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Stichwort: Arthrose (I)

Der Kampf um die Lebensqualität

Arthrotische Erkrankungen: Ein gandenloser schleichender Verlust der Beweglichkeit

Von Claudia Nehls

Im ersten Teil dieses Artikels beschäftigen wir uns mit den Erkrankungen selber, lernen die Symptome kennen und erfahren, wie man die oben genannten verschiedenen Arten der Arthrose richtig erkennt. Die Arthrose ist ein Oberbegriff, denn sowohl die Podotrochlose, wie auch der Spat, gehören zu den arthrotischen Erkrankungen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Arthrosen der verschiedenen Gliedmaßen. Die Therapie der unterschiedlichen Arthrosen ist jedoch nur leicht abweichend bei den einzelnen Arthroseformen. Unterschiede liegen beispielsweise in speziellen Hufbeschlägen, die optimal auf jede Erkrankung abgestellt werden. Im zweiten Teil des Artikels werden wir uns ausführlich mit der optimalen Fütterung und Haltung, den Bewegungsmöglichkeiten, sowie mit homöopathischen und naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten beschäftigen hinsichtlich der an Arthrose erkrankten Pferde.



Arthrose


Samoun

Das Pferd braucht die Bewegung wie die Luft zum Atmen. Schlimm also, wenn arthrotische Erkrankungen schrittweise und schleichend dem Pferd einen Großteil der Beweglichkeit rauben.


Kausale Ursachen:

Eine Arthrose entsteht in der Regel aus einer nicht ausgeheilten Arthritis: Die Ursache der Arthritis ist eine akute Entzündung, welche aus äußeren, inneren, infektiösen oder stoffwechselbedingten Einflüssen (siehe auch Ursachen der Arthrose) entsteht. Die Arthritis muss frühestmöglich fachgerecht behandelt werden, um nicht in ein chronisches, schwer heilbares Stadium bzw. in die degenerative Form, also die Arthrose, überzugehen. Die Arthritis entwickelt sich stetig zur Arthrose, wenn diese nicht erfolgreich und schnellstmöglich therapiert wird. Es bilden sich unphysiologische Knochenzubildungen, wie zum Beispiel die arthrotische Hufgelenksschale.

Der Prozess wird durch Überbelastung, aber auch durch Bewegungsmangel gefördert. Ursachen der Arthrose sind vermehrte Abnutzungen durch Fehlstellungen, Fehlbelastungen, Überbelastungen, falsche Hufbearbeitung/Hufbeschlag über längere Perioden, sowie Stoffwechselstörungen und das Missverhältnis zwischen Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung des Pferdes. Auch eine zu gut gemeinte Fütterung, vor allem in der Zeit der Entwicklung des Skelettes, fördert spätere arthrotische Veränderungen, ebenso wie ein längerfristiges Ungleichgewicht des Calzium:Phosphor-Verhältnisses und des übrigen Mineralstoffhaushaltes, aber letztlich auch Bewegungsmangel.

Symptomatik und klinisches Bild:

Die Arthrose zeigt sich in Bewegungsstörungen mit stumpfem, unfreiem, gebundenem Gang und häufigem Wendeschmerz. Oftmals kommt es zu umfangreichem Abbau oder Zerstörung des Gelenkknorpels, im Röntgenbild zeigen sich Veränderungen in der Knochenstruktur mit Randwulstbildungen am Gelenkrand. Auslöser sind oft Fehlstellungen der Gliedmaßen mit bodenweiter, bodenenger, Y-beiniger, O-beiniger, struppierter, vorbiegiger, rückbiegiger, kuhhessiger, fassbeiniger, säbelbeiniger oder stuhlbeiniger Stellung. Dadurch kommt es auf hartem Boden, besonders beim Springen, immer wieder zu Mikrotraumen, zur Überbelastung und Überanstrengung bestimmter Gelenkbereiche und zu Knorpeldefekten. Es kann durch starken Knorpelverlust zur Gelenksversteifung kommen.

Diagnostik:

Je nach Lagerung der Arthrose röntgenologischer Befund, Beugeprobe, Lahmheitsuntersuchung/Gangverhalten, äußerlich sichtbare Knochenzubildungen – weitere siehe unten.

Therapiemöglichkeiten:

Die Therapie der Arthrose sollte zwingend ganzheitlich erfolgen: Fütterung, Haltung, Bewegung, medikamentöse Therapie und Hufbearbeitung/Hufbeschlag sollten optimal auf das erkrankte Pferd abgestellt werden und sich gegenseitig in der Therapie ergänzen und positiv unterstützen. Nur durch die verschiedenen sich ergänzenden Therapiebausteine kann dem erkrankten Pferd langfristig geholfen werden.

Die ausschließliche Gabe von Schmerzmitteln ist aus verschiedenen Gründen nicht empfehlenswert: Degenerative Veränderungen verlaufen durch die Schmerzkaschierung ungesehen weiter. Die Wirkung von Schmerzmitteln lässt zudem bei Daueranwendung meist nach, die Nebenwirkungen bei einer dauernden Anwendung können oft den positiven Nutzen nicht wett machen (empfohlene Dauer der Schmerzmittelgabe liegt bei 10 Tagen!). Insgesamt ist die alleinige Schmerzbekämpfung keine Therapie, sondern allein die Bekämpfung eines Symptoms.



Spat


Samoun

Samoun ist ein richtiger "Wirbelwind". Würde eine Arthrose ihm diese Beweglichkeit nehmen, ginge es schnell bergab mit diesem Energiebündel.


Definition:

Der Spat dient als Sammelbegriff aller schmerzhaften Prozesse im Bereich der straffen Tarsalgelenke. Die kausale Genese liegt in einer chronischen Traumatisierung der drei Gelenkreihen. Im engeren Sinne handelt es sich um die kleinen Tarsalknochen. Die Funktion derer besteht überwiegend in einer Stoßbrechung der auf sie einwirkenden Druck- und Schubkräfte. Weiterhin haben sie Rotationsbewegungen abzufangen. Sie sind stärksten Druckbelastungen entsprechend der ständigen Änderung in der Winkelung des Sprunggelenks ausgesetzt.

Symptomatik:

Die durch Spat ausgelöste Lahmheit tritt nicht in gleichmäßiger Stärke auf, weil Art und Umfang der Bewegungsstörung an Schmerzperioden gebunden sind, die von der Intensität der Belastungen mitbestimmt werden. Symptome sind eine gemischte Lahmheit mit Schrittverkürzung durch mangelhafte Beugung des Sprunggelenks und Vermeiden einer maximalen Streckung, ein verspannter Rücken, Schwierigkeiten beim Tempowechsel, schwungloser Trab und ein vermehrtes Anspringen in den Galopp. Die Symptome sind unmittelbar nach Arbeitsbeginn auffälliger als nach längerer Bewegung. Eine Knochenaufreibung an der medialen Sprunggelenksfläche ist nur gelegentlich zu sehen. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung besteht meist keine Lahmheit mehr durch die dann eingetretene Verknöcherung. Spat ist als eine degenerative Erkrankung unheilbar.

Diagnostik:

Zur Diagnose dient neben Röntgenaufnahmen die Beugeprobe sowie Beurteilung des Gangverhaltens bzw. der vorhandenen Lahmheit des Pferdes.

Kausale Ursachen:

Die Entstehung der Krankheit wird durch eine unkorrekte Stellung der Hintergliedmaßen (kuhhessiger und bodenweiter Stand) gefördert, ebenso durch Fehler in der Hufbearbeitung und im Hufbeschlag. Auch eine zu energiereiche und proteinreiche Fütterung, wie auch Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt, fördern den Spat schon in jugendlichem Alter. Spat kann demnach schon sehr früh entstehen, sofern die Fütterung der Absetzer zu "mastig" gestaltet wird, was einerseits die Energie, andererseits auch ganz besonders den Proteinanteil der Fütterung betrifft. Durch ein Zuviel an Futter können die kleinen Tarsalknochen in ihrer Gestaltung (Form und Größe) sowie in ihrer inneren Statik im Zuge der Skelettreifung ungünstig beeinträchtigt werden. Stellt sich der Spat erst in späteren Jahren ein, so kann er auch auf einem Verschleiß der Gelenkknorpelflächen beruhen.

Therapiemöglichkeiten:

Die Therapie sollte mit einer korrekten Hufbearbeitung bzw. eines auf die Erkrankung abgestellten Hufbeschlages als Grundvoraussetzung begründet werden. Eine weitere Grundvoraussetzung in der Therapie des an Spat erkrankten Pferdes ist eine optimale Fütterung, die nicht zu üppig ausgestaltet sein sollte – das heißt: Es sollten keine Überversorgung mit Protein und Energie stattfinden, das Calzium:Phosphor-Verhältnis und der Gesamtmineralstoffhaushalt sollte möglichst optimal sein.

Das an Spat erkrankte Pferd benötigt eine dauernde freie Bewegungsmöglichkeit. Fehl am Platze wäre hier eine Boxenhaltung über viele Stunden. Es bietet sich eine Offenstallhaltung mit Auslauf bzw. eine weiträumige Box mit angeschlossenem (nicht zu kleinem) Paddock als optimale Haltungsform an. Lokale Maßnahmen wie scharfe durchblutungsfördernde Einreibungen werden empfohlen.



Podotrochlose (= Hufrollenentzündung):


Haflinger Sina

Sina, die eigenwillige und temperamentvolle Haflingerstute von Claudia Nehls, leidet ebenfalls an Podotrochlose. Mit einem ganzheitlichen Konzept versucht man diese degenrative Erkrankung zu bändigen.


Definition:

Die Hufrollenerkrankung lässt sich dem Arthrosenkomplex zuordnen und stellt eine häufige Lahmheitsursache der Vorderextremitäten dar, sie ist in der Reitpferdehaltung einer der größten Sorgen. Die Hufrolle wird aus dem Strahlbein mit seinen Aufhängebändern, dem über den Knochen hinweg ziehenden Anteil der tiefen Beugesehne und der zwischen beiden Gewebsstrukturen liegenden Bursa podotrochlearis gebildet. Bei der Podotrochlose finden wir bindegewebige Verstärkungen des Hufbein-Strahlbeinbandes, die Hufgelenksfacette reagiert mit Formveränderungen, die Ansatzflächen der tiefen Beugesehne und der Bänder mit Knochenzubildungen (Exostosen).

Am Hufbein können sich Randwulsterscheinungen bilden und am Strahlbein Absprengungen der Facies flexoria. Die pathologischen Veränderungen treten am Bandapparat des Strahlbeins, an der tiefen Beugesehne und an der Struktur und Kontur des Strahlbeins auf. Klinische Veränderungen werden oft erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Lahmheit kann von sehr wechselnder Intensität sein und betrifft die Vordergliedmaßen.

Kausale Ursachen:

Ursachen der Hufrollenentzündung liegen in Stellungsfehlern, Fehlstellungen, falscher Hufkorrektur und Beschlages, Fehlernährung, Aufzuchts- und Beschlagsschäden, Überbeanspruchung des Pferdes. Eine genetische Veranlagung gilt als sicher. Der ständige Wechsel der auf das Strahlbein einwirkenden Zug- und Druckkräfte macht es bei nutzungsbedingter Überbeanspruchung des Pferdes, durch fehlerhaften Hufbeschlag, unregelmäßige Huf- oder Gliedmaßenstellung anfällig für degenerative Umbauvorgänge, die sich in schmerzhaften Reaktionen an den sensibel versorgten Anteilen, insbesondere an dem Hufbein-Strahlbeinband, auswirken.

Symptomatik:

Klinische Erscheinungen zeigen sich sehr unterschiedlich und wechselhaft. Die Erkennung einer deutlichen Lahmheit wird dadurch erschwert, dass unter den betroffenen Pferden mehr als 50 % beidseitig erkranken. Es besteht makroskopisch daher oft eher eine Bewegungsstörung, keine Lahmheit. Die Aktion der Vorderbeine wird eigenartig klamm, flacher und kürzer. Die Gangveränderung ist wenig ausgeprägt. Manchmal besteht deutlicher Wendeschmerz. Beim noch nicht warm gerittenem Pferd ist die Symptomatik deutlicher. Während der Bewegung nehmen die Symptome unterdes oft ab. Der Gang bleibt aber wenig raumgreifend und das Pferd zeigt sich zögerlich; insbesondere beim Sprung. Die Krankheit nimmt zwar einen eher schleichenden Verlauf, jedoch kann sich die Lahmheit auch ganz plötzlich zeigen.

Ein in der Regel ausnahmslos auftretendes Symptom ist vermehrtes Stolpern. Die Lahmheit tritt in einem geringen bis mittleren Ausmaß auf. In der Ruhe setzt das betroffene Pferd die Vorderhufe abwechselnd weit nach vorn, um das Hufgelenk zu entlasten (bei der Hufrehe werden in der Regel beide Vorderhufe gleichzeitig weit nach vorne gestreckt). Die Fußungslast wird auf den Zehenrand des Hufes verlagert, so dass ein vermehrter Abrieb an der Zehe erfolgt.

Beim beschlagenen Huf unterliegen die Schenkelenden des Hufeisens nur einem geringen Abrieb, beim unbeschlagenen Pferd wird die Trachtenwand im Verhältnis zur Zehenwand länger. Die Entlastung des hinteren Hufabschnitts schränkt den Hufmechanismus ein, weshalb der Hornstrahl allmählich verkümmert und ein Trachtenzwanghuf entsteht. Bei überwiegend einseitiger Hufrollenentzündung kann es aufgrund dieser Schonstellung zu Muskelatrophien bzw. zur Hufatrophie kommen. Eine verstärkte Pulsation der Mittelfußarterie ist nur bei einem akuten Schmerzschub (wie auch bei der Hufrehe) zu erfühlen.

Diagnostik:

Klinische Untersuchungen zur Diagnostik sind die Zehengelenksbeugeprobe und die Keilprobe, die Perkussion der Sohle im Bereich der Strahlspitze löst eine Abwehrreaktion aus. Eindeutig ist jedoch erst eine Diagnose aufgrund der Leitungsanästhesie. Das sogenannte Umspringen der Lahmheit nach einer Anästhesie ist als eindeutige Diagnose der Podotrochlose zu werten. Röntgenologisch greifbar sind die Veränderungen des Strahlbeins. Die Podotrochlose gehört zu den deformierenden Osteoarthopathien, ist demnach nicht heilbar. Im günstigsten Falle werden die Schmerzen beseitigt und der Prozess zum Stillstand gebracht.

Therapiemöglichkeiten:

Die Therapie setzt bei einem auf die Erkrankung abgestellten Hufbeschlag bzw. einer dementsprechenden Hufkorrektur an. Weitere Grundvoraussetzungen sind eine stetige freie Bewegung ("Wer rastet, der rostet!") des Pferdes sowie eine optimale Fütterung im richtigen Verhältnis. Diskutiert wird auch immer wieder der sogenannte "Nervenschnitt". Hier kommt einmal die Neurektomie sowie die Desmotomie in Betracht. Diese beseitigen nicht die Podotrochlose, sondern schalten nur den Schmerz aus. Aber auch hier ist die Dauer der weiteren Reitbarkeit des operierten Pferdes von der Intensität des zukünftigen Beritts abhängig.

Pferde sind Lauftiere und gerade arthrotische Pferde brauchen entsprechende dauernde freie Bewegung, sonst versteifen die Gelenke sehr schnell. Die Heilungschance bei Arthrosen ist ungünstig. Es ist meist ein fortschreitender Prozess, und es gilt, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, im günstigsten Falle zum Stoppen zu bringen. Eine Behandlung, die zur Heilung führt, gibt es nicht. Je schneller und effektiver eine Therapie jedoch umgesetzt wird, desto besser sind die Chancen für das betroffene Pferd, wieder Lebensqualität zu erlangen und diese noch lange Zeit zu erhalten.




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