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Kolik bei Pferden

Falsches Futter, voller Magen, Stress

Drei "Zutaten", aus denen nicht selten die schlimmsten Koliken gestrickt sind

Von Claudia Nehls

Ursächlich für eine Kolik beim Pferd ist meist eine unpassende Pferdefütterung: Während das Wildpferd Futter in naturbelassenem Zustand aufnahm, erhalten Pferde heute gehäckseltes, gemahlenes, gequetschtes, erhitztes und mit Zusatzstoffen versetztes Futter. Unsere Pferde erhalten zu proteinreiches, energiereiches und denaturiertes Futter in großer Menge (Kraftfutter) und minderwertiger Qualität (Raufutter). Aus dieser fehlerhaften Fütterung resultieren langfristig Koliken, da der Magen-Darm-Trakt chronisch geschädigt werden kann und weitere hinzu kommende Belastungsmomente nicht mehr von den Selbstheilungskräften reguliert werden können. Der Weg für eine Kolik ist damit oft geebnet, und irgend wann ist es dann auch so weit.

Bei chronisch geschädigtem Darm-Trakt kann es dann beispielsweise ein Wetterwechsel sein, der nicht mehr toleriert wird und eine Kolik provoziert. Auch Aufregung und Stress sind nicht selten Faktoren, die zum auslösenden Moment einer Kolik beim Pferd mutieren. In vielen Fällen ist der Magen-Darmtrakt betroffener Pferde bereits so stark geschädigt, dass es irgendwann nicht einmal solcher kolikprovozierender Faktoren bedarf; die Schädigung ist schon so weit fortgeschritten, dass eine Kolik ohne verifizierbare Ursachen auftritt.

Eine Kolik ist grundsätzlich als Notfall einzustufen. Eine Kolik stellt gerade für Pferde mit ihrem empfindlichen und sehr komplizierten Verdauungssystem eine absolute Notfallsituation mit nicht selten tödlichem Ausgang dar. Das Pferd weist eine Reihe von anatomischen und funktionellen Eigentümlichkeiten des Magen-Darm-Traktes auf: Ein kleiner Magen, ein sehr fester Kardiaschluss (verbunden mit der Unfähigkeit, zu Erbrechen), dazu ein sehr langer, an einem weiten Gekröse aufgehangener Dünndarm, einen sehr großvolumiger Blinddarm, ein nicht fixiertes großes Kolon, eine enge Lumina nach weiten Darmabschnitten und eine große angeborene und erworbene Spaltenbildung.



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Ursachen einer Kolik:

Die mit der vegetativen Labilität verbundenen Koliken werden durch unphysiologische Haltungs-, Arbeits- und Fütterungsweisen stark begünstigt. Bei der Kolikauslösung spielt die physiologische Labilität des Pferdes eine wichtige Rolle. Wetterumschwung, meteorologische Einflüsse, die Aufnahme von giftigen Pflanzen oder anderen Giftstoffen, Fehler in der Fütterungstechnik, Qualität und/oder Menge des Futters, Haltungsfehler, Überanstrengungen, Stress, Angst, ein gestörtes Verhältnis zwischen Reiter und Pferd, Endoparasiten, aber natürlich in erster Linie eine fehlerhafte Fütterung sind Ursachen von Koliken.

Gegenüber der permanenten Futteraufnahme des Wildpferdes wird unser domestiziertes Pferd nur zwei- bis dreimal täglich gefüttert – in der Regel. Ausnahmen sind ein ständiger Zugang zu Weide und/oder Raufutter. Der Wechsel von einer Futterart zu einer anderen erfolgt beim Wildpferd kontinuierlich und behutsam (mit der Vegetation), beim "Hauspferd" oft völlig abrupt. Indes: Das Pferd benötigt zur vollständigen Verdauung einer Mahlzeit ca. drei Tage, "abrupt" hat also hier eine ganz andere Bedeutung!

Aus diesen ungünstigen Faktoren resultieren häufig Passagestörungen im Darmraum des Pferdes. Eine nicht artgerechte Fütterung, wie sie häufig anzutreffen ist, führt zu Dysbiosen (Symbiose = Lebensgemeinschaft der Darmbakterien) mit Veränderung der Zahl, Art und Lokalisation der Darmflora, ferner zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Verhältnisses, dieser zu vermehrter Gasbildung und organischen Säuren und der Bildung von Endotoxinen. Daraus können Peristaltikstörungen mit der Folge von Verlagerungen, Abschnürungen einzelner Darmabschnitte etc. entstehen.

Kolik beim Pferd

Kleinste Mengen, karge Kost und über den ganzen Tag verteilt: So sieht der Speisezettel wild lebender Pferde aus. Domestizierte Pferde haben zwar oft einen größeren Bedarf, aber besitzen deshalb noch längst nicht einen "modifizierten" Magen-Darm-Trakt!

Frisst das Pferd große Futtermengen in kurzer Zeit, kommt es schnell zu einer Magenüberladung, im Extremfall zu einer Magenruptur, die zum Tod führen kann. Der Dünndarm des Pferdes ist 19 bis 30 Meter lang. Das lange Dünndarmgekröse lässt dem Darm dabei viel Bewegungsspielraum, somit auch für den Konfliktfall, sich unter Umständen selbst zu strangulieren, zu invaginieren und zu verknoten, was zum gefürchteten Illeus, der Darmverschlingung, führen kann. Das 3 bis 4 Meter lange Kolon mit seinem Fassungsvermögen von 60 bis ca. 130 Litern Inhalt kann sich nach allen Richtungen drehen und wenden und sich zum Beispiel mit dem Milznierenband abschnüren.

Auch durch parasitären Befall werden häufig Koliken ausgelöst. Dabei können Gastrophiluslarven (sogenannte Magendasseln) im Magen oder Strongylidenlarven im Bereich der vorderen Gekrösewurzel schmerzhafte Entzündungen und schwerwiegende Koliken auslösen. Weitere Gründe für Koliken liegen beispielsweise in entzündlichen Gefäßveränderungen, die eine chronische Durchblutungsmangelsituation auslösen können.


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Kolikformen:

Es gibt unterschiedliche Kolikformen: Beispielsweise die Krampfkolik, die Verstopfungskolik, die Magenüberladung, die Gaskolik, die Sandkolik, die Darmdrehung, Einklemmungen und der Darmverschluss, der meist zum Tod führt. Infolge einer Kolik kann es zu chronischen, häufig auch tödlich endenden Darmentzündungen kommen, aber auch zu Rupturen, zu Bauchwandkrämpfen, Lähmungserscheinungen sowie sogar zur Hufrehe. All diese Kolikformen sind durch vagosympathische Störungen des psychischen Gleichgewichts auslösbar und hängen direkt oder auch indirekt mit der Pferdehaltung und Fütterung zusammen.


Tipp aus der Redaktion:
Vorsicht auch bei der Ingwerfütterung!


(gg) – Erhöhte Wachsamkeit und Vorsicht sollte auch stets im Umfeld der Ingwerfütterung bei Pferden vorherrschen. Zwar ist der Ingwer selber nur ganz selten Auslöser einer Kolik, wohl aber kann er bei entsprechend "disponierten" Pferden als Kolik-"Katalysator" wirken – einmal mehr, wenn unerkannte Vorschädigungen oder eine ungewöhnliche Sensibilität vorliegen. Daher wiederholen wir hier, was wir ohnehin schon an anderer Stelle mehrfach erwähnten:

 Beginnen Sie stets vorsichtig und mit minimalen Mengen (1 bis 3 g täglich) die Ingwerfütterung. Stellen Sie gerade zu Beginn einer Ingwerfütterung sicher, dass keine Kolik unbemerkt auftreten kann. Erst nach ein bis zwei Wochen zeigt sich, ob der Ingwer gut "vertragen" wird. Bedenken Sie: Ingwer gehört absolut nicht zum normalen "Speiseplan" eines Pferdes! Und beim Pferd kann alles Neue oder Unbekannte im Futterplan einer Kolik den Weg ebnen!

 Sollte eine höhere Ingwer"dosierung" nötig und sinnvoll sein, so sollte diese nicht nur explizit mit dem Tierarzt abgesprochen werden, sondern sie sollte bei keinem Pferd angewendet werden, bei dem die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass eine Kolik stundenlang unentdeckt bleibt! Lassen Sie sich nicht von selbst ernannten "Ingwer-Fachleuten" dazu verleiten, eine Ingwer"hochdosierung" völlig unbekümmert einzusetzen. Nach dem Motto: 'Wenn 50 g nicht helfen, probier's doch einfach mal mit 80 g!'
Uns sind Fälle bekannt, in denen eine Kolik urplötzlich bei Pferden auftrat, die 1. nie zuvor eine Kolik erlitten hatten und 2. zunächst eine recht lange Zeit große Ingwermengen vertragen hatten. Wohlgemerkt: Der Ingwer dürfte auch hier nicht der alleinige Auslöser gewesen sein, wohl aber hat er vermutlich mit anderen ungewöhnlich belastenden Faktoren korrespondiert!

Guido Gennerich



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Kolik-Vorbeugung:

Pferde, die artgerecht gehalten und naturnah gefüttert werden, regelmäßig wirkungsvoll entwurmt werden und in einer liebevollen, angst- und stressfreien Umgebung leben, sind recht resistent, sofern nicht toxische Faktoren, wie die Aufnahme giftiger Pflanzen, Medikamentenunverträglichkeiten bzw. Medikamente-Überdosierungen oder andere negative Faktoren eine Rolle spielen.


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Ernstfall Kolik:

Jeder Pferdebesitzer ist gehalten, bei den ersten Anzeichen einer Kolik sofort einen Tierarzt zu verständigen. Während der Pferdebesitzer auf den Tierarzt wartet, kann er das Pferd eindecken. Die Wärme entspannt und wirkt krampflösend. Das Pferd darf kein Futter zu sich nehmen. Eine Wasseraufnahme ist jedoch erwünscht und erlaubt. Oberstes Gebot: Ruhig bleiben und beruhigend auf das Pferd einreden. So schwer das auch oft fällt: Möglichst keine Panik zeigen, die das Pferd in diesen Momenten noch mehr verunsichern würde und schnell eine dramatische Verschlechterung einleiten könnte!

Kolik beim Pferd

Fast ein bisschen "Wildpferde-Romantik": Weidepferde haben ganztägig Zugang zu "Raufutter" in der gewünschten und passenden Menge. Boxenpferde hingegen bekommen zu festen Zeiten oft viel zu groß portionierte Einzelmengen.


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Kolik-Therapie:

Grundsätzlich ist der Tierarzt bzw. eine tierärztliche Klinik der Ansprechpartner und Behandler einer akuten Kolik. Ein Tierheilpraktiker kann sowohl zur Vorsorge, wie auch zur Nachsorge zu Rate gezogen werden, jedoch niemals im akuten Kolik-Geschehen. Eine Notfallmedikation ist ausschließlich durch Veterinärmediziner einzuleiten, da dem Tierheilpraktiker hier "die Hände gebunden" sind, was einerseits die Medikation und andererseits auch die geeigneten Untersuchungsmethoden und Diagnosen anbelangt.

Ein Tierheilpraktiker kann jedoch zur Nachsorge und weiteren Regulation gute Dienste leisten, dergestalt, dass eine homöopathische Therapie als Unterstützung der Funktionsfähigkeit von Magen und Darm eingeleitet werden kann. Beispielsweise arbeite ich überregional mittels Haaranalysen einen homöopathischen Therapieplan für Pferde aus, die erfahrungsgemäß zur Kolik neigen. Die Therapien verlaufen in aller Regel sehr erfolgreich und weitere Koliken treten nicht auf, selbst bei Pferden, die als Koliker gelten und häufig eine Kolik im Vorfeld der Therapie entwickelten. In erster Linie ist dies der ganzheitlichen Betrachtung einer Kolik zu verdanken.

Nicht die Kolik an sich steht im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern das gesamte Pferd mit seinem kompletten Umfeld. Nicht ausschließlich Magen und Darm des Pferdes werden also in den Fokus gerückt, sondern grundsätzlich das Pferd! Da die Fütterung eine maßgebliche Rolle spielt, wird zuallererst sie optimiert. In der Regel setze ich zudem Ergänzungsfuttermittel ein, die Magen und Darm betroffener Pferde unterstützen und sich zudem seit vielen Jahren in der Fütterung bestens bewährt haben.


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Kolik-Prophylaxe:

Obwohl grundsätzlich alle Pferde ein sehr sensibles und kompliziertes Magen-Darm-System aufweisen, kann man Koliken bestmöglich vermeiden, indem man für ausreichend Bewegung, eine hygienische Haltung, regelmäßige Entwurmung, optimale Fütterung (an die Natur angelehnt) und die Vermeidung von Stress- und Angstmomenten sorgt.

Manche Pferde sind durch verschiedene Faktoren besonders gefährdet, eine Kolik zu erleiden. Das sind meist Pferde mit einem sehr empfindlichen "Nervenkostüm" oder Pferde, die stark verwurmt sind/waren, die unter pausenlosen Verdauungsproblemen (wie Kotwasser, Durchfällen, Blähungen etc.) leiden und letztendlich jene Pferde, die durch ungeeignete Fütterung und Haltung besonders gefährdet sind. Bei diesen Pferden können Heilkräuter in der Fütterung prophylaktisch eingesetzt werden, damit Magen und Darm reguliert werden und betroffene Pferde zukünftig weniger anfällig für Koliken werden. Erkranken Pferde mehrmals an Kolik, obwohl Haltungs- und Fütterungsbedingungen optimiert wurden, ist eine schnellste und intensive weitere Ursachenforschung vonnöten! Auch hier können vor allem Tierheilpraktiker sehr behilflich sein.



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