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Stichwort: Magen und Darm

Weidesaison 2007: Mehr Koliken, mehr Hufrehe

Haltung, Futter, Klimakapriolen: Immer mehr schlägt auf den Pferdemagen

Von Claudia Nehls

Pferde sind mit einem bedeutend sensiblerem Verdauungssystem ausgestattet als z. B. Hunde und Katzen oder gar wir Menschen. Dies hat verschiedene Gründe: Pferde können nicht erbrechen! Obwohl Pferde grundsätzlich sehr vorsichtig bei ihrer Futteraufnahme sind, passiert es doch, dass sie verdorbenes Futter aufnehmen. Ist das erst einmal geschehen, kann das Pferd bei Unwohlsein und Magenschmerzen verdorbenes, schlechtes, schimmeliges, giftiges oder unverdauliches Futter nicht wieder erbrechen, sondern muss es bei sich behalten. Mit manchmal verheerenden Folgen.

Bei futterneidischen und verfressenen Pferden besteht zudem die Gefahr, dass zu große Mengen Futter aufgenommen werden. Der relativ kleine Magen des Pferdes wird überladen, es kann zu einer Magenruptur kommen. Der Dünndarm des Pferdes ist ca. 19 bis 30 Meter lang. Das lange Dünndarmgekröse lässt dem Darm viel Bewegungsspielraum, so kann er sich selbst strangulieren und verknoten, und das kann zur katastrophalen Darmverschlingung führen. Das Kolon ist ca. drei bis vier Meter lang und hat ein Fassungsvermögen von ca. 60 bis 130 Liter. Es kann sich in alle Richtungen drehen und wenden. Schnell kommt es so zu lebensbedrohlichen Situationen.

Im Bereich des Magen- und Darmtraktes eines Pferdes kennen wir vor allem folgende Erkrankungen oder akute Komplikationen:


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Kolik:

Kolik ist der Überbegriff für schmerzhafte Krankheitszustände des Magens und Darms. Es gibt zahlreiche Kolikursachen und Auslöser bei Pferden: Wichtigste Faktoren sind die Fütterung und Haltung der Pferde. Schwerwiegende Fütterungsfehler führen z. B. geradewegs zur Kolik. Aber auch das vegetative Nervensystem, Wetterumschwung, Stress, Angst und psychische Faktoren sind bekannte Kolikauslöser. Koliken treten auch infolge von Unterkühlungen und Erkältungen auf.

Wallach Kismet
Jede gestörte Harmonie schlägt vielen Pferden "sofort auf den Magen". Deshalb sollten Pferdehalter und ihr Schützling im "Gleichschritt" durch's Leben gehen. Wie Kismet mit seinem "Frauchen".

Ebenso in Verbindung mit Vergiftungen, infolge von Gebissfehlern, wenn Gegenstände (Steine etc.) verschluckt, große Mengen Sand aufgenommen werden oder beispielsweise durch eine Verhaltensstörung wie Koppen, bei der ständig Luft "geschluckt" wird. Auch eine starke Verwurmung kann zur Kolik führen. Gastrophyluslarven und Strongylidenlarven lösen schmerzhafte Entzündungen aus. Auch Gefäßveränderungen (Thrombosen, Stenosen) können Durchblutungsmangelsituationen auslösen, die wiederum zu Gewebeinfarkten und Nekrosen und damit zu massiven Koliken führen können.

Gefährlich und lebensbedrohlich sind sämtliche Kolikarten. Die Kolik wird unterteilt in die Krampfkolik, die Gaskolik, die Verstopfungskolik, die Magenüberfüllung, Magenruptur, Thympanien, Darmdrehungen und Einklemmungen, sowie Darmverschluss. Manchmal sterben Darmabschnitte ab. Oft treten im Rahmen einer Kolik bzw. in der Folge weitere Zusatzkomplikationen und Erkrankungen auf, wie die Hufrehe, Darmentzündungen, Rupturen, Bauchwandkrämpfe und Lähmungserscheinungen. Die Ursache für eine Kolik bleibt uns oft völlig unerschlossen. Von einem zum anderen Moment gerät das betroffene Pferd in eine lebensbedrohliche Situation und ein schnelles Handeln des Menschen ist unverzichtbar. Bei Verdacht auf Kolik muss unverzüglich ein Tierarzt hinzugezogen werden. Dieser entscheidet, ob eine Behandlung am Stall durchführbar ist oder das betroffene Pferd in eine Pferdeklinik verbracht werden muss, da eine Operation nicht vermeidbar ist. Eine Nachbehandlung kann sehr gut homöopathisch durchgeführt werden. Auch der Einsatz entsprechender Ergänzungsfuttermittel zur Stärkung und Regulation des Magen- und Darmtrakts ist sinnvoll.


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Enteritis:

Eine weitere lebensbedrohliche Magen- und Darmerkrankung bei Pferden ist die Enteritis bzw. katarrhalische Entzündung des Darms. Der Darmkatarrh kann akut auftreten mit milden Verlaufsformen oder auch zu einer chronischen Enteritis mit irreversibler Schädigung der Darmwand führen, die letztlich unheilbar sein und zum Tode des Pferdes führen kann. Der Wasserentzug und Elektrolytverlust durch den Durchfall belasten den Stoffwechsel und Wasserhaushalt derart stark, dass eine Heilung auch bei entsprechender Infusionstherapie oft nicht mehr möglich ist. Auch die häufigste Ursache der Enteritis sind Fütterungsfehler und Stress. Diese kann aber auch infolge einer Leukopenie mit hohem Fieber oder bei schweren bakteriellen Infekten auftreten. Ebenso ist eine Invasion von Endoparasiten als Verursacher bekannt. Auch bei Enteritis ist eine tierärztliche Therapie dringend vonnöten. Eine homöopathische Therapie kann sehr gut begleitend wie auch im Anschluss durchgeführt werden. Auch ist der Einsatz von geeigneten Futter- und Ergänzungsfuttermitteln sehr empfehlenswert, um eine Unterstützung und Regulation herbeizuführen.


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Gastritis:

Auch eine Gastritits kommt nicht selten bei Pferden vor. Diese Entzündung der Magenschleimhaut zeigt sich in einer Hemmung der Magensaftsekretion und vermehrter Schleimbildung. Der saure Magensaft wird alkalisch und kann seine Funktion bei der Vorverdauung nicht mehr ausführen. Die Magenschleimhaut kann so stark geschädigt werden, dass sich Geschwüre bilden und es zu Blutungen kommt. Ursache einer Gastritis kann ein massiver Befall mit Würmern sein, aber auch Stress und Fütterungs- bzw. Haltungsfehler. Auch manche Medikamente haben ungünstigen Einfluss auf die Magenschleimhaut und können negative Begleiterscheinungen im Magen- und Darmtrakt auslösen. Bei Magenschleimhautentzündung ist eine homöopathische Therapie erfolgversprechend und sollte durchaus in Erwägung gezogen werden. Ebenso ist eine Futteroptimierung sehr wichtig und beeinflusst den Behandlungserfolg massiv.


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Durchfall und Kotwasser:

Ein recht häufig vorkommendes Problem in der Pferdehaltung sind Durchfälle und Kotwasser. Ursachen sind identisch mit den bereits oben genannten. Fast alle Durchfall- und Kotwassererkrankungen sind mit relativ wenig Aufwand therapierbar. Neben einer Futtermittelumstellung bzw. eine passende Futterreduzierung sollte ggf. eine Entwurmung erfolgen sowie das Darmsystem aufbauenden Ergänzungsfuttermitteln gegeben werden. Bei einer darüber hinaus individuellen homöopathischen Therapie werden Bakterien, Keime und Schimmelpilze im Kot ausfindig gemacht. Anhand der Resultate lassen wir vom Labor eine Vakzine aus der abgetöteten Form herstellen. Diese wird dem Pferd als Schluckvakzine verabreicht oder injiziert.

Ein geringer prozentualer Anteil der Pferde scheint jedoch allein an einer psychisch bedingten Kotwasser- bzw. Durchfallerkrankung zu leiden. Hier verlaufen alle Laborergebnisse negativ. Bakterien, Viren, Schimmelpilze, Verwurmung und alle andren genannten Ursachen können ausgeschlossen werden. Obwohl die Fütterung optimiert wird, bleibt der Durchfall jedoch bestehen. In diesen Fällen kommt bei objektiver Betrachtung ausschließlich die psychische Situation des Pferdes als Ursache in Betracht, wenn sämtliche anderen Ursachen durch zum Teil aufwändige Untersuchungen in Pferdekliniken ausgeschlossen werden konnten.

Da sowohl die Fütterung, die medizinische Versorgung, wie auch die Haltung und Psyche des Pferdes in erster Linie durch uns Menschen beeinflusst werden, sollten auch wir Menschen das Bestmögliche unternehmen, um diese krankhaften Zustände unserer Pferde durch pferdegerechte Haltung zu vermeiden.


Prophylaktische Maßnahmen

• Die Fütterung

Die Fütterung sollte naturbelassen und pferdegerecht, dabei aber auch unbedingt individuell auf das Pferd abgestimmt sein. Eine gute Verdaulichkeit des Futters sollte selbstverständlich sein. Das Calzium zu Phosphor- Verhältnis sollte ebenso Berücksichtigung finden wie eine natürliche Zufuhr von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Die Menge ist jeweils dem Futterzustand des Pferdes anzupassen. Ein Pferd sollte weder verfetten, noch zu mager sein. Dies bedarf einer ständigen Anpassung der Futtermenge, die sich in erster Linie auch auf die Weidehaltung bezieht. Im Sommer 2007 sind beispielsweise extrem viele Gaskoliken aufgetreten: Diese führe ich u. a. zurück auf das im ganzen Sommer sehr nährstoffreiche und fette Weidegras.

Wallach Samoun
Pferde brauchen Bewegung! – "Weiß' ich doch!" unken Pferdehalter. Und trotzdem verblöden immer mehr Pferde in engen Boxen, statt (wie hier Samoun) über große Weiden zu galoppieren.

In früheren Sommern (bei "normalen" Wetterverhältnissen) nahm der Nährstoffgehalt des Grases im Hochsommer stetig ab und in den Monaten Juli/August/September stand überwiegend karges Gras zur Verfügung. Durch die in 2007 vorherrschenden neuen Wetterbedingungen (mit zahlreichen Regenfällen und extensiver Sonnenbestrahlung) nahm der Nährstoffgehalt des Grases jedoch kaum bzw. gar nicht ab. Pferdehalter passten aber den Weidegang ihrer Pferde nicht unmittelbar der veränderten Situation an. Folglich änderte sich ohne unser Zutun allein durch die veränderten Bedingungen die Ernährung unserer Pferde während der Sommermonate massiv: Nach einem in den Vorjahren durchschnittlich eher kargen Weidebewuchs waren die Pferde nun über Monate mit sehr nährstoffreichem Grasbewuchs (über-)versorgt. War die Wechselbeweidung – wie in den meisten Ställen praktiziert – in den Vorjahren ggf. noch ein sinnvolles Verfahren, führte eben diese Wechselbeweidung in diesem Jahr eher zu zahlreichen Fällen von Gaskoliken wie auch zu steigenden Hufrehepatientenzahlen.

• Die Haltung

Das Steppentier Pferd benötigt über eine angepasste Ernährung hinaus viel Bewegung. Die Bewegung fördert die Durchblutung, den Stoffwechsel und trainiert sämtliche Organe und Organsysteme sowie das Immunsystem und die Abwehrkräfte. Pferde, die lange Zeit über in einer engen Box stehen, haben ein bedeutend höheres Kolikrisiko als Pferde, die sich ständig leichte Bewegung verschaffen können. Das Fluchttier Pferd ist nicht für stundenlanges Stehen geschaffen, der Gesamtorganismus benötigt zur Gesunderhaltung ständig Bewegungsmöglichkeiten. Die ideale Unterbringung muss nicht zwingend der Offenstall sein. Eine Box mit angeschlossenem (nicht zu kleinem) Paddock beispielsweise erfüllt einen ähnlichen Zweck.

• Die Psyche

Soweit wie nur möglich sollte Stress vermieden werden. Dies gelingt selbstverständlich nicht immer und überall. Jedoch sollten die Momente, die unser Pferd psychisch negativ beeinflussen, auf das Notwendigste beschränkt bleiben. Dauerstress ist unbedingt zu vermeiden! Stress erleben Pferde in vielerlei Form. Eine unvollständige Auflistung stressauslösender Faktoren:

• ein wenig einfühlsamer Reiter
• eine neue Umgebung
• laute Geräusche und Unruhe im Stall
• Turniere und andere laute Massenveranstaltungen
• eine neue Herde
• eine hohe Fluktuation in der Herde
• eine ungünstige Herdenstellung des einzelnen Pferdes
• derber und lauter Umgang mit dem Pferd
• eine "Vermenschlichung" des Pferdes verbunden mit
• wenig pferdegerechten Erwartungen an das Tier
• sowie wetter- und umweltbedingte Aspekte (Gewitter, Sylvesterknallerei etc.).

Inwieweit alle die vorgenannten Faktoren für das einzelne Pferd Stress bedeuten, ist natürlich individuell verschieden. Der Mensch sollte jedoch kritisch beobachten, welche Faktoren beim einzelnen Pferd Stressauslöser sind und diese entsprechend vermeiden. So bedeutet selbstverständlich nicht jeder Wanderritt, jede Fuchsjagd und jedes Turnier für jedes Pferd gleich "Stress". Es gibt jedoch Pferde, die in diesen Situationen psychisch sehr angespannt reagieren und eine aus Turnieren resultierende hohe psychische Belastung z. B. stets mit einer Kolik quittieren. Dass man diese Pferde aus dem Turniersport nehmen sollte, versteht sich von selbst. Ebenso verhält es sich mit sämtlichen anderen o. g. aufgezählten Faktoren: Was also für das eine Pferd eher Spaß und Unterhaltung ist, kann ein anderes Pferd dauerhaft krank machen und mit z. B. ständigen Koliken reagieren lassen.

 
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