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Stichwort: Mineralien für's Pferd

Geht's nicht ohne Pülverchen?

Eine ausgeklügelte Marketing-Maschinerie hat seit Jahren unzählige Pferdehalter fest im Griff

Von Claudia Nehls

Pferde, Ponys und Esel sind auf die Zuführung von Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Aminosäuren essentiell angewiesen. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralien, Spurenelementen, Vitaminen und Aminosäuren fördert, unterstützt und aktiviert den gesamten Stoffwechsel unserer Pferde und wird zur Gesunderhaltung – ebenso wie bei Menschen – essentiell benötigt.

Aus vielen Fall-Beispielen weiß ich, dass eine "bedarfsgerechte Versorgung" ausschließlich eine "natürliche Versorgung" heißen kann. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Bedarfswerte bei Tieren lediglich Schätzwerte sind und im Laufe der letzten Jahre immer wieder neu definiert wurden. Das Fatale daran ist, dass so mancher Tierhalter sich an diese Bedarfswerte weitgehend halten möchte, Tabellen zur Fütterung erstellt und den Bedarf seines Tieres genau ausrechnet. Meist mit dem Ergebnis, dass die Fütterung zu einer Lebensaufgabe wird, und dabei das Tier häufig statt "gesünder" eher kränker.

Natürliche Mineralien wirken auch – im Gegensatz zu synthetischen – im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt bei. Ein unausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache vieler Erkrankungen. Da sich ca. 80 % der Immunzellen im Darmraum befinden, können bei Störungen des Darmtraktes, wie beispielsweise einem gestörten Säure-Basen-Haushalt, nicht nur Durchfall und Kotwasser, sondern auch durch eine Schwächung des Immunsystems verschiedene Erkrankungen und Infektionen auftreten. Ein geschwächtes Immunsystem zeigt keine ausreichende Abwehr der Bakterien, Keime, Pilze und Viren, die zahlreich in der Umwelt des Tieres vorhanden sind. So treten nicht nur schneller Infektionskrankheiten, sondern weitere verschiedene Erkrankungen auf.

Fohlen
Überschuss oder Mangel: Schon im Fohlen-Alter wurde bei so manchem Pferd der Grundstein für spätere schwere Erkrankungen gelegt. Freilich lässt sich dann kaum noch der entsprechende Nachweis führen!

Bei der in unserer heutigen Umwelt immer wichtiger werdenden Entgiftung neutralisieren und helfen Mineralien, das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten. So unterstützen Karotin und Vitamin A den Zellstoffwechsel, die Kieselsäure ist ein wichtiger Nähr- und Aufbaustoff für die schnell wachsenden Zellen der Haut, des Fells und der Hufe. Vitamin C stärkt indes die Abwehr und B-Vitamine unterstützen Nervenkostüm, Darm, Haut und Fell unserer Pferde, Ponys und Esel.

Ein großer Vorteil bei der Fütterung mit natürlichen Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Aminosäuren liegt darin, dass Überversorgungen nicht entstehen können, da die natürlich vorkommenden Einzelsubstanzen zu gering sind, um diese hervorrufen zu können. Bei meinen vierbeinigen Patienten treffe ich nicht nur häufig auf Mangelerscheinungen verschiedener essentieller Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Aminosäuren, sondern ebenso oft auf Überschüsse, die keineswegs unproblematischer sind. Eine Überversorgung kann gravierende Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen. Ein Übermaß an Selen beispielsweise führt zu massiven Krankheitssymptomen.

Mangelzustände einzelner Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente führen ebenfalls zu zahlreichen Problemen und Erkrankungen, da ein essentieller Bedarf besteht. Mangelerscheinungen können auch entstehen bei Fütterung synthetischer Mineralfuttermittel und vieler Pülverchen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Mangelerscheinungen wie auch Überschüsse auf eine nicht optimale Verstoffwechslung und somit Verwertung zurückführbar ist.

Insgesamt wird die Fütterung durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst: So kann ein Überschuss beispielsweise auch dadurch entstehen, dass einzelne Mineralstoffe und Spurenelemente konkurrieren! Beispielsweise begünstigt ein Mangel an Calcium Knochen- und Hautschädigungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher u. a. von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in vielen Fertigmashs) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen: So ist bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert. Komplex wirkt das Zusammenwirken der einzelnen synthetischen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente untereinander. Durch künstliche Überschüsse eines Stoffes wird ein Mangel anderer erzeugt, obwohl dieser im Mineralstofffutter ausreichend bzw. sogar im Übermaß vorhanden ist.

Kräuter als natürliche Mineralstoffquelle beispielsweise enthalten viele natürlich vorkommende (nicht zugesetzte) Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Vitamine, die durch ihre Natürlichkeit in Verbindung mit den sekundären Pflanzenstoffen vom tierischen Organismus optimal verstoffwechselt werden können. Bei der Kräuterfütterung als Mineralstoffquelle empfehle ich, auf den Qualitätsstandard zu achten, dieser sollte der Deutschen Arzneibuch-Qualität entsprechen und ist somit der höchste Qualitätsstandard überhaupt. Die Deutsche Arzneibuch-Qualität bürgt für die Einhaltung hoher Qualitätsmaßstäbe, da bestimmte Stoffe in bestimmten Konzentrationen enthalten sein müssen, andere nicht enthalten sein dürfen (z. B. Pestizide, Toxine), um die Deutsche Arzneibuch-Qualität zu erlangen.

Natürliche Futterzusätze
So naturbelassen und qualitativ hochwertig wie möglich sollten Zusatz-Futtermittel ausschließlich sein, fordert seit Jahren THP Claudia Nehls engagiert (und zieht damit regelmäßig den Zorn diverser Synthetikpulver-Vertriebe auf sich).

Kräuter dieses Qualitätsstandards enthalten beispielsweise Kalium, Biotin, Calcium, Phosphor, Magnesium, Chlor, Eisen, Kieselsäure, Kupfer, Zink, Mangan, Selen, Schwefel, zahlreiche Aminosäuren und Vitamine. Auch enthalten diese Kräuter Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, Schleimstoffe und Chlorophyll, zudem viele sekundäre Pflanzenstoffe und wichtige Mikronährstoffe. Mikronährstoffe sind für die physiologischen Funktionen einzelner Organe und Organsysteme unerlässlich. Während den sogenannten Makronährstoffen schon in der Vergangenheit viel Bedeutung zugemessen wurde und deren Gehalt in Futtermitteln geregelt ist, gilt dies für die wichtigen Mikronährstoffe nicht.

Natürlich vorkommende Substanzen können vom Pflanzenfresser Pferd bedeutend besser verwertet und aufgeschlossen werden als synthetisch erzeugte. Wenn auch im Verhältnis zu synthetischen Mineralfuttermitteln meist geringere Mengen der Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente in Kräutern enthalten sind, liegt der Vorteil in der Pferdefütterung mit Kräutern dennoch darin, dass diese zu 100 % aufgeschlossen und verwertet werden können!

Meine Erfahrung aus vielen Praxisjahren ist, dass Pferde, Ponys und Esel, aber auch Hunde und Katzen mit einer natürlichen – und somit auch geringeren – Zuführung optimal versorgt werden können. Viele Blutuntersuchungen von Tieren, deren Versorgung seit vielen Jahren mit Kräuterprodukten erfolgt, zeigen Werte im Normbereich auf. Sie zeigen somit auch auf, dass die Verwertbarkeit ausschlaggebend ist, nicht die Menge der Zuführung von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren.

Vor diesem Hintergrund möchte ich auch noch einmal in Erinnerung rufen, dass unsere Pferde, Ponys und Esel Pflanzenfresser sind. Mir persönlich erscheint es ziemlich suspekt, ihnen mit synthetischen Stoffen Mangelerscheinungen nehmen zu wollen, Überversorgungen und Imbalancen sind da in der Folge viel logischer. Das Gleiche gilt auch für Hunde und Katzen, die zwar keine Pflanzenfresser sind, sich jedoch vor ihrer Domestikation von "ganzen Tieren" ernährt haben, deren Mageninhalt in der Regel auch aus Kräutern und Pflanzen bestand.

Die Werbung suggeriert uns seit vielen Jahren nicht uneigennützig, dass unsere Tiere ohne synthetische Stoffe Mangelerscheinungen bekommen können, die sie krank werden lässt. Diese Aussagen und Vorstellungen haben sich als Folge eines geschickten Marketings so nachhaltig in uns festgesetzt, dass andere Argumente von vielen Pferdehaltern konsequent ausgeblendet werden. Ich kann nur meine Erfahrungen wiedergeben, die besagen, dass Pferd, Hund und Katze gesünder bleiben ohne synthetische Zusatzstoffe und weder Mangelerscheinungen noch Überversorgungen bei entsprechender Ernährung aufweisen! Meine eigenen Pferde, Hunde und Katzen sowie auch die vielen Tiere, deren Ernährung auf meine Veranlassung hin umgestellt wurde, führen klar und überdeutlich vor, dass ein gesundes Leben ohne künstliche Stoffe wahrscheinlicher ist als mit diesen.

Natürliche Futterzusätze
Über Zusatzpülverchen direkt aus dem Labor für das "gute Pferdehalter-Gewissen" haben sich die Pferde von THP Claudia Nehls bereits ihre Meinung gebildet: Sie finden's einfach nur zum Lachen und Wiehern.

Viele Pferdehalter fragen sich, wie sie ihr Pferd, Pony oder auch ihren Esel denn überhaupt natürlich ernähren können, da in den meisten Futtersorten synthetische Zusatzstoffe von Hause aus enthalten sind. Hier kommt es in erster Linie auf den Bedarf an, das heißt, in welchem Futterzustand das Pferd ist, ob Erkrankungen bestehen, die berücksichtigt werden müssen, und wie hoch die tägliche Leistung ist, die Pferd, Pony oder Esel erbringen müssen. Und letztendlich von welcher Rasse wir sprechen. So ist ein sich in normalem Futterzustand befindliches Freizeitshetty beispielsweise optimal versorgt mit qualitativem Heu, Stroh als Einstreu, wenigen Möhren oder einem Apfel täglich (und ggf. noch einigen naturbelassenen Heucobs plus einem natürlichen Mineralfuttermittel). Beim Esel muss bei der oben genannten Ration schon Vorsicht geboten sein: Ein Esel ist schnell überfüttert, das heißt, beim Esel ist die Mengenbemessung noch knapper anzulegen als beim erwähnten Shetty.

Ein Warmblüter hingegen, dem tägliche Leistung abverlangt wird, gibt sich hiermit nicht zufrieden. Hier wäre beispielsweise bei normalem Futterzustand eine Mischung aus Hafer, Gerste und Mais plus natürlichem Mineralfuttermittel und Rauhfutter die passende Ernährung. Bei einem sich in schlechtem Futterzustand befindlichen (also einem zu mageren) Pferd wäre eine Mischung aus obigen Getreidesorten plus Rübenschnitzel, natürlichem Mineralfutter plus Rauhfutter zur freien Verfügung optimal. Das Futter sollte zusätzlich noch angereichert werden mit einem guten Schuss kaltgepresstem Öl (zum Beispiel Sonnenblumenöl oder Distelöl). Handelt es sich nicht um eine Extensivrasse wäre auch eine Mischung aus Hafer und proteinarmen Luzernen eine gute Alternative und gesunde Futtermittel.

Was sind nun natürliche Futtermittel: Rübenschnitzel, naturbelassene Heucobs [Vorsicht: Es sind auch Heucobs auf dem Markt, die nicht naturbelassen sind!], Hafer, Gerste, Mais und Luzerne. Luzerne haben überwiegend jedoch den Nachteil eines sehr hohen Proteingehaltes, daher empfehle ich lediglich Luzerne einer bestimmten Firma mit angemessenem Proteingehalt. Darüber hinaus wären gesunde Leckerchen bis zu 1 kg Möhren täglich oder zwei Äpfel. Das Futter kann eventuell noch mit einem Schuss Öl ergänzt werden.

Wichtigste Grundlage einer gesunden Fütterung ist eine ausreichende und qualitative Versorgung mit Heu. Als Einstreu empfehle ich in der Regel – bis auf krankheitsbedingte Ausnahmen – qualitativ hochwertiges Stroh, das nicht nur der Beschäftigung dient, sondern auch der zusätzlichen Versorgung mit Rohfasern. Die Mengen der oben benannten Fütterung variieren von Pferd zu Pferd. Hier können allgemeine Empfehlungen nicht gegeben werden. Als natürliche Mineralstoffquelle empfehle ich bei allen Rassen ein natürliches Ergänzungsfuttermittel (beispielsweise "Horse Allround Kräuter-Fit") einzusetzen.


Lecker!
Das ist ein gesundes Pferdemüsli:


Hierzu geben Sie ca. zwei Hände voll "Horse Allround Kräuter-Fit" zu wahlweise: Hafer (bzw. Walzhafer), aufgeschlossenem Mais, Gerste – zu gleichen Teilen nach Bedarf, angelehnt an bisherige Futtermengen. So bekommen Sie ein natürliches und gesundes Müsli für Ihr Pferd mit hochwertigen Einzelkomponenten, die Sie wahlweise ändern oder anpassen können. Pferden, denen kein Hafer gefüttert werden soll, bereiten Sie das Müsli lediglich mit Mais und Gerste zu.


Fazit: So einfach kann letztlich eine gesunde Fütterung sein. Die Futtermittel müssen zum individuellen Pferd passen und die Mengenanteile optimal ausgestaltet sein, wie zum Beispiel ein ausgewogenes Calzium:Phosphor-Verhältnis. Das klappt fast automatisch, wenn der Pferdebesitzer viel Heu und wenig Kraftfutter füttert, da Heu eine sehr gute Calziumquelle ist und der Hafer indessen einen höheren Phosphorgehalt anbietet, was bei einer zu guten Hafer- und zu geringen Heufütterung schnell ein Ungleichgewicht in den Calzium:Phosphor-Verhältnis bringt.



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