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Arthrose beim Pferd

Nur eine Linderung ist möglich

Arthrose: Auch wenn nicht heilbar, sollte man keine Chance ungenutzt lassen

Von Claudia Nehls

Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung. Es handelt sich dabei um den krankhaften Verschleiß der Gelenke. Die Aufgabe der Gelenke besteht darin, die einzelnen Teile des Skelettsystems miteinander zu verbinden und zueinander beweglich zu erhalten. Die Gelenke werden durch die Gelenkkapsel geschützt. Die Gelenkkapsel enthält derbe oder elastische Fasern und Bänder und produziert die Gelenkschmiere (Synovia). Die Gelenkschmiere verhindert das Aneinanderreiben der Gelenke.

Eine Arthrose zeichnet sich durch eine fortschreitende Schädigung des Gelenkknorpels aus, die zur eingeschränkten Beweglichkeit führt. Ein weiteres Indiz für eine Arthrose ist das sogenannte "Einlaufen" zu Beginn der Bewegung; erst nach mehreren Metern Laufens wird der Schritt wieder flüssig(er), beginnend ist er steif, eckig und starr. Die Verengung des Gelenkspaltes durch Knorpelverlust ist typisch für den Verlauf einer Arthroseerkrankung. Reiben erst einmal die Knorpelflächen aufeinander, führt das zu heftigen Schmerzen des Pferdes.

Ziel einer Therapie ist eine Schmerzlinderung sowie eine Verlangsamung oder gar Stagnation der Arthrose. Inwieweit Therapiechancen vorhanden sind, hängt in erster Linie vom Schweregrad der Arthrose ab. So lässt sich eine im Anfangsstadium befindliche Arthrose recht gut therapieren. Auch wenn die Gelenkschäden nicht rückgängig gemacht werden können, so gelingt es mit umfassenden Therapiemaßnahmen dennoch, die Schäden nicht weiter fortschreiten zu lassen.

Arthrose beim Pferd

Das "Dach über den Kopf" sollte vor allem bei Arthrose-Pferden der Offenstall bieten, wo regelmäßige Bewegung möglich ist, und nicht die traditionelle Pferdebox!

Ist die Arthrose bereits weit fortgeschritten und das betroffene Pferd lahmt sichtbar und dauernd, gestaltet sich die Therapie schwierig und hat einen unklaren Ausgang. Aber auch bei fortgeschrittenen Arthrosen lohnt sich ein Therapieversuch, denn sichtbare Erfolge sind selbst bei fortgeschrittenen Arthrosen nicht gänzlich auszuschließen. Ziel der Therapie ist eine Verbesserung oder Wiederherstellung der Lebensqualität für das betroffene Pferd. Im besten Falle kann das von Arthrose geplagte Pferd noch viele Jahre annähernd schmerzfrei, also mit akzeptabler Lebensqualität verbringen.

Bei deutlicher und fortwährender Lahmheit aufgrund einer Arthrose gibt es für den Pferdehalter lediglich zwei Möglichkeiten:

a) Das Pferd zu erlösen.
b) Die Chance durch eine umfassende Therapie schnellstmöglich zu nutzen. Auch wenn der Therapie-Ausgang unklar ist, so birgt jede Therapiemaßnahme die Aussicht auf Erfolg, und das je mehr, je früher man das restliche Therapie-Potential ausschöpft.

Schmerzmittel alleine bewirken keinen Stillstand der Arthrose! Je weiter die Arthrose vorangeschritten ist, desto kostenintensiver und aufwändiger gestaltet sich ein Therapieversuch. Therapiemöglichkeiten einer Anfangsarthrose sowie auch fortgeschrittenen Arthrose werden nachfolgend beschrieben.

• Lokale Möglichkeiten:

Haltung:

Dauernde freie Bewegung auf geraden Ausläufen: Pferde mit Arthrose haben Schwierigkeiten bergauf sowie auch bergab zu gehen, ebenso ist unebener Boden kontraproduktiv und schmerzhaft. Eine dauernde – jedoch frei zu gestaltende – Bewegung ist anzuraten. Arthrose Pferde sollten sich dauernd frei bewegen können, ohne unter der Hektik einer Herde ledein zu müssen. Eine Boxenhaltung – auch über Nacht – ist absolut zu vermeiden. Eine Box mit angeschlossenem Paddock oder ein Offenstall sind ideal.

Arthrose beim Pferd

Ein Pferd, das konsequent an die frische Luft darf und sich frei bewegen kann, erträgt auch die Folgen von Arthrose-Erkrankungen viel besser.

Hufbearbeitung:

Die ideale Hufbearbeitung und Korrektur für Arthrose-Pferde ist denkbar unterschiedlich: Während bei dem einen Pferd ein Eiereisenbeschlag mit Silikonfüllung und Platte (sogenannter orthopädischer Beschlag) im wahrsten Sinne des Wortes Wunder wirken kann, kann eine solche Maßnahme schon bei einem anderen Arthrose-Pferd kontraproduktiv sein und das Gangverhalten sogar weiter verschlechtern.

Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass für den einzelnen Pferde-Patienten in oft zeitintensiver und aufwändiger Weise individuell ermittelt werden muss, welche huforthopädische Maßnahme das Leben erleichtern kann. Dies kann mit oder ohne Beschlag erreicht werden, oder aber mit speziellen Rundeisen (= Eiereisen) oder/und mit Silikonfüllung und Platte. Der Pferdehalter ist gefordert, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren und dann gut zu beobachten, welche Hufbearbeitung den größtmöglichen Erfolg beschert. Dass dabei immer wieder auch Rückschläge und Misserfolge in Kauf genommen werden müssen, versteht sich von selbst.

• Substanzen im Kampf gegen die Arthrose:

Gelatine:

Durch den Bestandteil Collagenhydrolysat soll Gelatine die Bildung von Gelenkschmiere fördern und eine wohltuende Wirkung auf die Gelenke besitzen. Fraglich ist, ob die darin enthaltenen tierischen Bestandteile unserem Pflanzenfresser Pferd nicht schaden können. Da jedoch Wirkung und Nebenwirkung grundsätzlich abgewogen werden müssen, sollte ein Versuch ruhig gewagt werden. Bisher sind (nach meinen Erfahrungen) keine auf die Fütterung von Gelatine zurückführbare negative Wirkungen bekannt.

MSM oder Methyl-Sulfonyl-Methan:

Ist eine natürlich im Körper vorkommende Schwefelverbindung. MSM soll eine Schlüsselfunktion im Aufbau von gesunden Knorpelgewebe besitzen. Chondroitinsulfat (auch Chondritinsulfat): Ist ein sulfatiertes Glycosaminoglycan (GAG) oder Mucopolysaccharid, welches aus einer Kette sich abwechselnder Zuckerderivate (N-Acetyl-D-Galaktosamin (GalNAc) und Glucuronsäure) besteht. Auch Chondroitinsulfat soll positive Wirkungen auf die Gelenkschmiere haben und beim Wiederaufbau helfen. Auch hier gilt, dass es aus tierischen Substanzen gewonnen wird. Die bekanntesten Substanzen sind Glucosamin und Hyaluronsäure, daher möchte ich deren Eigenschaften nachstehend etwas ausführlicher erklären.

Arthrose beim Pferd

Der optimale, auf das individuelle Beschwerdebild abgestimmte Beschlag kann oft Arthrose-Schmerzen lindern und auch bisweilen neue Entzündungsschübe hemmen.

Glucosamin:

Glucosamin ist ein wichtiger Baustein des Knorpels und der Innenhaut der Gelenke. Glucosamin sorgt für eine ausreichende Gelenkschmierbildung und somit auch für eine reibungslose Gelenkfunktion. Glucosamin wird vom Organismus selbst aus Glukose hergestellt und ist ein Aminozucker. Glucosmin ist Bestandteil der so genannten Synovia (Gelenkschmiere). Denn nur eine zähe und somit stabile Gelenkschmiere ist ein wirkungsvoller Puffer zwischen den Knorpelflächen, was eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose Gelenkfunktion darstellt.

Darüber hinaus versorgt die Gelenkschmiere das Knorpelgewebe mit Nährstoffen und transportiert Abfallstoffe ab. Unterschiedliche Gehalte an Glucosamin sind beispielsweise in der Neuseeländischen Grünlippmuschel enthalten. Problematisch bei der Fütterung der Neuseeländischen Grünlippmuschel ist oft der Geruch und Geschmack nach Fisch: Nicht jedes Pferd mag diesen penetranten Geruch und Geschmack.

Hyaluronsäure:

Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der in den Gelenken aller Säugetiere und Menschen vorkommt. Hyaluronsäure wird vom Körper produziert und ist Bestandteil der Synovial-Flüssigkeit, die die Knorpel der Gelenke schmiert und vor Reibung schützt. Der Feind des gesunden Gelenkes ist die Reibung. Reibung wird durch Schmierung verhindert. Die Gelenkkapsel enthält eine Innenauskleidung, die als Synovial Membrane bezeichnet wird. Diese sondert die Gelenkschmiere ab. Ein Schlüsselbestandteil in dieser Flüssigkeit ist die Hyaluronsäure.

Mit zunehmendem Alter produziert auch der Organismus von Pferden weniger Hyaluronsäure, was zur Abnutzung der Gelenke führt. Die Gelenke werden steif und die Beweglichkeit nimmt ab. Nicht nur das Älterwerden, vor allem Fehlstellungen und Erkrankungen lassen die Synovial-Flüssigkeit schwinden, dergestalt, dass, wie bei der Arthrose, Knochen auf Knochen reibt. Der dringend benötigte Schmierstoff fehlt. Die Viskosität der Gelenksflüssigkeit nimmt ab, sie wird dünner und ist nicht mehr in der Lage, die Knorpeloberflächen genügend zu schmieren. Dies führt zu vermehrter Reibung und Abnützung der Knorpel des von Arthrose, Spat oder Schale betroffenen Pferdes.

Durch die Bildung der Hyaluronsäure wird die normale Viskosität der Gelenksflüssigkeit wieder hergestellt. Die Fütterung von Hyaluronsäure soll die Beweglichkeit und Federung in den Gelenken von Arthrose Pferden verbessern. Hyaluronsäure wird auch seit vielen Jahren mit Erfolg in die Gelenke injiziert. Die Injizierung von Hyaluronsäure birgt jedoch beim Pferd neben erheblicher Kosten auch einige Risiken.

Anders als beim Pferd wird eim Menschen die Hyaluronsäure im Krankenhaus unter klinischen Bedingungen injiziert, um Infektionen bestmöglich auszuschließen. Auch hält der Mensch bei Injektion von Hyaluronsäure still, da dieser weiß, dass Bewegung Komplikationen mit sich bringen kann. Beim Pferd sind Infektionen nach der Injektion in die Gelenke daher ein bekanntes Risiko. Weiterhin birgt eine Bewegung im falschen Moment der Injektion zusätzliche Gefahren. Hinzu kommen die hohen Kosten der einzelnen Injektionen. Für Pferde bieten wir ein Produkt zur Fütterung an, dessen Inhaltsstoff Hyaluronsäure ist. Auch dieses Produkt ist geschmackneutral und wird problemlos akzeptiert.

Arthrose beim Pferd

Um Schmerzen zu hemmen und Entzündungsschübe abzufedern, bietet sich auch eine Kombination aus Gingko, Weidenrinde und Ingwer in flüssiger Form an.

• Phytotherapie:

Teufelskralle, Ingwer & Co.:

In meiner Praxis hat sich das Ergänzungsfuttermittel "Lauf-Fit" bei Arthrosen ohne nennenswerte Entzündungsschübe bewährt sowie das Ergänzungsfuttermittel "Lauf-Fit Spezial" bei Arthrosen mit Entzündungsschüben. Beide Ergänzungsfuttermittel aus getrockneten Kräutern in Deutscher Arzneibuch-Qualität können auch gut miteinander kombiniert werden. Obwohl manche der oben genannten Substanzen bei näherem Hinschauen und im Zuge wissenschaftlicher Studien eher umstritten sind, sind positive Wirkungen der Anwender unbestritten.

Die in der Phytotherapie verwandten Kräuter Teufelskralle, Weidenrinde und Ingwer werden häufig in der Erfahrungsheilkunde genannt. Inwieweit die oben genannten Substanzen vom Organismus aufgenommen und umgesetzt werden können, hängt sicher auch vom einzelnen Organismus ab und ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht restlos geklärt.

Aus der Praxis kann ich berichten, dass sehr gute Erfahrungen mit der Phytotherapie und der Kombination der oben genannten Substanzen bestehen. Nicht immer lässt sich sagen, welche Substanz die beste Wirksamkeit brachte. Wichtig ist allein, dass ein sichtbarer Erfolg verzeichnet und dem von Arthrose gezeichneten Pferd geholfen werden konnte. Bei fortgeschrittenen Arthrosen empfehle ich die Kombination von "Lauf-Fit", "Lauf-Fit Spezial", Hyaluron und Glucosamin, bestenfalls noch in Kombination mit den anderen oben genannten Substanzen. Bei leichten Arthrosen hat sich die Kombination von "Lauf-Fit" (bzw. "Lauf-Fit Spezial") und Glucosamin bewährt.

Über die oben genannten Nahrungsergänzungen und Ergänzungsfuttermittel hinaus hat sich in meiner Praxis auch eine homöopathische Therapie aufgrund der Biofeld-Haaranalyse positiv gezeigt. Eine homöopathische Therapie erscheint jedoch grundsätzlich nur erfolgversprechend, wenn die lokale Situation und die Fütterung gleichzeitig optimiert wird. Denn nur wenn die "Materie" stimmt, kann die "Information" wirken!

Auch der vorübergehende Einsatz von Schmerzmitteln mit entzündungshemmender Wirkung soll hier erwähnt werden und kann dem Schmerz erst einmal Abhilfe schaffen. Der dauernde Einsatz von Schmerzmitteln kann jedoch keine geeignete Maßnahme sein, um die Arthrose aufzuhalten und dem Pferd langfristig wieder Lebensqualität zu ermöglichen. Alles in Allem kann der Pferdebesitzer dem von Arthrose betroffenen Pferd eine hilfreiche Unterstützung im Wege der Fütterung und geeigneter Therapien bieten, um vorhandene Gelenkerkrankungen weniger schmerzhaft und nicht weiter voranschreiten zu lassen.





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