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Reitbeteiligungen

Nur eine große Illusion?

Reitbeteiligungen – eine "Win-Win"-Situation? Wohl eher in der Theorie!

Von Guido Gennerich

Beispielfoto Haflinger

Da sind auf der einen Seite die vielen Pferdebesitzer(innen), die immer häufiger von den immensen Kosten bei der Haltung eines Pferdes "aufgefressen" werden und/oder nicht ausreichend Zeit finden, sich ihrem eigenen Vierbeiner ausreichend zu widmen. Und da sind auf der anderen Seite die vielen Reitbegeisterten, die sich kein eigenes Pferd leisten wollen oder leisten können, außerdem der meist abgestumpften Pferde diverser Reitschulen überdrüssig sind und jetzt endlich die wundersame Beziehung "Mensch - Pferd" in ihrer ganzen faszinierenden Bandbreite erleben wollen. Die "Lösung" für beide Seiten: Eine Reitbeteiligung. Eine, wie es heute so hübsch neudeutsch heißt, klassische "Win-Win"-Situation. So weit die Theorie.

Gerade in Zeiten schmaler Haushaltsbudgets und meist zu Beginn der Freiluftsaison haben Reitbeteiligungen Hochkonjunktur. Leider enden solche Partnerschaften aber auch vielfach wieder so schnell, wie sie begonnen haben. Wer erstmalig vor der Entscheidung steht, eine Reitbeteiligung anzubieten oder anzutreten, sollte sich nicht von den verlockend theoretischen Chancen blenden lassen. Wir blicken daher nachstehend, und zwar aus beiden Perspektiven, einmal in die "Abgründe" der täglichen Praxis und zerstören auf ganz bewusst gemeine Art diverse Illusionen. Unser Fazit vorneweg: Reitbeteiligungen, bei denen wirklich beide Seiten langfristig eine rundum befriedigende Partnerschaft erleben, sind wie ein großer Lottogewinn! Genau so häufig und . . . genau so (un)wahrscheinlich!


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Die Perspektive der Pferdebesitzer:

Da bewerben sie sich mit leuchtenden Augen und voller Begeisterung: Junge Mädchen so um die 13, schon ausgestattet mit ersten Reit- und Pferdeerfahrungen, die gegen einen kleinen Obolus (oder besser kostenlos) das perfekte Pflege- und Kümmerprogramm versprechen. Verlockend der Gedanke, dass man an Tagen mit zeitlichen Engpässen sein Pferd bewegt und bemuttert wissen darf. Wer nun sein Pferd auf Jahre gut versorgt glaubt und auf die langfristige Partnerschaft mit den neuen jungen Reitbeteiligungen hofft, erliegt der ersten Illusion: Aus den 13-jährigen werden schnell 14-, 15-, 16-jährige. Was anfangs durchaus mit größter Hingabe und Begeisterung beginnt, wird schon bald von neuen anderen Interessen überlagert. Auch die Prioritäten in der karger werdenden Freizeit dieser Teenager verändern sich stetig. Sie merken diesen schleichenden Prozess, wenn die anfangs mehrstündigen Knuddel- und Pflegeprogramme am Pferd spürbar kürzer und seltener werden. Wenn das Pferd immer oberflächlicher gepflegt, die Hufe nach dem Reiten bald gar nicht mehr ausgekratzt, die Beine gar nicht mehr abgespritzt werden und Sie irgend wann Trense oder völlig verschmutzte Gamaschen zwischen den Futtertonnen suchen müssen.

Sparen Sie sich dann ermahnende und kritisierende Worte. Pubertierende Mädchen reagieren fast immer nur beleidigt und empört, und der Tag steht dann eigentlich schon fest, an dem die lieben Teenies kommentarlos für immer fort bleiben. War das Ihre erste Erfahrung dieser Art, befreien Sie sich in einem Rutsch auch von der Illusion, das sei nur "eine unerfreuliche Ausnahme" gewesen. Weitere Versuche mit Mädchen dieser Altersgruppe dürften ähnlich frustrierend verlaufen und Ihr Pferd darf sich auf ständig neue Bezugspersonen einstellen. Rechnen Sie bei jungen Mädchen (positive Ausnahmen gibt es natürlich) damit, dass eine funktionierende Reitbeteiligung fast nie länger als im Schnitt rund ein Jahr andauert! Und selbst dieses kurze Jahr kann manchmal ziemlich nervenaufreibend verlaufen!

Beispielfoto Haflinger

Haftungsfragen sind bei Reitbeteiligungen ein generell sensibles Problem, bei jugendlichen Vertragspartnern ganz besonders. Wer kommt für Schäden auf, wenn man den vorwitzigen Teenies den scharfen Geländeritt verboten hat, die Missachtung des Verbotes aber am nächsten Tag nach einem Sprint über Stock und Stein ein heftig lahmendes Pferd beschert? Von größeren Un- bzw. Zwischenfällen erst gar nicht zu reden. Wer nun glaubt, ein Gespräch mit den Eltern würde dann rasch Klarheit (und ggf. Schadensersatz) bescheren, erliegt wieder einer Illusion. Eltern wollen in der Regel mit dem ganzen "Stallkram" nicht belästigt werden. Sie dulden und erlauben zwar die Reiterei ihrer Tochter, noch weiter wollen sie aber nicht involviert sein und werden. Rechnen Sie hier stets damit, dass sich die meisten Eltern lediglich schützend vor ihre Tochter stellen und Sie mit Ihren Forderungen galant abblitzen! Indes: Rechnen Sie jedoch mit einem sehr intensiven Elternkontakt, falls Ihre jugendliche Reitbeteiligung mit Ihrem Pferd verunglücken sollte, im schlimmsten Fall sogar mit ganz erheblichen gesundheitlichen Langzeitfolgen!

Nun raten Juristen (nicht ohne Eigennutz) und Pferdeverbände zu Vertragsabschlüssen vor Beginn einer Reitbeteiligung, ob nun bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Das liefert Stoff für neue Illusionen. Zwar können Verträge durchaus eine ganze Reihe strittiger Punkte vorab festschreiben und absichern, und Niemand will ernsthaft von solchen Verträgen abraten. Doch leider suggerieren solche Verträge eine (Rechts-)Sicherheit, die es meistens gar nicht gibt. Oft regeln solche Verträge ohnehin vorrangig die elementarsten Regeln des täglichen Umgangs. Das sind überwiegend Spielregeln, die jede engagierte, verantwortungsvolle und somit geeignete Reitbeteiligung sowieso nach kurzer persönlicher Einweisung ohne Ermahnung konsequent beachtet und beherzigt. Wer zur Wahrnehmung dieser eigentlich selbstverständlichen Pflichten erst durch ein ... Stück Papier gezwungen werden muss, liebt Pferde nicht wirklich und sollte niemals als Reitbeteiligung in Betracht kommen. Ob nun mit oder ohne Vertrag!

Nun könnten Verträge aber zumindest die großen Schäden und Zwischenfälle abdecken, werden Sie einwenden. Auch das ist eher Theorie, wenn Sie sich einmal ganz realistisch den Alltag in einem Pferdestall und den Umgang mit dem völlig unberechenbaren Lebewesen Pferd vor Augen halten. Ist ein Schaden entstanden, dürfte es bei banalen Regressansprüchen in vielen Fällen noch zu einer schnellen Einigung kommen. Der ganz große, wirklich erhebliche Schaden mündet aber fast immer in einem umfangreichen juristischen Verfahren, an dem letztlich vor allem die beteiligten Anwälte verdienen. War der Ausritt wirklich die Ursache für die Lahmheit, oder war das Krongelenk nicht ohnehin schon vorgeschädigt? War es wirklich das zusätzliche falsche Leckerli der Reitbeteiligung vom Vortag, das in der Nacht zur Kolik und zum Tod des Pferdes führte? War es wirklich die Unachtsamkeit der Reitbeteiligung, die zum Verkehrsunfall führte oder nur die Tatsache, dass die Reitbeteiligung nicht zuvor explizit vor der Überquerung der viel befahrenen Straße gewarnt wurde? Müssen Sie wirklich nicht teilweise haften, weil Sie dem Betteln der 15-jährigen Reitbeteiligung nachgaben und den Ausritt in den Wald erlaubten? Viele Verträge jonglieren gerne mit den Begriffen "grobfahrlässig" oder "vorsätzlich": Schon allein hier finden sich umfangreiche Interpretationsspielräume als Basis für mehrjährige gerichtliche Auseinandersetzungen!

Beispielfoto Haflinger

Je höher Ihre Forderung, desto hartnäckiger dürfte die Gegenwehr Ihrer Vertragspartner ausfallen. Gerade, wenn das Fluchttier Pferd involviert ist, sieht man sich mit einer sehr speziellen Situation konfrontiert, die nicht mit anderen Rechtsverhältnissen vergleichbar ist. Und selbst wenn Ihnen der Nachweis einer Schuld oder Mitschuld Ihrer Reitbeteiligung gelingen sollte (schon allein dies dürfte je nach Sachlage äußerst mühsam, langwierig und schwierig sein), stellt sich die Frage: Ist Ihre Reitbeteiligung finanziell überhaupt in der Lage, Ihre Forderungen dann zu begleichen? Im schlimmsten Fall kann es bei fehlendem Versicherungsschutz um Millionenbeträge gehen! Und wie umfassend kann im Schadensfall überhaupt eine minderjährige Reitbeteiligung in die Pflicht genommen werden? Kurz: Was juristisch beruhigend wasserdicht scheint, endet oft in entsetzlichen und kräftezehrenden zwischenmenschlichen Disputen und Nervenkriegen mit zickigen Versicherungen! Auf jeden Fall sollten Sie gerade bei minderjährigen Reitbeteiligungen sowohl mit Ihrem Anwalt, wie auch mit Ihrem Versicherer penibel präzise festschreiben, welche Ansprüche gegen Sie geltend gemacht werden können, wenn es zu Unfällen mit dem Pferd kommt. Wer nichts riskieren will, sollte auf Reitbeteiligungen gänzlich verzichten!

Überhaupt: Nur zu oft dient die "Problemlösung" Reitbeteiligung auch der Selbsttäuschung und zögert wichtige Konsequenzen unnötig hinaus. Denn sollten es massive finanzielle Probleme sein, die Sie an eine Reitbeteiligung denken lassen, fahren Sie mit einem aufrichtigen und realistischen Kassensturz vermutlich besser. Prüfen Sie zunächst sehr gewissenhaft, ob Sie sich wirklich auf lange Sicht das Pferd noch leisten können! Es ist keine Schande, ein Pferd aus Finanznot verkaufen zu müssen. Es ist auf Dauer aber weder für Sie, noch für Ihr Pferd eine zumutbare Lösung, weiter munter auf den finanziellen Kollaps zuzusteuern! Am bitteren Ende bleibt Ihnen vielleicht dann nicht einmal mehr die Zeit, für Ihren Schützling ein gutes neues Zuhause zu suchen!

Ist der Grund, der Sie eine Reitbeteiligung anbieten lässt, eher die Tatsache, dass Ihr ganztägig in einer Box inhaftierte Pferd wegen Zeitmangel nur unzureichend bewegt und gearbeitet wird, so kann vielleicht ein mutiger und konsequenter Wechsel des Stalles Abhilfe schaffen. Indem Sie Ihr Pferd artgerecht unterbringen, mit mehrstündigem freien Auslauf auf Weide oder Paddock, bekommen Sie nicht nur ein viel ausgeglicheneres und zufriedeneres Pferd. Es fördert zudem die Gesundheit Ihres Pferdes, was sich auf Dauer unter dem Strich eventuell finanziell deutlicher bemerkbar machen könnte als eine Reitbeteiligung!

Wir sprachen ausführlich die Probleme bei jugendlichen Reitbeteiligungen an. Sollte man sich also gleich auf erwachsene Bewerber um die begehrte Reitbeteiligung einschießen? Die Chance, hierbei sein Pferd längerfristig in verantwortungsvollere Hände geben zu können, ist zumindest größer. Aber auch diese Variante endet nicht selten in Frustration. Wen soll man nehmen? Den sympathischen, aber eher weniger erfahrenen Reiter, der gerade sein Pflichtprogramm in der örtlichen Reitschule absolviert hat und nun umfassender den Kontakt zum Pferd ausleben will? Wenig(er) erfahrene Reiter gehören jedoch zurück in die Reitschule, wo sie in Abteilungen und bei geführten Geländeritten weitere Sattelfestigkeit erlangen und entsprechende Reitabzeichen erwerben können. Nicht wenige Unfälle sind darauf zurückzuführen, dass wenig(er) erfahrenen Reitbeteiligungen und ängstliche, problematische Pferde ein unheilvolles Gespann bildeten.

Beispielfoto Haflinger

Da gibt es dann wiederum die sehr erfahrene, ambitionierte Reitbeteiligung. Hier lauern andere zwischenmenschliche Konflikte. Vielleicht ist die Reitbeteiligung sogar erfahrener und sattelfester als die Pferdebesitzerin selber? Dann darf man sich oft auf eine ganze Batterie täglicher "Tipps" zur Pferdehaltung und zum Pferdeberitt einstellen. Vielleicht wird, ohne Ihre Zustimmung, das Pferd in ein ganz neues, anspruchsvolleres Bewegungsprogramm genommen. Vielleicht kommen bei Ihrer Reitbeteiligung gar Turnierambitionen auf. Kurz: Sie laufen Gefahr, dass man Ihnen binnen kurzer Zeit die "Zügel aus der Hand" nimmt, Ihre Reitbeteiligung immer selbstbewusster die "fachkundige Aus- und Weiterbildung" Ihres Pferdes übernimmt und Sie selber zum "Pferdepfleger" degradiert. Mit Beifall honoriert Ihre Stallgemeinschaft indessen die "enormen Fortschritte", die Ihre Reitbeteiligung bei Ihrem Pferd erzielt. Registriert kopfschüttelnd, wenn Sie selber hingegen wieder "nur" mit Ihrem Pferd etwas ungelenker durch die Halle "hoppeln". Und immer schwieriger werden Sie vor diesem begeisterten "Publikum" irgendwann begründen können, warum Sie gerade wegen (!) dieser "Fortschritte" die Reitbeteiligung beenden und das Ihnen zunehmend entfremdete Pferd zurückerobern wollen. Nur selten gelingt in dieser Situation das wirklich faire und rationale Abwägen der Vor- und Nachteile. Sie werden sich persönlich verletzt fühlen und zwangsläufig eher emotional entscheiden. Am Ende bleibt wieder nur: Frust auf allen Seiten.

Auch die Frage, ob man eine männliche und weibliche Reitbeteiligung auswählt, ist nicht unerheblich, auch wenn sich diese Frage eher seltener stellen dürfte. Eine erfahrene männliche Reitbeteiligung liefert wieder Stoff für neue Probleme. In Reitställen dominiert das weibliche Geschlecht, und das bekanntlich meist nicht zimperlich. Die sprichwörtlichen "Zickenkriege" finden in Reitställen, wie kaum anderswo, eine ideale Bühne. Das ist ein Mikrokosmos, in dem Männer schnell zwischen alle Fronten geraten können. Will also ihre männliche Reitbeteiligung (vielleicht gar ein gesetzter älterer Herr) eine eher dominante Rolle ausfüllen, die geballte weibliche Übermacht dies aber mit allen Mitteln verhindern, kommen gruppendynamische Prozesse in Gang, die am Ende nur eines wieder erzeugen: Frust auf allen Seiten. Wer sich für einen Mann als Reitbeteiligung entscheiden möchte, sollte also besser zweimal überlegen, ob der Betreffende in die "Hackordnung" des jeweiligen Reitstalls überhaupt eingegliedert werden und damit gelassen-souverän umgehen kann.

Sie sehen: Es gilt also für Sie, die zuverlässige, verantwortungsvolle, nicht zu "alte" und nicht zu "junge" Reitbeteiligung zu finden, die gleiche oder ähnliche Ansprüche an Pferd und Reitsport stellt wie Sie, zu Ihrem Pferd wie auch in das jeweilige Stallumfeld passt, genug bezahlt, genug mitarbeitet und letztlich Ihre Vorstellungen bezüglich Pferdehaltung und Pferdebetreuung teilt. Nur so kann es für beide Seiten zufriedenstellend klappen. Rechnen Sie nun den Wahrscheinlichkeitsfaktor einmal selber aus.


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Die Perspektive der Reitbeteiligung:

Wechseln wir die Perspektive: Worauf muss Jemand achten, der das Angebot einer Reitbeteiligung sucht und annehmen will. Mit welchen Illusionen sollte er aufräumen? In Kurzform hier die wichtigsten Punkte:


Der Stall:

Mag es noch so harmonisch zwischen Ihnen und dem Pferdebesitzer/der Pferdebesitzerin zugehen, unterschätzen Sie die Stallgemeinschaft nicht! Rechnen Sie hier stets mit dem Schlimmsten, dann können Sie nur angenehm überrascht werden. Sollten Sie neu und fremd in eine Stallgemeinschaft eintreten, wird man Ihnen binnen kurzer Zeit (anfangs noch mit einem scheinheiligen netten Lächeln) Ihren Platz in der stallinternen Rang- und Hackordnung zuteilen, und das möglichst ganz weit unten. Gehören Sie zu den geduldigen und unterwürfigen Menschen, dürfen Sie damit rechnen, dass schon bald selbst die 12-jährigen Einsteller-Töchter ihre Zahnspangen fletschen und Ihnen im Befehlston mitteilen werden, was Sie wann und wo zu tun haben.

Von Petzen, Hetzen über unerträgliche Großkotzigkeit bis zu massivsten Formen von Egozentrik und Egoismus – auch in deutschen Reit-/Pensionsställen reisen Sie manchmal in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Als Mieter können Sie sich in solchen Ställen irgendwann durchsetzen und sich einen höheren "Rang" erobern. Als Reitbeteiligung haben Sie denkbar schlechte Karten! Deshalb trennen Sie sich von der Illusion, Ihre Vertragspartnerin werde sich schon auf Ihre Seite schlagen. Pferdebesitzer wollen schließlich auf Dauer im jeweiligen Stall bleiben. Sie werden sich also eher von Ihnen (!) trennen als eine dauerhafte Fehde auf den Stallgassen zu riskieren. Auch vom Stallbetreiber können Sie fast nie Hilfe erwarten. Die Politik der meisten Stallbesitzer ist: Augen zu und durch. Solange die Interessen der Stallbesitzer nicht direkt tangiert sind, pflegen sich solche Vermieter aus allem herauszuhalten, um nicht unnötig zwischen die Fronten heftiger "Zickenkriege" zu geraten.

Tipp: Stellen Sie schon kurz nach Beginn Ihrer Reitbeteiligung fest, dass eine Handvoll "Alpha-Tiere" das "Regiment" im Stall führt, Sie gleich in den ersten Tagen pausenlos mit "Anweisungen", "Pferdetipps" und "ermahnenden Hinweisen" diszipliniert werden und der Stallbetreiber mehr oder minder seinen Mietern/Mieterinnen das Feld überlässt, dann sind Sie in einer Stallgemeinschaft gelandet, in der nur zu seinem Recht kommt, wer ganz besonders frech, laut und dreist auftritt. Ersparen Sie sich weiteren Frust und beenden Sie schnellstens die Reitbeteiligung. Sie werden in solchen Ställen niemals glücklich (es sei denn, Sie verstehen es, noch frecher, noch lauter und noch dreister aufzutreten)!


Das Pferd:

Sie träumen von einem prachtvollen, schmucken Dressurpferd für Ihre Reitbeteiligung? Klar, solche Pferde sind auch auf dem "Markt". Aber: Haben Sie sich das gut überlegt? Solche Pferde stehen oft in hübschen, edlen Luxus-Ställen, wo das gesamte Angebot besonders auf eine Zielgruppe ausgerichtet ist: Die Einsteller. Von artgerechter Haltung kann in diesen Ställen meist nicht die Rede sein, es sei denn, man zählt dazu ein Pferdesolarium, eine schmucke große Reithalle, ein Pferdeschwimmbad, einen groß angelegten Springplatz etc. Wer dort sein Pferd unterbringt, der legt auch großen Wert auf bunte schöne Gamaschen, ein mollig eingewickeltes Pferd im Winter, wenig bis keinen Auslauf auf den "garstig schmutzigen Weiden und Paddocks" und die geballte Ladung synthetischer Vitamine im Futter. Wer sich dort um eine Reitbeteiligung bewirbt, darf durchaus pro Stunde Reiten mit zwei Stunden "Etepetete" vor und nach dem Reiten rechnen. Nicht selten zeigen die in solchen Ställen untergebrachten Pferde Verhaltensauffälligkeiten, gesundheitliche Defizite und sind unter dem Reiter zudem hypersensibel und sehr nervös. Suchen Sie das wirklich?

Beispielfoto Haflinger

Das artgerecht gehaltene Pferd hingegen lebt überwiegend "draußen", kommt deshalb oft genug in Herbst und Winter völlig verschlammt vom Paddock, weil es sich dort zuvor genüsslich gewälzt hat. Vor dem Reiten ist eine ausgedehnte Putzaktion erforderlich, während die schmucken "Sportgeräte" der Luxusställe meist sorgfältig verpackt "blitzblank" aus der Box geholt werden können. Doch die Chance, in artgerechten Ställen sowohl eine bodenständige Besitzerin anzutreffen, wie auch ein ausgeglichenes, liebenswertes Reitpferd ist enorm groß. Auch ist in (Selbstversorger-)Ställen, wo die Bedürfnisse des Pferdes ganz oben anstehen (und dazu gehören bestimmt nicht Solarien und angenehm warme Boxen im Winter!), die Chance am größten, auf ein weitgehend konfliktarmes Miteinander zu treffen.

Aber Vorsicht auch bei allzu rustikaler und naturnaher Pferdehaltung: Meist erwartet man in solchen Ställen Ihre aktive Mithilfe und Mitarbeit. Echte Pferdefreunde helfen natürlich gerne beim Ausmisten und bei der Instandhaltung der Stallanlage. Spätestens aber im Winter, wenn Sie mit Ihrem Auto auf den Zufahrten im tiefen Schlamm versinken, die Pferdetränken tage- oder gar wochenlang eingefroren sind und sich in der Stallanlage kaum noch ein trockenes Plätzchen findet, wo man sich bei klirrender Kälte zurückziehen oder das Pferd vernünftig versorgen und pflegen kann, wird die Reitbeteiligung zur Tortur. Denken Sie daran: Die herrliche Freiluftsaison geht jedes Jahr irgendwann zu Ende, Reitbeteiligungen pausieren aber nicht, nur weil es kalt und schmuddelig wird! Achten Sie somit darauf, dass der von Ihnen favorisierte Stall auch für solche Jahreszeiten bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt.

Gerne werden als Reitbeteiligung auch schon recht betagte Pferde angeboten. Hier sollten Sie wachsam sein und nicht versehentlich auf die verhängnisvolle Mitleids-Schiene geraten. Es besteht bei älteren Pferden schnell die Gefahr, dass aus einer gewünschten Reit- schnell eine reine Kostenbeteiligung wird. Zahlreiche ältere Pferde fallen oft aus wegen Lahmheit usw., können dann nicht geritten werden (manchmal über Wochen!). Oft genug sollten viele ältere Pferde eigentlich überhaupt nicht mehr geritten, sondern im Rahmen eines Gnadenbrotes in einen Offenstall überführt werden. Zwar können Sie in solchen Fällen eine "Probezeit" vereinbaren. Viele schließen aber sehr schnell den Pferdesenior in ihr Herz, setzen die Reitbeteiligung fort, obwohl die sich, wie schon erwähnt, letztlich als reine Kostenbeteiligung entpuppt.

Indes: Auch oder gerade Pferdesenioren bieten enorme Chancen. Wer seinem Pferd auch im hohen Alter die Treue hält, liebt Pferde wirklich und bringt sie schon deshalb meist artgerecht unter. Damit haben Sie meist schon den richtigen Stall und die richtige Vertragspartnerin erwischt. Vielleicht sind Sie selber schon ein älteres Semester und suchen einfach nur (als Wiedereinstieg in den Reitsport) einen verlässlichen, erfahrenen Partner für ruhige Spazierritte? Vielleicht ist ein Pferd, das zwar mehr Aufmerksamkeit und Behutsamkeit verlangt, dafür aber auch jede Zuwendung meist mit spürbarer Dankbarkeit quittiert, der für Sie ideale Partner? Dann können gerade solche Reitbeteiligungen sehr befriedigend verlaufen. Bitten Sie aber trotzdem gleich zu Beginn die Besitzerin/den Besitzer um eine ehrliche Information über den Gesundheitszustand des Pferdes und lassen Sie sich das Pferd auf jeden Fall in der Halle vorführen, um erste Eindrücke von dessen Kondition zu erhalten. Zeigt das Pferd schon nach wenigen Minuten bei Trab und Galopp deutliche Einschränkungen, überlegen Sie gut! Viele alte Pferde mit bestimmten Beschwerdebildern bauen innerhalb kürzester Zeit weiter deutlich ab. Dann steht eines Tages die schlimme Entscheidung an, dieses Leid durch den Tierarzt beenden zu lassen. Was schon für die Besitzer selber eine enorme psychische Belastung mit sich bringt, sollten Sie sich als Reitbeteiligung besser gleich im Vorfeld ersparen!


Die Pferdebesitzerin/der Pferdebesitzer:

Hier können Sie allen Leuten natürlich nur bis zur Stirn schauen. Doch sollten Sie versuchen, die Motive für das Reitbeteiligungs-Angebot zu ergründen. Notfalls hören Sie sich auch im Stallumfeld etwas um. Sind die Gründe eher finanzielle Engpässe (die zahlreichen Tratschtanten der Stallgasse wissen davon garantiert!), sollten Sie hellhörig werden. Zum einen kann es durchaus sein, dass man Ihnen die Reitbeteiligung wieder kündigt, wenn der finanzielle Engpass überwunden ist. Zum anderen kann das Pferd plötzlich für immer verschwinden, kaum da sie Freundschaft geschlossen haben, weil die Besitzer auch durch die Reitbeteiligung ihre finanziellen Probleme nicht lösen konnten (das ist häufig der Fall) und das Pferd verkauft werden muss. Manchmal gar an den örtlichen Schlachter! Auch wenn es unglaublich klingt: In so manchem Stall versuchen selbst Sozialhilfeempfänger verzweifelt am eigenen Pferd festzuhalten und rutschen immer tiefer ins finanzielle Chaos.

Beispielfoto Haflinger

Spielen Besitzer/Besitzerin von Beginn an ehrlich mit offenen Karten, bietet die vorgenannte Situation auch gewisse Chancen. Vielleicht "funkt" es schnell zwischen Ihnen und Ihrem vierbeinigen Schützling und Sie können sich doch ein eigenes Pferd vorstellen? Dann ist mancher Besitzer mit immensen Finanzsorgen sogar froh, wenn er sein Pferd in nachweislich gute Hände verkaufen kann. Vielleicht wird dann der ehemalige Besitzer die Reitbeteiligung und Sie der Besitzer? Hier sind viele Konstellationen denkbar, vorausgesetzt, Besitzer/Besitzerin legen die Karten offen auf den Tisch und Sie merken schnell, dass Besitzer/Besitzerin sehr verantwortungsvoll handeln wollen und können. Finanz-Chaoten sind schnell zu entlarven, weil sie auch in allen anderen Lebensbereichen meist chaotisch auftreten.

Viele Besitzer(innen) sind natürlich bemüht, für ihr Pferd die bestmögliche Reitbeteiligung zu finden. Das ist gut und richtig. Bisweilen schlagen dabei aber die Anbieter komplett über die Stränge. Völlig absurde Erwartungen gipfeln dann in einer Art "Deutschland sucht den Superstar". Wer sich bei diesen überdrehten Zeitgenossen um eine Reitbeteiligung bemüht, verplempert nur seine Zeit und sollte erst gar nicht warten, ob er "zum Recall" eingeladen wird. Honorieren Sie es, wenn man bei Ihnen gewissenhaft prüft, ob das Pferd bei Ihnen in guten Händen ist. Aber suchen Sie schnellstens das Weite, wenn schon beim ersten Kontakt Pferdebesitzer bzw. Pferdebesitzerin großkotzig und selbstgefällig auftreten. Denn viele weitere hanebüchene Forderungen werden folgen und Sie während der ganzen Reitbeteiligung nerven!

Achtung! Die Fotos sind Symbolfotos und repräsentieren keine erwähnten Ställe oder Reitbeteiligungen.

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