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Stichwort: Tierschicksale 2007

Rückblick 2007: Mal gewonnen, mal verloren

Bilanz einer Tierheilpraxis: 2007 wurde das schlimmste Jahr in Sachen Kolik-Statistik

Von Claudia Nehls

Das Jahr 2007 ist schon wieder Geschichte, ein neues Jahr hat bereits begonnen. Und neue Herausforderungen in der täglichen Tierheilpraxis stehen wieder vor der Tür. Dennoch wollen wir nochmals kurz innehalten und einen Blick zurückwerfen. Gab es im Jahr 2007 besondere Entwicklungen, besonders erwähnenswerte Patienten, besondere Schwerpunkte im täglichen Kampf gegen die unterschiedlichsten Erkrankungen? Ich denke: Ja! Daher möchte ich nochmals das Schlaglicht auf ganz bestimmte Themen und Krankenakten werfen. Das Jahr 2007 ist bereits Geschichte. Aber wir können manches aus der entsprechenden "Jahresschlussbilanz" lernen und ... so manchen Fehler in der Zukunft vermeiden.



2007: Das Jahr der Hufrehe

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Erfahrungsbericht mit dem eigenen Pferd Moritz

erzählt von Doris und Elmar Neubauer
[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Ich möchte diesen Erfahrungsbericht als "Warnung" veröffentlichen, um dem Irrglauben vorzubeugen, dass die Hufrehe-Erkrankung mit einer erfolgreichen Behandlung abgeschlossen sei. Auch zukünftig muss nach erfolgreicher Therapie Prophylaxe betrieben werden, um weitere akute Schübe zu vermeiden. Täglich höre ich ähnliche Erfahrungen, leider schreiben aber nur Wenige einen Erfahrungsbericht. Von daher soll dieser Erfahrungsbericht für ganz viele weitere ähnlich gelagerte Fälle stehen und zum Nachdenken wie Handeln anregen. Die ganze Geschichte mit dem Pony Moritz fing eines Tages so an:

Sehr geehrte Frau Nehls,

unser Pony "Moritz“ hat am 21.12.06 Hufrehe bekommen. Ursache nicht bekannt. Tierarzt hat sofort Entzündungshemmer gespritzt und Schmerzmittel (Equipalazone) gegeben. Da keine Besserung eintrat, haben wir uns an Sie, Frau Nehls, gewandt. Sie hatten uns Nehls Rehe –Ex und die Nehls Biologische-Hufkur zugeschickt. Diese haben gut angeschlagen! Allerdings haben wir nach Verbrauch von 1 KG Nehls Rehe-Ex und der Nehls Biologischen Hufkur, und nachdem es Moritz wieder besser ging, mit der Fütterung aufgehört.

Pony Moritz

Bei Pony Moritz spielte der Tierarzt wieder einmal nur auf der Standard-Klaviatur: Entzündungshemmer spritzen und Schmerzmittel geben. Doch es wurde schlimmer.

Am 10.03.07 dann ein neuer heftiger Reheschub, der so stark war, dass das Pony nicht mehr laufen konnte. Der Tierarzt hat dann ein Röntgenbild von beiden Vorderhufen gemacht und eine Hufbeinabsenkung festgestellt. Wieder Spritzen u. Schmerzmittel u. eine Blutuntersuchung, die die Rehe bestätigte. Laut Tierarzt sind die Heilungsaussichten sehr gering, evtl. einschläfern! Wir haben in Ihren Internetseiten von der Haaranalyse gelesen. Wir schicken Ihnen die Haarprobe und Anamnesefragebogen und unsere E-Mail Adresse zu. Da wir das ganze Paket: Nehls Rehe –Ex, Nehls Biologische Hufkur, homöopathische Tropfen und die Haaranalyse in Anspruch nehmen möchten, hätten wir gern die Kosten gewusst.

Mit freundlichen Grüßen
Familie Neubauer

[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Daraufhin empfahl ich, erst einmal nur Nehls Rehe-Ex und die Nehls Biologische Hufkur zu füttern und die Haaranalyse erst einmal zurückzustellen, falls keine Verbesserung eintreten sollte. Einige Wochen hörte ich nichts, dann ging es am 06.07.2007 so weiter:

Liebe Frau Nehls!

Wir hatten Sie um Rat und Hilfe für unser Rehe Pony Moritz gebeten, Sie erinnern sich vielleicht? Der Fall war von unserer Sicht aus ziemlich aussichtslos und auch der Tierarzt war recht ratlos; gab Spritzen und Schmerzmittel, die immer nur 1-2 Tage wirkten. Er schlug dann noch einen Rehebeschlag mit hufeisenähnlichem Kunststoff vor, um der Hufbeinabsenkung und einem drohendem Sohlendurchbruch entgegen zu wirken, welcher aber auch keinen sichtbaren Erfolg brachte. Das Pony konnte kaum noch laufen, und lag sehr oft. Wir gaben ihm dann, wie schon im Winter 2006, Nehls Rehe-Ex und die Nehls Hufkur von Ihnen, Frau Nehls, die ja schon damals gut angeschlagen hatten und wir derzeit dachten, Moritz sei über den Berg, welches ein Fehler war.

Am 14.06.07 begannen wir erneut mit der Gabe von Nehls Rehe-Ex und Nehls Hufkur. In den ersten Tagen gab es keine Besserung des Zustandes von Moritz. Am 01.07.07, als wir am Morgen zu ihm kamen zum Füttern und zum Reinigen seiner Box, stand er schon im Freien und wieherte uns entgegen, was er schon 5 lange Wochen nicht mehr getan hatte. Es hatte also genau 17 Tage gedauert vom Beginn der Gabe von Nehls Rehe-Ex und Nehls Hufkur, bis es deutlich zu sehen war, dass es Moritz besser ging. Ab sofort war jeden Tag ein deutlicher Fortschritt seiner Genesung zu beobachten. Er bewegte sich erstmals wieder selbständig in seinem gesamten Gelände, suchte ohne unser Zutun erstmals wieder seine Futterkrippe mit frischem Heu auf, was er schon wochenlang nicht mehr konnte.

Pony Moritz

Pony Moritz bewies wieder einmal: Die Hufrehe ist tückisch. Nicht selten glaubt man die Krankheit überwunden, beendet Therapien und dann geht's erst richtig los!

Meine Frau und ich waren überglücklich sehen zu können, dass es nach so schweren Wochen endlich aufwärts ging mit Moritz! Wir hatten ja schon beim ersten Reheschub von Moritz großes Vertrauen und Hoffnung in Ihre Rehebehandlung gesetzt, zumal es sowieso nichts Gleichartiges zur Behandlung von Hufrehe gibt, einen solchen Erfolg aber hatten selbst wir nicht für möglich gehalten! Wir möchten uns sehr bei Ihnen, Frau Nehls, für den Mut, den Sie uns gemacht haben und für Rat und Tat bei Ihnen bedanken.

Wir werden jetzt den Fehler vom Winter 2006, als wir Nehls Rehe-Ex zu früh abgesetzt haben, nicht noch einmal machen und Nehls Rehe-Ex dauerhaft füttern sowie auch erst einmal bis auf Weiteres und später immer wieder als Kur die Nehls Biologische Hufkur füttern, und hoffen, dass eine vollständige Genesung von Pony Moritz gelingt. Soweit unser Bericht vom Zustand von Pony Moritz und

viele liebe Grüße an Sie Frau Nehls

von Doris und Elmar Neubauer

[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Kurze Zeit später bestand eine vollständige Genesung: Moritz galoppiert wieder fröhlich über sein Gelände und ist zu jedem Spaß aufgelegt.


2007: Das Jahr der geretteten "Austherapierten"

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Erfahrungsbericht mit dem eigenen Pferd Dyara

erzählt von Dr. Michaela Kriessmayr
[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Positiv in 2007 war (wie auch in den vergangenen Jahren), dass fast alle meine vierbeinigen "austherapierten" und fast aufgegebenen Patienten überlebt haben und inzwischen wieder ein glückliches Pferde- oder auch Eselleben – mit nur kleinen Änderungen bzw. Ergänzungen oder auch Einschränkungen ihres bisherigen Lebens – führen. Über diesen "Jahrestag" habe ich mich ganz besonders gefreut:

Pferd Dyara

Dyara war vom Tierarzt abgeschrieben. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger, heißt es. Und Dyara ist ein lebender Beweis dafür.

Es ist genau ein Jahr her, als mein damaliger TA meinte, Dyara wird nicht mehr! Und ich Dir meinen Hilferuf übers Internet sendete und verzweifelt um Hilfe bat! Ich weiß noch genau, dass es mir vorkam, als würde mir der Boden unter den Füssen weggezogen, zumal mein damaliger Hufschmied und TA anschließend einen "Witz" machten und ich mich im Stall furchtbar beherrschen musste! Damals schrieb ich Dir unter Tränen (tausend Fehler, da ich nur schrieb, vor lauter Tränen nicht lesen konnte, und am liebsten mit Dyara gestorben wäre!). Auch kam an diesem Tag ein "Pferdefreund", nahm ihr die Rock'n Roller Eisen ab, die sie Stunden zuvor bekommen "musste", pendelte sie aus, und begann mit Kräutern und Tiermoor und gab mir Mut!

Du kannst Dir vorstellen, dass es damals für mich als "Schulmediziner" schwer war, darauf zu vertrauen, aber ich hoffte auf Hilfe und bekam sie! Denn dann kam Deine E-Mail und wir haben begonnen! Du, Charly, mein Mann, Dyara und ich! Heute war ich mit meinem Herz ausreiten! Galoppwechsel, Trabverstärkung (hab ich bisher nur auf der Koppel gesehen, konnte ich nie herausreiten), konnte ich auch heute nicht! Aber sie gab mir heute mehr zurück als ich je für sie tun konnte! Ich hab gelacht, gejauchzt und geweint!!

Pferd Dyara

Dyara und Michaela sind ein "Herz und eine Seele". Daher steckt der Schock über die erste niederschmetternde Tierarzt-Diagnose der Pferdebesitzerin noch heute in den Knochen.

Dyara und ich sind Seelen verwandt, denn wenn ich Dir meine Träume erzählen würde, die ich mit und über sie hatte, würdest du es nicht glauben! Sie ist die tierische Ausgabe von mir (frag meinen Mann) und wir haben beide meinen Bruder (3.6.79: Verkehrsunfall) mein absoluter HERO heute noch um Hilfe gebeten, denn er liebte Pferde und auch mich! Und Cyra hab ich meinem Opa und meiner Oma als Schutzengel geschickt! Ich bin heute unendlich dankbar meinem Bruder Andreas, meinen Großeltern und meiner Schwester auf der anderen Seite als Schutzengel zu haben, und Charly und Dich auf dieser Seite zu haben!

Wir danken Dir tausendmal Dyara (mein Herz), Cyra (mein Augenstern),
Charly und ich!

Alles alles Liebe
Michaela



2007: Das Jahr der Hiobsbotschaften

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Die erste Geschichte ohne glücklichen Ausgang

erzählt von Camilla
[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Auch die vielen "Wohlstandserkrankungen" (wie EMS & Co.) nahmen 2007 drastisch zu. Ferner die allergischen Erkrankungen, wie z. B. die chronisch allergische Bronchitis, das Sommerekzem und andere allergische Hauterkrankungen. Was mich 2007 jedoch am meisten erschütterte, waren die vielen erschütternden und ganz plötzlich tödlich verlaufenden Koliken! In keinem Jahr zuvor traten Koliken derart gehäuft auf! Hier das erste Beispiel für eine Hiobsbotschaften, die mich 2007 erreichte und natürlich tief bewegte:

Montag Abend, der 22.10.07:
Bevor ich fahre, warte ich bei meinem Pferd Kat auf Dr. S. Ich bitte ihn eindringlich, dass er mich anruft, wenn sich Kats Zustand verschlimmert. Sie steht in der Ecke, wirkt abwesend. Ich streichle sie und fahre. Ich wünschte, ich wäre da geblieben. Wir wollten um 22.00 Uhr noch mal telefonieren, Dr. S. und ich, wegen der Blutwerte. Meine Freundin und ich verquatschen uns am Telefon, ich rufe die Klinik erst 23.15 Uhr an, zweimal, ich erreiche Niemanden mehr. Ich liege nachts wach und frage mich, wie es Kat geht, ob sie es schafft. Ich versuche, zuversichtlich zu sein.

Dienstag Früh, der 23.10.07, 7.15 Uhr:
Wieder erreiche ich in der Klinik Niemanden. Erst um 8.00 Uhr Frau A., die gerade zum Dienst kommt. Sie will mir nach der Visite Bescheid geben, Kat stände in ihrer Box, mehr könne sie mir nicht sagen. Ich fahre 8.45 Uhr zum Dienst, ich habe ein Hilfeplangespräch im Jugendamt. Alle anderen Termine habe ich für heute abgesagt. Warum bin ich bloß zu diesem Termin gefahren? Warum habe ich das bloß getan? Warum bin ich nicht gleich zu Kat? Wie konnte ich so gedankenlos sein? Ich bin so schlecht. Ich war nicht für sie da.

Während des Gesprächs im Jugendamt ruft Frau A. mich an: Es sähe nicht gut aus, der Dünndarm arbeitet nicht. Es gibt eine Chance, Kat noch mal abzulegen, den Darm zu massieren, so dass er in Gang kommt. Sie können sie am Leben erhalten, den Darm immer wieder leeren, weil der Inhalt in den Magen zurückgespült wird, aber das ist keine Lösung. Vom Kreislauf sei Kat stabiler als vor der ersten OP. Die Blutung im Bauchraum habe aufgehört. Sie gibt mir eine halbe Stunde Bedenkzeit, Kat stände schon im Vorraum zum OP. Warum habe ich im Jugendamt nicht gesagt, dass ich sofort los muss? Warum habe ich Frau A. nicht gebeten, auf mich zu warten?

10.30 Uhr:
Ich gebe Frau A. meine Einwilligung, fahre los. Als ich in der Klinik bin, kommt mir eine Assistentin entgegen – obwohl sie nichts sagt, weiß ich, dass es schlecht aussieht. Ich gebe Bescheid, dass ich auf dem Klinikgelände bin. Ich sitze im Auto und warte. Während der Fahrt und jetzt, wo ich warte, habe ich nur an Kat gedacht. Ich habe fest gehofft, dass sie es schafft. Ich hatte kein schlechtes Gefühl. Während ich mit Frau G. telefoniere, hat die Klinik mehrmals versucht, mich zu erreichen. Ich springe aus dem Auto und renne hin. Schon alleine die Ansage auf meiner Mobilbox – ich weiß, es sieht schlecht aus.

Eine Ärztin im Stall meint, ich soll schnell zum OP, 2 Assistenten kommen mir entgegen, ob ich reinkommen könnte, die Operateurin wolle mit mir sprechen. Ich nicke. Kat hängt in der Maschine, mit grünen Tüchern zugedeckt, ihr Bauch ist offen, ich sehe alle Därme, auf dem Boden läuft blutiges Wasser. Der Raum ist voller Menschen, ich sehe die Operateurin und Frau A. in ihren Kitteln über Kat. Die Operateurin erklärt mir, es gäbe keine Chance mehr, der Darm sei tot, arbeitet nicht mehr, nicht mehr nur ein kleines Stück. Sie hält die Därme hoch. Sie hätten den Dünndarm leer geräumt. Es gäbe keine Peristaltik mehr, das Pferd würde innerlich ertrinken, zulaufen. Das Herz und die Atmung, alles würde funktionieren, aber nicht der Darm. Es wäre Quälerei, Kat noch mal wach werden, sie aufstehen zulassen. Sie könnten nichts mehr tun. Sie hätten jede kleine Chance genutzt.

Hinter mir stehen zwei Assistenten, ich starre auf Kat, ich sehe Frau A. an, sie schüttelt den Kopf. Ich fange an zu weinen, ich frage, ob wirklich nichts mehr getan werden kann. Die Operateurin erklärt noch mal. Ihr Rat ist Kat jetzt, während sie in der Narkose schläft, einzuschläfern. Die Frau an Kats Kopf, die ihre Atmung kontrolliert, winkt mich zu sich. Ich kann kaum hinsehen. Kats Zunge hängt raus. Ihre Vorderbeine sind befestigt. Ihre Augen sind halb geöffnet. "Fassen Sie sie an, sie ist ganz warm. Schläfern Sie sie ein." Sie ersparen ihr damit unnötiges Leid. Sie bekommt eine Spritze und schläft ein.“ Ich gehe dicht an Kats Kopf, halte ihren Kopf an beiden Seiten, es schüttelt mich.

Pferd Kat

Tapfer gekämpft und trotzdem verloren: Wieder einmal spielte die schreckliche Kolik ihren "Trumpf", den Zeitvorsprung nämlich, unbarmherzig aus: Als Kat endlich behandelt werden konnte, waren die Folgeschäden schon irreparabel.

Der Arzt hinter mir meint, ich soll rausgehen, wenn sie die Spritze bekommt: "Nein, ich gehe nicht raus." "Dann bleiben Sie hier. Es kann sein, dass sie Schnappatmung bekommt." Die Frau meint, sie müsste an Kats Hals, ich muss rücken, lasse meine Hand an ihrem Fell, sehe aus den Augenwinkeln, wie Kat die Spritze in ihre Kehle bekommt. Die Geräte laufen noch kurz. "Es ist vorbei.", sagt die Frau. Ich lasse Kat nicht los, weine stark. Der Arzt hinter mir meint, ich könne hier nicht ewig stehen, sie bräuchten den Platz für die nächste OP. Er will mich wegschieben, aber ich lasse Kat nicht los. "Sie will das Pferd nicht loslassen."

Die Operateurin zieht ihre sterile Kleidung aus. "Kommen Sie, wir gehen gemeinsam raus und ich erkläre Ihnen noch mal." Ich streiche über Kats Hals und gehe mit der Frau in den Flur. Kat wird auf eine andere Platte gerollt, mit einer Plane abgedeckt und später von einem LKW zur Tierkörperverwertung abtransportiert und dort verbrannt. Frau A. hat sie zugenäht. Das habe ich noch gesehen. Ich habe nichts von Kat mitnehmen können. Die Operateurin und Frau A. sitzen mit mir auf dem Flur, wollen mir erklären, dass ich richtig gehandelt habe. Ich sage zu beiden: "Ich war morgens nicht da." Sie meinen, Kat wäre sehr in sich gekehrt gewesen, wahrscheinlich hätte sie mich nicht mehr wahrgenommen. Ich glaube das nicht. Ich habe sie alleine gelassen.

Frau A. rät mir zu warten, bis Kat rausgeschafft wurde, ich soll nicht unter die Plane sehen. Ich kann sie jederzeit anrufen, wenn Fragen auftauchen. Am Samstag bin ich noch mit Kat im Wald gelaufen. Sie hat Müsli mit Bananen gefressen. Als ich sie auf die Wiese gelassen habe, ist sie gleich fröhlich losgelaufen. Samstag Abend war ich mit meiner Schwester in Berlin zum Ballett, wir kamen erst um 0.30 Uhr ins Bett – lag Kat zu der Zeit schon? Wie lange hatte sie Schmerzen? Wie sehr hat sie sich alleine gefühlt? Wie lange hat es sich für sie angefühlt bis sie morgens um halb 8 gefunden wurde?

Ich war Sonntag früh wach, bevor der Anruf kam, Kat stände nicht mehr auf. Mit drei Tierärzten habe ich telefoniert, Frau F. meinte, sie könne vor 9.00 Uhr nicht da sein. Ich dachte, es hätte etwas mit ihrem entzündeten Zeckenbiss zu tun. Kat hatte die ganzen Jahre nur zwei leichte Koliken gehabt. Als ich im Stall ankam, hatten sie Kat in eine Box gebracht. Sie sah elend aus. Klatschnass, am Zittern, mit hängendem Kopf. Ich habe mich sehr erschrocken. Rannte, um ihre Decke zu holen. Bin mit ihr auf den Platz zum Führen, sie wollte nicht laufen, die Sonne kam raus.

Als Frau F. kam, hat sie Kat rektal untersucht: Sie sei verstopft, Sandkolik. Nasenbremse drauf, Sonde bis in den Magen geschoben, Wasser/Paraffinöllösung, damit die Verstopfung sich auflöst. Kat bekam zwei Spritzen gegen die Schmerzen. 2 ½ Stunden bin ich mit ihr draußen spazieren gegangen – ich dachte, ich muss mit ihr laufen bis sie äppeln kann. Was muss sie für Schmerzen gehabt haben? Warum habe ich nicht früher gehandelt? Warum wusste ich so wenig? Wir stehen in der Halle, inzwischen ist es 11.30 Uhr. Kat steht, lässt den Kopf hängen, kann sich nicht hinlegen, sie macht Geräusche, als müsste sie gleich brechen – das war der übervolle Magen.

Und ich wusste das nicht. Er hätte platzen können und Kat wäre gestorben. Ich weiß nicht, ob ich von mir aus Frau F. mittags angerufen hätte, vielleicht hätte ich abgewartet – ich habe zu spät, zu wenig gehandelt, war zu passiv, habe mich nicht genügend eingesetzt. Eine andere Einstellerin kommt in die Halle, drängt mich die Tierärztin anzurufen, ihre Stute sei an Sandkolik verstorben. Frau F. kann nicht vor 14.00 Uhr da sein. Sie rät zur Klinik, nachdem die Einstellerin ihr Kats Symptome geschildert hat – nicht ich. Ich renne los, begreife langsam, wie ernst es ist. Frage mich durch, stehe bei den Stallbesitzern in der Küche, telefoniere wegen eines Hängers.

Die Einsteller, die Kat von unserem früheren Stall abgeholt haben, erklären sich widerwillig bereit. "Wieder am Sonntag. Wir sind kein Fuhrunternehmen. Das sind aber dieses Mal 80 Euro. Wir müssen erst tanken." Zwei Kliniken rufe ich an – wir müssen nach Z., die andere operiert keine Koliken. Z. bedeutet eine knappe Stunde Hängerfahrt. Ich weiß nicht, wie Kat das durchgestanden hat. Irgendwann ist der Hänger da, wir schieben Kat auf den Hänger – ich hoffe, sie äppelt wie sonst auch wegen der Aufregung, aber nichts passiert.

Mit Herrn S. fahre ich hinter Kat her. Die Klinik habe ich informiert. Ich sehe Kat im Hänger schwanken, habe Angst, dass sie umkippt und sich festlegt. Was muss sie für Schmerzen gehabt haben. Seit nachts. Und ich bin noch mit ihr durch den Wald gegangen und habe sie kurz angetrabt, da ich hoffte, sie könnte äppeln. Habe ich dadurch alles verschlimmert? Wenn ich sie früher auf Diät gesetzt hätte, hätte sie dann keine Fettgeschwülste bekommen? In der Klinik. Ich führe Kat vom Hänger. Während der Fahrt vor den roten Ampeln habe ich sie gerufen und sie hat in Panik wiehernd geantwortet.

Ich führe sie in den Untersuchungsraum. Mindestens 5 Frauen wuseln um uns herum. Die aufnehmende Ärztin ist Frau A. Kat kommt in den Ständer – rundherum zu, breite Bänder über ihre Schultern, damit sie nicht steigen kann. Ich stehe an ihrem Kopf und halte sie. Ich denke, das kann nur ein Albtraum sein. Kat wird rektal untersucht. Frau A. kann ihre Milz nicht finden. Der Sand wäre zweitrangig, das Problem wäre etwas anderes. Kat wird rasiert, am Hals und unterm Bauch. Sie bekommt die Nasenbremse drauf, während ihr in den Hals ein Zugang gelegt wird. Sie hat Panik in den Augen. Ihr wird Blut abgenommen. Ihr Kreislauf ist schlecht. Die Schleimhäute sind blass. Ihr wird wieder eine Sonde in den Magen geschoben, die liegen bleibt. Fünf Eimer laufen voll mit Mist, der in den Magen zurückgelaufen ist. Es stinkt.

Frau A. bereitet mich darauf vor, dass wahrscheinlich nur eine OP helfen kann. Rund 2000 Euro. Sie schallt Kats Bauch. Dann punktiert sie den Bauch. Es soll nur etwas Flüssigkeit kommen, bernsteinfarben. Bei Kat läuft es raus, blutvermischt. Ganz schlecht. Ich willige zur OP ein, Frau A. telefoniert, es soll in 30 min losgehen. Ich stehe an Kats Kopf, gebe noch meine Nummer durch, dann sackt mir der Kreislauf weg. Man setzt mich auf einen Stuhl 2 m von Kat entfernt, ob ich nicht raus will an die Luft, ich schüttel den Kopf und sehe Kat an, wie sie in dem Ständer steht. Ich kann jetzt nicht schwach sein. Nachdem ich etwas getrunken habe, stehe ich wieder auf und gehe zu ihr. Der OP Saal ist vorbereit. Zweimal frage ich, ob ich bei Kat bleiben darf bis sie schläft, aber ich werde abgewiesen.

Eine Helferin führt Kat an ihrem Strick in den OP, ich stehe davor, sehe mein Pferd und kann nicht bei ihr sein. Frau A. schließt die OP-Tür. Ich stehe draußen, zittere, mir ist so kalt. Ich weine. Meine Schwester und Herr S. warten draußen. Ich möchte nicht vom Klinikgelände. Wir warten. Ich werde gerufen. Ob ich reinkommen könnte, aber ich müsste nicht, wenn ich es nicht sehen könnte. Ich möchte rein. Kat auf dem Rücken, hängt, ihr Bauch ist weit geöffnet, ich sehe den Darm arbeiten. Die Operateurin erklärt, hält ein Stück roten Darm hoch, der tot sei und rausgeschnitten werden müsste. Kat hätte 2 Fettgeschwüre, die hängen an einem dehnbaren Stiel und einer davon hat sich Samstag Nacht um den Darm gewickelt, ihn abgeschnürt. Deswegen sei im Dickdarm alles vertrocknet und sie hätte nicht äppeln können.

Die Chance ist, das Stück Dünndarm rauszuschneiden – Kosten 4000 Euro mit 14-tägiger Nachsorge in der Klinik. Ich nicke und gehe raus. Frau A. meint, die OP dauert noch 3 h, ich soll fahren, sie meldet sich. Auf der Rückfahrt bekomme ich Migräne, muss brechen, die anderen sitzen in meiner Küche und essen. Ich liege im Bett und friere trotz Wärmflache und Decke, denke an Kat. Abends ruft Frau A. an: Kat stände. Pferde würden sich oft nach der Narkose verletzen, da sie in Panik davonrennen wollten. Kat hätte sehr getobt, sich gerollt, dabei ihr Auge verletzt, aber mehr nicht. Die OP wäre gut verlaufen, Kats Kreislauf hätte es geschafft, eine Tendenz könne sie mir nicht sagen. Wenn ich möchte, kann ich vorbeikommen.

Um 22.00 Uhr fährt Herr S. mich, ich will zu Kat. Frau A. und 3 weitere sitzen an ihrer Box. Sie sieht schlimm aus. Aus ihrem Bauch tropft Blut. Ich kann erst nicht hinsehen. Es ist eine Blutung aufgetreten, die sie nicht einschätzen können. Es gibt vier Probleme: Der verstopfte Dickdarm, der Dünndarm muss anlaufen, die Blutung und Kats Kreislauf. Kat steht immer noch mit Schmerzen, leidet still vor sich hin. Ich kann nichts tun. Hätte ich bei ihr bleiben sollen? Wie hat sie das bloß getragen?

Montag früh:
Ich telefoniere mit Frau A. Kat hätte noch zwei Stunden, nachdem ich gefahren sei, gekolikt, dann hätten die Schmerzmittel endlich gewirkt. Ich kann ab 10.00 Uhr kommen. Kat macht einen fast munteren Eindruck, blubbert und bettelt um Futter. Sie sieht wach aus und fast wie immer. Ich bleibe mit Unterbrechung bis 20.30 Uhr. Mittags bekommt sie ein sedierendes Medikament, damit die Blutung aufhört. Die Assistentin hat den Abfluss geöffnet und Kats Blut aus dem Bauchraum läuft in den Eimer.

Kat schwankt von dem Medikament, ich habe Angst, dass sie umfällt, werde weggeschickt, damit Kat vollkommen Ruhe hat. Ich wäre lieber bei ihr geblieben. Nachmittags ist Arztwechsel – beide Männer gefallen mir nicht. Frau A. erklärt mir viel, den beiden Ärzten muss ich alles aus der Nase ziehen. Nachmittags ging es Kat schlechter. Der Dünndarm ist nicht zu hören, sie bekommt mehre Infusionen, das Gerät läuft. Kat fängt an zu schwitzen. Ihre Hinterhand zittert. Das Medikament wird wieder abgesetzt. Warum bin ich nach Hause gefahren? Ich hätte bei ihr bleiben müssen. Ich habe sie alleine gelassen.


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Die zweite Geschichte ohne glücklichen Ausgang

erzählt von Steffi Hülse
[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Hier die zweite Geschichte aus der traurigen Jahresbilanz 2007 bezüglich der einfach erschreckend häufigen Koliken:

Liebe Frau Nehls,

vielleicht erinnern sie sich noch an unser Beratungsgespräch hinsichtlich meines Pferdes Asterix, der damals mit Koliksymptomen noch am selben Abend von uns in die Klink gebracht wurde und dem letztlich dort auch nicht mehr geholfen werden konnte, so, dass ich ihn unter vielen, vielen Tränen einschläfern lassen musste? Es hat mich zerrissen, ihn für immer gehen zu lassen. Es war für mich das Schlimmste, was ich bisher je erlebt habe! Was mich aber im Nachhinein so wahnsinnig wütend macht, ist die Sinnlosigkeit seines Todes. Hätte man mich von tierärztlicher Sicht mehr aufgeklärt, dann würde er heute noch leben.

Pferd Asterix

Asterix könnte, davon ist die Besitzerin überzeugt, noch leben: Wenn Tierärzte früher auf die Gefahren von Bandwürmern hingewiesen hätten. Diese Parasiten haben im Verdauungssystem von Asterix ihr Zerstörungswerk ungehindert beenden können.

Mittlerweile wissen wir nämlich, woran er gestorben ist und ich bin so erschüttert: Sie hatten mich damals hinsichtlich der Entwurmungen befragt. Ich konnte eine regelmäßige Entwurmung bejahen. Sie wiesen mich damals aber schon darauf hin, dass es bedeutsam wäre, auch speziell gegen Bandwürmer zu entwurmen. Ich war eigentlich der Meinung, dass mit den Wurmkuren Asterix ausreichend geschützt sei, zumal ich gar nicht wusste und auch nie von meinen Tierärzten darauf hingewiesen wurde, dass man auch gegen Bandwürmer entwurmen sollte. Aber nein: Es wurden über ¾ Jahr hinweg zahlreiche Bluttests, Schilddrüsentests, Spezialfutter etc. verordnet und nichts half.

Heute wissen wir warum: Das Kuriose, was mir meine Tierärztin mitteilte, war, dass es einen Wert im Blutbild gibt, der bei einem Wurmbefall erhöht sein müsse, was aber letztlich laut Laborbefund nicht der Fall war.

[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Dies sind die Eosinophilen

Das Ende vom Lied war, dass Asterix massiv von Bandwürmern befallen war, daher auch am Ende diese Koliksymptomatik. Die Bandwürmer haben die Darmwand so stark geschädigt, dass die natürliche Barriere zur Abwehr von Keimen und Bakterien nicht mehr gegeben war. Sämtliche Organe (Leber, Milz, Darm, ZNS) wiesen eine Infektion mit Streptokokken auf. Am Montag hatte er dann kurz vor seinem Tod zwei Krampfanfälle, die aussahen, wie Epilepsie. Grund dafür war aber schon eine Entzündung der Hirnhäute. Der Kliniktierarzt bekam ihn zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr stabil und Asterix Aufstehversuche verliefen unkontrolliert und erfolglos, so dass er immer wieder stürzte und er war gar nicht mehr ansprechbar und es war auch kein Ohrenspiel mehr zu erkennen.

Das war für mich so schlimm, dass ich den Boxenbereich verlassen musste, weil ich es nicht ertragen konnte, wie er immer wieder hinfiel. Am Ende hatte er einfach keine Kraft mehr und er sah so wahnsinnig dünn und geschunden aus und er hatte sich wirklich genug gequält. Aber es war eine unsagbar schwere Entscheidung und ein so schmervoller Abschied, der mich lange Zeit kosten wird, um das alles zu verarbeiten, weil ich ihn so sehr vermisse. Er war einfach für mich das tollste Pferd und es gab nichts, was ich jemals an ihm hätte ändern wollen. Was ich so unglaublich finde, muss es denn sein, dass ein Pferd in der heutigen Zeit aus den o. g. Gründen stirbt?

In meinen Augen haben die Tierärzte hier gründlich versagt. Wenn ich gewusst hätte, dass ihm mit einem so einfachen Mittel wie einer speziellen Wurmkur geholfen werden kann, wäre es doch für mich die selbstverständlichste Sache der Welt gewesen, ihm diese zu geben und es wäre nie so weit gekommen. Ich wusste immer, da stimmt etwas nicht; doch kein Tierarzt konnte mir sagen, was. Ein Befall mit Bandwürmern wird laut Kliniktierarzt immer als allerletztes in Betracht gezogen, wenn überhaupt. Daran wird so gut wie gar nicht gedacht und dieser wird auch kaum in Erwägung gezogen. Was mich so sehr ärgert ist, dass Sie, ohne jemals das Pferd gesehen zu haben, nur aufgrund meiner geschilderten Symptomatik aus Ihren Erfahrungen heraus, diese Möglichkeit mit Bandwurmbefall in Erwägung gezogen haben, denn letztlich waren ja etliche Organe betroffen, so dass diese nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten konnten und sich daraus sein trauriges Erscheinungsbild ergab.

Aber die Tierärzte, die ihn regelmäßig behandelten, kamen nicht annähernd auf diese Idee und das ist es, was mich so unendlich wütend macht! Asterix ist ja für mich nicht nur ein herber materieller Verlust, wo jetzt noch ca. 900,00 Euro Klinikkosten für mich hinzukommen. Emotional kann man diesen Verlust nicht wieder gutmachen. Ich hatte mich noch auf so viele Jahre mit ihm gefreut, aber: Sie waren uns leider nicht vergönnt!

Es danken Ihnen herzlich
Ihre drei neuen Fans Steffi Hülse

[ Anmerkung Claudia Nehls: ] Steffi schämt sich ein wenig, einen negativen Touch zu besitzen, wenn sie ausspricht, woran Asterix gestorben ist: Nämlich letztlich an einem massiven Bandwurmbefall. Nein Steffi: Hierfür brauchst Du Dich nicht zu schämen! Steffis Wunsch ist, dass Asterix ein Zeichen setzt. Ein Zeichen, dass von Seiten der Tierärzte und Pferdebesitzer einfach ein größeres Augenmerk auf den Schutz der Pferde gegen Bandwurmbefall gelegt werden muss und dass ein Tierarzt Ursachen in Erwägung zieht und näher betrachtet. Ich glaube: Asterix wird ein Zeichen setzen! Mein Wunsch für 2008 ist, dass die Pferdebesitzer früher auf mich zukommen. Leider konnte ich Asterix nicht mehr helfen, was eine Woche früher ggf. noch gelungen wäre. Auch vielen anderen Pferden konnte ich nicht mehr helfen, da ich zu spät von den Fällen erfuhr! So manches Pferd könnte heute noch leben. Das ist die traurige Seite meiner ... Jahresbilanz 2007.


  
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