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Stichwort: Pferd und Ekzem

Ekzem: Das wird ein schlimmer Sommer!

Milder Winter: Die lästigen Blutsauger haben überlebt für den baldigen Großangriff!

Von Claudia Nehls

Man darf vermuten, dass die diesjährige „Ekzemsaison“ die Schlimmste schlechthin wird. Bedenkt man, dass seit Aufzeichnung des Wetters noch nie ein so milder Winter geherrscht hat, dass Insekten in dem kaum gefrorenen Boden wohl fast allesamt überlebt haben, fällt es leicht, sich vorzustellen, wie massiv die Insektenpopulation unsere Pferde in diesem Sommer beeinträchtigen wird. Viele Pferdehalter berichten mir, dass ihre vom Sommerekzem geplagten Pferde in diesem Winter erst gar nicht aufhörten, sich zu schubbern und der quälende Juckreiz nicht wie sonst - bei normalen Wintern und Wettertemperaturen – zumindest eine mehrmonatige Pause einlegte. Die durch den Juckreiz geschädigten Hautbezirke konnten in diesem Winter kaum richtig abheilen, da – sobald die Sonne schien – die gefürchteten Culicuides Spezies gleich wieder ausschwärmten und die Pferde malträtierten.

Die Überempfindlichkeitsreaktion der betroffenen Pferde gegen die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies (im Sprachgebrauch Mücken, Gnitzen) wird diesjährig somit sicher zur ganz besonderen Belastungsprobe, wenn die Vorjahre schon massiv durch Juckreiz beeinträchtigt wurden. Auch wird es sicher viele „Neuerkrankungen“ geben. Das Immunsystem bekämpft im Normalfall Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und andere Schädlinge, die ungewollt in den Organismus eindringen. Diese Aggression richtet sich bei betroffenen Pferden gegen eher harmlose Stoffe, hier die Inhaltsstoffe des Speichels der Culicuides Spezies. Der Speichel der Mücken stellt das Allergen dar.

Ekzem beim Pferd
Der Klimakollaps und El Niño mit Rekordmilde im Winter (über-)fordern auch unsere Pferde: Das könnte eine schlimme Ekzemer-Saison 2007 werden (hier im Bild: Silva)!

Die krank machende Wirkung der Allergie entsteht nicht aus den Allergenen, sondern aus der Reaktion des Organismus auf diese, eine Überreaktion des Immunsystems auf eine im Grunde „normale“ Umgebung. Die unsinnige und übersteigerte Abwehrreaktion besteht oftmals nicht nur gegen die Spezies der Culicuides, sondern es liegen größtenteils auch weitere allergische Reaktionen auf verschiedene andere Insekten vor, beispielsweise Fliegen und Bremsen. Auch beobachte ich immer häufiger, dass sich zu der allergischen Hautreaktion eine allergische Atemwegserkrankung hinzugesellt. So bleibt es selten „nur“ bei einer allergischen Reaktion auf ein bestimmtes Allergen, sondern es folgen mit der Zeit immer mehr allergische Reaktionen auf weitere Stoffe und Faktoren. Bei einem betroffenen Pferd sollte man daher beobachten, ob weitere allergische Reaktionen auftreten und falls ja, umgehend eine Behandlung einleiten.

Selbstverständlich sollte es sein, bei einem Allergiker im Rahmen der eigenen Möglichkeiten eine gewisse Vorsorge zu betreiben, hinzu kommende allergische Reaktionen, beispielsweise auf Schimmelpilzsporen und Staub, möglichst zu verhindern. Diese Vorsorge beinhaltet annähernd staubfreies Futter bester Qualität, viel frische Luft und ausreichend Bewegung auch zur Stallsaison. Kardinalsymptome des Sommerekzems sind starker Juckreiz und Unruhe. Alle weiteren Veränderungen entstehen durch das Scheuern. Die stark angegriffenen und wundgescheuerten Hautbezirke sind empfänglich für zahlreiche Folgeerkrankungen wie Bakterien- und Keimbefall sowie Mykosen und Befall mit anderen Ektoparasiten.

Durch die permanente Reizung wird die Haut immer dicker. Der Fachmann spricht dann von Pachydermie, die Haut legt sich in dicke, wulstige Falten. So entstehen luftabgeschlossene, eingequetschte Bereiche, die Haut fängt an zu nässen. Diese Hautbezirke sehen ähnlich aus wie befallene Bezirke bei Räude, wo Milben in der Haut leben. Oft wird das Sommerekzem auch als Sommerräude bezeichnet: bei Sommerräude leben jedoch Mikrofilarien, Entwicklungsstufen von Würmern, in der Haut. Räude, Sommerräude und Sommerekzem sind stark voneinander abzugrenzen und nicht als ein und dieselbe Erkrankung zu verstehen! Das an Sommerekzem und somit an einer Allergie leidende Pferd neigt ebenso zum Headshaking, welches zwar eine völlig andere Form der Allergie darstellt, und das zentrale Nervensystem weitaus mehr in Mitleidenschaft zieht, doch letztlich lediglich eine andere Symptomatik darstellt, da auch der Headshaker allergisch auf Insekten und Sonnenlicht reagiert.

Über das eigentliche Allergiegeschehen hinaus gibt es zahlreiche das Sommerekzem begünstigende Faktoren:


Individuelle Prädispositionen


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Stoffwechselprobleme:

Diese äußern sich u. a. in verzögertem Haarwechsel, schuppigem Haarkleid, fettigem Fell und Anfälligkeit für Parasiten- und Pilzerkrankungen sowie langsamer Wundheilung.

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Hormonelles Ungleichgewicht:

Äußern sich durch Scheuern am ganzen Körper während der Rosse und erhöhter Hautempfindlichkeit sowie auch nicht regelmäßiger verzögerter Rosse oder „Dauerrosse“, Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang stehend mit der Haut (beißen, kratzen etc.).

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Die Psyche:

Ein Pferd, welches in seiner Herde stark unterdrückt und sozusagen das „schwächste Glied“ ist, ein Pferd, welches sich von seinem Besitzer nicht geliebt und zurückgesetzt fühlt, oder auch ein Pferd, welches unter permanenter Langeweile leidet, starkem Stress und überfordernder Arbeitsbelastung ausgesetzt wird, fühlt sich in seiner Haut ebenfalls nicht wohl. Auch psychische Faktoren tragen zum Allergiegeschehen nicht unerheblich bei.

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Die Fütterung:

Sind Vitamin-, Mineralstoff-, Spurenelementüber- bzw. Unterversorgung, Imbalancen im Nährstoffhaushalt, Rohfasermangel, Eiweiß- sowie Energieüberversorgung. Bekannt ist, dass ein Überangebot an Protein und Energie stark zum Allergiegeschehen beiträgt. Dies umso mehr, wenn nicht ausreichend Rohfaser zugeführt wird. Die Ernährung eines Pferdes mit Sommerekzem sowie auch mit anderen Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis sollte in erster Linie bedarfsgerecht – nicht übermäßig – und möglichst naturbelassen sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sollten in für das Pferd optimal verwertbarer Form (= natürlich, nicht synthetisch) ausreichend zugeführt werden. Schädlich zu beurteilen sind hier gleichermaßen Mangelerscheinungen, Überschüsse und Imbalancen. So begünstigt ein Mangel an Calcium Hautveränderungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in Fertigmash) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen, so ist bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert.

Ein Überschuss an Selen, welcher, da Selen ein Spurenelement ist, schon bei geringster Überdosierung eintreten kann, führt zu Vergiftungserscheinungen wie Haarausfall, Ausfall des Mähnen- und Schweifhaares bis hin zum sogenannten „Ausschuhen“, das meist den Verlust des Pferdes bedeutet. Eine bedarfsgerechte Ernährung ist die Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen Therapie des Sommerekzems. Hier muss in jedem Fall der Grundstock des therapeutischen Eingreifens gelegt werden. Ohne Beachtung einer optimalen Nährstoffzuführung wird jede Therapie langfristig zum Scheitern verurteilt sein! Hüten sollte man sich vor allem, dem Sommerekzemer wechselnde oder auch gleichzeitig mehrere Ergänzungs- u. Zusatzfuttermittel zu füttern, da diese zwangsläufig zu Fehlversorgungen führen. Viele Pferdehalter scheinen dazu zu neigen, alles auf einmal ausprobieren zu wollen: dies ist der falsche Weg!

Der Markt ist unbegrenzt, was Hilfen und Ergänzungsfuttermittel für Sommerekzemer betrifft, jedoch sollte man eines nach dem anderen ausprobieren und jedem neuen Produkt einen Zeitraum von ca. drei Monaten einräumen, damit man dann auch abschätzen kann, was positiv wirkte und was eher nicht oder sogar negativ. Eine ausgewogene Fütterung ist Voraussetzung für einen funktionierenden Stoffwechsel, ein gesundes und intaktes Darmmilieu sowie ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis, was unserem Ekzemer aus gutem Grund zugute kommt: Weiterhin ist bekannt, dass ein chronisch gestörtes Darmmilieu (ausgelöst durch zu große Mengen und/oder oft artfremdes Eiweiß) – im Darm befinden sich über 80 % der Immunzellen – eine Verschlechterung der Anpassung an äußere Reize und mangelhafte Immunabwehr (keine Eliminierung von Allergenen mehr möglich) bewirkt. Somit ist ein gestörtes Darmmilieu sowie auch ein gestörtes, zum Teil hieraus resultierendes, Säure-Basen-Gleichgewicht kausal mitverantwortlich für die Überreaktion des Immunsystems (= Allergie). Als Hauptverursacher eines gestörten Säure-Basen-Gleichgewichts bis hin zur Übersäuerung ebenso wie eines chronisch gestörten Darmmilieus wird eine falsche Fütterung als sicher angesehen.


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Haflinger

"Schau' mal, Atti: Kampfsina ist auf dem Reitplatz. Die war gestern beim Flüsterer und hat wieder so'n beknackten Selbstfindungs-Kursus mitgemacht unter dem Motto: 'Make your mind free: The aggressive horse on the way to himself'."

Haflinger

"So, nu' geht's los. Atti und Sunny schau'n her. Die werden Sina in Höchstform erleben! Der Boden wird beben! Die Sandwolken werden die Sonne verdunkeln!"

Haflinger

"Alles muss raus, sagt der Flüsteronkel Andreas Fusch. Deinen ganzen Aggressionen lass' freien Lauf, Sina, sagt der!"

Haflinger

"Ja, oh, ja, ich spür's schon: Mein Kopf wird frei, ich fühle meinen Körper wieder! Mein Innerstes rebelliert! Ich lasse es jetzt 'raus! I'm on the way to me!"

Haflinger

"Ich walze Euch alle nieder! Mein Körper gehört mir! Schluss mit Bevormundung und Gängelung! Weg mit Sattel und Zaumzeug! Ich bin ich! Ich bin ab heute frei und unabhängig!"

Haflinger

"So – fertig! Nun noch die 'Relaxing-after-work-Session' und ich bin wie neu geboren!"

Haflinger

"Sach doch mal ehrlich, Sunny: Die Sina hat doch echt 'ne ziemlich große Macke, oder?!?" – "Ach, die blubbert doch viel, wenn der Tag lang ist. In zwei Stunden gibt's Futter. Dann kommt das verfressene Kampfgewicht wieder kleinlaut angetrottet, schleimt sich ätzend bei Claudia ein und vorbei ist's mit großer Unabhängigkeit und Self-finding-Trip!" – "Recht haste, Sunny. Außerdem ist der Boden vom Reitplatz nu' wieder schön aufgelockert."



Weitere Prädispositionen


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Bewegungspensum:

Ein weiterer begünstigender Faktor ist Bewegungsmangel und Übergewicht: Bewegung fördert die Durchblutung sowie den Stoffwechsel und wirkt regulierend auf das Allergiegeschehen. Des Weiteren wird das Wohlbefinden durch ausreichend Bewegung an frischer Luft gestärkt.

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Umwelt:

Umweltfaktoren sind bei der ständig steigenden Anzahl von allergischen Erkrankungen in starkem Maße zu berücksichtigen. Unsere Umwelt wird immer aggressiver und Reaktionen hierauf zeigt gerade das Pferd, welches von unseren „Haustieren“ wohl die naturverbundenste und somit auf die Umwelt sensibel reagierendste Spezies ist. Probleme zeigen sich in vielfältiger und stetig zunehmender Weise, nicht nur das Sommerekzem, sondern Headshaking, allergische Reaktionen der Schleimhäute (Nasenausfluss, Husten, stark tränende Augen, Bindehautentzündung) und Nesselfieber (Urticaria) und starke Quaddelbildung als Reaktion auf Insektenstiche und andere Allergene nehmen als weitere allergische Reaktionen zu. Allergene können sich beispielsweise auch im Heu befinden. Immer häufiger treten Urticaria & Co. auch in weidefreien Zeiten auf und wir beobachten zunehmend, dass unverträgliche bzw. Allergen Potenzial bergende Pflanzen im Heu vorhanden sind. Wird das Heu gewechselt, klingen die Symptome innerhalb weniger Tage ab.

Erhöhte Leberwerte, welche bei Allergikern häufig anzutreffen sind, beeinflussen den gesamten Stoffwechsel und fördern die Allergiebereitschaft. Auch scheinen manche Pferde empfindlicher zu reagieren, da bei gleicher Fütterung und Haltung und identischen Bedingungen bei einigen Pferden erhöhte, bei anderen Pferden im Normbereich liegende Leberwerte anzutreffen sind. Gerade das so sensitive „Naturtier Pferd“ hat Probleme, mit dem stetig steigenden Maß an Toxinen, welche durch die synthetische Fertigfütterung mit ihren zahlreichen Zusatzstoffen ebenso wie unseren leichtfertigen Umgang mit Giftstoffen unterschiedlicher Art (Dünger, Unkrautbekämpfung, Umweltfaktoren, Abgasen usw.) verursacht wird, zu leben. Berichtet die Presse in erster Linie über Umweltskandale und wirklich lebensbedrohliche Veränderungen der Klimabedingungen, so zeigt uns das Pferd wohl schon Jahrzehnte früher dank seines Instinktes, dass das „Zurück zur Natur“ der einzig gangbare Weg für eine lebenswerte Zukunft ist!

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Umwelt:

In Küstenregionen kommt das Sommerekzem nahezu nicht vor. Weiden in Küstenregionen meiden die Mücken vor allem wegen des Windes. Auf Bergweiden über 500 Metern trifft man kaum Sommerekzemer mit ihren typischen Symptomen an. Desto windiger das Umfeld, desto wohler fühlt sich unser Sommerekzemer. Die noch gängige Meinung, dass Sommerekzemer am Meer bzw. in Meeresnähe symptomfrei bleiben, scheint jedoch zunehmend ins Wanken zu geraten. Vermehrt höre ich, dass auch bei Abgabe der Tiere „ans Meer“ Symptome auftreten. Einzige Ausnahme: Island, hier gibt es das Sommerekzem nicht, was sicher an den klimatischen Bedingungen, der Vegetation und den völlig anderen Gesamtbedingungen liegt! Fatal für den Sommerekzemer ist ein stehendes Gewässer in der Nähe: Hier mutiert das Sommerekzem zur Qual, Pferde mit Sommerekzem gehören nicht in die Nähe eines Teichs, der Brutstätte für die Mücken ist.

Die Haltung sollte in erster Linie – dies gilt für den Ekzemer ebenso wie für alle anderen Pferde, denn in erster Linie ist auch der Sommerekzemer Pferd – pferdegerecht, gesund, natürlich und mit möglichst viel Bewegung in frischer Luft in einer freien und möglichst windigen Gegend stattfinden. Je windiger die Gegend, desto positiver für unser Ekzempferd. Wind ist in erster Linie von der Lage des Wohnorts abhängig, daher sollte diese möglichst etwas erhöht und nicht in unmittelbarer Nähe bebaut sein. Es ist genau die Lage, die bei Stürmen, die uns zukünftig ja weiter und verstärkt bevorstehen sollen, die nicht Attraktive ist! Durch eine artgerechte Haltung werden Stoffwechsel, Durchblutung (welche grundsätzlich wichtig ist) und Psyche stark positiv beeinflusst.

Die Möglichkeit zum Scheuern sollte in Form von befestigten ausrangierten Besen gegeben werden, Verletzungsmöglichkeiten müssen ausgeschaltet werden. Zu beachten ist, dass der starke Ekzemer durch exzessives Scheuern starke Läsionen und Verletzungen geradezu herausfordert. Da ein nicht unerheblicher Gewöhnungseffekt einsetzt bei den betroffenen Pferden, ist eine Weide ohne Baumbestand anzuraten, da Bäume in der Regel Verletzungsquellen darstellen können und geradezu zum Scheuern und Schubbern einladen. Die Weideflächen sollten extensiv bewirtschaftet werden, was bedeutet, ausschließlich natürlich gedüngt (eigener abgelagerter, also kompostierter Mist) und mit nur wenigen Pferden beweidet.

Die Unkrautbekämpfung sollte natürlich vonstatten gehen, was heißt: kein Einsatz chemischer Unkrautbekämpfungsmittel! Je natürlicher und vielfältiger unsere Pferdeweide ist, je positiver ist der Grasbestand zu bewerten; extensiv bewirtschaftete Weideflächen sind verhältnismäßig rohfaserreich, protein- u. energiearm, was nicht nur unserem Sommerekzemer zugute kommt! Des Weiteren ist auf Hygiene zu achten, was regelmäßiges Kot einsammeln (sofern es die Fläche in ihrer Größenordnung erlaubt) ebenso einschließt, wie tägliches Ausmisten des Stalles, Reinigung der Tröge und Tränken, Entfernung von Spinngeweben etc. Hier sollte das Augenmerk auf eine natürliche Bekämpfung der Insekten gelegt werden.


Einfache Hilfsmöglichkeiten:


Hierzu gehört ganz sicher ein Fliegenkopfschutz mit Klettverschluss oder Gummiband, Klettverschluss bzw. Gummiband verhindert, dass die Pferde hängen bleiben und ist für alle Pferde unbedingt notwendig, für den Sommerekzemer bestimmt lebensrettend, da dieser geradezu prädestiniert ist, sich bei Scheuerei und Juckerei zu verheddern. Ekzemerdecken sind eine hilfreiche Erfindung, nicht alle Pferde kommen jedoch damit zurecht. Pferde, die sich sichtlich unwohl fühlen mit Decke und nur den Gedanken verfolgen, wie sie die Decke am besten wieder los werden, hierbei mit sämtlichen Tricks vorgehen, sind keine Kandidaten für eine Ekzemerdecke. Die meisten Pferde sind jedoch geradezu begeistert, wenn sie durch eine Decke geschützt werden und in dem Fall sind Ekzemerdecken eine wirkliche Hilfe für die betroffenen Pferde. Allerdings sollte die Decke nicht 24-Stunden im Einsatz sein, auch Ekzemerhaut möchte einmal frei atmen!

Allerdings sollte zusätzlich die Fütterung und Haltung überdacht werden und selbst mit Ekzemerdecke lohnt sich eine Therapie der überschießenden Immunreaktion. Denn: ein Sommerekzem kann nur der Anfang sein und weitere allergische Reaktionen die Folge, von daher ist Therapie unbedingt anzuraten und nicht das Verschleiern der Symptomatik durch den Einsatz von Ekzemerdecken. Diese sollten als das verstanden werden, was sie sind: eine positive Unterstützung, eine echte Hilfe und Verringerung der Qual des Juckreizes, sie steigern die Lebensqualität erheblich im besten Falle, sind jedoch nicht das Wunder- und Allheilmittel!


Therapiemöglichkeiten:


Weder der alleinige Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, noch die alleinige lokale Behandlung der betroffenen Hautbezirke und schon gar nicht die in der Praxis immer noch viel zu oft praktizierte und als erstes Mittel der Wahl eingesetzte Kortikoidtherapie (Unterdrückung bzw. Verlagerung des Symptomenkomplexes, teilweise verheerende Nebenwirkungen, wie z. B. Hufrehe) können als wirksame Therapie angesehen werden. Bezüglich der Therapie mit Cortison sollte diese immer dem Notfall vorbehalten bleiben, denn gerade Pferde, die an Sommerekzem erkrankt sind, dies gilt übrigens auch für sämtliche anderen allergischen Haut- und Atemwegserkrankungen, scheinen disponiert für Hufrehe zu sein.

Wir machen zunehmend die Erfahrung, dass Hufrehe und Sommerekzem bzw. Hufrehe und Atemwegserkrankung innerhalb weniger Monate bei einem Pferd auftreten. Die Zusammenhänge sind zwar noch ungeklärt, doch die Erfahrung sollte uns lehren, dass Zusammenhänge zumindest bestehen könnten. Da Cortison als Hufreheauslöser bekannt ist, sollte Wirkung und mögliche Nebenwirkung äußerst gut abgewogen werden, denn: eine Hufrehe ist lebensbedrohlich und endet oft tödlich, das Sommerekzem gehört nicht zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen und lässt sich durch wenige Maßnahmen für das betroffene Pferd im erträglichen Rahmen halten. Man sollte es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass über den Einsatz von Cortison nachgedacht werden muss, sondern bei den ersten Symptomen (= Juckreiz) sofort und umgehend handeln. So kommt man erst gar nicht in die verzwickte Situation, abwägen zu müssen in Form von Pro & Contra!

Weder in der Schulmedizin noch in der alternativen Tierheilkunde existiert eine nachweislich bei allen erkrankten Pferden erfolgreiche Behandlung durch ein einzusetzendes Mittel, da diese eine Standardmedikation nach dem „Schema F“ darstellen müsste, welche es ganz bestimmt bei Sommerekzem ebenso wenig geben wird, wie bei anderen Erkrankungen! Dieses eine Mittel als Mittel der Wahl gibt es meiner Ansicht nach nicht!

Meiner Erfahrung nach lässt sich das Sommerekzem nur unter Einbeziehung der Ganzheitlichkeit wirksam therapieren. Nach ausführlicher Anamnese sollte bei Bedarf einerseits eine individuelle Therapie eingeleitet werden, welche sämtliche Prädispositionen berücksichtigt und nicht auf Unterdrückung der Symptome abzielt, andererseits unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Haltung, Fütterung, Bewegung, Sozialfaktoren und Pflegemaßnahmen überprüft und auf die Erkrankung abgestimmt optimiert werden. Wir arbeiten überregional mit der Biofeld-Haaranalyse, im erreichbaren Umkreis durch eine ausführliche Untersuchung und Anamnese.

In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, wenn man diese einzusetzen versteht, wertvolle Dienste leisten und erfolgreich zur Therapie beitragen. Jedoch ist es falsch anzunehmen, nach dem Motto, viel hilft viel vorzugehen bzw. wahllos Kräuter, Ergänzungsfuttermittel und Homöopathika womöglich in Verbindung mit Kortison einzusetzen, da gravierende Fehler und Verschlechterungen der Symptomatik somit vorprogrammiert sind. Auch sollte man sich hüten, Mittel zur Stimulation des Immunystems (z. B. Echinacea) bei Sommerekzem einzusetzen, da eine Allergie immer eine Überreaktion des Immunsystems ausdrückt, im Umkehrschluss also keine noch so geartete Stimulation des Immunsystems stattfinden darf, da hierdurch eine Verschlechterung der Symptomatik zwangsläufig eintreten muss.

Auch die allgemeine Erfahrung, dass mit vom Fohlenalter an zunehmenden Lebensjahren das Sommerekzem jährlich stärker in Erscheinung tritt, bevor im Alter das Immunsystem durch allgemeine Alterungsprozesse schwächer wird und so auch der Symptomkomplex des Sommerekzemers schwächer wird, lässt den Schluss zu, dass eine Stärkung des Immunsystems kontraproduktiv wirkt. Immer wieder liest man zwar, dass eine positive Wirkung auf das Immunsystem von Echinacea nicht nachweisbar sein soll; aus eigener Erfahrung kann ich beisteuern, dass sich anhand meiner ehemaligen „Therapieversuche“ an meiner Haflingerstute Sina (1998, ich war noch in der Ausbildung) das Sommerekzem massiv verschlechterte nach einigen Kügelchen bzw. Globulis Echinacea. Da ich nicht so sehr an Zufälle glaube und die Verschlechterung mit eigenen Augen in wenigen Stunden extrem wahr nahm, denke ich, dass zumindest bei Sina eine immunstimulierende Reaktion stattgefunden haben muss; es sei denn, es hat eine weitere allergische Reaktion stattgefunden, so könnte man natürlich auch mutmaßen. Wie auch immer: von Echinacea würde ich nach meinem persönlichen Erlebnis generell strikt abraten!

Unserer Erfahrung nach verläuft die erfolgreiche Therapie des Sommerekzems so unterschiedlich, wie das jeweilige Pferd individuell ist. Bei manchen Pferden setzen wir ausschließlich das von mir entwickelte Ergänzungsfuttermittel (Allergosan-Kräutermischung) und ggf. zusätzlich eine lokale Behandlung mit Allergosan-Öl bzw. Allergosan-Insekt-Öl oder Produkte anderer Firmen ein, und die Pferde sind symptomfrei bzw. fast symptomfrei. Aber selbst hier sind die Erfahrungen völlig unterschiedlich; wir empfehlen grundsätzlich, die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig zu füttern. Viele Pferdehalter setzen sie allerdings nur während der Ekzemzeit ein und haben damit sehr gute Erfolge. Andere Pferde erzielen nur positiven Nutzen, wenn die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig gefüttert wird bzw. zumindest einige Zeit vor der Ekzemsaison mit der Fütterung begonnen wird. Bei weiteren betroffenen Pferden muss zusätzlich homöopathisch therapiert werden, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Aber auch hier sind die Erfahrungen so unterschiedlich, dass man keine allgemein gültigen Erkenntnisse daraus erzielen kann: manche Pferde sind nach Tagen bzw. Wochen symptomfrei, andere benötigen Monate um annähernd symptomfrei zu sein.

 
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