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Der Kommentar

Streitthema Fütterung: Wer hat denn nun Recht?

Welches Pferdefutter ist optimal? – "Unseres!" sagt inbrünstig jeder Hersteller

Von Claudia Nehls

Jeder Pferdehalter kennt die Probleme, die uns begegnen, beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Thema Pferdefütterung: Mann/Frau beginnt erst einmal, sich bei verschiedenen Futtermittelfirmen und Händlern schlau zu machen und Erkundigungen einzuholen. Problematisch: Die Meinungen der jeweils zu Rate gezogenen Fachleute sind so kontrovers, dass man wenig Übereinstimmung findet, im Grunde genommen gar keine. Der Eine sagt "hü", der Andere "hot" und der Nächste bewegt sich im goldenen Mittel. Das gleiche Problem begegnet uns bei Erkundigungen via Internet sowie bei den vielen Fachbüchern und Artikeln zum Thema Pferdefütterung. Ob es sich nun um allgemeine Anschauungen handelt, wie viel Protein, Energie, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ein Pferd benötigt, oder ob es sich um Nährwertanalysen handelt; selbst bei Fragen nach "Wie viel Protein enthält der Mais?" scheiden sich die Geister, ob in Sprache oder Schrift. Gut, hier könnte man noch den Bauern fragen, dieser werde schon wissen, wie viel Protein im "Durchschnittsmais" enthalten sei. Bei anderen Fragen scheidet leider auch der Bauer aus.

Trakehner-Wallach Kismet
"Magst Du mal an meinem Plastikspielzeug knabbern, Kismet?" – "Nee, Du, ich ernähre mich ausschließlich naturbelassen!"

Mancher meint gar, umso mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente im Futter enthalten seien, und umso günstiger das Futtermittel sei, desto besser sei das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dem ist nicht so: Inzwischen gehen viele Meinungen dazu über, dass die Bedarfswerte für Pferde zu hoch angesetzt sind und der Bedarf an Zusatzstoffen gesenkt werden sollte. Im übrigen sind die Lieferanten der verschiedenen Nährstoffe weitaus wichtiger als die Menge. Beim Pflanzenfresser Pferd wird ein natürliches Mineral oder Vitamin weitaus optimaler verarbeitet als ein künstliches. Künstlich zugesetzte und hoch dosierte Stoffe verursachen nicht selten im Laufe der Zeit ernsthafte Probleme und Imbalancen, allerdings in der Regel erst auf den "zweiten Blick".

Auch hat die Mode auf dem Pferdemarkt Einzug in die Futtermittel gehalten, was gerade "in" ist, wird verarbeitet, weil es sich so gut verkauft. Inwieweit hier Gefahren für Pferde lauern, da wenige bis keine Erfahrungen mit der Fütterung bei Pferden vorliegen, ist ungeklärt. Mancher Besitzer meint, da dieses oder jenes Modeprodukt dem Menschen "offensichtlich Gutes beschere" – ob dies Tatsache oder gezielte Werbestrategie ist, sei einmal dahin gestellt – müsse es dem Pferde ebenso gut tun. Ob das immer der Fall ist, bleibt fraglich.

Füttert man indes streng nach Tabelle und Gewicht, entstehen Probleme wie Fettleibigkeit oder Unterernährung, da eine Tabelle halt nur "Standardberechnungen" bieten kann, welche in der Praxis beim individuellen Pferd mit seiner speziellen Stoffwechsellage funktionsuntüchtig sind. Auch Rasse, Alter, Grundumsatz, Arbeitsleistung etc. sind entscheidende Faktoren, die in Standardtabellen und Berechnungen keine Berücksichtigung finden können. Jedes einzelne Pferd hat einen unterschiedlichen Mengenbedarf. Bestehen Erkrankungen, wie beispielsweise chronisch allergische Bronchitis oder Hufrehe sind Futtertabellen gänzlich untauglich, weil Erkrankungen nicht berücksichtigt werden können und erkrankte Pferde grundsätzlich spezifisch gefüttert werden müssen! Auch herrschen in den Ställen oft die unterschiedlichsten Meinungen, deren sich der Einzelne schwer entziehen kann. Eine wäre beispielsweise "Pferde benötigen Kraftfutter", sprich Getreide; dem ist nicht so; oftmals ist gerade das Gegenteil der Fall.

Trakehner-Wallach Kismet
Kunststoff knabbert Kismet nur in der Freizeit. Ansonsten ist sein Futter so nah an der Natur wie eben möglich.

Hat man sich nun mit dem Thema ausführlich beschäftigt, so ist man verunsicherter denn je und legt das Thema Pferdefütterung gerne wieder "ad acta" bzw. in die Hände Anderer, da man doch schnell an seine Grenzen stößt, die meist die Argumentation der "Gegner" betreffen. Wer eindrucksvoll argumentiert (egal, welcher Blödsinn hier auch zusammengestrickt wird), wer am lautesten argumentiert und vehement seine Meinung wortreich vertritt, dem glaubt man halt. Sei es, weil die Auseinandersetzung zu anstrengend wird, sei es, weil man wirklich glaubt, was einem da so wortreich, manchmal auch werbestrategisch gekonnt Glauben gemacht wird. Oder sei es aus dem Grund, weil man doch letztlich denkt, die Fütterung des Pferdes sei ja nicht alles und selbst, wenn man nicht alles zu 100 % richtig mache, so werde es schon keinen Schaden anrichten.

Oft fehlt jedoch auch einfach das Vertrauen und man entscheidet dann doch zu Gunsten des Geldbeutels; weil man letztlich denkt, so unterschiedlich können Futtermittel doch gar nicht sein, dass die Preise so auseinander klaffen. Die Qualität und Güte eines Futtermittels entscheidet jedoch auch über das Preis-Leistungsverhältnis; nicht alles, was teuer ist, ist deshalb gut. Auch Qualitätsmerkmale sollte man mit in die eigenen Überlegungen einfließen lassen. Merkmale sind beispielsweise aus biologischem Anbau, genfreie Produkte, Gehalt der einzelnen Inhaltsstoffe. Dies gilt umso mehr für hochwertige Rohstoffe und Lieferanten der Inhaltsstoffe. Grundsätzlich sind naturbelassene Futtermittel hochwertiger als Futtermittel mit künstlich zugesetzten Stoffen; auch die Verarbeitung ist bei diesen aufwendiger, da Nährstoffe erhalten bleiben und nicht erst durch die Verarbeitung zwangsläufig entfernt und später in künstlicher Form wieder zugesetzt werden.

Trakehner-Wallach Kismet
Naturbelassen füttern für's eigene gute Gewissen reicht nicht. Die gesamte Pferdehaltung sollte in diesem Kontext erfolgen.

Wie ist Otto Normalverbraucher nun in der Lage, eine pferdegerechte Fütterung zu praktizieren bzw. eine optimale Futterberatung zu leisten? Letztlich kann es nur eine Antwort geben: Durch Erfahrung! Ohne Praxis, ohne täglich immer wieder neue Erfahrungen, ohne ständige Auseinandersetzung mit dem Thema Pferd, was die Fütterung mit einschließt, halte ich sowohl eine Futterberatung wie auch eine annähernd praktizierte vernünftige Pferdefütterung für nicht möglich. Ich jedenfalls könnte weder meine eigenen Pferde pferdegerecht füttern, wie auch eine Futterberatung nicht vertreten, wenn ich Zusammenhänge der Fütterung mit Erkrankungen nicht erkennen würde. Wie will "Mensch" hier mit theoretischen Kenntnissen praktizieren? Man trifft täglich auf neue Erfahrungen, die allesamt dazu beitragen, Antworten geben zu können auf Fragen, die relevant sind und keiner Futtermitteltabelle zu entnehmen. Die Zusammenhänge zwischen Fütterung, Gesundheit und Erkrankung müssen erkannt werden. Auch die Umsetzung einer speziellen Fütterung kann nur vermittelt werden, wenn ich mich in die Problematik hinein versetzen kann. Dies kann ich nur als echter Pferdemensch!

Wenn mir praktische Kenntnisse über Pferdehaltung fehlen, dann kann ich nicht ersehen, welche Problematik dahinter steckt, ein Pferd individuell zu füttern. Somit ist auch ein Wissen über Pferdehaltung Voraussetzung, wenn über Pferdefütterung "philosophiert" wird. So muss man bei der Pferdefütterungsberatung auch in der Lage sein, Tipps zu geben, wie diese praxisnah umsetzbar ist. Hier wiederum müssen die Gegebenheiten am Stall genau besprochen werden und man muss sich Gedanken machen, wie unter den stallinternen Gegebenheiten mit allen Negativfaktoren (ideale Bedingungen gibt es eher selten) das Optimum für das Pferd zu erzielen ist – mit den geringsten zeitlichen und finanziellen Aufwendungen. Selbstverständlich gehört auch theoretisches Wissen dazu, eine optimale Fütterung in die Praxis umsetzen zu können. Ohne ausführliche Beschäftigung mit dem Thema Pferdefütterung und theoretische Kenntnisse kommt man nicht aus; im Gegenteil, man muss immer "am Ball bleiben", weil natürlich auch die Forschung beim Thema Pferd nicht aufhört.

Nicht jeder Pferdehalter hat die Zeit und Muße, sich mit der Thematik Pferdefütterung ausführlich auseinander zu setzen und das über sein ganzes "Pferdeleben"; von daher möchte ich versuchen, einige Anhaltspunkte mit auf den Weg zu geben, aus dem Fütterungsdebakel hinaus zu finden:

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Erfahrungsbericht mit dem eigenen Pferd Kismet

erzählt von Jutta Heidenreich

Es ist nun schon ca. drei Jahre her, dass ich die Fütterung meines mittlerweile 10-Jährigen Trakehner-Wallachs Kismet auf ausschließlich naturbelassene Futtermittel und Kräuter umgestellt habe. Durch Zufall bin ich damals auf der Suche nach einem "Mittelchen" für die Hufe auf die Internetseite von Frau Nehls geraten. Kismet ist Barhufgänger und war etwas fühlig auf steinigen Böden, auch der Abrieb der Hufe ließ nur 2 bis 3 Ausritte von ca. 1 Stunde pro Woche zu. Deshalb fand ich diese biologische Hufkur sehr interessant.

Trakehner-Wallach Kismet
Im Gleichschritt in eine gesunde Zukunft: Kismet und Besitzerin setzen auf naturbelassene Ernährung fern des Fütter-Mainstreams.

In einem sehr ausführlichen Telefongespräch beriet mich Frau Nehls hierzu. Wir kamen auch auf die Fütterung im Allgemeinen zu sprechen und wir gingen dann die komplette Fütterung von Kismet durch. Er bekam neben Heu und Hafer - wie man es halt so macht - ein Müsli dazu (auf der Verpackung als natürlich usw. angepriesen) und selbstverständlich Mineralfutter. Mir wurde erklärt, dass Pferde synthetisch zugesetzte Vitamine und Mineralien - wie sie in meinem Müsli und Mineralfutter enthalten waren - nicht optimal verwerten können und diese zusätzlich die Entgiftungsorgane belasten oder gar zu Imbalancen führen können. Meist tritt sogar eine Überversorgung auf, die genauso schlecht ist wie ein Mangel.

Bei der Fütterung von Kräutern können die darin enthaltenen Mineralien, Vitamine und Spurenelemente optimal vom Verdauungstrakt des Pferdes verwertet werden und es besteht keine Gefahr der Überversorgung. Das klang alles sehr schlüssig. Schließlich sagt man ja auch beim Menschen: lieber Obst und Gemüse statt Tabletten und Pülverchen. Ein bisschen unsicher war ich ja schon, ob es wohl ausreichen würde - schließlich geben alle, die ich kenne, Mineralfutter und da ein Pülverchen und dort ein Müsli. Aber ich folgte dann der Empfehlung und habe das Mineralfutter durch Kräuter ersetzt und statt meines damaligen Müslis gebe ich ein naturbelassenes ohne irgendwelche künstlichen/synthetischen Zusätze.

Und für die Hufe und zur allgemeinen Entgiftung wurde die Hufkur verordnet. Nach ca. einem Monat merkte man, dass Kismet irgendwie ausgeglichener und zufriedener war. Nach ein paar weiteren Wochen war die Fühligkeit deutlich besser. Die Hufe wurden fester und härter und wir konnten immer längere Ausritte machen. Mittlerweile haben wir kaum noch Abrieb an den Hufen. Außerdem neigte er sonst immer zu irgendwelchen leichten Allergieanfällen (z.B. Nesselfieber, leichtes Headshaking oder Schweifscheuern). Auch dies hat langsam nachgelassen und ist jetzt komplett verschwunden. Vor knapp 2 Jahren sind wir dann in einen Offenstall umgezogen. Die Futterumstellung vor drei Jahren und nun noch die verbesserten Haltungsbedingungen haben zum Ergebnis, dass Kismet sich rundum pudelwohl fühlt, die Hufe wachsen wie Unkraut (sogar Wanderritte von 8 - 10 Stunden sind barhuf möglich), keinerlei Allergien mehr und das Fell glänzt.

Ich hatte vor und nach der Futterumstellung jeweils eine Haaranalyse bei Frau Nehls machen lassen, rein aus Interesse, ob sich dadurch etwas ändert. Es war tatsächlich so, dass nach der Umstellung eine wirklich deutliche Besserung aller Werte herauskam. An Futter bekommt er nur Heu, Stroh (im Sommer natürlich Koppel), Hafer, Kräuter und zum Naschen ein naturbelassenes Müsli, Karotten und Äpfel. Herzlichen Dank an Frau Nehls, die mir die Augen geöffnet und damit Kismet glücklicher gemacht hat!

 
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