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Ponyhaltung

5.000 m² für jedes Pony

Ponys: Dick und krank, weil man es leider viel zu oft zu gut mit ihnen meint

Von Claudia Nehls

Obwohl der Begriff "Pony" die unterschiedlichsten Rassen und Typen vereint – beginnend beim Shetland-Pony, über die Haflinger, Tinker, Fjordpferde und Isländer bis hin zum Kleinen Deutschen Reitpferd und die mit vollblütigen Linien veredelten Ponyrassen – so haben unsere "Ponys" doch ganz ähnliche Bedürfnisse an eine ponygerechte Haltung und Fütterung.

Die Ursachen vielfältiger Erkrankungen unterschiedlicher Genese unserer Ponys sind zum überwiegenden Teil in einer nicht ponygerechten Haltung und Fütterung zu finden. Selbst wenn eine Disposition vorliegt, das heißt eine Tendenz zu bestimmten Krankheiten, die familiären oder rassebedingten Ursprung haben kann, so hat die artgerechte Haltung und Fütterung letztlich wesentlichen Einfluss auf Veranlagung oder Ausbruch einer Erkrankung. Oft führen gerade bei Ponys Haltungs- und Fütterungsfehler aus Unwissenheit oder falsch verstandener Tierliebe zu schwerwiegenden Erkrankungen.

Die ponygerechte Haltung

Ein Pony fühlt sich in ganzjähriger Gruppenauslaufhaltung auf weitläufigem – aber kargem – Gelände am wohlsten, ausgestattet mit einem passenden Wetterschutz natürlich. Gleiches gilt natürlich auch für Pferde, doch ein Pony ist in Boxenhaft noch viel schlechter aufgehoben als "sein großer Artgenosse" Pferd, der meist mehr gefordert wird. Die Rede ist hier übrigens nicht von einem matschigen und unzureichend eingezäunten 1.000-qm-Grundstück und einer notdürftig zusammengezimmerten Weidehütte; ausgerüstet mit einem algendurchsetzten Tränkebecken, das im Winter einfriert, wie man das oft genug antrifft bei den "doch so wenig anspruchsvollen Ponys".

Ponyhaltung

Eine nicht zu üppige Weide oder Wiese ist eine gute Vorbeugung gegen fette Ponys.

Als ponygerecht zu bezeichnen ist ein massiv und stabil gebauter ausreichend großer Offenstall mit der Möglichkeit des freien Zugangs für jedes Pony, also auch für rangniedrige Tiere. Für jedes Pony (nach Größe aufsteigend) sind mindestens 5.000 Quadratmeter Gelände zu veranschlagenden. Die Beschaffenheit des Bodens sollte so sein, dass bei jedem Wetter ein ungefährliches Passieren möglich ist; daher auch die großzügig veranschlagte Bedarfsfläche. Lediglich der "Trampelpfad" zum Gelände sowie die Fläche vor dem Offenstall muss befestigt werden.

Das Gelände sollte von ungedüngten Pferdegräsern bewachsen sein (kein Hochleistungsgras), das rohfaser- und kräuterreich ist, aber arm an Protein, Fructose und Energie. Unkraut sollte ausgemäht und nicht mit der "Chemie-Keule" bekämpft werden (die Gesundheit des Ponys wird die Arbeit belohnen). Der ständige Zugang zu sauberem Trinkwasser (im Winter z. B. durch Installation einer Regelheizung) sollte selbstverständlich sein. Leben unsere Ponys ganzjährig in dieser wirklich ponygerechten Art und Weise, ist bereits die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden gelegt. Je mehr die Haltung der Ponys sich am Leben der Wildpferde orientiert, je positiver wird sich die Haltung auswirken.

Die optimale Ponyfütterung

Bei der Fütterung des Ponys heißt es grundsätzlich: Weniger ist mehr! Das Raufutter, also Heu und Stroh, sind die wichtigen Rohfaserlieferanten. Rohfasern fördern die Motorik des Darms, tragen zum Sättigungsgefühl bei, sorgen für ein ausgewogenes Säure-Basen-Verhältnis und halten die so wichtige Symbiose (Lebensgemeinschaft der Darmbakterien/Mikroorganismen) aufrecht. Durch den Aufbau des Verdauungstrakts ist eine ständige Nahrungsaufnahme von Nöten. Der relativ kleine Magen (maximales Volumen beim Pferd sind 15 Liter, bei Ponys entsprechend der Größe geringer) erlaubt nur kleine Futtermengen pro Mahlzeit. Raufutter ist für den Pferde/Ponydarm unerlässlich und vertreibt auch – durch besseres/langsameres Kauen (die intensive Kautätigkeit gewährleistet einen gleichmäßigen Abrieb der Backenzähne) – eventuell aufkommende Langeweile.

Darüber hinaus bietet Heu ein optimales Calzium:Phospor-Verhältnis von ca. 1,5 bis 2:1 und versorgt unser Pony mit allen wichtigen Nährstoffen. Dies setzt allerdings eine einwandfreie Qualität und optimale Lagerung der Futtermittel voraus. Selbst bei optimaler Lagerung nimmt der Vitamin A-Gehalt im Heu stark ab (Verlust ca. 30 % bei der Ernte plus monatlich 10 % bei anschließender Lagerung). Auch alle anderen Nährstoffe des Raufutters unterliegen bei zunehmender Lagerung dem Schwund. Dieser Umstand sowie auch die Bewirtschaftung unserer Böden mit zunehmender Verarmung an wichtigen Pflanzen und Kräutern sollten Grund genug sein, das Raufutter durch natürliches Mineralstofffutter zu ergänzen.

Ponyhaltung

Wie viele andere Ponys erkrankte auch Dicki schwer an Hufrehe; nach langwieriger Behandlung kehrte der Kleine mit Maulkorb ins Leben zurück.

Mineralstoffe sollten auf natürliche Weise bereit gestellt werden und nicht künstlich zugesetzt sein, damit das Pony diese auch verwerten kann und weder Mängel, Überschüsse oder Ungleichgewichte bei den einzelnen Mineralstoffen und Spurenelementen auftreten. Natürliche Mineralstoffe sind beispielsweise in vielen Kräutern vorhanden. Sinn macht daher, sich für ein bewährtes Fertig-Mineralfutter aus Kräutern zu entscheiden, da das eigenmächtige Zusammenstellen von verschiedenen Kräutern Gefahren birgt.

Beispielsweise sind nicht alle Kräuter für Pferde und Ponys zur Fütterung geeignet, da diese auch giftig sein könnten oder sich nicht alle Kräuter für eine dauernde Fütterung eignen. Natürliche Kräuter enthalten wichtige Vitamine/Mineralstoffe/Spurenelemente und Bioflavone, die dafür Sorge tragen, dass auch nach dem Nährstoffverlust des Raufutters durchLagerung der essentielle Bedarf gedeckt wird.

Bewährt haben sich für Ponys verschiedene Ergänzungsfuttermittel aus Kräutern, beispielsweise "Horse Allround Kräuter-Fit" oder auch problembezogene Kräutermischungen wie die "Allergosan-Kräutermischung" oder zur Winterzeit bei Belastungen der Atemwege "Broncho-Fit". Mit der Gabe von Heu und Stroh im Winter in Verbindung mit natürlichen Kräutern, die individuell auf eventuelle Schwächen des Organismus abgestimmt werden können, um hier zusätzlich regulierend einzugreifen, ist unser Pony rundum optimal versorgt.

Nicht jedes Pony mag jedoch Kräutermischungen pur fressen, da die Geschmacksnerven oft recht verwöhnt sind. Damit das Pony durch eine unnötige Kraftfutterfütterung nicht belastet wird, kann hier auf unser reines Ponyfutter zurückgegriffen werden. Das "Nehls Ponyfutter" enthält viel Rohfaser, kaum Stärke, Protein, Zucker und Energie, jedoch zahlreiche essentielle Mineralstoffe und Spurenelemente, die durch eine natürliche Ponyvitalstoffmischung komplettiert werden. So gelingt es, selbst mäkelige Ponys gesund und natürlich zu füttern, da die Futtermischung den Geschmack der vielleicht nicht so schmackhaften Kräutermischung überdeckt. Gesagt werden muss jedoch auch, dass viele Ponys pure Kräuter häufig als Leckerbissen in der Krippe lieben und sie geradezu verschlingen. Als weitere gesunde Leckerbissen können zusätzlich Äpfel – ein Apfel pro Tag – und bis zu 500 g Möhren täglich beigefüttert werden.

Fütterung: – Ausnahmen bestätigen die Regel


Wird das Pony reiterlich beansprucht? Oder steht das Pony im Training als Sportpony? Befindet es sich im Seniorenalter? Liegen schwere chronische Erkrankungen in Verbindung mit Abmagerung vor oder handelt es sich um ein Pony im "araberähnlichen Südländertyp" stehend? Dann können zusätzliche Futtermittel erforderlich werden. Meist ist jedoch ausreichend, die Menge des Ponyfutters dem Bedarf anzupassen und diese entsprechend zu erhöhen.
Während der Weidesaison ist die Weide in der Regel zur Deckung des Nährstoffbedarfs unserer Ponys ausreichend, obwohl eine Stroheinstreu, aus der sich das Pony nach Belieben bedienen kann, sichergestellt sein sollte (auch wegen des Liegekomforts). Durch die Verarmung unserer Weideflächen sollte jedoch auch während der Weidezeit eine Deckung des Mineralstoffbedarfs durch ein natürliches Mineralfutter sichergestellt werden.

Durch eine ganzjährige Weidehaltung bei karger Weide mit naturbelassenen Gräsern entfällt die für den Pferdedarm ungünstig zu beurteilende Futterumstellung von der Winterfütterung zum frischen Gras. Verschiedene Vegetationsperioden werden im Einklang mit der Natur durchlebt, ohne dass gravierende Veränderungen stattfinden, da die Ponys langsam die Umstellung vom Wintergras zum frischen und nährstoffreicheren Gras durchleben, ohne einer massiven Veränderung ausgesetzt zu werden.

Auch bei oben beschriebener Haltung gibt es Ponys, welche zur Überfettung neigen. Hier muss ganz klar gesagt werden, dass solche "Kandidaten" zusätzliche Bewegung benötigen und keinesfalls einer "Null-Diät" unterzogen werden sollten. Zusätzlich zur Bewegung sollte das Futterangebot eingeschränkt werden, sowohl, was die Weide anbelangt, als auch das übrige Futter einschließlich des Raufutters.
Typische Ponyerkrankungen

Hyperlipämie (Störung des Fettstoffwechsels):

Stellt ein lebensbedrohendes Symptom bei Ponys und Eseln dar und entsteht vor dem Hintergrund, dass das Pony mehrere Tage einer negativen Energiebilanz ausgesetzt wird (z. B. Futterentzug) und die dann einsetzende Mobilisierung des Depotfettes nicht durch eine ausreichende Leberfunktion verstoffwechselt wird. Der Gesamtfettgehalt im Blutplasma steigt hier über dem Maximalwert und das Plasma wird trüb und milchig, die Pulsfrequenz erhöht sich, Puls- und Herzbeschleunigung resultieren aus einer fettigen Degeneration des Herzmuskels, das Pony befindet sich im Zustand der Apathie mit Bewegungsunlust, Nahrungs- und Trinkwasserverweigerung.

Ponyhaltung

Hier profitieren alle: Die Kinder von der idealen Handlichkeit der Ponys, die Ponys wiederum von der gesundheitsfördernden Bewegung mit den Kindern.

Besonders gefährdet sind zwar trächtige Stuten, jedoch erkranken auch güste Stuten, Wallache und Hengste an Hyperlipämie. Plötzliche Veränderungen der Haltungs- und Futterbedingungen sowie Darmentzündungen (Ursache u. a. hochgradiger Endoparasitenbefall) und der damit einhergehende Protein- und Mineralstoffverlust durch den heftigen Durchfall sind Gründe für die Mobilisierung des Depotfettes, die zur Hyperlipämie führt. Besonders gefährdet sind zu dicke Ponys, die plötzlich auf strenge Diät gesetzt werden, weil z. B. eine Hufreheerkrankung eingetreten ist. Oder auch trächtige Stuten, bei denen im letzten Drittel der Trächtigkeit der durch die Trächtigkeit erhöhte Grundumsatz nicht berücksichtigt wird.

Aber auch Schmerzen sind nicht selten der Auslöser einer Futterverweigerung bei Ponys, die dann zur Mobilisierung der Fettreserven und schließlich zur lebensgefährlichen Hyperlipämie führt. In der Praxis erlebte ich vor einigen Wochen den Fall, dass ein Pony aufgrund einer akuten Infektion mit Fieber mehrere Tage lang kaum fraß. Die Besitzer führten dies richtigerweise auf die akute Infektion mit Fieber zurück. Leider waren ihnen jedoch nicht bewusst, dass hierduch die gefürchtete Hyerlipämie eintreten könne und nahmen die Futterverweigerung daher nicht ausreichend ernst. Wenige Tage später erkrankte das Pony dann an Hyperlipämie und jede Hilfe kam zu spät.

Hufrehe (Pododermatitis aseptica diffusa):

Hufrehe ist eine Erkrankung, die makroskopisch zwar in erster Linie an den schmerzhaft erkrankten Hufen sichtbar wird, die jedoch den gesamten Organismus erfasst. Stoffwechseltoxine und Eiweißzersetzungsprodukte gelangen vom Darmraum in die Blutbahn, die Leber kann die Toxine nicht in der erforderlichen Menge ausscheiden. Eine Ursache der Hufrehe liegt in übermäßiger Verfütterung energie-, stärke-, zucker- oder eiweißreicher Futtermittel in Verbindung mit einer unzureichenden Verbrennung infolge von Bewegungsmangel.

Als wirksame prophylaktische Maßnahmen zur Gesunderhaltung sind weiterhin regelmäßige Wurmkuren (4 x jährlich) unter Berücksichtigung eventuell entstehender Resistenzen und unter Berücksichtigung des stetig ansteigenden Bandwurmbefalls bei Pferden sowie regelmäßige Hufkorrekturen durch den Hufpfleger/Hufschmied anzusehen.






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