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Tinkerfütterung

Tinker: Häufig gut "gemästet"

Das Pferd der ehemaligen Kesselflicker braucht eine spezielle Haltung und Fütterung

Von Claudia Nehls

Der Tinker strotzt bei extensiver Fütterung und artgerechter Haltung meist geradezu vor Gesundheit. Tinker, die mir in unseren Breitengraden vorgestellt werden, befinden sich aber leider allzu oft in keinem guten Gesundheitszustand: Gezeichnet von massiver allergischer Bronchitis bis hin zur Dämpfigkeit, therapieresistenter chronischer Mauke, Sommerekzem und weiteren allergischen Hauterkrankungen sowie von chronischem Durchfall, Kolik und Kotwasser. Dies sind die "gängigsten" Tinker Krankheiten in der Praxis. Der Tinker, ob im Ausland oder in Deutschland geboren, scheint bedeutend sensibler auf menschliche Fütterungs- und Haltungsfehler zu reagieren als manch andere Rasse.

Diese Sensibilität entspringt bereits der Vorgeschichte: Der Tinker, oder auch Irish Cob genannt, war ursprünglich das Pferd der fahrenden Kesselflicker in Großbritannien und Irland. Tinker sind robuste und leichtfuttrige Arbeitspferde, deren Futter karg und Bewegung ausgiebig war. Der Tinker kam Anfang der 90er Jahre als Freizeitpferd in Mode und war bis dato überhaupt nicht als Rasse registriert.

Aus dem ehemaligen Arbeitspferd mit kargen Futter- und Lebensbedingungen wurde nunmehr oft ein gut gemästetes Boxenpferd mit wenig Bewegung und viel Futter bzw. mit für den Tinker zu mastigem Futter. Auch die Weidehaltung in unseren Breitengraden ist den ursprünglichen kargen Tinker-Bedürfnissen meist in keiner Weise angemessen, da die Weiden oft aus Weidelgras, also sogenanntem Mastgras für Kühe, bestehen.

Tinker Gustav
Zu Tinker Gustav gab es schon nach kurzer Zeit ein inniges Verhältnis. Deutlich langwieriger war der Kampf um seine Gesundheit.

Morgens und abends gibt’s meist noch eine Schaufel Müsli oder Pellets zum Gras und ein synthetisches Mineralfutter, um die Fütterung zu komplettieren und der Werbung, die uns suggeriert ohne synthetisches Mineralfutter entständen schnell Mängel in der Fütterung, Genüge zu tun. Der Mensch meint nun, genau das Richtige zu tun und optimal umzusetzen. Doch der Tinker indes wird zunehmend kränker.

Er reagiert auf zu nährstoffreiches Gras mit Sommerekzem, Allergien, Hufrehe und Mauke, auf Boxenhaltung mit wenig Luft und qualitativ minderwertigem Raufutter bzw. Schimmelpilzbefall mit chronisch allergischer Bronchitis. Heulage und Silage führen oftmals zu Kotwasser und Durchfall, wie auch zu Magenproblemen und Koliken des Tinkers. Der Bewegungsmangel macht dem Stoffwechsel des Tinkers zusätzlich zu schaffen. Die Darmflora kommt mit Müsli, Pellets, zu mastigem Gras und synthetischen Zusätzen ebenso wenig zurecht, – es entsteht die wohl häufigste Tinker-Krankheit: Chronischer Durchfall mit massivem Kotwasser. Dabei meint der Tinker-Besitzer, er mache alles perfekt, denn anhand einer ausgiebigen Fütterung und eines extra für Tinker, Isländer & Co. verabreichten synthetischen Mineralfutters könnten doch keinerlei Mängel entstehen und der Tinker sei bestens versorgt. Doch dem ist leider nicht so!

Der Tinker benötigt eine "Weniger ist mehr"-Fütterung mit kargen Weideflächen, viel Bewegung, natürlichem und extensivem Futter ohne Getreide und ohne synthetische Zusatzstoffe. Es ist nicht ausreichend, ein "Haferfreies" Müsli zu füttern, denn auch dies ist trotz der Haferfreiheit nicht Getreide- und Zusatzstofffrei.

Tinker sind für mich die liebenswertesten Geschöpfe überhaupt und sind durch ihre Anhänglichkeit, ihren Charme und ihre intensive Fixierung auf den Menschen ganz besondere Pferde. Meine ersten Erfahrungen mit Tinkern waren jedoch leidvoll; schwer erkrankte und leidende Tinker erlebte ich täglich ab Ende der 90er Jahre sowohl in der tierheilkundlichen Praxis wie auch bei der Ausarbeitung von Haaranalysen.

Damals fragte ich mich, was einen Menschen dazu veranlasste, sich ausgerechnet einen Tinker anzuschaffen, der doch so empfindlich auf viele Faktoren und kleinste menschliche Fehler bei Fütterung und Haltung reagiert. Mit Kauf von Gustav, meinem Tinker, wusste ich es: Tinker sind etwas ganz Besonderes und mit anderen Pferden nicht wirklich vergleichbar; sie bezaubern durch ihren ganz speziellen sympathischen, ehrlichen Charakter.

Tinker Gustav
Kein schöner Anblick, aber leider nur zu oft bei falsch gefütterten und gehaltenen Tinkern anzutreffen: Durchfall und massives Absetzen von Kotwasser.

Auch Gustav war natürlich nicht gesund. Ich kaufte ihn mit chronischem und über viele Monate anhaltendem therapieresistentem Durchfall und massivem Kotwasser. Als er im Tierheilkundezentrum vom Hänger stieg, sah er aus, als hätte er im Durchfall gebadet. Die ersten Monate verzweifelte ich fast an seinem ständigen Kotwasser und Durchfall. Ich probierte die gesamte Palette meiner Möglichkeiten durch, doch sein Kotwasser blieb uns viele Monate erhalten.

Es dauerte unzählige Monate und erforderte viel Geduld, bis ich mit extensiver Pferdefütterung, speziellen Kräutermischungen und ein wenig Homöopathie Gustav von Kotwasser und Durchfall befreien konnte. Mein zweiter Tinker, Osman, den wir ein Jahr später kauften, hatte glücklicherweise keinerlei Probleme und ist auch bis heute kerngesund geblieben, da er von Geburt an vernünftig, also Tinker-gerecht gefüttert und gehalten wurde: Extensiv und karg. Gustav und Osman sind übrigens sogenannte "Importpferde" aus England bzw. Irland.

Gustav und Osman erfreuen sich heute bester Gesundheit, da auf ihre Bedürfnisse optimal eingegangen wird: Sie haben ganztätig bzw. im Sommer 24-Stunden großflächige karge und extensive Weideflächen zur Verfügung. Um besser mit unseren vielfältigen Umweltbelastungen umgehen zu können, die Ausscheidung und Entgiftung zu fördern, wie auch Magen-, Darm- und Hautproblemen vorzubeugen, bekommen sie ein komplett natürliches Mineralfutter, das speziell für Tinker (in diesem Falle ursprünglich für Gustav und Osman) durch das Tierheilkundezentrum entwickelt wurde: Die "Nehls Tinker-Kräuter".

"Nehls Tinker-Kräuter" versorgen auf natürliche und somit optimal verwertbare Weise mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen und enthalten keinerlei Zusatzstoffe oder synthetische Beimengungen. Da insbesondere Tinker auch besonders empfindlich auf Toxine und Pestizide reagieren, entsprechen die "Nehls Tinker-Kräuter" Europäischer Arzneibuch-Qualität, sind folglich frei von Pestiziden und Toxinen durch strengste Prüfung auf 395 verschiedene Giftstoffe. Dies ist bei Kräutern nicht die Regel. Die damit verbundenen Mehrkosten geben mir jedoch die Gewissheit, meine Tinker wirklich optimal zu versorgen und ihnen weitestgehend die Zufuhr giftiger Substanzen zu ersparen.

Tinker Gustav und Osman
Was bei Pferden sowieso gilt, gilt für Tinker ganz besonders: Sie brauchen Tag für Tag ein exzessives Bewegungsprogramm. Gustav und Osman genießen das hier sichtlich.

Auf natürliche Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sollte selbstverständlich auch bei Tinkern nicht verzichtet werden, denn auch Tinker benötigen diese, jedoch in natürlicher und somit für Tinker verwertbaren Darreichungsform, nicht als synthetisch zugesetzte Stoffe. Synthetische Zusatzstoffe, wie künstliche Vitamine, Mineralien und Spurenelemente können das Verdauungssystem von Tinkern empfindlich stören. Auch entwickeln zahlreiche Tinker allergische Reaktionen auf synthetische Zusatzstoffe.

Komplex wirkt auch das Zusammenwirken der einzelnen synthetischen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente untereinander. Durch künstliche Überschüsse eines Stoffes, wird an anderer Stelle wiederum ein Mangel provoziert. Außerhalb der Weidesaison bzw. nach dem Reiten bekommen unsere Tinker zusätzlich "Nehls Pony-Futter". Auch die Mischung ist komplett frei von Getreide, Zucker und synthetischen Zusätzen.

Wie sich die Meinung in unseren Köpfen festgesetzt hat, dass Pferde und Ponys im allgemeinen Kraftfutter benötigen, zumindest dann, wenn sie geritten werden, kann ich täglich immer wieder neu erleben. Ständig werde ich gefragt, ob denn "Nehls Pony-Futter" überhaupt ausreichend sei für Pferde und Ponys, die gearbeitet werden. Auch hierzu kann ich Gustav und Osman als gutes Beispiel benennen: Beide werden zur Zeit angeritten bzw. geritten und beide sind mit ihrer, besser gesagt, durch ihre Fütterung topfit und erfreuen sich bester Kondition. Der Muskelaufbau funktioniert problemlos und die Tinker haben großen Spaß an der Arbeit.

Meiner Erfahrung nach macht Getreide Tinker müde statt munter und krank statt gesund. Es ist ein Aberglaube, dass gearbeitete Tinker Kraftfutter benötigen, um Muskulatur und Kondition aufzubauen. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur meine eigene Erfahrung mit Tinkern spricht dafür. Bestätigung für meine These finde ich zudem Tag für Tag bei zahlreichen Besitzern krank gefütterter Tinkern, die im Tierheilkundezentrum Hilfe suchen und deren Tinker sich heute wieder eines beschwerdefreien Lebens und bester Gesundheit erfreuen.

Im Grunde ist es ganz einfach, den Tinker gesund zu erhalten bzw. gesund werden zu lassen: Man muss lediglich auf seine speziellen Bedürfnisse Rücksicht nehmen und darf es nicht "zu gut" meinen!



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