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Stichwort: Ingwer und Kolik

Ingwer: Wie groß ist die Kolikgefahr?

Eine Pferdehalterin mahnt eindringlich: Das Problem werde unterschätzt

Von Guido Gennerich

Dass dauerhafte hohe Ingwerdosen die Gefahr von Magenschleimhaut-Reizungen und gar Magenschleimhaut-Schädigungen bei sensiblen Pferden erhöht, wird schon lange in den Pferdehalter-Kreisen heftig diskutiert und auch bereits von Kliniken vermutet. Wie sieht es mit der Kolik-Gefahr aus? Was der Redaktion dieser Website bislang hierzu bekannt wurde, waren "Einzelfälle". Doch ... diese "Einzelfälle" scheinen sich zu häufen. Dass über die Festtage ein Pferd in einem der von uns beobachteten Ställe eine schwere Kolik erlitt, dem Ingwer hoch dosiert seit längerem gefüttert wird und das bislang kein einziges Mal durch Koliken aufgefallen war, gibt zu denken – und Spekulationen neue Nahrung.

Pferd Gretchen
Gretchen wälzt sich hier aus Freude am Leben und, zum Glück, nicht wegen einer schweren Kolik.

In der täglichen Behandlungspraxis erhielt Tierheilpraktikerin Claudia Nehls nun einen weiteren Erfahrungsbericht einer Pferdehalterin, die das Kolik-Problem rund um den Ingwer ebenfalls aufgreift. Ob nun der Ingwer überhaupt und in welchem Umfang an solchen Koliken beteiligt ist, lässt sich zweifellos nie nachweisen und feststellen, zumal weitere kolikauslösende Faktoren dann gerne ausgeblendet werden. Die Verfasserin hat für ihren Bericht um Anonymität gebeten, alle Daten sind der Redaktion aber bekannt.

Der absurde Personenkult um den Chemiker und Pferdekenner Dr. Stefan Brosig ist zwar inzwischen deutlich abgeebt, doch werden nicht selten kritische Mahner im Internet und sogar vor Ort in diversen Pferdeställen zu diesem Thema weiter verhöhnt und attackiert. Diese Auseinandersetzungen und perfiden Info-Filterungen machen selbst vor der freien Enzyklopädie wikipedia inzwischen nicht mehr Halt, wo Leser schon mehrfach pferdeglueck.de auf haarsträubende Einseitigkeit bei lancierten Informationen und Verlinkungen von wikipedia hingewiesen haben.

Hier nun der Erfahrungsbericht jener Pferdebesitzerin:


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Erfahrungsbericht mit Ingwer

Mein Wallach erhielt Ingwer, nachdem ich meine Tierärztin aufgrund einer starken Fühligkeit meines Pferdes konsultierte. Das Pferd lief seit einiger Zeit barhuf (ich betrachte mich da als "Opfer" falscher Beratung durch Biernat-Orthopäden!) und die Tierärztin meinte, dass so wenig Huf (Sohle) vorhanden sei, dass mein Pferd dringend einen Hufschutz benötigen würde. Sie war der Meinung, dass aufgrund der Hufsituation auch bereits Entzündungen in den Hufgelenken meines Wallachs vorhanden seien ... Also verabreichte ich meinem Pferd Ingwer in einer Dosierung von ca. 30 g täglich auf Anraten der Tierärztin und für mindestens vier Wochen. Zusätzlich wurde er beschlagen. Mein Pferd lief ungefähr 3 Tage nach der ersten (hohen) Ingwergabe viel (!) besser; der Schmied wunderte sich noch, dass ein Pferd in diesem Hufzustand so problemlos zu beschlagen war und auch hinterher sofort völlig beschwerdefrei lief...

Ich war begeistert und fütterte den Ingwer weiterhin in der genannten Menge (unter eingeweichte Heucobs). Nach etwa 3 Wochen wollte mein Pferd – nach anfänglicher Begeisterung für diese Mischung – dann aber die Heucobs nicht mehr fressen, wenn Ingwer drin war, weshalb ich ihn wieder "ausschleichen" ließ und seine Fütterung nach vier Wochen ca. schließlich ganz einstellte. Nach einiger Zeit wechselte ich dann den Stall. Der Inhaber des neuen Stalles ist Ausbilder, auch Tierarzt und er meinte, als er mein Pferd laufen sah, dass es bestimmt schon ein "paar altersbedingte Abnutzungserscheinungen" hätte und ich – wieder – Ingwer zufüttern solle. Ich hatte dagegen nichts einzuwenden und mein Pferd erhielt erneut Ingwer (unter ein melassiertes Müsli), laut Angabe des Trainers/Tierarztes dosierte er täglich ca. 50 g. Ich wunderte mich noch, dass mein Pferd so anstandslos diese enorme Menge an Ingwer zu sich nahm und kann mir dies auch so erklären, dass die Melasse-Mischung mein Pferd dazu "verleitete". Außerdem war die Menge Ingwer auf drei Portionen verteilt. (Ich persönlich hatte vorher immer sehr darauf geachtet, dass keine Melasse im Pferdefutter steckt ... und weiß aber, dass meinem "verfressenen" Pferd mit genug Süßkram alles unterzujubeln ist ...)

Nachdem wir 6 Wochen an dem neuen Stall waren und mein Pferd so gefüttert wurde, bekam es eine schwere Kolik, kam in die Klinik und mußte operiert werden. Die Klinikärzte fragten mich, ob mein Pferd irgend welche blutverdünnende Medikamente bekommen würde, da es während der Operation und auch hinterher so stark geblutet hätte, dass sie Schwierigkeiten gehabt hätten, die Blutung unter Kontrolle zu bekommen. Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass Ingwer eine blutverdünnende Wirkung zugeschrieben wird. Und es finden sich im Internet einige (glaubwürdige!) Berichte, wonach davon ausgegangen werden kann, dass Ingwer auch eine kolikauslösende Wirkung haben kann. Das mag selten sein, aber offensichtlich gibt es Pferde, deren Magen-Darmschleimhäute die Scharfstoffe des Ingwers nicht vertragen.

Ich fände es wichtig, dass auch auf diese möglichen "Nebenwirkungen" hingewiesen wird (was wir durch die Veröffentlichung hiermit tun – die Redaktion). Prinzipiell habe ich festgestellt, dass Ingwer ein hochwirksames "Medikament" sein kann; aber wie es bei Medikamenten nun einmal so ist, sollten sie nur so lange eingenommen werden als benötigt und Pferde nicht damit dauermedikamentiert werden, schon gar nicht in Höchstdosen. Momentan wird Ingwer aber so vermarktet, als ob man damit nur nutzen, niemals aber schaden kann; gerade auch ein Artikel ist irreführend, denn er verleitet Pferdebesitzer dazu, Ingwer völlig unkritisch, unindiziert, ja, mehr oder weniger prophylaktisch zu verfüttern!

Mein Fazit: Ingwer gehört nur in Hände erfahrener, vorsichtiger Therapeuten und seine Gabe überwacht, damit rechtzeitig erkannt wird, wann er seine positive Wirkung erbracht hat. Dann kann er bestimmt vielen (aber gewiß nicht allen) Pferden enorm bei der Genesung bzw. zu einem beschwerdefreieren Leben (ver)helfen. Und freilich gibt es Pferde, die Ingwer auch dauerhaft vertragen. Aber ob sie ihn wirklich dauerhaft brauchen? Ich hielte es für angebracht, Sie diesbezüglich ausführlich zu informieren

Wir nehmen auch diesen Bericht nochmals zum Anlass, alle Pferdehalter vor einem allzu unbekümmerten Umgang mit Ingwer (insbesondere hoch dosiert) zu warnen; vor allem, wenn selbst ernannte "Experten" im Internet Dosiertipps und Fütterungs-Richtlinien verbreiten; die Sorgen der Pferdehalter verniedlichen und ständig beschwichtigen, wenn Gefahren gezielt angesprochen werden. Jeder kann und sollte die enormen Chancen des Ingwers nutzen, aber nicht naiv irgend welche Schönfärbereien kritiklos für das eigene Pferd übernehmen. Jede Kolik ist und bleibt ein "Einzelfall", doch man sollte auf der Hut sein, dass dieser "Einzelfall" nicht morgen schon eventuell das eigene Pferd ist...


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