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Stichwort: Hufrehe

Viele "Ratschläge" von vielen "Wissenden"

Hufrehe: Oft beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit

Von Claudia Nehls

Am Abend läuft das betroffene Pferd noch normal, morgens geht es stocksteif und nur unter großen Schmerzen oder man trifft es in der sogenannten Rehe-Entlastungshaltung (Hinterextremitäten weit unter den Körper gestreckt, Vorderextremitäten weit nach vorne gesetzt) an und ein Gehen erscheint kaum noch möglich. Oft liegen die an Hufrehe erkrankten Pferde und Ponys während des akut auftretenden Rehe Schubes und weigern sich, überhaupt aufzustehen. Die Hufrehe-Erkrankung ist eine der schmerzhaftesten überhaupt, so dramatisch und qualvoll gestaltet sich auch der Anblick der erkrankten Pferde.

Bei weniger massiv verlaufenden Hufrehe-Schüben trifft man auf Pferde, bei denen die Symptomatik weniger ausgeprägt ist, hier bemerken wir lediglich eine gewisse Unlust zur Bewegung, Wendungsschmerz und Steifheit. Die Hufrehe kündigt sich in diesen Fällen schleichend an, die Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie ist hier sehr gut, wenn man sofort entsprechende Maßnahmen zur Regulation ergreift, was voraussetzt, dass diese relativ harmlosen Veränderungen des Gangbildes unmittelbar vom Pferdehalter bemerkt werden. Werden diese Frühwarnzeichen übersehen und/oder keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen, findet man nach wenigen Tagen oft die massive Symptomatik, da der Hufrehe-Schub auch bei diesem weniger plötzlichen und schmerzlichen Erscheinungsbild seinen manchmal tödlichen Verlauf nimmt!

Hufrehe kann eine tödlich verlaufende Erkrankung sein, je massiver und länger die Symptomatik besteht, desto schlechter sind die Heilungsaussichten. Daher ist es so wichtig, wirklich sofort zu handeln und alles Erdenkliche zu tun, um den Heilungsprozess zu fördern! Wird der Pferdehalter mit der Diagnose Hufrehe konfrontiert, ist dieser meist völlig hilflos und sucht bei verschiedenen "Fachleuten" Rat und Hilfe. Dies führt dann zu einer völligen Verunsicherung, da jeder "Wissende" andere Ratschläge, Tipps und Tricks parat hält. Meist sind diese Informationen absolut gegensätzlich und am Ende steht ein noch verunsicherterer Pferdehalter, der mit seinem an Hufrehe erkrankten Pferd völlig überfordert ist. Diese Unsicherheit führt dann dazu, dass entweder genau das Falsche oder aber viel zu viel getan wird und wertvolle Zeit vergeht, bis den Pferden – wenn dann überhaupt noch möglich – geholfen werden kann.

Jetzt sind die richtigen Schritte entscheidend!

Ich beschäftige mich seit 1999 eingehend mit der Hufrehe-Erkrankung - Ursache war die Hufrehe-Erkrankung meines Pferdes - und machte in den vergangenen 6 Jahren sehr viele Erfahrungen einerseits mit der Erkrankung selbst, andererseits mit hilflosen Pferdehaltern, mit guten und weniger guten Hufschmieden/Hufpflegern und Tierärzten. Da meinem eigenen Pferd durch konventionelle Therapien nicht geholfen werden konnte, entwickelte ich in Folge der Erkrankung meiner Stute Sina Kräutermischungen, die speziell auf die Hufrehe-Erkrankung, ihrer Ursache und Folgeerscheinungen abgestimmt wurden. Oft erlebe ich bei der Therapie vieler Pferde wahre Wunder und Pferde, die bereits zum Tode geweiht waren gesunden wieder völlig.

Manchmal allerdings verläuft die Hufrehe-Erkrankung so negativ, dass das betroffene Pferd erlöst werden muss, da der Schmerz qualvoll und eine Aussicht auf Heilung nicht mehr besteht. Auch kuriose Fälle begegnen mir: So verläuft die Hufrehe-Erkrankung offensichtlich nach keinem Prinzip, denn selbst wenn Veränderungen bei Röntgenbildern nicht zu erkennen waren, war der Schmerz oft derart quälend, dass Pferde nicht überlebten. Ursache hierfür war eine völlig negativ verlaufende Therapie, entweder durch falsche Medikamente, grobe Fehler in Fütterung und Haltung und/oder durch eine Hufbearbeitung, die schlechter für das Pferd nicht hätte sein können. Andererseits gab es Fälle, bei denen das Hufbein bereits sichtbar war und das betroffene Pferd innerhalb weniger Monate symptomfrei war, das Horn sehr gut nachwuchs und gravierend negative Veränderungen ausheilten.

Haflinger liegend
Tot? – Nein! Einer der fidelen Hafis von Claudia Nehls in artgerechter Haltung!

Ich möchte aus meiner Sicht und Erfahrung versuchen, ein wenig Hilfestellung beim Umgang, bei der Fütterung und Haltung der akut an Hufrehe erkrankten Pferde zu vermitteln: Wichtigste Voraussetzung ist, sofort zu handeln, das heißt, sobald wir eine Veränderung des Gangbildes unseres Pferdes feststellen, welche auf eine Hufrehe-Erkrankung hinweist, muss zwingend sofort der Tierarzt gerufen werden. Des weiteren muss selbstverständlich, sofern der Auslöser bekannt ist, dieser sofort abgestellt werden. Meist ist der Auslöser des akuten Schubes unklar, doch gibt es auch Rehe Schübe, welche den oder die Auslöser erkennen lassen, beispielsweise Giftpflanzen, Medikamente, Futtertonnenplünderung, Weideausbrüche, Stress oder die Aufnahme von Toxinen mit dem Futter oder Wasser.

Veränderungen des Gangbildes bzw. Symptomatiken sind: Steifheit, Wendeschmerz, warme/heiße Hufe (in Verbindung mit weiteren Veränderungen, da Wärme lediglich vermehrte Durchblutung anzeigt, die anfangs bei Hufrehe auftritt und später eine verminderte ist), klammer Gang, Pulsation (spricht für Schmerz), Hinterextremitäten stark unter den Schwerpunkt gesetzt und somit kurze flache Schritte, Verweigerung des Pferdes, ein Bein zu heben (Weigerung des Pferdes nur auf drei Beinen zu stehen), häufiges Liegen, Gangunlust (fühliges unlustiges Gehen), schmerzverzerrtes Gesicht, typische Rehe-Entlastungshaltung s. o., Gang besser auf weichem Boden, schlecht auf hartem Boden bzw. steinigem Boden, diffuser Sohlenschmerz bei Untersuchung mit Hufzange, manchmal auch Appetitlosigkeit, erhöhte Temperatur (ausreichend ist, wenn wenige der o. g. Veränderungen des Gangbildes zutreffend sind). Lieber einmal zu oft bzw. zu früh den Tierarzt gerufen, als zu spät, dies gilt ganz besonders bei Verdacht auf Hufrehe. Nur das sofortige Eingreifen verhindert in diesem Fall Schlimmeres!

Rehe-Schub: Antibiotikum war Auslöser!

Lautet die Diagnose Hufrehe bzw. Verdacht auf Hufrehe (in leichteren Fällen ist ein Rehe-Schub nicht immer sofort mit Sicherheit diagnostizierbar) wird der Tierarzt entweder einen Aderlass durchführen zur Blutverdünnung oder blutverdünnende Mittel verabreichen (Acetalicylsäure, Heparin). Ist das Pferd mit blutverdünnenden Mitteln vorbehandelt, sollte selbstverständlich kein Aderlass mehr durchgeführt werden! Ist der Schmerz offensichtlich – aber bitte nur dann – werden Schmerzmittel zusätzlich verabreicht (Phenylbutazon). Im Gegensatz zur Blutverdünnung, welche wohl von allen Fachleuten als positiv beurteilt wird, ist der Einsatz von Schmerzmitteln umstritten: Ist der Schmerz ausgeschaltet, wird das Pferd sich bewegen, diese Bewegung kann dann eine Hufbeinsenkung bzw. Rotation begünstigen.

Weiterhin belasten Schmerzmittel Leber, Nieren und Darm, welche bei der Hufrehe-Erkrankung sowieso schon in Mitleidenschaft gezogen sind. Gerade bei Hufrehe ist es häufig so, dass Schmerzmittel überhaupt keine positiv wahrnehmbare Wirkung erzielen, sie sozusagen "nicht anschlagen". Sollte sich also das Gangbild nicht positiv durch den Einsatz von Schmerzmitteln verändern, sollte man unbedingt auf diese verzichten. Wirken die Schmerzmittel jedoch gegen den Schmerz, darf das Pferd sich nicht frei auf größeren Flächen bewegen können (im Stall natürlich schon), um Hufbeinsenkung/Hufbeinrotation möglichst zu verhindern und nicht noch durch zu viel Bewegung (der Schmerz wird ja ausgeschaltet und der natürliche Instinkt/Reflex des Pferdes, sich nicht zu bewegen damit auch) zu begünstigen.

Beim Thema Schmerzmittel sollte also abgewägt werden: Selbstverständlich sollten wir unserem Pferd keinesfalls Schmerzen zumuten, die vermeidbar sind, andererseits kann ein Pferd jedoch auch ein gewisses Maß – wie der Mensch ja auch – Schmerzen aushalten, ohne dass diese zur Qual werden. Vermeidbar sind Schmerzmittel jedoch unbedingt, wenn die erhoffte Wirkung sichtbar nicht erzielt wird, nämlich wenn der Schmerz nicht unterdrückt wird, was man natürlich erst durch den Einsatz mit fehlender Wirkung, d. h. keine Verbesserung des Gangbildes, feststellt! Der Veterinär hat bezüglich der Hufrehe-Erkrankung somit sein Bestes getan, denn mehr gibt die Veterinärmedizin – meines Wissens – nicht her, was unserem an Hufrehe erkrankten Pferd zur Heilung verhelfen kann! Da Kortikoide Hufrehe auslösen, was wissenschaftlich bewiesen ist, dürfen diese keinesfalls verabreicht werden (Ursache hierfür ist, dass die Gefäße in der Zehe zusammengezogen werden und das Krankheitsbild sich somit weiter verschlechtert).

Haflinger liegend
Kannst Du Dir vorstellen, wie viele unserer Kumpel jetzt in engen Boxen verblöden?" – "Erinnere mich nicht daran. Sonst krieg' ich 'ne Kolik!"

Im eigenen Stall erlebte ich im vergangenen Jahr erstmals als Auslöser eines sehr massiven Hufrehe-Schubes ein Breitbandantibiotikum. Da mir Antibiotika als Auslöser der Hufrehe bisher nicht bekannt waren, fragte ich diesbezüglich auch die bei mir Rat suchenden Pferdehalter und es stellte sich heraus, dass mehrere akute Schübe nach Antibiotika Gabe auftraten. Es besteht zwar keinerlei wissenschaftliche Erkenntnis für diese These, doch möchte ich darauf hinweisen. Da Ursache der Hufrehe-Erkrankung eine geschädigte Darmschleimhaut ist und Toxine des Darmraumes in die Blutbahn gelangen, erscheint mir allerdings logisch, dass Antibiotika, welches ja bekannt für eine Schädigung des Darmes ist, Auslöser sein könnte. Natürlich sind dies seltene Fälle, wenn man bedenkt, wie häufig Antibiotika bei unseren Pferden eingesetzt wird, doch die Gefahr scheint durchaus zu bestehen. Es ist jedenfalls ratsam, mit dem Tierarzt zu besprechen, welche Injektionen injiziert werden und welche Medikamente verabreicht.

Im akuten Stadium ist über die veterinärmedizinische Therapie hinaus zu beachten: Eine Erleichterung ist das Kühlen und Wässern der Hufe, da sich die Hornkapsel weitet und der Schmerz etwas nachlässt (man stelle sich vor, der Schmerz bei Hufrehe ist ähnlich, jedoch viel stärker, als hätte man viel zu enge Schuhe an, da die Hornkapsel sich nicht dehnt). Auch die Durchblutung wird positiv beeinflusst, kalte Umschläge erleichtern und setzen die Stoffwechselvorgänge herab, so dass der Huf leichter mit der gestörten Durchblutung umgehen kann. Warme Umschläge sollen die Durchblutung fördern, verstärken aber meist die Schmerzreaktion, daher rate ich von diesen ab. Ideal ist ein fließender Bach, dieser erleichtert und massiert, wenn wir das Pferd möglichst mehrmals täglich über ca. 30 Minuten hineinstellen. Ansonsten gilt: Sinnvoll ist lediglich, die Hufe mindestens 30 Minuten zu wässern, da kurzes Abspritzen die Hornkapsel nicht weitet, im Gegenteil nach Trocknen die Hornkapsel noch mehr verengt.

Schmerzerleichternd wirkt ebenfalls ein weicher Boden: Egal ob im Stall oder draußen, ideal ist tiefer und weicher Boden, draußen in diesem Falle also optimal ein tiefer Schlammboden, in der Box sehr reichlich Einstreumaterial, ob Späne, Hanf oder Stroh: geradezu verschwenderisch sollte die Einstreu aussehen! Zur Bewegung allgemein: Ohne Schmerzmittel kann sich das betroffene Pferd so viel bewegen, wie es sich das zutraut, unter Schmerzmittelgabe: unbedingte Ruhigstellung des Pferdes! Darüber hinaus dürfen betroffene Pferde – auch ohne Schmerzmittelgabe – natürlich nicht von anderen Herdenmitgliedern gejagt werden, besteht hier nur die Gefahr, dass dies passieren könnte, sind die Patienten zu separieren, jedoch mit Sicht- und Schnupperkontakt. Bekommt das Pferd Schmerzmittel und steht dementsprechend vorschriftsmäßig im Stall – schön wäre natürlich ein angeschlossenes kleines Paddock – sollte auch das psychische Wohl unbedingt beachtet werden: Man stelle hier ein befreundetes Pferd – evt. im Wechsel – als Nachbarn zur Seite.

Wieder gilt: Auch die Psyche heilt mit!

Auch die Fütterung spielt bei Hufrehe eine Schlüsselrolle: Erlaubt ist Rauhfutter in einer Menge, wie diese andere und gesunde Pferde auch benötigen: Stroh beispielsweise zur freien Aufnahme, Heu 1 – 2 KG pro 100 KG Pferdegewicht. Darüber hinaus bis 2 KG Möhren pro Tag, Ponys bis 1 KG. Bei Äpfeln streiten sich die Geister: Es wird die Auffassung vertreten, dass der enthaltene Fruchtzucker schadet und die Hufrehe so durch den Zuckergehalt begünstigt. Ich kann das nicht bestätigen: Ich vertrete die Auffassung, dass das reichlich in Äpfeln enthaltene Pektin eine positive Wirkung auf die Darmschleimhaut ausübt und somit empfehle ich Pferden pro Tag bis 4 Äpfel zu füttern und Ponys auch hier die Hälfte.

Aufgrund der Hufrehe-Erkrankung meines eigenen Pferdes entwickelte ich die getrocknete Kräutermischung in DAB-Qualität Rehe-Ex und die flüssige Pflanzenmischung Biologische Hufkur. Seither durfte ich erleben, dass sie nicht nur die Ausheilung der Hufrehe-Erkrankung stark unterstützen, sondern nach Auffassung vieler meiner Kunden, ihren Pferden das Leben gerettet haben. Ich empfehle daher bei einem akuten Hufrehe Schub beide Kräutermischungen gemeinsam zu füttern, da wir mit dem Einsatz allerbeste Erfahrungen machen durften! Um positive Wirkungen und eine Unterstützung des Bewegungsapparates zu erzielen, können zusätzlich Kräuter gefüttert werden, die sich hier bewährt haben (Teufelskralle, Gingko, Beinwell, Weidenrinde beispielsweise).

Darüber hinaus sollte dem erkrankten Pferd kein Futter zugeführt werden! Weidegang ist selbstverständlich tabu, wie es dann – auch bezüglich der Weidehaltung – nach dem akuten und im glücklichsten Fall ausgeheilten Hufrehe Schub weitergeht, steht in der nächsten Ausgabe des Pferdeanzeigers. Ein häufiger Fehler ist die weitere Fütterung von Getreidemischungen, aber auch strengste Diät. Strikter Nahrungsentzug kann bei stark verfetteten Ponys die gefürchtete Hyperlipämie (Störung des Fettstoffwechsels) auslösen, die meist tödlich endet. Da der Darm unseres Patienten stark geschädigt ist, sollte die Rauhfuttergabe keinesfalls extrem eingeschränkt werden, Rauhfutter ist für das Funktionieren des Pferdedarmes unerlässlich!

Die Bedürfnisse bestimmt immer das Individium: So gibt es zahlreiche abgemagerte Pferde, die an Hufrehe erkranken. Hier kann zusätzlich Schwarzkümmelöl eingesetzt werden, damit die Pferde bei Futterzustand bleiben und nicht zusätzlich geschwächt werden. Sehr schlanke Pferde dürfen selbstverständlich auch Heu zur freien Aufnahme erhalten, in diesen Fällen muss die Menge nicht auf 2 KG begrenzt werden. Im Umkehrfall gibt es zahlreiche verfettete Ponys, die an Hufrehe erkranken, hier sollte das Futter allgemein gekürzt und die Pferde auf Diät gesetzt werden. Doch sollte das Futter langsam über längere Zeit vermindert werden und nicht von jetzt auf gleich eine strenge Diät eingeführt werden!

Dringend vonnöten: Ein geschickter Hufschmied!

Schlechte Erfahrungen machte ich grundsätzlich mit dem Eingipsen der Hufe. Ob dies nun daran liegt, dass nur in sehr schweren Fällen ein Gipsverband zum Zuge kam oder am Eingipsen selbst, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich rate jedenfalls davon ab! Ein orthopädischer gut ausgeführter Beschlag – möglichst in Absprache von Tierarzt/Tierklinik und Hufschmied angefertigt nach Röntgenbildern – ist häufig eine sehr hilfreiche Sache und im günstigsten Falle wird dem Pferd unmittelbar nach Ausführung große Erleichterung geschaffen. Das Nageln an sich sollte auch nicht so dramatisch beurteilt werden, wie oft geschehen. Meist vertragen betroffene Pferde die Nagelung besser, als man zu denken wagt. Leider ist aber auch der beste orthopädische Beschlag nicht immer hilfreich, manchmal läuft das Pferd danach weder besser noch schlechter. Im ungünstigsten Falle läuft es danach noch schlechter. Ich denke jedoch, man sollte einen orthopädischen Beschlag – es gibt verschiedene Varianten, die für das betroffene Pferd optimale wird anhand der Veränderungen des Röntgenbildes ermittelt – ausprobieren, wenn eine Besserung der Symptomatik nach ca. 2 Wochen Therapiezeit nicht einsetzt.

Pferd Hexe
Über ein Jahr kämpfte Hexe gegen die Hufrehe, bis sie endlich nach schmerzvollen Monaten wieder durch den Schnee traben konnte.

Einige Meinungen gehen dahin, bei beschlagenen Pferden den Beschlag zu entfernen, dies halte ich nur für sinnvoll, wenn ein auf die Erkrankung abgestimmter Hufbeschlag statt dem vorhandenen ausgeführt wird, da seit Jahren beschlagene Pferde ohnehin große Schwierigkeiten haben bei der Umstellung auf das Barhufgehen und die Symptomatik sich so eher verschlechtert, da dauernd beschlagene Pferde grundsätzlich erst einmal sehr schmerzempfindlich sind, wenn die Eisen abgenommen werden. Bei Pferden, die ihr Leben lang barhuf gehen, sollte auch bei der Hufrehe-Erkrankung auf einen Beschlag verzichtet werden, meist reicht es aus, die Zehe dünner zu raspeln und somit ein wenig Druck zu nehmen. Aber auch hier sollte abgewägt werden: Wenn der Pferdehalter das Gefühl hat, dass ein Beschlag Positives bewirken könnte, was sicher nach ca. 2 Wochen der Hufrehe Symptomatik ohne sichtbare Besserung des Zustandes spätestens der Fall sein sollte, sollte ein Hufbeschlag ausprobiert werden, denn einen Versuch ist dieser alle Male wert, dem Pferd Erleichterung zu verschaffen! Falls der Versuch scheitert, kann man die Eisen ja jederzeit wieder abnehmen lassen.

Man heilt mit einem noch so gut ausgeführten Hufbeschlag zwar in keiner Weise die Hufrehe-Erkrankung, doch verschafft man den Pferd im günstigsten Falle wieder ein unbeschwertes Gehen, vielleicht auch Laufen! Wichtig erscheint mir noch darauf hinzuweisen, dass man sich nicht auf Experimente einlassen sollte. Es ist unglaublich, welche Manipulationen am Huf des Pferdes ausgeführt werden, dies gerade bei der Hufrehe-Erkrankung, da die Überforderung hier wohl auch oft beim Hufschmied/Hufpfleger liegt und er sich da so seine Gedanken macht. Fazit der Hufbearbeitung: Absprache mit Tierarzt und Hufschmied und wenn man das Gefühl hat, das Pferd dient waghalsigen Experimenten, lieber noch einmal eine bzw. zwei weitere Meinungen einholen und sich dann aus allem Gehörten die eigene Meinung bilden! Ganz klar für mich: Besser keine Hufbearbeitung als die Falsche; denn diese schadet mehr als den Huf in seiner natürlichen Form zu belassen.

Wird unser Pferd wieder ganz gesund, was glücklicherweise bei fast allen mir bekannten Patienten der Fall war, sind ein Pferdeleben lang einige Faktoren zu beachten, um erneute Schübe so weit wie nur möglich zu vermeiden! Ohne Veränderungen der Fütterung und Haltung erkranken fast alle Pferde in unregelmäßigen Abständen an erneuten Hufrehe Schüben. Daher lesen Sie im nächsten Heft: Homöopathische und phytotherapeutische Therapie der akuten Hufrehe sowie die zukünftige Haltung und Fütterung des einmal an Hufrehe erkrankten und damit lebenslang disponierten Pferd.

 
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