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Stichwort: Photosensibilität

Pferdehalterin: "Es traf mich fast der Schlag!"

Alle Symptome deuteten auf Sommerekzem hin – doch es kam noch viel schlimmer für Silva!

Von Claudia Nehls und Diana Hren

In diesem umfassenden Fachartikel mit angegliedertem Erfahrungsbericht der Pferdehalterin geht es um Photosensiblität beim Pferd. Haflinger Silva war davon in besonders exzessiver Weise betroffen.


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Das Krankheitsbild

Allergische Haut- und Schleimhauterkrankungen nehmen immer weiter zu, an erster Stelle zu nennen sind das Sommerekzem sowie allergische Atemwegserkrankungen (Pneumoallergien). Jedoch treffe ich in der Praxis auch immer häufiger auf Kontaktallergien, Urtikaria (Nesselfieber/Nesselsucht), Sonnenallergien, allergische Bindehautentzündungen, Alopezie (= Haarausfall) sowie Photosensibilitätsreaktionen, die auf einer Überempfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenstrahlen im Zusammenhang stehend mit photodynamischen Substanzen beruhen, beispielsweise die photosensibilisierende Dermatitis, die Photodermatitis und die Dermatitis solaris, die sich in entzündlichen Reaktionen der Haut zeigen.

Eine Photosensibilität entsteht durch Einlagerung photodynamischer Substanzen in die Haut. Diese absorbieren Lichtenergie und übertragen sie auf benachbarte Zellen des Körpers. Es handelt sich um langwellige UV-Strahlen, die nicht direkt von den Hautzellen absorbiert werden können. Es entstehen photochemische Reaktionen, die zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren führen. Auch das Headshaking gehört zu diesem allergischen Formenkreis, obwohl es zu Beginn des Auftretens irrtümlicherweise in den Bereich der Verhaltensauffälligkeiten eingeordnet wurde.

Zusammenfassend kann man als Ursachen sämtlicher oben genannter Erkrankungen Umweltfaktoren sowie eine gewisse erbliche oder erworbene Disposition benennen. Obwohl jede Erkrankung andere Symptomatiken zeigt und die Auslöser auch recht unterschiedlich sein können, sind Übergänge oft fließend und zusammenfassend kann man sagen: Die Auslöser bei entsprechender erblicher oder erworbener Disposition sind vielfältig: Beispielsweise sind Holzimprägnierungen, Teeröle, Substanzen, wie Konservierungsstoffe u. a., die in Pferdesalben, Lotionen und in Reinigungsmitteln wie bei der Stallreinigung, Sattelreinigung oder auch Waschmitteln, auch in chemischen Insektenschutzmitteln oder in Farbsubstanzen von Satteldecken vorkommen, verantwortlich.

Auch verschiedene Arzneimittel, lokal aufgetragen oder innerlich verabreicht (Analgetika, also schmerzlindernde Mittel beispielsweise) gelten als Verursacher, ebenso wie Ektoparasiten, verschiedene Futtermittel (Melasse, Luzerne, Hafer und überhöhte Proteingehalte im Futter, ebenso wie Pilzbefall im Grünfutter, können u. a. Auslöser sein) und eine erhöhte Belastung bzw. Sensibilisierung durch UV-Strahlen. Kontaktallergene sind beispielsweise häufig Chrom, Zink, Cobalt und Nickel, die in Imprägnierungsmitteln von Weidezaunpfosten oder in Gebissen vorkommen. Die primäre Photosensibilität entwickelt sich durch Aufnahme phototoxischer Verbindungen; besonders bekannt ist das Johanniskraut mit dem Farbstoff Hypericin und Buchweizen.

Die sekundäre oder oder hepatogene Photosensibilität hat Phylloerythrin, ein im Dickdarm gebildetes Umwandlungsprodukt des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll, als sensibilisierenden Faktor. Sein enterohepatischer Kreislauf kann bei Lebererkrankungen oder Gallengangsobstruktionen gestört sein, so dass es sich mit dem Blut im Körper verteilt und dabei in die Haut gelangt. Es konnte nachgewiesen werden, dass vor allem nach Aufnahme von lebertoxischen Pflanzen wie Traumellolch, gemeinem Kreuzkraut oder Jakobskreuzkraut Leberschädigungen in Verbindung mit phototoxischer Dermatitis durch Phylloerythrin vorkommen.

Pferde mit Funktionsstörungen der Leber sind für die Photosensibilität besonders anfällig, da die Leber bestimmte Stoffwechselprodukte, die Nebenprodukte des Chlorophylls, an die Haut weiter gibt, die photosensibilisierend wirken und die gefürchteten Hautausschläge bis zur nekrotisierenden Dermatitis auslösen. Problematisch wird es, wenn Pferde mit erhöhter Allergiebereitschaft verstärktem Sonnenlicht ausgesetzt sind und zudem bestimmte Katalysatoren hinzukommen. Katalysatoren mit photosensibilisierenden Inhaltsstoffen sind zum Beispiel Johanniskraut und Buchweizen, aber auch Wicken, Luzerne, Schwedenkraut, Kleie und Bärenklau, die nicht selten auf unseren Weiden wachsen.

Beim Headshaking ist eine allergische Reaktion oftmals auf Blütenpollen oder Insekten, aber auch zum großen Teil auf das Sonnenlicht zurückzuführen. Beim Headshaking führen auch - ähnlich wie bei der Sonnenallergie - Photosensibilisierungen zu dem Krankheitsbild, welches sich durch unkontrollierbares Auf- und Abschlagen des Kopfes darstellt. Hier ist ganz besonders das Nervensystem betroffen. Bei der Urticaria kommt es unter dem Einfluss von bestimmten Pflanzen, die bekannteste ist die Brennessel, Insektenstichen oder Futtermitteln mit erhöhtem Eiweißgehalt, deren Aufnahme allergisierende Stoffe, sogenannte Zersetzungsprodukte im Verdauungstrakt bilden, zur Symptomatik. Die für die Symptomatik aller allergischen Erkrankungen verantwortliche Substanz ist der Botenstoff Histamin. Histamin kommt in allen Bereichen des Pferdekörpers vor.

Alle Photosensibilitätsreaktionen und allergische Erkrankungen haben eines gemeinsam: Die Ursache ist schwer auszumachen und es erfordert akribische Kleinstarbeit alle in Frage kommenden Auslöser in Stall, Weide, Paddock, Umgebung, Futtermitteln, Einstreu, Wasser und sämtlicher anderer Substanzen und Faktoren, mit welchen das betroffene Pferd in Verbindung kommt, auszumachen! Oft ist dies überhaupt nicht möglich, da uns der beliefernde Landwirt beispielsweise verschweigt, dass sein Stroh aus Getreidearten, welche mit sogenannten "Halmverkürzern" gespritzt sind, stammt. Oder wer würde uns sagen, dass Sägespäne aus behandeltem Holz bestehen? Wer will noch nachvollziehen, aus was die Einzäunung der Weide besteht? Ob kesseldruckimprägnierte Holzpfosten oder gar teerölimprägniert?

Haflinger Silva

Eine Katastrophe, und ein Schock für jeden Pferdehalter: Photosensibilität (hier beim Haflinger Silva).

Doch selbst wenn wir die Ursache bzw. Ursachen nicht sämtlichst herausfinden können, so können wir doch einiges tun: Sommerweiden nur mit Unterstand, damit sich die Pferde in den Schatten zurückziehen können, bei bekannter UV-Strahlen Sensibilität und Headshaking: Weidegang erst ab der Dämmerung bis in die frühen Morgenstunden (sofern die Rückzugsmöglichkeit in einen Unterstand die Symptomatik nicht zufriedenstellend eindämmt), den Kopf schützen bei Headshakern durch das ständige Aufziehen von Fliegenmasken bzw. Schutzdecken bei Sommerekzemern sowie Photosensibilität während Sonnenstrahlung (beispielsweise die im Handel erhältlichen Decken für Sommerekzemer), Fütterungsumstellung sowohl was das Kraftfutter, wie auch die Weidefütterung und das Rauhfutter betrifft einschließlich der Einstreu, Verzicht auf sämtliche Substanzen (siehe oben), welche eine Sensibilität auslösen können, Gebiss wechseln auf Argentan, Aurigan oder Kunststoffgebisse, z. B. aus Nathe; Verzicht auf Medikamente, soweit möglich, empfindliche Körperpartien mit fett- und ölfreien Sonnenschutzmitteln mit sehr hohem Lichtschutzfaktor einreiben. Eventuell müssen auch Box und Stall gewechselt werden, falls am Stall keine Besserung eintritt trotz intensiver Maßnahmen.

Bei allergischen Erkrankungen und Photosensibilität hat sich eine ganzheitliche naturheilkundliche Therapie sehr gut bewährt, da diese sämtliche Faktoren mit in die Regulation einbezieht (beispielsweise durch die Biofeld-Haaranalyse). So besteht die Therapie nicht nur aus wirkungsvollen homöopathischen, phototherapeutischen bzw. isopathischen Mitteln, welche zur Regulation der überschießenden Immunreaktion verabreicht werden, sondern berücksichtigt auch eine optimale Fütterung, die ein intaktes Immunsystem fördert, was weniger anfällig für überschießende Reaktionen (sprich Allergie) ist und zur Gesundung bzw. Gesunderhaltung des Pferdeorganismus essentiell und dauerhaft beiträgt! Dass jedoch im Akutfall erst mal eine Notfallbehandlung durch den Tierarzt erfolgen muss, zeigt unser nachfolgendes Beispiel aus der Praxis.

(Claudia Nehls)



Silvas Krankengeschichte

Begonnen hat es eigentlich schon im Frühjahr 2005, als ich bei Silva beobachten konnte, dass er leichten Durchfall hatte. Den ganzen Winter gab es nur Silage und mir war gar nicht gut bei dem Gedanken und ich fütterte diese Silage sehr widerwillig, aber es war leider nichts anderes da. Zehn Jahre lang hatte ich Silva im Sommer auf unseren gepachteten Weiden gehalten; Weiden, die nicht behandelt waren durch irgendwelche Düngungsmittel. Nein, es waren Wiesen, die nie einen Trecker gesehen hatten, unsere Kräuterwiesen, wie wir sie nannten und die Bachläufe sorgten stets für frisches Wasser. Aber im Winter 2004 kam es, dass ich und eine Freundin mit unseren Pferden auf diesen Bauernhof kamen, wir hatten mal wieder den Stall gewechselt, weil wir mit der Art und Weise der Pferdehaltung im Winter mal wieder nicht zufrieden waren. Aber auf diesem Bauernhof schien alles sehr gut. Die Pferde kamen jeden Tag an die frische Luft und der Stall war großzügig gebaut. Große Wiesen drum herum und zudem auch noch günstig.

Mit Ausnahme der Silage, die mir ein Dorn im Auge war. Tja , zu allem Überfluss kam es zwischen mir und meiner langjährigen "Freundin" doch noch zu Meinungsverschiedenheiten und ich und mein Pferd Silva kamen in den Genuss, im Frühling 2005 von denen verlassen zu werden, von denen wir glaubten, dass Sie bis zum bitteren Ende an unserer Seite stehen würden. Silva hat so sehr unter dem Verlust von seiner Freundin Luna gelitten, dass ich dachte, er stirbt an einem gebrochenen Herzen. Es gibt bis heute kein Pferd , mit dem er so innig befreundet war wie mit seiner Luna. Der Frühling kam und mit dem Frühling kamen die ersten Symptome. Silva hatte starken Juckreiz ab März 2005. Die Schweifrübe und der Mähnenkamm juckten und ärgerten ihn sehr. Ich dachte , das kann nur ein Sommerekzem sein und ich durchkämmte das Internet nach Informationen über diese Erkrankung.

Haflinger Silva
Für Haflinger Silva waren die Prognosen denkbar schlecht. Riesige allergisch reagierende Hautregionen überdeckten das Pferd.

Schließlich versorgte ich die juckenden Stellen mit speziellen Kräuterölen, von denen ich glaubte, sie würden helfen, rieb sie jeden Tag ein, pflegte meinen Schatz und hoffte auf Besserung. Die Haut schuppte sich bereits und ich kämpfte jeden Tag darum, die Hautschuppen in den mit Öl verklebten Schweif und Mähnenkamm herauszubekommen. Die Mähne war dann nicht mehr zu retten und ich habe sie dann irgendwann abgeschnitten. Im Juni bemerkte ich dann auf einmal am Mähnenkamm eine offene Wunde und dachte, Silva hätte sich vielleicht verletzt, denn er und die anderen Schnuffels waren bereits ab März auf der Wiese. Auch diese Stelle versorgte ich mit Zinkpaste. Sie heilte recht schnell. Ein Tag nach dem anderen verstrich und die schuppenden Stellen am Mähnenkamm wurden immer größer. Bilder aus dem Internet verrieten mir: Das ist und bleibt ein Sommerekzem! Typisch sind Juckreiz, Schuppungen und zum Teil offene Hautläsionen. Die Bilder waren identisch!

Ich kam also zu meinem Schatz in die Hütte und es traf mich der Schlag. Zuerst sah ich, dass der gesamte Hals an beiden Seiten eine riesige offene Wunde war mit massiven Hautablösungen samt Haare. Die Haut darunter war feuerrot. Die gesamte Haut löste sich samt Haare. Großflächige Hautschuppen hingen herunter, die ich vorsichtig ablöste. An Silvas Brust entdeckte ich dicke Hautfalten, die zwischen beiden Vorderbeinen herunterhingen, und es sah so aus, als wäre seine Haut zu viel. Bei dem Anblick bekam ich Angst! Hinzu kam noch, dass Silva durch diese an der Brust herunterhängenden Ödeme kaum laufen konnte. Hilflos rannte ich zum Hof und rief sofort den Tierarzt an. Der Tierarzt kam, fuhr mit seinem Auto in einem Affenzahn über unsere Wiese bis zu der Hütte am Waldrand. Er schaute sich Silva in Ruhe an, dann versicherte er mir: "Das sieht aus wie eine Photoallergie, das habe ich letztes Jahr bei einer Kuh gesehen und die haben wir auch sofort eingeschläfert. Aber bei einem Pferd habe ich so was noch nie gesehen!" Und ich dachte: "Was...?"

Ja, es war eine allergische Reaktion auf bestimmte Gräser und Pflanzen, die im Stoffwechsel toxisch wirken in Verbindung mit Sonnenlicht, und die lösen wohl eine Art Verbrennung auf der Haut aus. Und zwar ist es so, das sich bestimmte Stoffe in der Haut absetzen. Er spritzte Silva sofort Cortison und Antibiotika und sagte mir, ich müsse Silva heute noch in den Stall bringen und die gesamte Haut am Hals und Brust geschmeidig halten mit irgendeinem Öl, das wäre egal. Außerdem sollte Silva über fünf Tage Antibiotika bekommen. Völlig fassungslos machte ich mich auf, den Offenstall fertig zu machen. Dort, so dachte ich, kann Silva sich unterstellen und Heu bekommen und trotzdem ein wenig umherlaufen. Silva durfte der Sonne auf keinen Fall ausgesetzt sein!

Haflinger Silva
Schockierende Detailaufnahme: So sahen die betroffenen Körperpartien bei Silva aus.

Der Versuch, Silva von der Weide in den Stall zu bringen, brach mir fast das Herz und ich gab es auf, ihn von der Weide zu führen. Es war zu schwer für ihn, nur mühselig setzte er ein Bein vor das nächste. Dann ging ich einfach zurück und dachte mir, ich hol erst mal Wasser. Als ich an die Wiese kam, sah ich dann meine kleine Herde kommen und wer war zwanzig Meter hinter Ihnen? Mein Dicker. Er ging langsam, aber zielsicher mit den anderen mit und es trieb mir erneut die Tränen in die Augen ihn so zu sehen! Er nahm Schwung mit seinem Hals, um ein Bein vor das nächste zu setzen. Am Tor lobte ich ihn und brachte ihn langsam und gemeinsam mit den anderen Pferden in den Offenstall.

Am Abend kam mir dann der Gedanke, das ich unbedingt eine zweite Meinung brauche und so kam mir Frau Nehls (deren Internetseite ich schon mehrmals aufgerufen hatte) wieder in den Sinn. Ihre ganzheitliche Betrachtung verschiedener Erkrankungen bei Pferden und ihre liebevoll gestaltete Internetpräsenz sprachen mich sehr an und ich muss sagen: Danke lieber Gott, dass ich jemanden wie Frau Nehls getroffen habe! Frau Nehls riet mir eine Haaranalyse bei ihr durchführen zu lassen und ich bin froh, das wir diese Art von Diagnose durchgeführt haben. Die Haaranalyse bestätigte eine Photosensibilität. Das erschreckende Ergebnis bestätigte, dass sämtliche Parameter vom Lymphsystem angefangen über Blut, Leber, Darm, Vitamin- und Mineralhaushalt, Herdgeschehen, Immunsystem über Haut und Nervensystem bei Silva stark geschädigt waren.

Es war erschütternd, aber ich hatte endlich etwas in der Hand, mit dem ich etwas anfangen konnte. Gleichzeitig stellte mir Frau Nehls einen Therapieplan für Silva auf. Silva bekam die von Frau Nehls verordneten homöopathischen Medikamente sowie eine Futterempfehlung, in der das Raufutter eine wichtige Rolle spielt sowie auch genügend Saftfutter wie Möhren und Äpfel. Sie riet mir auch, sämtliche Öle von außen wegzulassen und nichts mehr auf die Haut aufzutragen außer gute Vaseline oder Zinksalbe. Auch sollte Silva unbedingt der Weide fernbleiben und nur noch Heu bekommen sowie auf gar keinen Fall in die Sonne. Es begann eine Wahnsinnszeit. Jeden Tag versorgte ich Silva morgens und abends. Er bekam jeden Tag seine verordneten Medikamente nach Plan. Ich pflegte die Haut mit Zinksalbe. Eimerweise Salbe verbrauchte ich für diese großen Flächen.

Haflinger Silva
Innige Freundschaft zu Silva, um dessen Leben man monatelang fürchten musste.

Jeden Tag entfernte ich riesige Hautflächen, die sich immer und immer wieder abstießen. Silva verlor die gesamte Haut Schritt für Schritt von der Kehle angefangen über den Hals bis weit über die Schulter, die gesamte Brust bis über die Vorderbeine hinunter zu den Hufen. Das Ödem an der Brust war innerhalb 24 Stunden mindestens um das fünffache größer geworden. Einen Tag spürte ich bei Silva ein leichtes, kaum zu vernehmendes Muskelzittern am gesamten Körper. Ich holte zwei Decken, warf sie über. Ich rief den Tierarzt an, der mir sagte, ich solle Temperatur messen: Fieber! Nochmals kam der Tierarzt und verabreichte Silva Cortison und er fragte mich, ob ich mir schon mal Gedanken darüber gemacht hätte, ob ich ihn nicht lieber einschläfern lassen möchte oder zum Schlachthof bringen wolle. Ich dachte nein: Ich glaube daran, dass es wieder heilt! Und wenn nicht, dann werde ich veranlassen, ihn auf freier Fläche kurz und schmerzlos zu erschießen (obwohl das mein Onkel nie machen würde, er ist Förster)!

Ich dachte an die tröstenden Worte von Frau Nehls: 'Das kriegen wir schon wieder hin!' Teilweise saß ich stundenlang an seiner Seite, beobachtete mein Herzchen, streichelte und redete mit ihm. Nach ca. zwei Wochen hatte sich das Ödem in die Beine herabgesetzt und die Beine waren erheblich dick und angeschwollen. Auch die Brust war nicht mehr zu erkennen. Ich beobachtete, dass Silva nun auch unter dem Bauch massive Schwellungen bekam, bis zu seinem Schlauch. Das gesamte Gewebe um den Schlauch herum war massiv eingelagert und stark geschwollen, so dass ich zeitweise Angst hatte, Silva könnte nicht mehr Wasser lassen. Dann fühlte er sich auf einmal sehr heiß an und ich fertigte essigsaure Tonerde an, tränkte eine ganze Pferdedecke darin und legte sie über Silva, dieses wiederholte ich dann mehrmals, bis er sich wieder normal warm anfühlte. Jeden Tag auf's Neue entfernte ich großflächige Hautablösungen und Schuppungen morgens wie abends.

Die Haut bekam jeden Tag neue Risse und es zeigte sich jeden Tag mehr und mehr von der massiven Beschädigung. Zwischenzeitlich trennte ich die Pferde in dem Offenstall, weil Silva sich nicht wehren konnte und damit er seine Ruhe haben konnte, denn der alte Klöpper Trubi mit seinen 28 Jahren, dachte, er könnte ja jetzt mal beißen, was er sonst nie getan hätte. Silva hatte Heu zur freien Verfügung und ich war froh, dass er regelmäßig fraß und auch trank, er freute sich auch immer auf seine Möhren und Äpfel. Das war ein gutes Zeichen! Die Haut schuppte und schuppte sich, die Fetzen hingen herunter, rote Hautflächen darunter, es sah einfach schlimm aus. Ich cremte ihn immer wieder sorgfältig ein, auch zwischen den Hautfalten, dort, wo keine Luft herankam, überall Fetzen. Die gesamte Brust und die Vorderbeine ein geschwollenes Ödem, es war gar nicht zu erkennen, wo die Brust anfängt und die Beine aufhören. Es fühlte sich alles gespannt an und heiß und ich war froh, das eine Regenperiode anbrach.

Haflinger Silva
Noch ist es nicht geschafft, aber im Winter 2005 ging es endlich steil bergauf für Hafi Silva.

Ein kleines Hoffnungszeichen zeigte sich nach Wochen: Es muss September 2005 gewesen sein, und ich sah, dass neue kleine, zarte Härchen nachwuchsen, dass das Ödem sichtlich zurückging und die Haut heilte. Silva wurde von Tag zu Tag lebendiger, er interessierte sich wieder für seine Umgebung, spielte mit seinen Ohren. Jeden Tag fühlte ich seine Brust ab, ob sich die Schwellung vielleicht noch mal aufbauen würde? Die homöopathischen Medikamente unterstützten den Heilungsprozess und ich war so froh, dass sie halfen. Der Hufschmied schimpfte über die ganze Salbe an seiner Lederhose, aber das war mir egal, ich war froh, dass man die Hufe wieder hochnehmen konnte, denn das war am Anfang gar nicht möglich durch die dicken Beine. Die Tage kamen, da konnte Silva wieder richtig gut laufen, hatte er sich doch wochenlang nur langsam und vorsichtig im Offenstall bewegt.

Ich ließ ihn nun stundenweise auf die Wiese mit den anderen. Die Haut erholte sich, nur hier und da noch letzte Schuppungen, darunter war aber schon neue gesunde Haut mit kleinen Härchen. Die Brustschwellung war fast verschwunden und die Beine und die Schulter nahmen wieder Form an. Silva durfte jeden Tag raus, auch, wenn die Sonne schien, damit der Kreislauf in Schwung kam und das Gewebe durchblutet werden und die Schwellungen weniger werden konnten. Ich achtete darauf, dass er mindestens einmal täglich ausreichend Heu bekam. Das hieß für mich: Entweder abends raus lassen und morgens wieder rein, oder tagsüber für ein paar Stunden raus. Jetzt ist es Dezember 2005. Mit Rücksprache von Frau Nehls haben wir nochmals eine Haaranalyse durchgeführt und die Werte haben sich unter der Therapie von Frau Nehls stark verbessert.

Aber wir sind noch nicht am Ende, die Nahrung muss noch optimiert werden, das Immunsystem, und somit der Darm, ist noch nicht stark genug, und so bekommt Silva weiterhin die nun optimierte Versorgung mit ausgewählten Substanzen, die Medikamente sind abgesetzt. Nun bekommt er als Basisfutter Wellness Basis mit Allergosan-Kräutermischung und Schwarzkümmel-/Nachtkerzenölmischung in Verbindung mit einer Biologischen Hufkur. Silva hat sich bis auf Weiteres sehr gut erholt! Äußerlich ist alles abgeheilt, man sieht kaum, dass er überhaupt krank war und er läuft wieder wie ein junges Fohlen und freut sich des Lebens in seiner kleinen Herde mit seinen Gefährten. Ob ich meinem Herzchen diese Tortur noch einmal antun würde steht in den Sternen... Ich möchte mich sehr bedanken bei allen, die Silva bis hier hin geholfen haben, ich danke herzlichst Frau Nehls für Ihr umfassendes Wissen und die mir die Möglichkeit gegeben hat, zu handeln. Der Firma, die Wellness-Basis herstellt und für Ihren Anruf, wie ich Silva dieses Futter am besten verabreiche und wie es im Organismus wirkt. Ihr seid ein tolles Team, und ich fühle mich bei Euch gut aufgehoben!

(Diana Hren)


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Nachbetrachtung:
Wie konnte das passieren?

Die Silagefütterung ist in der Pferdefütterung absolut ungeeignet, da Silage einen hohen Proteingehalt und einen bedeutend niedrigeren Rohfasergehalt als Heu aufweist: Ein Proteinüberschuss fördert die Bereitschaft zu allergischen Reaktionen ungemein (u. a. Erhöhung der Leberwerte, Störung des Intestinal- und Digestionstraktes); ausreichend Rohfaser in der Pferdefütterung ist essentiell für eine gesunde Darmflora und eine Darmsymbiose (Lebensgemeinschaft der Bakterien im Darm). Im Darmraum befinden sich über 80 % der Immunzellen; durch die massive Störung entwickelte sich schon während der Winterfütterung eine starke Disposition zu Erkrankungen des allergischen Formenkreises (Allergie = überschießende Reaktion des Immunsystems)! Ein häufig bei der Fütterung von Silage deutliches Merkmal, dass die Silage nicht vertragen wird (auch häufig aufgrund der Konservierung) ist Diarrhoe und Kotwasser, was immer ein Alarmzeichen darstellt!

Hinzu kam noch die immense psychische Belastung und Stresssituation durch den Verlust der geliebten Stute Luna - Stress fördert sämtliche Dispositionen zu Erkrankungen. Die bei Auftreten der Symptomatik Juckreiz/Fellprobleme/Schuppen lokal angewendeten Öle verschlimmern oftmals die vorhandenen Symptomatiken, da auch bei Allergikern nicht auf ätherische Öle, welche oftmals zu starken Sensibilisierungen und allergischen Reaktionen führen, verzichtet wird! Die makroskopisch sichtbaren Hautveränderungen bei Kontaktekzemen, Sommerekzem, Dermatitis und Photosensibilitätsreaktionen sind allesamt ähnlich, oft identisch. So geht der Pferdebesitzer - in diesem Fall Diana - davon aus, dass es sich bei den Hautläsionen um ein Sommerekzem, also eine allergische Reaktion auf Mückenstiche handelt, und kann nicht rechtzeitig dringend erforderliche Maßnahmen, wie in Silvas Fall das Aufstallen bzw. Schutz vor UV-Licht und photosensibilisierendem Weidebewuchs, einleiten!

Haflinger Silva

Das Schlimmste ist erst mal für Silva überstanden, aber das Pferd ist und bleibt auf Rückfälle abonniert.

Die Fütterung von Kräutern zum Entgiften wäre, sofern hier auf allergieverdächtige, allergieauslösende sowie immunstärkende Kräuter verzichtet würde, eine unbedingt empfehlenswerte Sache. Leider werden auf dem Markt viele Kräutermischungen angeboten, bei denen auf diese essentiell wichtigen Faktoren zur Verbesserung des Krankheitsbildes keinerlei Maßstab gelegt wurde. So finden sich beispielsweise Kräutermischungen, welche Echinacea enthalten, was das Erkrankungsbild eines Allergikers um ein Vielfaches verschlimmert, zahlreich auf dem Markt! Auch sollte bei der Fütterung von Kräutermischungen unbedingt auf Herkunft und Qualität geachtet werden (DAB-Standard), da diese durch Toxine stark belastet sein können und somit auch auf diese Weise dem Allergiker mehr schaden als nutzen! Nachdem sämtliche o. g. Faktoren bereits absolut kontraproduktiv wirkten und das Erkrankungsbild in jeder Beziehung (innerlich, lokal, psychisch, physisch) förderten, geschah dann noch eines: Diana stand nicht zur täglichen Kontrolle zur Verfügung und die durch die in dieser Zeit eintretende pralle Sonne mit ihren schädlichen UV-Strahlen (Ozonloch) in Silvas Fall verheerende Wirkung konnte ungesehen ihren Verlauf nehmen.

Die Notfallbehandlung mit Antibiotika und Cortison durch den Tierarzt war in Silvas Fall unvermeidlich und hat erst die Voraussetzung für eine ursächliche Therapie durch das Überleben von Silva geschaffen! Nach dieser Notfallbehandlung und dem strikten Verbot von Sonnenlicht konnte mit einer ganzheitlichen Therapie endlich begonnen werden. Ich erinnere mich noch heute genau an den ersten Anruf von Diana und war absolut geschockt, ich konnte nur hoffen und beten, dass Silva es schafft, es war hoffentlich erst fünf vor Zwölf. Heute hat Silva seine Lebensfreude und Lebensqualität wieder voll erlangt. Er gehört zwar nach wie vor zu meinen Patienten, dies aber lediglich aus dem Grunde, da wir keinesfalls eine Wiederholung des letzten Sommers riskieren möchten; so steht er immer noch unter ständiger Kontrolle, damit sofort und gezielt therapiert werden kann, falls sich das kleinste Anzeichen für eine Photosensibilitätsreaktion einschleichen sollte. Leider ist hier nämlich zu beachten, dass ein Pferd, was einmal unter Photosensibilitätsreaktionen litt, wie bei allen anderen allergischen Erkrankungen auch, sein Leben lang disponiert bleibt!

Das Fatale an dieser Situation, was ich leider immer wieder auf's Neue erlebe ist: Diana kümmert sich liebevoll um Silva und machte alles Erforderliche aus ihrer Sicht, damit es ihm gut bzw. besser ging nach den ersten Symptomen. Hätte sie jedoch auf den Einsatz des Kräuteröls und der Kräutermischung verzichtet und statt dessen eine Ekzemerdecke mit Kopfteil für Silva besorgt, wäre die Photosensibilitätsreaktion im Anfangsstadium eingedämmt worden. Wie wichtig eine genaue Beobachtungsgabe und vor allem eine schnellstmögliche Abklärung und Diagnostik des Krankheitsbildes ist, zeigt Silvas Fall uns allen deutlich!

Diana ist heute sehr aufmerksam (was sie ja bereits zur Anfangszeit der Symptomatik war), jedoch fragt sie heute beim kleinsten Verdacht, bei der kleinsten Ungereimtheit sofort nach und wir können so gemeinsam überlegen, was zu tun ist, um Silva zu helfen. Ich glaube, sie hat aus Silvas Geschichte allzu bitter gelernt, um sich zukünftig auf Experimente mit Kräutermischungen, Kräuterölen, Fütterung und Haltung von Silva einzulassen! Ach ja, der gute Trubi (der Klöpper): So sozial, wie Mensch denkt, ist Pferd leider nicht: Sobald Pferd merkt, dass ein Artgenosse durch Krankheit oder Alter schwach ist, zeigt Pferd, wer hier der Starke, Gesunde und Mächtige ist. Dies ist ein Phänomen, was nicht nur Trubi, sondern fast alle Pferde ausmacht! Und weil's wichtig für die Genesung ist: Machtspielchen unter den Pferden in der Erkrankungs- und Genesungsphase grundsätzlich durch Trennung der "Gegner" vermeiden!

(Claudia Nehls)


 
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