Kopfgrafik
 Das Original. Erste Website im Jahre 2002 zum Thema Pferd + Ingwer.Impressum | Home |
Durchfall/Kotwasser bei Pferden

Tinker Gustav war der "Prototyp"

Wie man den Kampf gegen Durchfall und Kotwasser schließlich doch gewinnen kann

Von Claudia Nehls

Die Kotbeschaffenheit gibt wesentliche Hinweise auf die Gesundheit des Pferdes sowie auch auf die Futterverwertung und den Zustand der Darmflora, die Lebensgemeinschaft der im Darm befindlichen Bakterien (Symbiose), das Säure-Basen-Gleichgewicht und nicht zuletzt auf das Immunsystem und die körpereigene Abwehr. Immerhin sind ca. 80 % der Immunzellen im Darm angesiedelt. Der Kot sollte gut geballt, feucht, glänzend und von brauner Farbe sein – ohne starken, unangenehmen und untypischen Geruch.

Auslöser für diesen Bericht zum Thema "Durchfall" war übrigens ein Neuzugang im Tierheilkundezentrum: Tinker "Gustav", der von Beginn an durch hartnäckigen Durchfall und erhebliche Kotwasser-Absonderungen auf sich aufmerksam machte. Schien der Kampf gegen Gustavs permanenten Durchfall anfangs schier aussichtslos zu sein, waren die mehrwöchigen Therapie-Bemühungen schließlich doch von Erfolg gekrönt. Von den dabei protokollierten Erfahrungen profitiert auch dieser Artikel.



Marker
Ursachen für Durchfall oder Kotwasser:

Kotwasser und Durchfall (= Diarrhoe) bei Pferden können viele verschiedene Ursachen haben. Eine Ursache der Diarrhoe kann eine bakterielle oder virale Infektion sein. Auslösende Erreger sind hier beispielsweise Coronaviren, Adenoviren, Arteritisviren oder Rotaviren. Häufigste Bakterien sind E. Coli, Rhodococcus Equi, Salmonellen, Chlostridien, Klebsiellen oder Campylobacter.

Eine häufige Ursache ist auch eine parasitäre Invasion. Endoparasiten, also Würmer, wie Strongyloides, Strongylus und Parascaris Equi sind vor allem sehr häufige Gründe für Durchfallerkrankungen bei Fohlen. Klinische Beobachtungen ergaben, dass 80 % aller Fohlen bis zur Vollendung des 1. Lebenshalbjahres an Durchfall erkranken. Auch verschiedene Medikamente, hier an erster Stelle Antibiotika, können die Diarrhoe auslösen.

Tinker Gustav

Um bei Tinker Gustav den hartnäckigen Durchfall und die permanenten Kotwasser-Ausscheidungen in den Griff bekommen zu können, musste man im Tierheilkundezentrum völlig neue Therapieansätze ausloten.

Kann man Endoparasiten sowie bakterielle oder virale Infektionen ausschließen und wurden Medikamente nicht verabreicht, so sind häufig Veränderungen in der Resorptions- und Digestionsfunktion der Darmschleimhaut Ursache der Durchfallerkrankung sowie eine fehlerhafte Ernährung, die im Umkehrschluss die Veränderungen der Darmschleimhaut in der Regel (außer es liegt eine spezifische Erkrankung vor) auslöst. Ist die Symbiose (Lebensgemeinschaft der im Darmraum befindlichen Bakterien) gestört, entsteht die Dysbiose und oftmals daraus resultierend Durchfall oder auch immer wieder abgesetztes Kotwasser (das vorherigem – durchaus normalem – Kot folgt).

Aus diesen ungünstigen Faktoren resultieren häufig Passagestörungen im Darmraum des Pferdes. Eine nicht artgerechte Fütterung, wie sie häufig anzutreffen ist, führt zu Dysbiosen (Symbiose = Lebensgemeinschaft der Darmbakterien) mit Veränderung der Zahl, Art und Lokalisation der Darmflora, ferner zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Verhältnisses, dieser wiederum zu vermehrter Gasbildung und organischen Säuren und der Bildung von Endotoxinen. Daraus können Peristaltikstörungen mit der Folge von Verlagerungen, Abschnürungen einzelner Darmabschnitte etc. entstehen.

Eine weitere Ursache, die jedoch nicht weiter beunruhigend ist, ist jener Durchfall bei Pferden, der besonderer Aufregung als nervöse Störung folgt. Bei meist hoch im Blut stehenden und sehr sensiblen Pferden führen häufig Stress und aufregende Situationen zu kurzzeitig auftretendem Durchfall. Tritt dieser Durchfall grundsätzlich und ausschließlich in Stresssituationen, wie z. B. großen Veranstaltungen, Ortswechsel, Herdenwechsel usw. auf und hält er nur wenige Stunden an, so ist dies nicht weiter beunruhigend. Sehr sensibel reagierenden Pferden schlagen Stress und ungewohnte Situationen "schon mal auf den Magen".


Marker
Symptomatik:

Die Diarrhoe kann einen leichten wie schweren Verlauf haben und letztlich im ungünstigen Fall sogar bis zum Tod führen. Schwere Verläufe sind geprägt von relativ schnellem Verfall des Patienten, da der durch die Diarrhoe bedingte Flüssigkeits- und Elektrolytverlust massiv ist. Schwere Fälle kennzeichnet, dass eine Nahrungsaufnahme fast vollständig eingestellt wird, hohes Fieber den Verlauf begleitet und es zur Apathiekommt. Geprägt wird das Bild von Kachexie und totalem Zerfall. Die Pferde verlieren in kürzester Zeit sehr viel an Körpergewicht und "trocknen" förmlich aus.

Besonders schlimm verlaufen Durchfallerkrankungen bei Fohlen, da das Immunsystem hier nicht so stabil wie beim erwachsenen Pferd ist. In leichteren Fällen ist das Allgemeinbefinden nur wenig beeinträchtigt, doch auch leichte Durchfallerkrankungen müssen unbedingt ernst genommen werden. Denn wenn die Ursache nicht schnellstens beseitigt wird, wird aus der leichten Form der Durchfallerkrankung sehr schnell eine schwere, und das, je länger die negativen Faktoren weiter einwirken. Auch ist zu beachten, dass ein aus dem Gleichgewicht gebrachtes Magen- und Darmmilieu die Ursache zahlreicher weiterer Erkrankungen werden kann. Daher gilt auch hier: Schnellstmöglich handeln! Bedenkt man, wie schon erwähnt, dass über 80 % der Immunzellen sich im Darmraum befinden, so wird schnell deutlich, warum Durchfälle eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung sind wie erheblich die Auswirkungen auf das Immun- und Abwehrsystem sind.


Marker
Therapie:

Oberste Priorität hat, die Ursache auszuschalten: Ohne Beseitigung der auslösenden Erkrankungsursache greift keinerlei Therapie. Sind Krankheiten oder Störungen des Organismus Ursachen des Kotwassers, wie beispielsweise Verwurmung, Ungleichgewichte, Zerstörungen der Darmflora, Entzündungen des Darms, Stoffwechselprobleme, Verwertungsstörungen, Leberkrankheiten, Nierenkrankheiten oder Magenstörungen, müssen diese selbstverständlich diagnostiziert und therapiert werden. Eine Möglichkeit der homöopathischen und ursächlichen Therapie stellt im Tierheilkundezentrum beispielsweise die Biofeld-Haaranalyse dar, die regional unabhängig ist und bei vielen verschiedenen pathologischen Ursachen des Kotwassers neben den oben genannten Empfehlungen zum Erfolg, nämlich einem Kotwasser freien Pferd, führte.

Hilfreich bei der Diagnostik sind unbedingt Kot- und Blutuntersuchungen des betroffenen Pferdes, um der Ursache auf die Spur zu kommen. Sind Endoparasiten, virale oder bakterielle Erkrankungen auszuschließen, muss die Fütterung akribisch überprüft werden, da vermutlich dann genau hier die Ursache zu finden ist. Hierzu gehört auch die Überprüfung, ob eventuell Giftpflanzen aufgenommen wurden oder sonstige Toxine in der Umgebung zu finden sind (häufig finden sich beispielsweise Keime und Bakterien in Brunnengewässern).

Tinker Gustav

Das war die tägliche Rückansicht von Tinker Gustav, als er in das Tierheilkundezentrum einzog. Es dauerte Wochen, bis Durchfall und Kotwasser gebändigt waren.

Eine fütterungsbedingte Ursache für Kotwasser und Durchfälle kann beispielsweise in der Gabe von Silage zu finden sein, da Silage neben der Probionsäure zur Konservierung meist weniger Rohfaser, dafür mehr Protein und Energie als Heu enthält. Gerade Extensivrassen haben Schwierigkeiten, den erhöhten Protein- und Energiegehalt zu verstoffwechseln, der Darm gerät ins Ungleichgewicht und Kotwasser bzw. Durchfälle sind die Folge. Hier ist erste Maßnahme, Silage durch hochwertiges Heu zu ersetzen. Auch die Verwendung von Alternativeinstreu und die zu knappe Heufütterung können als Rohfasermangel Durchfälle und Kotwasser begünstigen.

Erste und wichtigste Therapie-Maßnahme bei schwerem Verlauf der Durchfallerkrankung ist, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Hier stehen dem Tierarzt entsprechende Infusionslösungen zur Verfügung. Bei den milder verlaufenden Erkrankungen ebenso wie bei den schweren Durchfallerkrankungen – ergänzend zur veterinärmedizinischen Therapie – ist die Gabe von entsprechenden Tees und Heilkräutern eine hilfreiche und wirkungsvolle Ergänzung und auch eine erfolgversprechende prophylaktische Maßnahme. Auch eine homöopathische Therapie eignet sich – je nach Schwere der Erkrankung – als Begleittherapie.

Tinker Gustav

Alles ist jetzt "in Butter" beim liebenswerten Tinker Gustav (links im Bild): Durchfall und Kotwasser belasten nun nicht mehr sein Wohlbefinden.

Auch wenn krankhafte Ursachen zur Auslösung des Kotwassers und Durchfalls vorliegen, muss die Fütterung kritisch ins Visier genommen werden, denn ohne eine optimale Fütterung ist auch die Therapie von Kotwasser, Durchfall und breiigem Kot langfristig zum Scheitern verurteilt.


Info-Logo Info-Logo

Problemfall: Die geheimnisvolle Ursache

Viele ganz offensichtlich gesunde Pferde, bei denen Blut- und Kotuntersuchungen keine pathologische Ursache begründen, sondern völlig unauffällig sind, leiden über Monate und oft Jahre an massivem Kotwasser.

Dieses Phänomen nimmt immer mehr zu. Aufgrund vieler vierbeinigen Patienten mit therapieresistentem Kotwasser hat das Tierheilkundezentrum im letzten Jahr umfangreiche Praxistests zum Thema Kotwasser bei zahlreichen betroffenen gesunden Pferden durchgeführt. Unser Resümee dieser Testreihen war, dass alleine eine problemorientierte Pferdefütterung kurz- bis langfristig zu einem Pferd ohne Kotwasser und Durchfall führt. Dies gilt insbesondere für Pferde, die unter Durchfall und Kotwasser leiden, jedoch gesund sind und keine Auffälligkeiten und Abweichungen der Normwerte aufweisen. Bei diesen Pferden war allein eine optimale Pferdefütterung der Schlüssel zur Regulation von Kotwasser, Durchfall, breiigem Kot und führte stets zum Erfolg. Bei einigen Pferden war eine Symptomfreiheit bereits nach wenigen Tagen, bei anderen erst nach einigen Wochen zu verzeichnen.

Auffällig war jedoch bei fast allen Pferden, dass ein nur leichtes Abweichen von unserer Pferdefütterung bei Kotwasser (beispielsweise durch die Gabe einer Möhre, eines Apfels oder eines Esslöffels Öl) fast unmittelbar wieder zu Kotwasser führte. Dieses erneute leichte Kotwasser trat meist unmittelbar nach der Fütterung auf und verschwand ebenso schnell wieder bei konsequenter Rückkehr zum optimalen Ernährungsplan.

Diese Beobachtung zeigt, dass nur bei konsequenter und langfristiger Einhaltung einer optimierten Pferdefütterung kein Kotwasser mehr auftritt. Der folgende Fütterungs- und Empfehlungsplan entstand aus Praxistests mit ca. 100 Pferden über einen Zeitraum von knapp einem Jahr und wurde für Pferde mit therapieresistentem und über lange Zeit anhaltendem Kotwasser entwickelt. Alle Pferde, die an unseren Testreihen teilnahmen, waren gesund und zeigten keine nennenswerte Verwurmung. Die Blutuntersuchungen ergaben keine großen Abweichungen von den "Normwerten". Die Kotuntersuchungen belegten überwiegend eine normale Darmflora, bei einigen Pferden wurden auch leichte Verschiebungen der Darmflora festgestellt, welche jedoch nicht als pathologisch einzustufen war.




Marker
Fütterungsplan und Empfehlungen:

Unsere Erfahrung des letzten Jahres zeigt, dass alle Pferde mit den oben genannten Empfehlungen ihr Kotwasser besiegten und bei konsequenter Einhaltung der Empfehlungen von Kotwasser verschont blieben. Voraussetzung war, dass keine pathologische Ursache für Kotwasser und Durchfall gefunden wurde bzw. die Ursache im Rahmen einer begleitenden veterinärmedizinischen oder homöopathischen Therapie bzw. einer Kombination beider Therapieformen abgestellt wurde. Die Fütterung sollte diszipliniert ganzjährig beibehalten werden und keinen Änderungen unterworfen sein. Nicht vermeidbare Futteränderungen (besonders zu Beginn und zum Ende der Weidesaison) müssen vorsichtig und behutsam durchgeführt werden.


Marker
Vorbeugung:

Die beste Prophylaxe ist eine naturgemäße und artgerechte Haltung und Fütterung, welche das Immunsystem trainiert und stärkt und das Pferd somit gesund erhält. Hierzu gehören regelmäßige Entwurmungen ca. alle drei Monate, regelmäßige Pflege und Gesundheitskontrollen, der verantwortungsbewusste Umgang mit der Gabe von Medikamenten und Impfungen, eine möglichst naturnahe Haltung mit viel freier Bewegung, keine Leistungs-Überforderung, eine vertraute und ruhige Umgebung ohne vermeidbaren Stress sowie eine artgerechte und somit natürliche Wahl der Futtermittel und last but not least ein ständiges Angebot an frischem (keimfreiem) Wasser.





Haben Sie Fragen oder
Anregungen zu diesem Text?
Direkten Kontakt finden Sie zu
Claudia Nehls auf ihrer Website:
Logo Claudia Nehls

  
linklogo

 Weiterlesen: Wie Atti und Sunny den Durchfall besiegten   |

 Weiterlesen: Streitfrage: Was ist das "ideale" Pferdefutter?   |

 Weiterlesen: Wenn die Darmflora "aus den Fugen gerät"   |

 Weiterlesen: Optimale Fütterung von Pferde-Senioren  |