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Pferdefütterung im Winter

Mit Extra-Energie gegen Kälte

Bestimmte Fütterungsregeln gelten nicht nur, aber ganz besonders in der kalten Jahreszeit

Von Claudia Nehls

Bei Kälte, Wind, Frost und eisigen Temperaturen steigt der Nährstoffbedarf von Ponys und Pferden an. Aufgrund des empfindlichen Verdauungssystems unserer Pferde und Ponys sollte jedoch die Pferdefütterung nicht komplett umgestellt, sondern eine höhere Menge des gewohnten Pferdefutters gefüttert werden. Und noch andere Besonderheiten sollten beachtet werden.

Oberste Priorität im ganzen Jahr hat die erstklassige Qualität aller Futtermittel, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um Rau-, Kraft-, Ergänzungs- oder Saftfutter handelt. Bei der Proteinüberversorgung, die in der alltäglichen Pferdefütterung mittlerweile die Regel ist, ist vor allem das Verhältnis Energie zu Protein von besonderer Bedeutung. Ein Pferd toleriert eine stark überhöhte Proteinzufuhr, wenn die Energie im richtigen Verhältnis bereitgestellt wird. Ist das Verhältnis Energie zu Eiweiß im Ungleichgewicht, treten sehr schnell ernste Probleme auf.

Pferd im Winter
Das Steppentier Pferd gehört bei jeder Jahreszeit an die frische Luft. Auch im Winter! Die Fütterung aber sollte dem Rechnung tragen.

Raufutter ist das Grundfutter schlechthin und der wichtigste Baustein einer gesunden und ausgewogenen Pferdefütterung: Als Mindestaufnahmemenge pro Tag und 100 kg Pferdegewicht rechnet man 1,5 kg Heu, zuzüglich Stroh zur freien Aufnahme während der Wintermonate. Bei zu mageren und schwerfuttrigen Pferden hat es sich bewährt, nicht nur Stroh, sondern auch Heu zur freien Verfügung zu stellen. Stroh hat übrigens nur knapp 60 % des Energiewertes von Heu und einen Bruchteil des Proteinwertes (im Durchschnitt 1/8).

Eine ausreichende Menge Raufutter ist wichtig, da der Pferdedarm zur Gesunderhaltung und Symbiose (Lebensgemeinschaft der Darmbakterien) zwingend auf die Zuführung von Rohfaser angewiesen ist. Ohne bedarfsgerechte Rohfaserzufuhr verändert sich die Lebensgemeinschaft der Bakterien im Darm zum Ungleichgewicht und es kommt zur Dysbiose. Unter anderem deshalb sollte auch vor der Kraftfuttergabe die Raufuttergabe erfolgen. Die Ration des Kraftfutters kann im Winter bei Eiseskälte um 1/3 bis 1/2 gesteigert werden.

Sehr gute Energielieferanten im Winter sind hochwertige Öle mit ihren essentiellen Fettsäuren. Bewährt hat sich beispielsweise unsere Mischung Schwarzkümmel/Nachtkerzenöl. Hochwertiges und qualitatives Schwarzkümmelöl und Nachtkerzenöl liefern hohe Anteile an den mehrfach ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und Linolensäure, auch bekannt als Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Körper diese lebenswichtigen Fettsäuren in entzündungshemmende Gewebshormone umwandelt. Diese entzündungshemmenden Gewebshormone verringern die Ausschüttung von Histaminen. Histamine sind Stoffe, welche im Körper allergische Reaktionen, beispielsweise der Haut (Stichwort: Sommerekzem, allergische Dermatitis, Ekzeme) oder der Atemwegsorgane Stichwort: Husten, Bronchitis, Asthma) hervorrufen können.

Darüber hinaus sind weitere Allergien bekannt, wie oft bei Headshaking vorkommend (Sonnen- oder Lichtallergie und andere). Nicht nur bei allergischen Reaktionen, sondern auch zur Unterstützung des Fellwechsels, bei Haarausfall oder Immunproblemen ist der Einsatz der Mischung Schwarzkümmel/Nachtkerzenöl in der Pferdefütterung empfehlenswert. Besonders zur Winterzeit liefern hochwertige kaltgepresste Öle auch zusätzliche Energie, die – wie das Raufutter mit der so wichtigen Rohfaser – "von innen wärmt".

Für besonders schwerfuttrige Pferde und Pferde, die bekanntermaßen im Winter Gewicht abbauen, eignet sich als zusätzliche Energiequelle zum gewohnten Kraftfutter auch die Fütterung von eingeweichten Rübenschnitzeln. Die Menge sollte langsam gesteigert werden, um den Pferdedarm langsam an die ungewohnte Fütterung zu gewöhnen. Auch die Futterergänzung mit hydrothermisch aufgeschlossenen Maisflocken ist ideal, um einem Gewichtsabbau im Winter vorzubeugen. Jedoch auch die Maisflocken sollten langsam dem gewohnten Pferdefutter in steigender Menge zugefügt werden, da jede abrupte Umstellung für den so sensitiven Magen- und Darmtrakt unserer Pferde zu vermeiden ist.

Pferdemüsli
So natürlich wie möglich füttern, das gilt auch bzw. gerade in der kalten Jahreszeit. Zum Beispiel mit diesem vielseitig-gehaltvollen Müsli.

Die Maisflocken sollten jedoch maximal 0,35 kg pro 100 kg Pferdegewicht der Kraftfuttermahlzeit ausmachen. Von der Fütterung von ganzem Mais ist abzuraten: Maiskörner müssen wegen der geringen präzäkalen Stärkeverdaulichkeit vor Fütterung wärmebehandelt werden (hydrothermisch aufgeschlossene Maisflocken). Die Umstellung auf ein Müsli mit Maisflocken ist anhand der sonst lästigen Rechnerei empfehlenswert. Auch lohnt es sich, beim Müsli auf den Rohfasergehalt zu achten. Ein Pferdefutter mit optimalem, das heißt hohem Rohfasergehalt, bietet verschiedene Vorteile: Verstärktes Kauen und bessere Verwertbarkeit, positive Dienste für den sensitiven Pferdedarm sowie ein besseres Sättigungsgefühl.

Bezüglich einer Umstellung der Pferdefütterung ist zu beachten, dass Müslis und ähnlich strukturiertes Pferdefutter innerhalb weniger Tage ausgetauscht werden können, indem jeweils ein kleiner Teil des bisherigen Pferdefutters abgezogen und des neuen Pferdefutters hinzugefügt wird. Unter abrupte Änderungen, die dem Pferdedarm schaden können, zählen beispielsweise der Austausch von Heucobs zu getreidehaltigem Pferdefutter oder der Austausch von Luzernen zu Heucobs, Rübenschnitzeln oder Müsli-Pferdefutter. Die Struktur ist in erster Linie entscheidend, ob die Umstellung innerhalb weniger Tage anzuraten oder in mehreren Wochen durchzuführen ist. Das Prozedere bleibt jedoch das gleiche.

Beim Kraft- und Ergänzungsfutter sollte ganzjährig auf naturbelassene Nährstoffe Wert gelegt werden. Naturbelassenheit erkennt man jedoch weder am guten Geruch (beim Getreide fehlt er gänzlich), noch an der Werbung des Herstellers, sondern einzig und allein an den Inhaltsstoffen. Die Nachfrage nach naturbelassenem Pferdefutter und Müsli steigt stetig, immer wieder werde ich gefragt, wo dieses erhältlich ist. Um diese Lücke zu schließen, hat das Tierheilkundezentrum verschiedene natürliche, optimal verwertbare Pferdefutter und Müslis mit ausgewogenem Nährstoffhaushalt und Rohfaseranteil für die individuelle Pferdefütterung entwickelt, die ab sofort bei uns erhältlich sind.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche Menge Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe unser Pferd zur bedarfsgerechten Versorgung benötigt. Durch eine überhöhte Gabe werden die Entgiftungsorgane (Leber, Nieren, Darm) durch den Abbau der nicht benötigten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, welche im Übermaß zugeführt wurden, überlastet. Dies führt lang- bzw., je nach Überschuss, auch kurzfristig zu ernsten Erkrankungen. Auch werden synthetisch zugesetzte Vitamine im Darm zwangsabsorbiert. So kann es einerseits zur Hypervitaminose (Vitaminüberschuss/Vergiftung), andererseits zur sekundären Hypovitaminose (Vitaminmangel) kommen aufgrund Imbalancen der einzelnen Vitamine. Das Gleiche gilt für Spurenelemente und Mineralstoffe.

Pferdekräuter
Wer seinem Pferd gesunde, ausgewählte Kräuterkombinationen ins Müsli mischt, schafft auch während des Winters die Grundlage für ein perfektes Futter-Gleichgewicht.

Die Symptome sind meist unspezifisch, oft wird die Ursache nicht erkannt. Nicht optimale Versorgung führt zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen, die sich in Stoffwechselproblemen, Allergien, Lahmheiten, Knochenschädigungen, Nierenschädigungen, Leberschädigungen und Darmproblemen äußern können. Oft wird der Fehler gemacht, weitere synthetische Ergänzungsfuttermittel mit dem Ziel zu füttern, Mangelerscheinungen auszugleichen, obwohl schon ein Überschuss besteht. Weiterhin stehen synthetisch zugesetzte Stoffe in Verdacht, vorhandene Erkrankungen bzw. die Neigung zu diversen Erkrankungen weiter zu verstärken.

Schaut man sich Pferde vor der Domestikation an, so wird schnell klar, dass die Ernährung des Pferdes von Urzeiten her immer naturgemäß war: Statt synthetischer Stoffe wurden Kräuter und Pflanzen gefressen bei Bedarf. Unsere Böden sind heute leider verarmt an natürlichen Kräutern und Pflanzen, daher sollte hier die naturgemäße Zufütterung von Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen ansetzen. Bedenken, dass sich über eine naturgemäße Versorgung hinausgehende positive Eigenschaften des jeweiligen Krautes bei Dauerfütterung nicht aufrechterhalten lassen, kann ich aus der Praxis nicht bestätigen. Kräuter enthalten viele natürliche Mineralstoffe und Spurenelemente und wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt bei.

Ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache bzw. Mitursache zahlreicher Erkrankungen unserer Pferde. Viele Kräuter wirken zusätzlich entgiftend und helfen das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten. Sie enthalten Vitamin C als natürliches Antioxidant, Kieselsäure, natürliches Biotin, Zink und die sekundären Pflanzenstoffe sowie Mikronährstoffe, deren positive Wirkungen zwar nicht bewiesen, jedoch vorhanden sein müssen, da synthetisch nachgeahmte Pflanzenstoffe nicht deren volle Wirksamkeit erzielen.

Dass eine optimale Zufuhr von Mineralstoffen und Spurenelementen recht kompliziert sein kann, zeigt dieses Beispiel:

Ein Mangel an Calcium begünstigt Knochen- und Hautschädigungen ebenso wie ein Calciumüberschuss. Calcium konkurriert im Darm mit Kupfer, Zink und Selen um die Aufnahme in den Organismus. Kupfer und Zinkmangel sind direkte Verursacher u. a. von Hautproblemen und Juckreiz. Kleie (große Anteile finden sich in Fertigmash) vermindern die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen, so ist hier bei täglicher Fütterung ein Mangel bereits vorprogrammiert. Demnach ist eine tägliche Mash-Fütterung immer kontraproduktiv bezogen auf den Mineralienhaushalt! Ein Überschuss an Selen, der, da Selen ein Spurenelement ist, schon bei geringster Überdosierung eintreten kann, führt zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum sogenannten "Ausschuhen".





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