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Stichwort: Hufrehe (I)

Hufrehe 2008: Der Stand der Dinge

Wer bei Hufrehe auf's falsche Behandlungskonzept setzt, hat den Kampf oft schon verloren

Von Claudia Nehls

Seit über acht Jahren gilt das Hauptaugenmerk meiner Therapien und Fütterungsrichtlinien der Hufrehe-Erkrankung. Im Jahre 1999 erkrankte meine damals 3-jährige Haflingerstute an Hufrehe. Verzweifelt suchte ich nach Wegen, ihr zu helfen. Nachdem ich mich ausführlich mit dem Thema Hufrehe beschäftigt hatte, mich über Therapiemöglichkeiten informierte und feststellte, dass es im Grunde kaum bzw. keine ursächlichen Therapiemöglichkeiten gab, entwickelte ich auf der Grundlage der vielen gesammelten Erkenntnisse und Informationen unsere Ergänzungsfuttermittel "Nehls Biologische Hufkur" und "Nehls Rehe-Ex". Das half tatsächlich meinem eigenen Pferd und hilft inzwischen vielen, vielen anderen Hufrehe-Patienten.

Seither sind viele Jahre vergangen und ich wurde mit Tausenden von Pferden, die an Hufrehe erkrankt waren, konfrontiert und versuchte, ihnen zu helfen – was in den meisten Fällen auch nachhaltig gelang. In diesem Artikel möchte ich gerne meine ganz persönlichen Erfahrungen, die in keinem veterinärmedizinischen Fachbuch, in keinem Artikel über Hufrehe zu finden sind, niederschreiben und den aktuellen Stand der Erkenntnisse präsentieren.

Vielleicht gelingt es, den einen oder anderen Leser anzuregen, auch einmal andere Wege als die allgemein üblichen (und viel zu oft erfolglosen) zu beschreiten. Eine Kombination aus unterschiedlichen Therapien, die sich unter ganzheitlicher Betrachtung ergänzen und sich aus veterinärmedizinischen Therapien, fachmännischen lokalen Maßnahmen und Phytotherapien zusammensetzen (ggf. noch mit homöopathischen Mitteln ergänzt) wäre sehr wünschenswert und optimal.



Die veterinärmedizinische Therapie:

Die Veterinärmedizin bietet als Therapie Blutverdünner (Aspirin, Heparin) sowie Schmerzmittel (Equipalazone, Metacam usw.) an. Einige Tierärzte (und dies sind gar nicht wenige) therapieren ferner mit Cortisonpräparaten, obwohl wohl in jedem veterinärmedizinischen Fachbuch zu lesen ist, dass der Einsatz von Cortison kontraproduktiv bei Hufrehe ist.

Hufrehe bei Avalon

Auch wenn die Hufansicht beim an Hufrehe erkrankten Wallach Avalon in Jedem das nackte Grauen aufsteigen lässt: Mit einem geeigneten Konzept konnte auch diesem Patienten letztlich geholfen werden.

Im Verlauf einer Hufrehe Erkrankung tritt eine Minderdurchblutung auf. Die Gefäße verengen sich. Cortisonpräparate fördern diese Entwicklung. Pferde, die mit Cortison therapiert werden, überleben eine Hufrehe-Erkrankung selten und wenn, dann nur mit sehr viel Glück. Die Gabe von Blutverdünnern ist indes für betroffene Pferde hilfreich und wünschenswert.

Zum Einsatz kommen oft auch Antibiotika, die bei einer Hufrehe-Erkrankung, die in der Regel – zumindest zu Beginn – ohne Bakterienbefall auftritt und eine nichteitrige Huflederhautentzündung darstellt, kontra indiziert sind, da auch Antibiotika (wie Cortison) ein Hufrehe auslösendes Medikament sein können. Darüber hinaus wird die Darmschleimhaut, die bei jeglicher Form der Hufrehe (mit Ausnahme der Belastungsrehe) bereits durchlässig für Toxine und damit geschädigt ist, noch weiter in Mitleidenschaft gezogen. Schmerzmittel hingegen wirken lediglich entzündungshemmend und schmerzlindernd, sind somit keine ursächlichen Therapiemöglichkeiten, sondern lediglich symptomatische.

Inwieweit der Schmerz gelindert werden muss, hängt individuell vom jeweiligen Hufrehe-Fall ab. Bei einigen Pferden muss der Einsatz von Schmerzmitteln erfolgen, da der Schmerz fast unerträglich ist, was uns das Pferd auch offensichtlich zeigt. Bei anderen Pferden wiederum sind Schmerzmittel entbehrlich, da der Schmerz noch im Bereich "des Erträglichen" liegt.

Die Verabreichung von Schmerzmitteln bei Hufrehe sollte immer sehr gut abgewogen werden, da die Gefahr besteht, dass sich das Pferd aufgrund der Schmerzunterdrückung mehr bewegt als erwünscht ist und somit eine Hufbeinsenkung und Rotation durch Bewegung gefördert werden kann. Darüber hinaus sollten Schmerzmittel laut Beipackzettel nicht länger als 10 Tage zum Einsatz kommen. In der Praxis sieht es leider so aus, dass Schmerzmittel oft über mehrere Monate verabreicht werden. Die Dauer der Verabreichung wiederum führt nicht selten zu tiefgreifenden Organschäden an Leber und Nieren, die im Verlauf der Erkrankung dann irreparabel werden.



Die homöopathische Therapie:

Homöopathische Mittel wirken über Information. Informationen werden im Wege von Selbstheilungskräften, die vorhanden sein müssen, verarbeitet. Oft fehlt es an Selbstheilungskräften im Zuge lebensbedrohlicher Erkrankungen, daher setzen wir homöopathische Mittel ausschließlich ergänzend ein.

Homöopathische Mittel sind selten in der Lage, eine Hufrehe zu regulieren, sind jedoch geeignete Mittel eine Therapie erfolgreich zu ergänzen und zu unterstützen. Welche Mittel verordnet werden, hängt ganz individuell vom Einzelfall ab. Ausschlaggebend ist die Ursache: So werden bei einer Fütterungsrehe andere Mittel zum Einsatz gebracht als beispielsweise bei einer hormonell bedingten Rehe, einer Vergiftungsrehe, einer Geburtsrehe oder einer Belastungsrehe.

Es gibt auch in der Homöopathie nicht das Allheilmittel, daher sollte eine Therapie bei einer Hufrehe, wie auch bei jeder anderen Erkrankung, die Ursachen und die Symptome miteinbeziehen. Oft wird bei Hufrehe Nux vomica verordnet, das passende Mittel z. B. bei einer "Plünderung der Hafertonne" mit anschließenden Blähungen und Verdauungsproblemen. Der Wirkstoff hat jedoch keinerlei Wirkung beispielsweise bei einer Belastungsrehe. Homöopathische Mittel sollten daher gut und den Einzelfall betrachtend ausgewählt werden, um einen Erfolg überhaupt erzielen zu können.



Die phytotherapeutische Therapie:

Hier liegen meiner Erfahrung nach die größten Chancen zur Regulierung der Hufrehe-Erkrankung: Wir setzen verschiedene Pflanzen und Kräuter in Deutscher Arzneibuch-Qualität ein, die nach allen bis heute vorliegenden Erfahrungen sich bestens bewährt haben in der Therapie der Hufrehe. Leider zeigt die Praxis immer wieder, dass sich Pferdebesitzer meist erst dann an uns wenden, wenn die "gängigen" Therapiemöglichkeiten versagt haben und der Tierarzt bereits zur Erlösung des betroffenen Pferdes rät. Dies ist sehr schade, da oft kostbare Wochen und Monate vergehen, in denen es den Pferden immer schlechter geht bzw. keine Verbesserung des Gesundheitszustandes eintritt.

Ein Hufrehe-Schub sollte möglichst innerhalb von drei Wochen reguliert sein. Oftmals vergehen jedoch mehrere Monate, ohne, dass sich ein Erfolg einstellt. Je länger wiederum eine Hufrehe-Erkrankung besteht, desto schlechter sind irgendwann die Aussichten auf eine Heilung und Regulation. Wenn sämtliche anderen Therapiemöglichkeiten bereits versagt haben, war es fast immer möglich, mit Kräutern und Pflanzen einen Hufrehe-Schub auszukurieren und eine wirksame Prophylaxe erneuter Hufrehe-Schüben zu betreiben. Doch auch oder gerade diese Prophylaxe neuerlicher Rehe-Schübe ist ungemein wichtig.

Meiner Erfahrung nach erkranken mindestens 90 % aller einmal an Hufrehe erkrankten Pferde im Laufe der kommenden 5 Jahre erneut an einem akuten Hufrehe-Schub, sofern keine wirksame Prophylaxe betrieben wird. Wie sieht aber eine solche Vorbeugung neuer Schübe aus? Vorbeugung heißt: Entgiftung, Blutreinigung, Stoffwechselanregung, Blutverflüssigung, Stärkung von Leber und Nieren in Form von speziellen Kräutermischungen, die die vorgenannten erwünschten Wirkungen in optimaler Kombination vereinen.



Fütterung:

Weitere Vorbeugemaßnahmen finden über die Ernährung des erkrankten Pferdes statt. In der Regel sollte diese Fütterung extensiv und karg sowie immer so natürlich wie nur eben möglich gestaltet werden. Aber es gibt auch immer mehr Ausnahmefälle: Immer mehr schlanke Pferde erkranken an Hufrehe. Diese dürfen nicht karg und extensiv ernährt werden, weil sie so weiter an Gewicht verlieren würden. Hier ist auf die Zusammensetzung der einzelnen Nährstoffe und auf die Natürlichkeit der Futtermittel genauestens zu achten. Hier macht's die Kombination der einzelnen Nährstoffe sowie deren Reinheit und Natürlichkeit.

Weitere Kardinalsfrage: Weidegang ja oder nein? Es erkranken mittlerweile ebenso viele Pferde an Hufrehe mit wie auch ohne Weidegang. Grundsätzlich hängt ein "Ja" oder "Nein" zum (notfalls auch nur stundenweisen) Weidegang von den individuellen Umfeldbedingungen ab: Gräserzusammenstellung, Düngung, Pestizideinsatz, Flächenverhältnisse, Weidemanagment usw. Auch der Futterzustand des betroffenen Pferdes ist ein wesentlicher Faktor. Die Frage nach dem Maulkorb muss ebenfalls individuell beantwortet und ausprobiert werden, denn nicht jedes Pferd akzeptiert einen Maulkorb.

Abgesehen von den vorgenannten Aspekten ist bei der Fütterung zudem wichtig: Oftmals wird der Fehler begangen, dass Pferde ganzjährig das gleiche Futter in gleicher Menge gefüttert bekommen und der Weidegang zusätzlich gewährt wird. Dass dies nur zur Verfettung und zu einem erhöhten Hufrehe-Risiko führen kann, liegt auf der Hand. Insgesamt ist sowohl bei der Fütterung als auch bei der Weidehaltung auf den Einzelfall abzustellen.



Lokale Maßnahmen:

Hier scheiden sich die Geister. Propagiert wird oft eine Höherstellung der Trachten, die dazu führen kann, dass die Sehnen überdehnt und geschädigt werden. Auch wird die Zehe durch die erzwungene Stellung stark belastet, was naturgemäß vom Pferd vermieden wird. An Hufrehe erkrankte barfuss gehende Pferde belasten die Trachten und schonen soweit wie nur eben möglich die Zehe, da das Belasten der Zehe (sprich normales Gangverhalten) äußerst schmerzhaft ist bei einer Hufrehe. So wird die Natur bzw. natürliche Stellung des an Hufrehe erkrankten Pferdes ungünstig manipuliert, und das Gangverhalten, das die Natur vorsieht, boykottiert.

Hufrehe bei Dyara

Wieder ein anderer Patient und eine andere Hufrehe-Ansicht, dieses Mal beim Pferd Dyara.

Auch die Eingipsung der betroffenen Hufe ist weit verbreitet. Aber auch das Eingipsen hat Nachteile. Beispielsweise ist der Huf luftdicht abgeschlossen, Entzündungsvorgänge, Druckstellen des Gipses usw. können nicht gesichtet werden, da der Gips die Sicht versperrt. Das Laufen und Aufstehen mit Gipsverbänden ist erschwert, die Unfallgefahr dadurch erhöht.

Die Frage ist, wo überhaupt die Vorteile des Eingipsens liegen? Der Huf wird vor äußeren Einflüssen geschützt, dies steht außer Frage, jedoch ist dieser Schutz ebenso mit einem gut gepolsterten Verband gegeben, der zudem jederzeit abgenommen und gewechselt werden kann. Der Huf kann unter einem Verband weiterhin jederzeit gesichtet, ein ggf. auftretender Entzündungsvorgang sofort in Augenschein und damit rasch therapiert werden. Zudem kann mit einem Verband der Huf zeitweise kühl und feucht gehalten werden (Angussverband).

Eine Feuchthaltung und Kühlung ist von Vorteil, da sich die Hornkapsel so erweitert und ein Teil der Schmerzen genommen wird. Dies sollte jedoch nur stundenweise stattfinden, da das Hufhorn ansonsten zu viel Feuchtigkeit aufnimmt, schnell aufweicht und somit noch empfindlicher wird. Ideal ist der stundenweise Wechsel zwischen feuchtem und trockenem Verband mit einer sehr guten Polsterung der Sohle zum Schutze. Dies ist auch die ungefährlichste Art, den schmerzenden und sehr empfindlichen Huf zu schützen und den Schmerz lokal soweit wie möglich einzudämmen. Ist die erste Phase des akuten Hufrehe-Schubes abgeklungen und der Huf weiterhin sehr empfindlich auf hartem Boden, ist ein "normaler" Hufbeschlag mit möglichst wenig Nägeln die beste Alternative. Dieser schützt die empfindliche Sohle und richtet so wenig Schaden wie möglich an.

Hufrehe bei Hexe

Hufrehe beim Pferd Hexe: Wir schauen auf einen Huf, der viel Optimismus verbreitet, denn Hufrehe-Patientin Hexe war bereits auf dem Weg der Besserung, was die Hufneuausbildung auf dem Foto deutlich unterstreicht.

Von massiven Hufkorrekturen und jeglicher großer Manipulation der Hufstellung rate ich strikt ab. In seltenen Fällen beweisen sich massive Maßnahmen als positiv, in den meisten Fällen folgen jedoch dadurch größere Schäden, die oftmals zur Erlösung des Pferdes führen. Das Risiko ist immer abzuwägen, jedoch ist das meist ein sehr hohes Risiko und soweit sich dieses irgendwie vermeiden lässt, sollte es vermieden werden. Denn: Die meisten akuten erneuten Hufreheschübe nach Abklingen des vorhergehenden Schubes treten nach Hufkorrekturen und Hufbeschlägen auf! Diese Erfahrung bestätigte sich im Laufe der vergangenen Jahre immer häufiger.

Oftmals werden heutzutage Risiken eingegangen und es finden Manipulationen statt, deren Gefahren kaum einschätzbar sind. Die Pferde bleiben hierbei "oft auf der Strecke". Daher würde ich immer zu einem gut gepolstertem Verband in der akuten Phase raten und später so zaghafte Hufkorrekturen wie möglich in normalen Zeitabständen von ca. 6 bis 8 Wochen vornehmen zu lassen. Das Hufhorn muss vor Korrekturen erst einmal nachwachsen können, sonst besteht generell die Gefahr, dass zu viel abgetragen wird. Oft sitzt das Hufbein nur noch wenige Millimeter vor der Sohle nach bzw. während des Hufrehe-Schubes. Da braucht es nicht viel, das Hufbein bei Korrektur der Sohle gänzlich freizulegen, wie nicht selten schon passiert ist. Hat das betroffene Pferd nach bzw. während des Hufrehe-Schubes ohne Hufschutz Schmerzen und Probleme (Fühligkeit, Lahmheit) beim Gehen, so empfehle ich einen "ganz normalen Hufbeschlag".

Selbstverständlich gibt es bei den genannten lokalen Maßnahmen immer Ausnahmen: So kann man generell nicht sagen, dass die aufgeführten massiven Maßnahmen in jedem Falle die Falschen waren. Es kommt auch vor, dass sich die Trachtenhochstellung, wie auch das Eingipsen beim einzelnen Pferd als die richtigen Maßnahmen herausstellten. Doch sprechen wir hier, unserer Erfahrung nach, über absolute Ausnahmen und nicht über die Regel. Ich versuche grundsätzlich bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung jene Maßnahmen zu empfehlen bzw. zu ergreifen, die den geringsten Folgeschaden verursachen (können).

Leider ist es häufig so, dass man bei den Therapien und Maßnahmen zu einseitige Betrachtungsweisen zu Grunde legt. Will heißen: Eine erfolgreiche Regulation und Therapie der Hufrehe-Erkrankung kann nur erfolgen, wenn die spezielle Behandlung der betroffenen Hufe und die innerliche Therapie sich sinnvoll ergänzen und wirklich allen Aspekten gleichermaßen genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Im II. Teil dieses Hufrehe-Specials schreiben Pferdebesitzer selber ihre Erfahrungen über die Hufrehe-Erkrankung ihres Pferdes auf.




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