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Themenspecial: Hufrehe (I)

Schwer zu heilen, aber leicht zu vermeiden

Die kluge, frühzeitige Vorbeugung nimmt der Hufrehe bereits viel von ihrer Heimtücke

Von Claudia Nehls

Die Hufrehe (Pododermatitis diffusa aseptica oder aus dem Englischen Laminitis) ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der die Pododermatitis diffusa aseptica, welche die Veränderungen am Huf beschreibt, nur ein Teilaspekt ist. Als Ursachen für die Entzündung der Huflederhaut werden einerseits innere, Stoffwechselerkrankungen und Vergiftungen, angesehen, andererseits äußere, wie Überbeanspruchung, Überlastung, nicht fachgerechte Hufkorrektur oder fehlerhafter Beschlag.

Haflinger
Nicht im saftigen (natürlichen) Gras lauert meist die Hufrehe, sondern auf den Kunstdünger-"Turboweiden"!

Bei einem akuten Hufrehe Schub kommt es zu Allgemeinstörungen und sehr schmerzhaften Veränderungen im Bereich der betroffenen Hufabschnitte. Symptomatisch sind weiterhin hoher Blutdruck, Gerinnungsstörungen, Fieber, Herz- und Kreislaufstörungen. Im Vordergrund steht eine Durchblutungsstörung der Huflederhaut, welche sich aus zwei verschiedenen Mechanismen zusammensetzt: Zum einen besteht eine Gerinnungsstörung und eine Veränderung der Fließeigenschaften des Blutes. Zum anderen besteht eine Schädigung der Gefäße selbst. Eine Trennung ist nicht möglich, da sich beide Mechanismen gegenseitig bedingen.

Unklar ist, ob die Allgemeinstörungen durch die Hufrehe-Erkrankung entstehen oder erst zu den Veränderungen am Huf, also der Hufrehe, führen. Der hohe Blutdruck beispielsweise wird mitverantwortlich gemacht für das Geschehen im Huf, da längerfristig erhöhter Blutdruck die Wände der kleinen Gefäße vorschädigt und so der Hufrehe Erkrankung "Tür und Tor" öffnet, könnte jedoch auch erst durch die Schmerzen bedingt während der Erkrankung entstehen. Eine Blutgerinnungsstörung führt sicher mit zur Erkrankung und ist vor den makroskopisch sichtbaren Veränderungen vorhanden, da bewiesen ist, dass Heparin als blutgerinnungshemmendes Mittel die Entstehung der Hufrehe verhindern kann. Im Blut eines an Hufrehe erkrankten Pferdes wird ein Absinken von Thrombozyten (Gerinnungszellen) wenige Stunden nach Ausbruch der Erkrankung festgestellt werden. Blutgerinnungsstörungen werden von einigen Geschlechtshormonen, Stresshormonen und Korticoiden hervorgerufen sowie auch weiter verschlimmert.

Huf mit Rehe
Ein Anblick, aus dem die Albträume eines jeden Pferdehalters gemacht werden: Rehe-Huf.

Die Literatur beschreibt eine Minderdurchblutung im Kapillarbett, eine Ischämie. Die Durchblutung im Kapillarbett kommt jedenfalls zum Erliegen. Mehr oder weniger Blutflüssigkeit tritt ins Gewebe aus und es entsteht ein Ödem. Zum Teil verlassen auch feste Blutzellen das Gefäßbett und es entsteht eine Blutung. Es entsteht ein sehr starker Druck im Huf. Die austretende Flüssigkeit erzeugt im Huf, der ja durch die feste Hornkapsel nicht dehnbar ist, einen massiven Druckschmerz.

Dieser Druck verengt die kleinen Gefäße, in denen die Durchblutung nicht mehr funktioniert, weiter. Erliegt die Durchblutung eines Bereichs vollständig, stirbt das Gewebe ab, es entsteht eine Nekrose. Dieses sich immer mehr verselbständigende Herdgeschehen ist im weiteren Verlauf verantwortlich für Hufbeinsenkung, Hufbeindrehung und im schlimmsten Falle für das Ausschuhen (Verlust durch vollständige Lösung/Zusammenhangstrennung der Hornkapsel).

Bei der Belastungsrehe sieht man als chronische Spätschäden häufig nur die Hufbeinsenkung ohne Drehung. Die Belastungsrehe stellt auch in soweit zu den anderen Hufrehe Formen eine Ausnahme dar, da die Ursachen der Belastungsrehe eindeutig sind: übermäßige Belastung (Überlastung der Pferde auf hartem Boden, nach längerem Stehen z. B. während Auto, Flug- oder Schiffstransporten, länger andauernde Mehrbelastung einer Gliedmaße infolge Schonung der Nachbargliedmaße usw.). Die Geburtsrehe entsteht kurz nach dem Abfohlen infolge einer Nachgeburtsverhaltung oder einer intrauterinen Infektion.

Die Huferehe-Erkrankung kann weiterhin ausgelöst werden durch Infektionen, im Gefolge von Influenzainfektionen und anderen Atemwegsproblemen (diese finden sich manchmal in der Vorgeschichte ca. 14 Tage vor Ausbruch der Hufrehe), von Gastroenteritiden (Koliken, Durchfallerkrankungen, Darmentzündungen, wie beispielsweise die Kolitis, die als Folge schwerer Koliken und Schlundverstopfungen auftreten kann und für sich schon eine lebensgefährliche Erkrankung darstellt) und nach Impfungen. Hormonelle Imbalancen und Stress stehen ebenfalls als Auslöser zur Diskussion. In der Literatur ebenfalls beschrieben wird, dass Hufrehe ausgelöst werden können soll nach Aufnahme größerer Mengen kalten Wassers.

Haflinger
Vorbeugung und ein wachsames Auge sind oberstes Gebot bei der Hufrehe-Vermeidung.

Die Fütterungsrehe wird ausgelöst durch Aufnahme einer für das betreffende Pferd zu großen Menge von Getreide – auch Müsli besteht aus Getreide – (da stellt sich die Frage, wie viel Getreide benötigt das jeweilige Pferd und keine Fütterungstabelle kennt die Antwort!). Die Bakterienflora verändert sich im Zäkum, es kommt zur Zunahme der milchsäurebildenden Bakterien, die Darmsymbiose (Lebensgemeinschaft der Bakterien) wird gestört und es kommt zur Dysbiose: Durch Zunahme der Milchsäure und Abfall des PH-Wertes werden Endotoxine freigesetzt.

Bei der toxischen Rehe sind exogene Toxine (Giftstoffe), wie z. B. der Genuss von falscher Akazie, Eicheln, Wicke und Herbizide verantwortlich oder auch endogene Toxine, welche vom Organismus selbst gebildet werden. Das krankmachende Prinzip ist bei allen Stoffwechselveränderungen und Vergiftungen im weitesten Sinne dasselbe: Die Darmsymbiose wird gestört, die Darmwand wird durchlässiger, Milchsäure und Toxine wandern in die Blutbahn und führen zur inneren Vergiftung, der Endotoxämie, und lösen so die Hufrehe aus (mit Ausnahme der Belastungsrehe).

Auf die meisten der mir mit Hufrehe vorgestellten Pferde und Ponys trafen die oben ausgeführten Entstehungsgründe der Hufrehe nicht zu. Die Hufrehe kam sozusagen "aus heiterem Himmel": Die Ponys hatten weder die Hafertonne geplündert, wurden nicht kürzlich geimpft, litten an keiner Influenza oder anderen Atemwegsinfektion in der Vorgeschichte, hatten nicht kürzlich Kortikoide erhalten und es waren auch keine anderen erkennbaren Gründe als Ursache bekannt. Obwohl die Ätiologie bis heute ungeklärt ist, die genauen Ursachen für das Entstehen der Hufrehe also weitgehend unklar, scheint es meiner Erfahrung nach den Gesetzen der Ganzheitlichkeit eine wirksame Prophylaxe selbst bei zur Hufrehe disponierten Ponys und Pferden zu geben.


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Erfahrungsbericht mit dem eigenen Pferd Sina

erzählt von Claudia Nehls

Tierheilpraktikerin Claudia Nehls war selber betroffen. Der folgende Bericht bezieht sich weder auf die Belastungsrehe, noch auf die Geburtsrehe oder die durch den Genuss von stark konzentrierten Giftstoffen (z. B. giftigen Pflanzen) ausgelösten Hufrehe.

1999 erkrankte meine damals dreijährige Haflingerstute Sina an Hufrehe. Sina kam als Absetzerin im Alter von 6 Monaten zu uns. 1996 war ich weder ausgebildete Tierheilpraktikerin noch hatte ich mich eingehend mit dem Thema Fohlenaufzucht/Pferdefütterung beschäftigt. So glaubte ich – wie andere ihr Pferd liebende Pferdehalter auch – Sina mit Fohlenaufzuchtsfutter, dem sogenannten Fohlenstarter, eine wunderbare Grundlage zum Heranwachsen mit auf den Weg geben zu können.

Damit Mangelerscheinungen weitgehend ausgeschlossen werden konnten, fütterte ich ihr zusätzlich ein synthetisch hergestelltes Mineralfutter als Ergänzung der täglichen Ration. Darüber hinaus erhielt sie Rauh- und Saftfutter. Unseren ersten Winter erlebte Sina nachts in Boxenhaltung, tagsüber auf der Weide. Ab August 1997 dann in Offenstallhaltung mit 24-stündigem Weidegang. Da wir auch die Weidepflege ernst nahmen, bekämpften wir wachsendes Unkraut mit Unkrautvernichtungsmittel (statt dies auszumähen..) und düngten die Weideflächen mit künstlichem Dünger. Selbstverständlich hatten unsere Pferde nach diesen Prozeduren jeweils 12 Wochen Weideverbot und durften lediglich in dieser Zeit auf den Auslauf.

Im Herbst 1999 dann der Schock: Hufrehe! Wie konnte das nur passieren? Ich zermarterte mir den Kopf, was ich denn falsch gemacht hatte und kam zu dem Schluss: nach gängiger Meinung war alles völlig in Ordnung, ich hatte alles richtig gemacht! Damit wollte ich mich jedoch nicht zufrieden geben und sog alles in mich auf, was ich über die Hufrehe Erkrankung ausfindig machen konnte. (Nur am Rande sei hier erwähnt, dass Sina im gleichen Jahr an Sommerekzem erkrankte. Beide Erkrankungen manifestierten sich im Abstand von einigen Wochen und dann noch zu einer unüblichen Jahreszeit: im Herbst!)

Haflinger Sina
Das ist Sina: Einst Hufrehe-Patientin, trabt sie heute wieder durch das saftige Gras.

Vieles Gelesene brachte mich überhaupt nicht weiter, teilweise waren die Aussagen gegensätzlich, teilweise bestätigten sie mich, dass ich alles richtig gemacht hatte. Eine wirklich differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen Hufrehe, Sommerekzem und Pferdefütterung brachte mir dann einige Erkenntnisse, jedoch letztlich immer noch nicht des Rätsels Lösung! Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir ca. 15 Pferde und Ponys im Stall mit den gleichen Bedingungen wie Sina. Natürlich war die Fütterung individuell verschieden, aber die Weideflächen und sonstigen Bedingungen doch die gleichen.

Obwohl wir mehrere – rein optisch – zur Hufrehe disponierte Ponys im Stall hatten, erkrankte ausschließlich Sina. Wären demnach Fruktane die Ursache dieses Übels, warum erkrankten dann nicht alle Pferde unter gleichen Weidebedingungen? Wäre ein zu großes Angebot an Kohlehydraten oder/und Protein die Ursache, warum erkrankten dann nicht weitere im Überschuss versorgte Pferde? Würden nur übergewichtige schwerfällige Ponys erkranken, warum dann nicht auch die anderen in unserem Stall gehaltenen? Warum erkrankte mein 25-jähriges Pony, welches zum Weidegang kiloweise Kraftfutter, Melasseschnitzel und Luzerne bekam, nicht?

All diese Fragen konnte mir kein Mensch und keine Literatur beantworten, also gab ich mich daran, meine eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. Vieles, was ich las, bereitete mir den Weg zu den eigenen Erfahrungen und einige theoretisch erworbene Kenntnisse ließen sich in der Praxis bestätigen. Ein ganz großes Lob an meine damalige Tierärztin: Sie wusste, dass ich mich seit geraumer Zeit mit der Naturheilkunde befasste, sah von sämtlichen Experimenten ab und gab mir stattdessen handfeste Tipps zur ganzheitlichen Regulation mit auf den Weg.

Die Gründe der Entstehung sind bis heute weitgehend ungeklärt. Es gibt einige Thesen und Erklärungen, jährlich neue Spekulationen, wenig wissenschaftlich fundierte Kenntnisse und keinerlei einheitliche Ursache. Dies liegt an der Komplexität dieser Erkrankung. Sicher führen bei manchen Pferden zu viele Kohlehydrate, ein Übermaß an Protein, Übergewicht, vielleicht auch eine zu hohe Aufnahme von Fruktanen, psychische oder hormonelle Störungen zur Hufrehe.

Haflinger Sina
Die Hufrehe ist Vergangenheit: Sina ist wieder ganz gesund und "gut zu Fuss".

Offen bleibt die Frage, warum erkranken unter gleichen Bedingungen nicht alle Pferde, nicht einmal alle Pferde ein und derselben Rasse oder Zucht? Diese Frage lässt sich allgemein nicht beantworten: hier spielen Zucht, Aufzucht, genetische Disposition, Hormonhaushalt, Organe und Organsysteme, umweltbedingte Einflüsse, Toxine, Medikamentengabe und vieles mehr eine Rolle. In fast allen mir bekannten Fällen war es eine Vielzahl von Gründen, eine Vielzahl unglücklich zusammentreffender Bedingungen und ein Zeitpunkt, der gerade dieses Pferd für diese Erkrankung empfänglich machte.

Primäre Ursache der Hufrehe ist jedenfalls eine falsche Fütterung, hier ist man sich einig: Eine Überversorgung ebnet zwangsweise den Weg zur Hufrehe Erkrankung, da Entgiftungsorgane durch den Abbau nicht benötigter Nährstoffe überfordert sind, da Intestinal- und Digestionstrakt vorgeschädigt sind und somit nur noch das "Tüpfelchen auf dem i" fehlt, um das Organsystem des betroffenen Pferdes völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen und dies ist letztlich der eigentliche Auslöser der Hufrehe Erkrankung! Die letzten 5 Jahre haben für mich zweifelsfrei gezeigt, dass wirksame Prophylaxe auf einige Grundsätzlichkeiten der Pferdehaltung beschränkt ist:

Sina lebt heute in Offenstallhaltung mit ganzjährigem Zugang zu knapp 11 Hektar extensiv bewirtschafteter Weideflächen. Im Sommer steht sie kniehoch im Gras ohne jemals wieder erkrankt zu sein. Seither hat nicht nur Sina, sondern zahlreiche weitere Pferde und Ponys, neue Lebensqualität durch Beachtung der oben genannten Faktoren gewonnen:

Im Grunde scheint die Vermeidung einer Hufrehe Erkrankung gar nicht schwer zu sein!



Wie Claudia Nehls in ihrer Praxis die Hufrehe bekämpft und welche Erfahrungen Pferdehalter mit diesen Maßnahmen gemacht haben, lesen Sie im zweiten Teil des Specials (Link siehe unten).
 
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