf dem aktuellen Markt unbelastete, erstklassige Qualität als Fertiglösungen beziehen will, die zudem noch rohfaserreich und zuckerarm sind und bei denen die Zutaten sinnvoll kombiniert werden.

2009 hatte ich die Nase endgültig voll und entwickelte mein eigenes (heute sehr erfolgreiches) Pferdefutter! Kritisch beäugt und nicht selten engagiert bekämpft von diversen Anbietern konventioneller Produkte begann ich mit dem Einkauf von Rohstoffen höchster Qualität. Noch bevor sie zum fertigen Produkt zusammen gebaut werden, müssen diese Bestandteile heute strengste Kontrollen über sich ergehen lassen. Ausgeweitet haben wir das inzwischen auch auf die Chargen, die wir als Luzerne und geschnittenes Gras einkaufen. Erst wenn Pestizid- und Schwermetall-Screenings mittels GC/MS durchlaufen sind, bei denen rund 395 verschiedene Pestizide oder Schwermetalle entlarvt werden können, und erst, wenn klar ist, dass die Chargen höchstmögliche Reinheit und Toxinfreiheit aufweisen, dürfen diese Rohstoffe in meine Futterprodukte. Da muss ich jetzt bestimmt auch nicht noch besonders erwähnen, dass wir natürlich auch nicht aus radioaktiv belasteten Gebieten einkaufen. Aber das alles reicht nicht. Die Zutaten rührt man nicht einfach zusammen, sondern das Mischungsverhältnis muss mit dem korrespondieren, was sich in vielen, vielen Jahren praktischer Erfahrung in der Tierheilkunde als sinnvoll und ernährungsphysiologisch optimal bewährt hat.

„Es soll endlich drin sein was drauf steht!“
Meine Kräuter und natürlichen Vitalstoffmischungen müssen natürlich ebenfalls den höchsten Qualitätsstandards entsprechen, der durch die Europäische Arzneibuch-Qualität garantiert wird. Gersteflocken, Haferflocken, Dinkelflocken, Maisflocken – so was kaufen wir genau dort, wo auch die Hersteller hochwertiger Müslimischungen für den Menschen einkaufen! Wir hübschen unser Futter auch nicht mit Melasse oder minderwertigem Öl auf, um zum Beispiel deutlich sichtbaren Staub im Pferdefutter zu binden.

Völlig übertrieben dieser Aufwand, denken Sie? Nun, dann erinnern wir uns doch mal an die jüngsten Skandale. An die enormen Nitratmengen in Rübenschnitzeln oder an das Tierfutter, das man mit minderwertigem dioxinverseuchtem Öl vergiftet hatte! Und das sind nur die bekannten Skandale, denn man forscht bekanntlich nur da intensiv nach, wo es schon die ersten dramatischen Folgen bis in die Nahrungskette der Menschen geschafft haben! Wobei ich ein Stück weit natürlich die Motive verstehen kann, die hinter solchen Vorgängen stehen: Ein großer Markt verlangt eben nach möglichst billigen Tierfutter-Mischungen, die man als kompakte Sacklösungen ordern und ohne viel Nachdenken in die Futtertröge kippen kann. Das ist auch in den Pferdeställen oft nicht anders. Wer solche Lösungen will und kauft, der bekommt eben, was er verdient, finde ich. Und die später deshalb ggf. zu konsultierenden Tierärzte wollen schließlich auch leben . . .

Meine Kunden bewegen sich weit weg von diesem Umfeld. Diese Kunden wissen, dass sich niemals etwas daran ändern wird, dass man für hochwertige Produkte auch entsprechend tiefer in die Tasche greifen muss. Der Aufwand, der mit einer erstklassigen, von strengsten Kontrollen und strengster Auswahl begleiteten Futtermittelproduktion verbunden ist, kostet nun mal Geld. Meine Produkte sind teuer, ich weiß. Und das bleibt auch so! Billigfutter gibt's woanders.


  Meine Pferde sind "wertlos"



[  Januar 2011  ]

Gustav
Manchmal braucht man nur kurz vor die Türe zu gehen, um ein Thema zu finden, über das man doch schon immer einmal schreiben wollte: Das "banale Freizeitpferd". Unsere Tinker Gustav und Osman bewohnen ihren – ebenfalls reinen – Freizeitstall bzw. ihre geräumigen Apartments von 10 x 5 Metern gleich neben unserer Paketstelle; also dort, wo täglich vom Deutschen Paketdienst die Pakete abgeholt werden. Da ich heute etwas mit den Fahrern besprechen musste, ging ich kurz raus, als die Pakete abgeholt wurden. Ein neuer Fahrer. Dieser fragte dann gleich bei dieser Gelegenheit einmal nach, ob die beiden schon eingeritten seien. Nein, antwortete ich, sie seien erst 4 Jahre alt und ich hätte gerade erst mit Beiden ein wenig spielerisch angefangen.

Och, erwiderte der Zusteller, deren Trakehner seien schon mit 3 Jahren eingeritten worden. Na ja, sag' ich, mache ja nix. Nächste Frage: "Sind das denn reine Freizeitpferde?" (Ja sicher, denke ich, was sollen die denn sonst sein?!?) Ich sage aber höflich: "Ja, die beiden sind reine Freizeitpferde." Der Fahrer: "Eine A-Dressur gehen die aber auch, auch, wenn es Tinker sind?" Puuhhh, ja, sicher würden sie dies tun; sicher würden sie auch "mehr bringen". Aber, wofür soll das wohl gut sein? Der Fahrer erneut: "Sie sind wirklich "nur" reine Freizeitpferde?" "Ja, wirklich, sind sie Freizeitpferde und auch reine Familienmitglieder."

„Diesen ganzen Stress brauch ich nicht!“
Ich verzweifle fast. Ist die "Turnier-Verwertung" von Pferden wirklich das Einzige, was uns diese Tiere zu bieten haben? Aus dem Alter bin ich einfach raus. Ich brauche keinen Wettkampf, ich muss mich nicht mehr mit anderen messen. Mir reicht es, wenn meine Pferde reine Familienmitglieder und Freizeitpferde sind. Ich bin glücklich, wenn ich mit ihnen einen schönen Ausritt in der Natur unternehmen kann und wir ein Team sind, wir uns ohne Worte verstehen, wir alle den Ausritt genießen. Ich bin glücklich, wenn wir gemeinsam Dinge erleben, unternehmen und wir uns gut verstehen. Wenn mein Pferd freudig wiehernd auf mich zukommt, sobald es mich sieht; wenn mein Pferd mir grenzenlos vertraut, wenn mein Pferd mit mir etwas zusammen unternehmen möchte, gleich, was es letztlich ist.

Meine Pferde gehören zur Familie, wie alle anderen Tiere auch, sie müssen keine "Leistungen" erbringen, um sich Liebe zu erkaufen, ich will keine Macht demonstrieren an ihnen, ich will mich nicht profilieren. Sie müssen einfach "nur" Pferd sein, ihren individuellen Charakter ausleben und bewahren. Ich brauche nicht die wichtigtuerische Dominanz gegenüber meinen Pferden. Sie haben ihre Eigenheiten, gute und schlechte, wie wir Menschen. Und auf jedes Pferd muss man entsprechend individuell reagieren und eingehen. Jedes Pferd ist auf seine ganz eigene Weise liebenswert. Dieses muss es nicht durch Schleifchen sammeln unter Beweis stellen, und ich würde keinen Kopf größer werden, wenn wir ein Turnier gewinnen würden. Warum auch?

Im Alter von 11 bis 13 Jahren hatte ich diese Schleifchensammler-Phase einmal kurzfristig, und ... den dazu gehörigen Stress: Aufstehen mitten in der Nacht, Pferd auf Hochglanz trimmen, Mähnen flechten um die Wette, Transporte nach "Gott weiß wohin", Parcours erkunden, Aufregung vor und nach dem Einsatz, Angst vor Blamage usw. usw. usw. Trotzdem: Natürlich erinnere ich mich auch gerne zurück, weil ich einen einzigartigen Turnierpartner hatte: Bubi. Bubi und ich mussten nicht ausgiebig trainieren, denn wir waren ein Team, es klappte einfach. Bubi liebte das Springen und ich musste eigentlich nicht mehr als mir den Parcours merken (was für mich schon schwer genug war...). Es gab lediglich ein Turnier, bei dem wir nicht unter den ersten Drei waren - und das war meine Schuld, denn: ich hatte mir den dummen Parcours nicht merken können!

„Ich habe völlig wertlose Pferde“
Heute hätte ich überhaupt keinen Spaß mehr daran, mich und meine Pferde diesem Stress auszusetzen. Wofür auch? Heute suche ich Entspannung bei den Pferden und meine Pferde freuen sich, wenn ich einfach nur Zeit mit ihnen verbringe, da diese so rar geworden ist. Es spielt gar keine Rolle, was ich mit ihnen mache, Hauptsache: Wir machen etwas. Das ist das, was für uns zählt! Immer wieder habe ich den Eindruck, dass ich viele Menschen mit dieser Einstellung überrasche. Da ist wieder und wieder die Frage danach, was denn meine "Pferde leisten", "was sie wert seien" – gerechnet in dieser blödsinnigen "Turnierwährung". Viele Siege, wertvolles Pferd?!? Keine Turniererfolge, "wertloses" Pferd?!? Gut, so gerechnet habe ich völlig "wertlose" Pferde, weil sie bei mir nur "Pferde sein dürfen", nur "da sind".

Warum eigentlich müssen in den Augen vieler Menschen Pferde "teuer", "edel", "leistungsfähig" sein? Warum wollen solche Zeitgenossen diese Geschöpfe "dominieren", mit der Unterwürfigkeit und dem Gehorsam ihrer Pferde Eindruck schinden? Warum braucht man den imposanten Auftritt auf wichtigen Turnieren? Warum werden solche Auftritte in der professionellen Reitsportszene so bewundert und beachtet? Eine Reitsportszene, die immer häufiger auch negativ von sich reden macht: Dopingskandale, Pferdeschinderei am Rande der systematischen Tierquälerei usw. usw. Schönheit, Leistungskraft und Ausstrahlung der Pferde: Nicht selten muss das hauptsächlich herhalten für überzogene Erfolgsgier und egoistische, überdrehte Selbstdarstellungsambitionen der Pferdebesitzer. An die Pferde selber denkt man da zuletzt. Sie sind in erster Linie "Mittel zum Zweck".

Ja, lieber Paketzusteller: Ich habe "nur wertlose" Freizeitpferde. Sie bezaubern und erfreuen mich nur durch ihre Gegenwart. Und dennoch stellen sie für mich unendlichen Reichtum dar.


  Billig-Kräuter sind nicht "geil"!



[  November 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Ja! Richtig! Es stimmt! "Die Nehls" ist "teuer"! Und sie ist gerne "teuer" und sie wird auch weiter "teuer" bleiben! Warum ist aber "die Nehls" eigentlich "teuer"? Die Antwort: Wir könnten unsere Ergänzungsfuttermittel mit bedeutend mehr Gewinn auch zu einem wesentlich günstigeren Preis, also richtig schön "billig", verkaufen. Dann jedoch in minderwertiger Qualität, ggf. belastet mit Giftstoffen, da keine Prüfung erfolgen würde. Und da man Giftstoffe gerade bei Kräutern und Pflanzen nicht ausschließen kann, gibt's nur eine Garantie für Bestware: Die Deutsche Arzneibuch-Qualität.

Wir bekommen zahlreiche Angebote diverser Firmen im In- und Ausland zum Einkauf von Kräutern, die nur einen Bruchteil unseres Einkaufspreises betragen, nehmen diese jedoch aus fester Überzeugung nicht an! Ein schönes Beispiel ist auch immer wieder die Grünlippmuschel: Billiges minderwertiges Grünlippmuschelpulver kann beispielsweise in Anglergeschäften zu einem Spottpreis, in größeren Mengen sogar zu einem noch darunter liegenden Spottpreis erworben werden.

Nein, wir möchten aber nicht diese Qualität verkaufen. Nicht in erster Linie "billig", sondern gut und hilfreich sein und erstklassige Qualität vertreiben. Qualität, die nicht schadet, sondern nutzt! Aus diesem Grunde kaufen wir unser Grünlippmuschelpulver in Deutscher Arzneibuch-Qualität von einem Großhändler für Apotheken ein und zahlen einen Preis, der so viel höher ausfällt, dass man nicht glauben mag, dass es sich um den gleichen Rohstoff handelt!

„Giftig! Aber der Preis ist
. . . geil!“
Der Effekt dieses Einkaufs ist die Geschmacksneutralität des Produktes und der extrem hohe Glucosaminanteil und selbstverständlich der Ausschluss von Giftstoffen, die ja gerade auch in unseren Meeren inzwischen zahlreich vorkommen. Das einzige Qualitätsmerkmal der enthaltenen Substanzen in unseren Ergänzungsfuttermitteln ist die Deutsche Arzneibuch-Qualität. Der einzige Prüfungsstandard zum Ausschluss von Giftstoffen ist ebenfalls die Deutsche Arzneibuch-Qualität, d. h., es gibt keine höhere Qualität als diese und ohne Deutsche Arzneibuch-Qualität (DAB) keinerlei Prüfungen anhand unabhängiger Prüfungsprotokolle anerkannter Labore.

Im Umkehrschluss heißt dies auch: Qualität hat Ihren Preis. Kaufen Sie Ihre Kräuter bzw. Tees in der Apotheke, liegen die Preise auf unserem Niveau und genau diese Qualität verkaufen wir: DAB ist der höchste menschliche Qualitätsstandard, also Apothekerqualität. Würden wir diesen anhand der immer mal auftretenden "Zu teuer"-Kritik nicht halten, dann würden mit unseren Ergänzungsfuttermitteln auch nicht die vielen positiven Erfahrungen machen, sie hätten demnach keinen Sinn und Zweck, außer dem, möglichst viel Reibach zu erzielen. Dies möchte ich nicht! Nicht umsonst liest man in zahlreichen Foren häufig: "Die Nehls-Produkte helfen zwar, aber sind mir zu teuer!" Wie wär's denn mal andersherum: "Die Produkte der Nehls sind zwar teuer, aber deshalb helfen sie so oft!"

„An den Tieren spar' ich nicht!“
Meine Zielsetzung ist und bleibt den Tieren zu helfen und hierzu gehört eine erstklassige und nicht zu übertreffende Qualität, um dieses Ziel überhaupt erreichen zu können! Mit weniger qualitativen Produkten ließen sich nicht diese Erfolge erzielen und dies würde dazu führen, dass mir meine Arbeit keinen Spaß mehr machen würde, denn meine Arbeit lebt davon, Tiere wieder glücklich zu machen und nicht davon, ein Gewerbe mit Futtermitteln bzw. industriell zusammengeschusterten Massenprodukten zu betreiben!

Dies ist meine persönliche Einstellung, die alle von mir entwickelten Produkten prägt; letztlich muss jedoch jeder Tierbesitzer selbst frei entscheiden, welche Qualität er seinem Tier füttern möchte und wo seine eigene Zielsetzung ist, seine Beweggründe liegen. Wem es darum geht, möglichst "billig" nach der "Geiz ist geil"-Maxime einzukaufen, der ist bei uns ganz sicher falsch aufgehoben.

Meine Zielgruppe sind Menschen, die für ihre Tiere nur das Beste wollen und keine Kosten und Mühen scheuen, dies umzusetzen, ebenso wie ich selbst. Ich spare lieber bei mir als an meinen Tieren, denen das Optimum zukommen soll, damit sie gesund und glücklich sind. Sind sie dennoch einmal krank, so bleibt nichts unversucht, um sie wieder gesund werden zu lassen. Ja, koste es, was es wolle! Und bleibt dafür bei uns der Tisch auch einmal leer!

  Ein Wochenende



[  August 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Sonntagmorgen, um 8.00 Uhr der erste Anruf auf dem AB, wir schlafen noch . . . Um 8.30 Uhr ruft eine Pferdehalterin aus der Schweiz an, sie hätte vor vier Wochen einen Liter "Animal Biosa" für ihr krankes Pferd bestellt und wolle die Bestellung stornieren. Kein Problem, sage ich und möchte das Gespräch beenden. Sie erzählt jedoch munter weiter, ihrem Pferd würde es sehr schlecht gehen, aber eine ihrer Bekannten hätte ihr jetzt eine noch günstigere Behandlungsmöglichkeit genannt, diese wolle sie erst einmal ausprobieren. Wenn es ihrem Pferd jedoch noch schlechter gehen würde und gar nichts mehr helfen würde, dann, ja dann . . . käme sie selbstverständlich wieder auf mich zu.

Ich denke, o. k., ein Liter "Animal Biosa" für 25 € wird dann sicher nicht mehr reichen, wir werden dann eine umfassende Therapie einleiten müssen und jetzt ist ihr ein Futtermittel für 25.00 € bereits zu teuer. Aber gut, was soll's? Ich kann eh nichts ändern und hoffe, der günstigere Behandlungsvorschlag der Bekannten wird denn doch ausreichen, diesem bereits jetzt sehr krankem Pferd zu helfen; habe jedoch meine Zweifel und bin fast sicher, dass sie sich bald wieder melden wird (hoffe dabei, dass es dann nicht bereits zu spät ist).

„Wer bitteschön ist Toni Flach?“
Meist melden sich Tierhalter erst dann bei mir, wenn die Chance zur Heilung gering und die Pferde bereits austherapiert sind. Die Tierärzte raten dann oft zur Erlösung, der Tierhalter sucht jedoch noch nach der letzten Chance. So ist es leider nur allzu oft! Einziger Trost: Auch jetzt hätte ein Liter "Animal Biosa" alleine ohnehin nicht helfen können, das Pferd litt an chronischem Durchfall seit vielen Monaten, war bereits ausgezehrt und abgemagert, schon fast apathisch. Ich vermute mal, dass das Pferd an einer Darmentzündung leidet und hoffe inständig, dass der Halterin kurzfristig klar wird, dass eine Heilung ihren Preis hat, Medikamente und Untersuchungen kosten schließlich auch Geld!

„Macht überhaupt keinen Sinn!“
Vor dem Frühstück rufe ich noch schnell meine Mails ab. Auch ganz witzig heute: Die Mail einer Frau bekomme ich mit dem Hinweis, ich würde einen "Toni Flach" kennen und möge doch bitte seine Adresse mailen. Besser noch, ich würde ihre Telefonnummer weiterleiten. "Toni Flach" möge sich abends bei ihr melden. - Wer bitteschön ist "Toni Flach"? Neugierig geworden gebe ich "Toni Flach" als Suchwort ein und stelle fest, dass er auch Tierheilpraktiker mit Schwerpunkt Pferde ist.

Wie kommt die Dame eigentlich darauf, dass ich ihn kenne? Ich gebe noch mal "Toni Flach" ins Internet ein und sehe, dass das Tierheilkundezentrum dort auch gelistet ist. Ein Erfahrungsbericht handelt von dem Pferd Toni, und das Wort flach fällt beim Thema Durchfall bei Pferden. Ja, so einfach sind die Listungen, Google erspäht das Wort Toni und zusätzlich noch das Wort flach und zack bin ich gelandet beim Begriff "Toni Flach". Ich erspare mir eine Antwort und lösche die Mail. Einziger Vorteil: Jetzt weiß auch ich, wer "Toni Flach" ist.

Tierheilkundezentrum
Nächste Mail: Auch nicht schlecht. Ein Tierheilpraktiker fragt an, ob er meine Produkte unter seinem Label verkaufen dürfe. Ich frage mich, was denn da für wen positiv sein soll? Er hätte zwar auf diese Weise viel Arbeit, Zeit und Aufwand mit der Entwicklung und Verkaufsorganisation von Futtermitteln gespart, jedoch wer soll dann meine Produkte bitteschön kaufen? Der Markt ist komplett überschwemmt und übersättigt mit Futter- und Ergänzungsfuttermitteln, wer soll also an völlig unbekannten neuen Produkte interessiert sein?

Dem Kollegen muss klar werden, dass sich meine Produkte nur verkaufen lassen unter meinem Namen. Er möchte jedoch lieber den Namen austauschen und will den Eindruck erwecken, es wären Eigenentwicklungen. Macht doch überhaupt keinen Sinn! Nehls Produkte werden doch in erster Linie gekauft, weil sich so viele positive Erfahrungen mit meinen Produkten bei Tierhaltern angesammelt haben, und weil sich gute Produkte aufgrund dieser Erfahrungen. Na gut, auch diese Mail gelöscht, erledigt, vielleicht wird er noch dazulernen, obwohl laut seiner Internetseite, die ich mir noch schnell anschaue, ist er gar nicht mehr der Jüngste.

Glücklicherweise sind auch viele pflegeleichtere Mails im Postfach; viele Fragen zur Behandlung, einige Anfragen zum Ablauf der Haaranalysen, einige Schilderungen von Erfahrungen mit Haaranalysen und Produkten und einige Anfragen, was man bei welchem Problem füttern solle. So, diese Mails habe ich erledigt, weiter geht’s. Jetzt mache ich erst mal die zweite Runde durch das Tierheilkundezentrum und begutachte meine vierbeinigen Patienten. Heute Morgen beim Füttern waren alle wohl auf. Ich ziehe mir die homöopathischen Mittel auf, nehme Globulis und Tabletten mit und werde die Vierbeiner nun auch verarzten (die "Zweibeinigen" sind ja bereits verarztet . . .).

„Endlich um 22 Uhr Feier-
abend!“
Inzwischen habe ich alle versorgt, Bewegungstherapien durchgeführt und alle Pferde einschließlich meiner eigenen grasen zufrieden vor sich hin. Mein Mann bearbeitet unterdessen die Weiden, die nicht durch die Pferde besetzt sind: Mulchen ist angesagt. Dieses Jahr haben wir viel zu viel Gras um das Tierheilkundezentrum. Das Motto ist kurz halten, sonst überfressen sich die Pferde auf den weitläufigen 11 Hektar Weiden. Ab Sommer haben wir es dann wieder etwas ruhiger, das Gras ist dann wieder nährstoffärmer und ein wenig zu viel schadet dann nicht mehr. Mai/Juni sind jedoch gefährliche Zeiten, und eine Hufrehe im eigenen Haus? Nein, Danke!

Da draußen nun alles o. k. ist, mache ich mich an die Haaranalysen und das dauert bis spät abends. Zwischendurch immer wieder Telefonate, viele Fragen beantworten, viele Krankheitsgeschichten hören, kommentieren, versuchen zu helfen. Hufrehezeit im Tierheilkundezentrum, da steht das Telefon auch am Wochenende selten still. Unterbrechungen gibt es noch zwei Mal zum Pferde begutachten, versorgen, Medikamente geben und füttern. Endlich um 22.00 Uhr habe auch ich Feierabend, aber nicht, bevor ich erneut die heutigen E-Mails abrufe und beantworte. Das will mindestens zwei Mal täglich erledigt sein, da sonst das Aufkommen nicht mehr bewältigt werden kann.

Das Telefon bimmelt. Am anderen Ende die Dame, die mir die Mail bezüglich des ominösen "Toni Flach" geschrieben hat. Sie fragt an, ob ich Seminare für Tierheilpraktiker gebe und wie das nun wäre mit der Telefonnummer von "Toni Flach". Ich sage ihr, dass ich aus Zeitmangel keine Seminare mehr gebe (bis vor einigen Jahren hatte ich regelmäßig Seminare für Tierheilpraktiker und auch andere Interessierte gegeben. In den letzten zwei, drei Jahren fehlte mir einfach die Zeit dazu, da ich so viel zu tun habe. Übrigens nicht nur für Seminare, sondern auch für's Privatleben!) Und "Toni Flach": Ich erkläre ihr die Zusammenhänge mit den Keywords unter Google und berichte, dass ich den Namen "Toni Flach" bisher noch nie gehört habe, ich ihr daher auch keine Telefonnummer von ihm geben könne.

  Immer wieder Hufrehe



[  August 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Früh morgens muss ich raus zu einem Hufrehefall. Es sieht böse aus, das Pony leidet seit vielen Wochen an Hufrehe und inzwischen kann es sich kaum noch fortbewegen. Der Tierarzt hat bereits zur Erlösung geraten. Ich brauche überhaupt keine Untersuchung mehr einzuleiten, der erste Blick bestätigt bereits, dass es schlecht steht und die Hufrehe weit vorangeschritten ist. Ich erkläre der Besitzerin des Ponys, was wir noch tun können, gebe ihr strikte Anweisungen, was die Haltung, Bewegung, den Hufschmied und die Fütterung betrifft. Stelle ein Rezept aus für homöopathische Mittel, lasse ihr Rehe-Ex, Lauf-Fit, Hufelexier und "Nehls Pony-Futter" zum Untermengen da und verabschiede mich mit den Worten, dass wir nun nur noch beten können, alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien und mein Besuch nur eine Chance, kein Versprechen ist, dass ihr Pony wieder gesund werde und die Hufrehe überlebe.

Kaum zu Hause angekommen, höre ich den Anrufbeantworter schon piepen. 30 Anrufe! Oh Gott, wann soll ich die denn alle beantworten? Ich höre erst einmal alle ab und sortiere nach Notfällen. Glücklicherweise nur einer. Mal wieder . . . Hufrehe! Hier rufe ich sofort zurück. Die anderen Rückrufe verschiebe ich erst einmal auf später und hoffe insgeheim, dass sich die Leute noch einmal melden, das würde mir viel Zeit ersparen.

Der Notfall, wie soll es auch anders sein? Hufrehe! Eine Dame hatte Hufelexier und Rehe-Ex bestellt und fragt an, wann die Lieferung erfolgt. Ich erkläre, dass vor Morgen keine Pakete mehr rausgehen, ihres morgen jedoch dabei wäre. Das Pony mit Hufrehe liege aber nur noch, es gehe ihm sehr schlecht, höre ich vom anderen Ende. Hufelexier und Rehe-Ex seien der letzte Versuch. Der TA hätte schon letzte Woche geraten, das Pony aufgrund der starken Schmerzen durch die Hufrehe doch endlich zu erlösen.

„Ich bin oft eher Telefon-
seelsorge!“
Ich denke: wie immer, warum erst jetzt, warum haben Sie denn nicht schon eher einmal angerufen? Sie entscheidet sich, Rehe-Ex und Hufelexier abzuholen und nimmt dafür sage und schreibe 6 Stunden Fahrt auf sich, kommt aus Norddeutschland. Einige Stunden später steht sie vor der Tür und holt sich ihre Bestellung ab. Ich verabschiede mich mit den Worten: "Alles Gute, viel Erfolg, hoffentlich schafft es das Pony und überlebt die Hufrehe, ich drücke die Daumen!"

Bevor ich mich in Ruhe den Haaranalysen widmen kann, muss ich jedoch zu meiner eigenen Beruhigung noch mal raus zu den Pferden und schauen, ob es ihnen auch wirklich gut geht. Ja, alles in Ordnung, alle grasen zufrieden vor sich hin und freuen sich, mich zu sehen. Noch nicht ganz im Haus bimmelt schon wieder das Telefon. So vergeht der restliche Tag, telefonieren, erklären und Haaranalysen ausarbeiten, immer wieder eine neue Herausforderung zwischen oftmals sehr belastenden Telefonaten mit weinenden Tierhaltern und dann wieder konzentrierter Arbeit: Der Ausarbeitung von Haaranalysen.

Irgendwie gelingt es mir jedoch inzwischen ganz gut. Abends schließlich, wenn alle Arbeiten erledigt sind, kommen manche Gespräche zurück und ich denke darüber nach, ob ich wirklich alles getan und gesagt habe, um zu helfen. Ja, das habe ich, mehr kann ich nicht tun. Was der Tierhalter daraus macht, muss er selbst entscheiden, sage ich mir. Meist werden Ratschläge umgesetzt, manchmal jedoch wird mir erklärt, dass die "Hoheit Tierarzt" eine ganz andere Meinung habe.

Oft denke ich dann, es sei wie in der Schwarzwaldklinik: Der "Gott in Weiß" hat gesprochen und entschieden! Dabei mag ich es überhaupt nicht, wenn der Tierhalter seine komplette Verantwortung ablegt und in die Hände eines anderen, in diesem Fall des Tierarztes legt. Wichtig ist doch immer, selbst mitzudenken, abzuwägen, Verantwortung zu tragen für das geliebte Tier und sich nicht selber zur Marionette zu degradieren!

Ich mag nicht dagegen reden, wenn ich merke, ich bin eher Telefonseelsorge für den Menschen als Helfer für's Tier. Manchmal überkommt mich der Eindruck, es gehe nicht darum, dem Tier zu helfen, sondern dem Menschen (z. B. durch Zuhören). Hierfür bin ich jedoch nicht da, ich verstehe meine Arbeit, den Tieren zu helfen, nicht dem Menschen Zuhörer zu sein, der letztlich nur reden, nicht wirklich helfen möchte. Beispiele gäbe es viele.

„Nein, das wollte die Dame nicht!“
Eines von heute war wieder besonders krass: Vor ca. 14 Tagen rief mich eine besorgte Pferdehalterin an, die mir eindeutig eine Hufrehe schilderte. Der behandelnde Tierarzt hatte geröntgt, kam zu keiner Diagnose und tippte auf Hufgelenksentzündung, da sich nichts feststellen ließ. Hufrehe schloss er aus. Für mich war die Schilderung am anderen Ende der Leitung jedoch eindeutig eine akute Hufrehe, hier konnte ich kaum danebenliegen, da sowohl Vorgeschichte wie auch Symptome eindeutig der Hufrehe zuzuordnen waren.

Dass am Röntgenbild noch keine Veränderungen erkennbar waren, war also ein Glücksfall, der bei Hufrehe nicht die Regel ist, aber immerhin vorkommt. Nicht immer rotiert oder senkt sich das Hufbein bei Hufrehe. Ich erkläre der Dame ausgiebig Zusammenhänge der Hufrehe, weitere Kostenersparnisse durch ergänzende tierärztliche Untersuchungen, die angedacht sind, meiner Meinung nach aber zu keinem Ergebnis führen können und erkläre ihr umfassend, wie sie ihrem Pferd meiner Erfahrung nach bei Hufrehe helfen könne. Auch erklärte ich ihr die Konsequenz ihrer Haltung, ihr Pferd laut Anweisung des Tierarztes weiterhin auf der Weide zu belassen, Kraftfutter zu füttern usw., was eine Hufrehe fördere.

Obwohl mir die Zeit fehlt, telefoniere ich lange mit ihr, weil es mir mehr als nötig erscheint, wenn dieses Pferdeleben nicht gefährdet werden solle und ich mit meiner "Ferndiagnose der Hufrehe" richtig liege. Ganz zu überzeugen war sie jedoch nicht. Letztlich bestellte sie dann bei mir die empfohlenen Produkte für Hufrehe. Zu diesem Zeitpunkt sah ich das Gespräch jedoch bereits als gescheitert an, da die Dame nicht überzeugt war von dem, was ich sagte und weiterhin eine Hufrehe ausschloss.

„Versuche, mich nicht aufzu-
regen“
Da mir nichts mehr zuwider ist, als irgendjemandem irgendetwas aufzudrängen, sage ich, sie solle sich noch einmal überlegen, ob sie meinen Empfehlungen bezüglich der Hufrehe ihres Pferdes folgen wolle und könne dann gerne nochmals anrufen. Nein, das wollte sie aber auch nicht! Ich möge jetzt doch bitte ihre Bestellung aufnehmen und per Nachnahme umgehend verschicken. Gut, Bestellung aufgenommen. Irgendetwas warnte mich jedoch davor, die Bestellung sofort fertig zu machen und zu verschicken. Auch fehlte mir wie immer die Zeit. Alle Mitarbeiter hatten bereits Feierabend und ich war alleine.

Mein Gefühl sollte mich nicht trügen: Ca. drei Stunden später, inzwischen war ich bereits wieder unterwegs zum nächsten Hufrehe-Patienten, rief sie erneut an und stornierte ihre Bestellung. Nicht, ohne umschweifende Erklärungen abzugeben, auf die ich jedoch nun wirklich keine Lust mehr hatte! Ich beende kurz und schmerzlos das Gespräch, Hopfen und Malz waren eh verloren, wie man so schön sagt, und mein vierbeiniger Patient, der Wallach Ron mit Hufrehe, wird auch bereits ungeduldig.

Genau diese Frau ruft heute wieder an, nachdem sie vor 14 Tagen ihre Bestellung stornierte und fragt, wann denn nun ihre Bestellung geliefert würde, die sie gestern erneut im Internetshop aufgegeben habe. Sie habe extra per Nachnahme bestellt und fragt, ob das Paket denn heute ankomme. Ich denke, das arme Pferd, ihm geht’s also noch immer nicht besser, 14 Tage ist es nun her und seither quält es sich mit Schmerzen aufgrund seiner Hufrehe. Inzwischen waren selbst Pferdehalterin und Tierarzt überzeugt, dass es sich nur um eine Hufrehe handeln konnte. Ich sage, das Paket habe gestern das Haus verlassen und müsse demnach erfahrungsgemäß heute bei ihr eintreffen, suche schnell die Paketnummer raus und teile sie ihr mit, wie auch die Telefonnummer vom Deutschen Paketdienst, damit sie nachfragen kann.

„Die Stute liegt, schaut mich an“
Was nun aber kommt, habe ich auch noch nicht erlebt. Aus internen DPD Gründen kann das Paket nämlich nicht heute zugestellt werden, der LKW kann nicht abgeladen werden aufgrund von Verkehrsstaus, das heißt, das Paket kommt heute nicht mehr an.

Dieser Umstand kostet mich mindestens zwei Stunden Zeit in Folge, da die Dame noch mehrmals anruft und mir Vorwürfe macht, ich hätte Fehler bei der Adresseingabe gemacht, sie telefonierte auch mehrmals mit DPD, fuhr zu ihrem DPD-Depot hin und verlangte die Herausgabe des Paketes. DPD wiederum meldet sich bei mir und fragt an, ob wir eine Expresslieferung für Morgen einleiten können, der Mitarbeiterin von DPD tat die Dame so leid, sie hätte so über den schlechten Zustand ihres Pferdes mit Hufrehe geklagt.

Tierheilkundezentrum
Nein, können wir nicht, die Fahrer sind bereits wieder weg und kommen nur einmal täglich Pakete bei uns abholen. Wir einigen uns, dass die DPD Mitarbeiterin noch einmal bei der Pferdehalterin anruft und sie beschwichtigt. Denn, der ganze Aufstand nutzt wenig, das Paket befindet sich auf dem LKW, der nicht abgeladen werden kann und wird nun heute nicht mehr geliefert werden können. Nichtsdestotrotz rief die Pferdehalterin erneut bei mir an und beendete das Gespräch mit den Worten: Am nächsten Tag wäre dann eben aber keiner da, um das Paket anzunehmen und sie würde es dann wieder zurückgehen lassen. Ich denke, o. k., dann machen wir es so, kein Problem. Welch ein Ärger denke ich und versuche, mich nicht aufzuregen.

Das Paket wurde dann selbstverständlich doch angenommen und ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört. Generell ein gutes Zeichen, was dafür spricht, dass es dem Pferd wieder gut geht und der akute Hufrehe-Schub ausgeheilt ist. Schon früh am Morgen weckt mich das Telefon. Noch ganz benommen nehme ich den Hörer ab und sage "Tierheilkundezentrum Nehls". Am anderen Ende höre ich ein Schluchzen und eine ganz zarte Stimme. Ich schnappe eher einige Wörter auf, als dass ich sie verstehe. Worte werden immer wieder durch Tränen erstickt. Ich versuche, erst einmal zu beruhigen und ordne nebenbei die Wortfetzen, die ich aufschnappe in meinem Kopf zu einem Puzzle.

Es geht um ein ganz altes Pferd, das an Hufrehe erkrankt ist und sich in einem ganz schlechten Zustand befindet. Ich sage, o. k., am besten komme ich gleich vorbei. Ich fahre los und habe im Kopf schon ein mögliches Szenario, das mich erwarten wird. Ich treffe am Stall ein und weiß, dass das Szenario in meinem Kopf nicht untertrieben war. Vor mir liegt eine ausgezehrte alte Stute, Verbände an den Hufen, schmerzvoller leidender Blick. Der Stall ist desolat, die Besitzerin komplett mit der Situation überfordert.

Die Stute liegt, schaut mich mit leerem Blick an. Ich streichele ihren Kopf, schaue sie an, sehe diesen leeren Blick, der sagt, hilf mir, beende bitte mein Leiden, schnell und schmerzlos. Ich nehme die weinende Besitzerin in den Arm, sage ihr, wir müssen ihre Stute erlösen, jetzt und sofort. Tierliebe bedeutet auch, loslassen, sich trennen zu können. Lassen sie los, ihre Stute kann und will nicht mehr, schauen Sie sie an. Sie weint, aber versteht. Ich bleibe bei ihr, bis der Tierarzt eintrifft, der die Stute erlösen wird.

  Gesundheit selbstverständlich?



[  Juli 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Jeder Tierbesitzer eines kranken und erst recht todkranken Tieres sollte dankbar sein, wenn das Tier wieder gesund wird, die Krankheit geheilt werden kann. Für den Tierbesitzer ist es meist viel zu selbstverständlich, dass sein Tier wieder gesund wird. Dieser Umstand ärgert mich oft maßlos, weil es eben nicht selbstverständlich ist!

Es ist nicht einmal selbstverständlich, dass es dem Tier irgendwann wieder besser geht, dass es neue Lebensqualität erlangt, auch, wenn die Krankheit vielleicht nicht geheilt werden kann. Nichts ist selbstverständlich! Warum hat der Tierhalter den Anspruch, dass es selbstverständlich ist?

Oder, wie kann ein Pferdebesitzer davon ausgehen, dass er Arthrose mit Ingwer heilen kann? Da kommen Fragen wie: Wie hoch muss ich den Ingwer bei meinem an Arthrose dritten Grades erkrankten Pferdes dosieren, bis er wirkt? Was antworte ich hierauf? Also bei Menschen werden die Gelenke ausgetauscht, bei Pferden geht der Pferdebesitzer davon aus, dass ein Gewürz, nämlich Ingwer, in irgendeiner Dosierung Arthrose heilen kann?

„Hierzu reicht nicht ein Gewürz!“
Wir müssen lernen, es als Geschenk anzusehen, wenn unser krankes Tier Lebensqualität wiedererlangt, besser mit seiner nicht heilbaren Krankheit, beispielsweise Arthrose, umgehen bzw. laufen kann und müssen uns glücklich schätzen und dankbar sein, wenn unser krankes Tier sogar wieder gesund und symptomfrei wird. Gesundheit und Symptomfreiheit sind jedoch je nach Lagerung der Krankheit nicht wiedererlangbar, das müssen wir realisieren und ganz real mit diesem Umstand umgehen.

Arthrose beispielsweise verlangt eine ganzheitliche Therapie: Immens wichtig ist die lokale Hufsituation, die Entzündungshemmung, die Haltung, die Fütterung und ganz obendrauf kann man noch einige Futterzusätze und Medikamente setzen. Alles zusammen kann dann - je nach Grad der Arthrose - im günstigsten Falle eine Symptomfreiheit, also ein unbeschwertes Laufen bewirken, vielleicht aber auch nur eine annähernde Schmerzfreiheit und ein besseres Laufen! Ein Erfolg ist, wenn das Leben eines massiv lahmenden Arthrose Pferdes überhaupt wieder lebenswert wird, Lebensfreude beinhaltet und das Pferd sich einigermaßen schmerzfrei fortbewegen kann.

Hierzu reicht kein Gewürz, keine Dosierung an Ingwer dieser Welt, es gehört einfach mehr dazu! Natürlich ist nicht jeder Tierbesitzer, jeder Besitzer eines Arthrosepferdes so blauäugig, jedoch sind es nicht wenige, es sind einfach nicht wenige Tierbesitzer, die meinen, mit geringstem Aufwand schwerwiegendste Erkrankungen heilbar machen zu können!

  Loslassen können



[  Juli 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Eine mir ans Herz gewachsene Pferdehalterin, deren Pferd bei mir in Therapie ist, schrieb mir folgende Mail, nachdem sie die Passage über das Schicksal von Bubi und Natalie gelesen hatte:

"Dein Tagebuch lese ich natürlich weiter, auch wenn ich eigentlich gar nicht wissen möchte, wie es weiter geht. Auch wenn das, was ich bisher gelesen habe, harmlos war . . . ich habe das Gelesene den ganzen Tag mit 'rumgeschleppt. Deine Tätigkeit würde ich auch eher als Berufung und nicht als Beruf bezeichnen. Man muss schon sehr viel Kraft und Liebe zu den Tieren aufbringen, um so viel Leid verkraften zu können. Irgendwie konnte ich mir bis gestern nicht vorstellen, dass eine Tierheilpraktikerin so viel mit todkranken Patienten zu tun hat. Mir war nicht klar, dass viele Dich als letzten Ausweg sehen, wenn die Schulmedizin versagt. Ich dachte immer, entweder man hat eine positive Einstellung zu alternativen Heilmethoden oder man hat sie eben nicht. Da habe ich mich wohl sehr getäuscht."

Diese Mail brachte mich zum Nachdenken über meine Arbeit, meine Therapien, die todgeweihten Schicksale, mit denen ich täglich konfrontiert werde. Ich erinnerte mich an meine Dozentenzeit bei Paracelsus, an meine Schülerinnen und Schüler dort und an das Berufsbild des Tierheilpraktikers. Ich versuchte, mir die Gespräche, die Telefonate und Mails mit meinen Tierheilpraktiker-Kollegen und Kolleginnen zu erinnern.

„Warum ist das bei mir anders?“
Ich erinnerte mich an die vielen Tierheilpraktiker, die meine Seminare besuchten, die ich kennenlernen durfte in intensiven Gesprächen während und nach den Seminaren.

Mir wurde schlagartig eines klar, eines, worüber ich überhaupt noch nie nachgedacht habe: Die Frau hatte recht. Eigentlich ist der Tierheilpraktiker nicht der Ansprechpartner für todkranke Tiere, eigentlich sehen Tierbesitzer im Tierheilpraktiker nicht den letzten Menschen, der ihrem Tier eine Chance zum Leben ermöglichen kann, eigentlich erwartet der Tierbesitzer keine Heilung von unheilbaren Krankheiten vom Tierheilpraktiker und schon überhaupt keine Wunder!

Wenn überhaupt, dann ist hier eigentlich immer der Tierarzt gefragt. Warum ist das bei mir anders? Warum habe ich fast nur mit todgeweihten, todkranken oder zumindest mit Tieren zu tun, denen veterinärmedizinisch nicht mehr zu helfen ist? Warum war das gleich nach meiner Ausbildung als Tierheilpraktikerin so? Warum gab es keine Übergangsphase, in der ich erst einmal mit nicht so lebensbedrohlichen Fällen konfrontiert wurde? Ja, warum ist das eigentlich alles so?

Vielleicht, weil mein eigenes Pferd gleich todkrank wurde, obwohl ich noch mitten in der Ausbildung war. Vielleicht, weil ich damals schon vor Beginn meiner Tierheilpraktiker-Tätigkeit verzweifelt und überaus kämpferisch für mein geliebtes Pferd noch nach Therapien der Hufrehe suchte, wo andere bereits resigniert hatten?

Tierheilkundezentrum
Wie auch immer, alles begann mit meiner Haflingerstute Sina, die todkrank war und meine Sorge, dass sie die Hufrehe nicht überleben könne. Das trieb mich an, Therapien zu suchen, zu finden, zu entwickeln, die Sina das Leben retten könnten. Ich schaffte tatsächlich, woran keiner mehr glaubte: Sina wurde wieder gesund und ich hatte noch nicht einmal meine Ausbildung abgeschlossen zu diesem Zeitpunkt! So entstanden auch die Nehls Ergänzungsfuttermittel Hufelexier und Rehe-Ex, die ich im Rahmen der Therapie von Sinas Hufrehe entwickelte. Die Heilung von Sina sprach sich schnell herum und mein erster "richtiger" vierbeiniger "Patienten-Fall" - immer noch während der Ausbildung zur THP - war dann auch gleich ein ganz Schwerer:

Honey, eine Paint Stute, fast tot, aufgegeben und austherapiert aufgrund hochgradiger Dämpfigkeit und eines massiven Leberschadens in Verbindung mit hochgradigen allergischen Symptomen. Dörthe, ihre Besitzerin, sagt heute, ich hätte eine Begabung, eine Intuition, die einmalig und ganz besonders wäre. Ich vermute, meine Erfolgsquote ist so hoch, weil ich mit einer solchen Hingabe geradezu besessen daran arbeite, nicht aufzugeben, wo andere bereits aufgegeben haben und bei der Ausarbeitung einer Therapie auch die allerletzten Ressourcen aktiviere, damit ich nur ja nichts übersehe, vergesse und alles ausschöpfe, was die Therapie voranbringen könne!

Die richtige Therapie ist in der Homöopathie eine Kunst für sich. Bei tausenden von Mitteln, die der Markt so hergibt, muss eine erfolgreiche Wahl getroffen werden. Es ist enorm schwer, die für das jeweilige Pferd passenden Mittel auszuwählen, denn mit den falschen Mitteln kann sich das Krankheitsbild sogar verschlechtern. Nicht passende Mittel sind völlig wertlos, denn sie haben keine Wirkung. Daher: schwierige Sache!

„Die Arbeit zehrt enorm“
Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch nicht nur die Wahl der homöopathischen Mittel, auch der Rest will bedacht sein; ganzheitlich heißt das Stichwort. Ganzheitlich heißt für mich: Ich beziehe alle Faktoren in die Therapie ein, alle wesentlichen zumindest. Wesentlich ist bei Krankheiten, insbesondere bei Pferden, immer die Haltung, der Weidegang, die Unterbringung, die Fütterung, der Umgang, die lokale Hufsituation, je nach Krankheitsbild sogar Sattel, Materialien, mit denen das Pferd Kontakt hat usw. Übrigens: Auch Honey wurde wieder gesund und ist es bis heute, viele Jahre später! Es kamen zahlreiche schwere "Fälle" danach, fast alle wurden wieder gesund. Und dies spricht sich einfach herum, nicht von jetzt auf gleich, aber im Laufe der Jahre. Irgendwann ist man dann bekannt für die erfolgreiche Therapie "aussichtsloser" Fälle und so kommen immer mehr dazu!

Natürlich und selbstverständlich ist es jedoch keineswegs so, dass diese Arbeit spurlos an mir vorbei geht, sie belastet, sie fordert, sie fördert, sie zehrt enorm. Doch ist jede erfolgreiche Therapie nach wie vor ein unbeschreibliches Glücksgefühl und manchmal weiß ich diese nicht Selbstverständlichkeit viel mehr zu schätzen als der Tierbesitzer. Denn der Anspruch, der an mich gestellt wird, ist oft so hoch, dass ich dem eigentlich kaum noch gerecht werden kann.

Da, wo Tierärzte und Tierkliniken schon seit langem aufgegeben haben, kommt dann eine kleine Tierheilpraktikerin aus dem "verschlafenen Dorf" Bad Driburg und soll es richten. Ein Anspruch, der sehr viel von mir abverlangt, mit dem ich abends einschlafe und morgens aufstehe. Der Tag bzw. die Gedanken kennen keinerlei Privatleben, sondern einzig und allein die Gedanken, wie schaffe ich es dieses Mal, diesem Tier wieder Lebensqualität zu beschaffen, sein Leben nicht nur zu verlängern, sondern Lebensqualität wieder herzustellen? Solange es eine Chance gibt, muss alles getan werden. Gibt es keine reellen Chancen mehr, rate ich zur Erlösung. Das mache ich selten, und wenn, dann geht es wirklich nicht mehr anders, dann ist bereits alles versucht worden, dieses Leben wieder lebenswert zu machen.

  Haarige Analysen



[  Juli 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Und ewig bimmelt das Telefon: Heute rief sogar eine Pferdehalterin aus China an. So weit! Das überrascht selbst mich doch noch. Es ging um eine Haaranalyse ihrer nierenkranken Haflingerstute, sie erklärte mir die Vorgeschichte und Diagnose des behandelnden Tierarztes und bat um Hilfe. Ich erklärte ihr den Ablauf der Haaranalyse und wir verblieben so, dass sie mir möglichst umgehend die Haare zuschicke. Wie immer, bitte so schnell wie möglich, damit die Therapie möglichst noch greifen könne. Gerade bei Nierenkrankheiten immer ein großes Problem. Hat man einen bestimmten Zeitpunkt verpasst, regenerieren sich die Nieren kaum noch. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, wie der Erfahrungsbericht von Katze Zazou zeigt, die – man möge es kaum glauben – noch immer putzmunter ihren Tag genießt.

Auch der nächste Anruf kommt zum Thema Haaranalyse. Täglich an die 20 Anrufe drehen sich nur um das Thema Haaranalyse. Ich frage mich mal wieder, warum ich eine so ausführliche Internetseite zum Thema Haaranalyse bei Tieren ins Internet stelle, wenn sie doch keiner liest?!? Immer wieder beantworte ich die Fragen, in den entsprechenden Links mal ausführlich oder auch mal knapp. Für jeden Geschmack also. Aber gut, anrufen ist halt doch persönlicher.

„98 % Erfolgs-
quote sind enorm!“
Ich erfahre dieses Mal, dass ich nicht die einzige Haaranalysen-Anbieterin bin, die angerufen wird. Am anderen Ende der Leitung werde ich erst mal intensiv nach dem Preis und meinen Leistungen befragt. Bei der Gelegenheit höre ich, dass andere 150 € für die Haaranalyse berechnen und dann gleich noch die Mehrwertsteuer oben drauf packen, und sogar einige Zusatzleistungen auch noch extra berechnet werden.

Ja, ich wusste schon immer, dass ich mich unter Preis verkaufe, vor allem, wenn man einen Blick auf die Erfolge der Therapien wirft: Die Erfolgsquote meiner Haaranalysen-Therapien liegt schätzungsweise bei 98 %, was (auch ohne arrogant daher zu kommen) geradezu genial ist, denn die Tiere sind fast generell austherapiert und so gut wie jeder Tierbesitzer sieht in mir die letzte Chance, die vorhandene Krankheit endlich zu besiegen.

Dieser Ruf eilt mir sozusagen voraus, aber dazu kommen wir später noch. Ich erkläre meinem anderen Ende am Telefon erst einmal, dass der Preis überhaupt nicht entscheidend, sondern nur der Mensch, der die Haaranalyse erstellt, entscheidend ist. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass kein Bioresonanzgerät der Welt alleine wirklich etwas bewirken kann, es geradezu dumm ist ohne den Menschen, der weiß, was zu testen ist und was zu verordnen ist.

„Was soll man mit dieser Info?“
Ich frage mich, wie sich der Tierhalter eine Haaranalyse mittels Bioresonanz eigentlich vorstellt? Man lege die Haare hinein und das Gerät spuckt aus, was Sache ist? Ne, ne, so einfach ist das nun wirklich nicht. Das Bioresonanzgerät alleine schweigt komplett. Der Mensch testet und sollte wissen, was er da testet, soll heißen: Das Symptom muss in Zusammenhang mit ggf. vorhandener Krankheit, Allergie oder Diagnose gesetzt werden können. Ohne ein wirklich fachlich versiertes und vor allem fundiertes Hintergrundwissen geht da nämlich gar nichts!

Übrigens: man sieht das auch am Haaranalysen-Ergebnis. Der ein oder andere Tierhalter schickt mir ja netterweise in der Vergangenheit von anderen Menschen erstellte Haaranalysen zur Kenntnis mit. Oft lese ich dort lediglich Sätze wie: Die Meridiane sind in Unordnung, die Energiebahnen nicht ausbalanciert, Störfelder befinden sich in Meridian 1, 5 und 8 usw.

Fein, und was soll der Tierhalter jetzt mit dieser mageren Info anfangen? Nichts! Braucht er scheinbar auch nicht, denn die passenden "energetisch gehaltvollen" Kügelchen liefert der Haaranalysen-Mensch gleich mit (homöopathische Mittel sind übrigens grundsätzlich apothekenpflichtig, bitte beachten!). Nun ja, so "energetisch" bin ich nicht, sondern eher Realist, auch, wenn ich mit einem Informationstest arbeite, der sich Haaranalyse nennt. Alles sollte meines Erachtens nach doch Hand und Fuß haben und nicht nur energetisch aufgeladen und un- oder ausbalanciert sein.

Tierheilkundezentrum
Wie viel diese Haaranalysen letztlich bringen, brauche ich ja gar nicht zu hinterfragen, schließlich kommen die Tierhalter dann ja doch zu mir mit der verzweifelten Bitte: Frau Nehls, bitte helfen Sie uns. Klar, mache ich doch gerne, warum nicht gleich so? Der Frau am anderen Ende der Leitung gebe ich noch den Tipp, zu schauen, ob es möglichst viele nachvollziehbare Referenzen bei den Haaranalyse-Anbietern gibt und sage ihr, sie solle sich gleich mit mehreren in Kontakt setzen, um diese zu überprüfen.

Nicht umsonst, betone ich, bitte gleich mehrere. Mir sind nämlich tatsächlich Anbieter bekannt, die öffentlich schreiben, sie seien Tierheilpraktiker, jedoch nie eine Schule von innen gesehen haben und erst recht keinen Tierheilpraktiker-Abschluss haben, dennoch Haaranalysen anbieten oder gar "Erfahrungsberichte" selber mit verschiedenen E-Mail Adressen verfassen und auf ihre Homepage stellen. Klar, das sind bestimmte "schwarze Schafe", aber immerhin: Es gibt sie, die wirklich ganz schwarzen Schafe der Branche!

Daher: Man forsche lieber gut, als dass man an so einen gerät, denn dies könnte das Schicksal des betroffenen Tieres besiegeln! Auch mit der Homöopathie, mit Pflanzen und Kräutern und selbst mit dem falschen Futter können tiefgreifende bis tödliche Schäden angerichtet werden. Glücklicherweise muss ich mich nicht anpreisen oder meine Haaranalysen empfehlen, ich kann neutral antworten. Ich habe so viel zu tun, dass ich kaum mehr weiß, wie ich die Haaranalysen alle abarbeiten soll bzw. wann. Und oft arbeite ich bis tief in die Nacht hinein.

Spät abends kommt noch ein Anruf einer Dame, sie erklärt, sie habe heute Haare für eine Haaranalyse ihrer nierenkranken Katze an mich gesandt, müsse mir jetzt aber mitteilen, dass die Katze heute Nachmittag verstorben sei, die Haaranalyse daher überflüssig sei. Zu spät alles! Leider kein Einzelfall.

  Bubi und Natalie



[  Juli 2010  ]

Tierheilkundezentrum
Seit ca. vier Jahren versorge ich das Pony Bubi, inzwischen weit über 30 Jahre alt, mit meinen Futtermitteln und . . . Natalie, die Besitzerin, mit guten Tipps. Unsere gemeinsame Geschichte begann damit, dass Natalie mich oft und lange anrief und um Rat bat. Mich ärgerte das anfangs ziemlich, da meine Zeit so knapp bemessen ist, dass mir folglich einfach die Zeit fehlt, stundenlang mit Natalie über ihr Pony Bubi zu diskutieren.

Ich bemühte mich, ihr meine wesentlichen Tipps, Empfehlungen und Vorschläge zu unterbreiten, ohne dafür stundenlang am Telefon blockiert zu werden. Natalie rief jedoch immer wieder an und ließ sich auch irgendwie überhaupt nicht abwimmeln. Irgendwann nach dem zehnten Gespräch erklärte ich ihr dann, dass das so überhaupt keinen Sinn hätte, ich erkläre ihr stetig Verbesserungen, die sie aus Geldmangel nicht umsetze, ich ihr und vor allem Bubi zudem so nicht effektiv helfen könne.

Entweder, sie würde meine Empfehlungen nun mal wenigstens ansatzweise umsetzen oder, ja oder, sie solle sich einfach nicht mehr an mich wenden. So, das hatten wir geklärt! Meine Worte jedoch hatten gefruchtet, darauf kam es an: Natalie optimierte die Fütterung von Bubi und begann auch, ihn homöopathisch nach meinen Empfehlungen aufgrund der Haaranalyse zu therapieren. So brachten wir die nächsten Jahre mit Bubi ganz gut 'rum.

„Es wurde und wurde nicht besser“
Klar, mit über 30 Jahren konnte ich aus ihn keinen Jüngling mehr machen, aber seine Lebensqualität doch erheblich verbessern. Bis etwa vor einem halben Jahr. Es begann relativ harmlos mit einer unklaren Lahmheit. Am Ende standen viele verschiedene Tierärzte und viele verschiedende Diagnosen. Ebenso sehr unterschiedliche Behandlungsansätze, was die lokale Hufsituation anbelangte.

Bei Bubi wurde erst einmal relativ harmlos eine hohle Wand festgestellt, daraufhin wurden verschiedene Maßnahmen lokaler Art ergriffen (Gips, Hufbeschläge etc.). Die nächste Diagnose war dann eine tiefgreifende Entzündung in der hohlen Wand mit Eiterkanälen und Fistelungen. Nach einer Operation, die Bubi gut überstand, war das Thema lange nicht beendet. Es wurde und wurde nicht besser, die Entzündung blieb und wurde immer schlimmer.

Bubi bekam nun schon über Monate Schmerzmittel, die kaum griffen, ihm jedoch Magenprobleme und Appetitmangel bescherten. Es wurde immer schwerer, Bubi bei Figur zu halten. Er magerte zusehends ab und es gab wenig, was er gerne und mit Appetit fraß. So machte er es uns auch immer schwerer, geeignete Kräuter in ihn reinzubringen. Bubi stand nun schon seit Monaten bei dem behandelnden Tierarzt und seine Situation wurde und wurde nicht besser.

Tierheilkundezentrum
Der Tierarzt stellte Natalie dann vor die Entscheidung, dass es so nicht mehr weiter gehe und eine Entscheidung getroffen werden müsse. Er schlug einen Nervenschnitt oder die Erlösung von Bubi vor. Letztlich wurde keine Maßnahme an Bubi durchgeführt, die Natalie nicht zuvor mit m ir telefonisch absprach. Mein Problem dabei war, dass ich meist grundsätzlich anderer Meinung wie der behandelnde Tierarzt war. Natalie wiederum hatte ihren Bubi bei dem behandelnden TA untergebracht und musste letztlich auf ihn hören.

So vergingen Monate. Immer wieder wies ich beispielsweise daraufhin, wie wichtig eine lokale Erleichterung durch passende Maßnahmen an den Hufen sei, wie wichtig es wäre, einen wirklich versierten Huffachmann für Bubi zu bestellen. Schließlich ist der TA kein gelernter Hufschmied und die Maßnahmen hätten meiner Meinung nach mit einem versierten Hufschmied zusammen bedacht und ausgeführt werden müssen.

Der Nervenschnitt wurde dann erst einmal durchgeführt. Auch den überlebte Bubi gut. Danach bekam Bubi Gips. Dann einen Beschlag mit herausnehmbarer Platte. Ich bekam zwar alles erzählt, war jedoch zu weit weg, um mir ein wirklich gutes Bild machen zu können. Meist weinte Natalie am Telefon. Manches vergaß sie mir zu erzählen bzw. verstand ich es vielleicht nicht. Problematisch war am Ende, dass das andere Bein Probleme bereitete: Auch hier eine hohle Wand und tiefgreifende Entzündungen. Nächste Diagnose: Hufrehe auf dem bislang beschwerdefreien, seit dem Nervenschnitt überlasteten Bein. Verschiedene lokale Maßnahmen folgten erneut: Gips, orthopädischer Beschlag, Entfernung der Eisen etc.

„Natalie weinte meist am Telefon“
Mein Part war die homöopathische Behandlung und die Fütterung. Viel wichtiger war jedoch die lokale Bearbeitung der Hufe. Hierbei konnte ich nicht helfen, da ich einerseits weit weg war und mir andererseits keine Empfehlung bei derart unklaren Befunden, die immer wieder wechselten, einfiel. Nach vielen Monaten, in denen alles versucht wurde, rief Natalie an und sagte, sie würde die Entscheidung abwägen, ihn einschläfern zu lassen. Wie gesagt, ich war weit weg, sah Bubi nicht, konnte seinen Zustand nur erahnen, wie er mir geschildert wurde.

Auch in diesem letzten Gespräch wies ich Natalie (wie schon dutzende Male vorher) darauf hin, wie wichtig die optimale Hufversorgung für Bubi sei. Ich verwies an Burkhard Rau und bat sie, mit ihm Kontakt aufzunehmen und Bubis Situation mit ihm zu besprechen. Bei diesem Gespräch erzählte mir Natalie auch, dass Bubi die letzten Wochen nur auf dem Bein mit Nervenschnitt beschlagen war und das andere Bein unbeschlagen, also barfuß, war. Mein Gott dachte ich, habe ich das überhört, warum hat sie das früher nicht erzählt? Dieser Umstand begünstigte selbstverständlich enorm eine Belastungsrehe mit Entzündungen und Abzessen auf dem ehemals gesunden Bein.

Mich belastete Bubis Geschichte sehr, Natalie weinte meist am Telefon, rief häufig an, ich konnte nur die innerliche Therapie übernehmen, ihr vor Ort überhaupt nicht helfen und wusste von Anfang an, wie wichtig die lokale Hufsituation in Bubis Situation war. Andererseits weiß ich, wie schwer es ist, einen wirklichen Huffachmann zu erhaschen, eine Chance wie der berühmte Sechser beim Lotto. Unser letztes Gespräch ist bereits eine Woche her, morgens erreichte mich eine SMS, dass Bubi heute eingeschäfert werde. Mein Mann meinte, die SMS höre sich so an, als wenn Natalie, für die Bubi ihr Leben war, mit sterben wolle...

Seither habe ich zwei Mails geschrieben, keine Antwort erhalten. Natürlich mache ich mir jetzt erst einmal Sorgen um Natalie und denke, dass es Bubi jetzt ganz sicher besser gehen wird. Er hat gekämpft, wir haben alle gekämpft, doch mancher Kampf kann nur verloren werden. Bubi hatte ein sehr schönes Alter erreicht, ein tolles Leben gehabt, wurde abgöttisch geliebt. Ich meine: Es war unbedingt die richtige Entscheidung! Warum sollten Bubi noch mehr Schmerzen zugemutet werden, warum ein Leben um jeden Preis ein wenig verlängern?

„Die Hündin fraß nicht mehr“
Natalie, es war wirklich eine gute Entscheidung! Ich weiß nicht, vielleicht ist es auch die Namensgleichheit mit meinem Pony Bubi, ich berichte über seinen Tod ebenfalls in dieser Rubrik "Pferdegeschichten": Diese Geschichte hat mich wirklich sehr beschäftigt und auch sehr traurig gemacht.

Wir Menschen müssen lernen, unsere Tiere gehen zu lassen, wenn die Zeit gekommen ist und wir müssen es schaffen, an Vergangenes ohne Wehmut zurückzudenken mit der Überzeugung, dass wir richtig gehandelt, dem Tier weitere Schmerzen erspart haben. Den Trennungsschmerz haben nur wir Menschen, unseren Tieren geht es besser, wenn wir sie vom schmerzvollen Leiden erlösen, dann, wenn keine Hoffnung mehr besteht oder dann, wenn ein längeres Leiden aus unserer Liebe zu den Tieren heraus nicht mehr zumutbar ist. Irgendwann müssen wir uns trennen, denn unsere Tiere leben nun mal meistens viel kürzer als wir, so verzögern wir nur den Abschied um eine kurze Zeit und muten unseren Tieren aus Trennungsangst manchmal enorme Schmerzen zu.

Aus vielen ähnlichen Erfahrungen, die das Leiden nur verlängert haben, schließlich weiß man nie, was am Ende steht. Daher versucht man oft alles, auch, wenn die Chance gering ist, nehme ich für mich mal wieder die Erfahrung mit, dass ich meine Tiere nicht lange Schmerzen aussetzen werde, wenn es einmal so weit ist. Auch heute bin ich mir sicher, dass ich damals bei meinem Bubi die richtige Entscheidung traf, ein schnelles Ende ohne weitere Versuche, zu denen der Tierarzt mir riet. Bisher konnte ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen, das mir sagt, welchen Weg wir wann gehen, so werde ich es auch in Zukunft halten: Eine gewisse Zeit lang, die eingrenzbar und für das Tier zumutbar ist, sollte man selbstverständlich alle möglichen Therapien ausschöpfen, wenn jedoch alles keinen Erfolg verspricht, ist das Loslassen eine kluge Entscheidung!

Alles Machbare versuchen, aber das Leiden nicht unnötig verlängern. So begann auch ein heutiges Telefonat. Es ging um die Haaranalyse einer Hündin mit Niereninsuffizienz. Der Zustand war sehr schlecht, die Hündin fraß seit Tagen nicht mehr und der behandelnde Tierarzt therapierte mehr schlecht als recht, also eher gar nicht! Bei Niereninsuffizienz ist das veterinärmedizinische Mittel der Wahl die Infusionen, und zwar täglich bis zur Stabilisierung, sofern diese erreichbar ist. Später dann zur weiteren Stabilisierung ein bis zwei Mal wöchentlich.

Tierheilkundezentrum
Der seit Wochen behandelnde Tierarzt sah jedoch keinen Sinn in einer Gabe von Infusionen und die Hündin war bereits in einem lebensbedrohlichen Zustand. Ich erklärte am Telefon, dass eine Haaranalyse, deren Therapie erst am Montag anhand des bevorstehenden Wochenendes, also drei Tage später beginnen könne, keinen Sinn hätte. Ich empfahl, entweder sofort mit stabilisierenden Infusionen zu beginnen und dann ergänzend ab Montag die homöopathische Therapie begleitend zu beginnen (ich versprach die Haaranalyse am . . . Wochenende durchzuführen, wie so oft) oder den Hund umgehend zu erlösen.

Ich sprach lange und eingehend mit der Hundehalterin und hatte den Eindruck, sie verstand erst jetzt wirklich den Ernst der Lage. Der Tierarzt hatte die Niereninsuffizienz einfach zu lange sozusagen vor sich hin plätschern lassen, ohne einen ernsthaften und umfassenden Therapieversuch zu starten. Er hatte nie eine Chance gesehen und sich entsprechend verhalten. Inzwischen war es eher Zwölf als "Fünf vor Zwölf".

Am nächsten Tag erreichte mich dann folgende Mail: "Hallo Frau Nehls, wir haben uns heute mit der ganzen Familie besprochen und zusammen beschlossen, unsere Hündin Senta von ihrem Leiden zu befreien. Wir haben sie heute am späten Nachmittag einschläfern lassen. Das mit der Haaranalyse hat sich daher erledigt. Ich möchte mich nochmals recht herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns die letzten zwei Jahre mit Ihren Produkten und so manchem persönlichen telefonischen Rat geholfen haben. Sie sind ein guter Mensch, der sein ganzes Leben den Tieren und ihrem Wohlbefinden widmet. Dafür achte ich Sie sehr. Viele liebe Grüße"

Es war eine kluge Entscheidung und ein gutes Telefongespräch, denn: Ich wurde verstanden!

  
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